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Steuersoftware oder Steuerberater? Was Selbstständige wirklich brauchen
Brauchst du als Selbstständiger einen Steuerberater, oder reicht eine gute Steuersoftware? Die Antwort hängt von Rechtsform, Umsatz und deiner Zeit ab. Wir zeigen dir, wann du deine Steuern selbst machen kannst, was ein Steuerberater nach der Gebührenverordnung kostet und worauf du bei Steuersoftware für Selbstständige achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- Steuersoftware reicht oft: Für Freiberufler und Kleingewerbe mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung lassen sich die Erklärungen gut selbst erstellen.
- Steuerberater lohnt sich bei GmbH und UG, bei Bilanzierungspflicht, mit Mitarbeitern und bei Sonderthemen wie Auslandsgeschäften.
- Kosten: Steuersoftware kostet meist um die 40 € im Jahr. Steuerberater rechnen nach der Gebührenverordnung ab, die zum 1. Juli 2025 um durchschnittlich rund 6 % gestiegen ist.
- Mischmodell: Laufende Buchhaltung selbst mit einem Tool, Jahresabschluss und Erklärungen vom Steuerberater.
- Absetzbar: Software und Steuerberatung für die betrieblichen Erklärungen sind Betriebsausgaben.
Die Ausgangsfrage: Selbst machen oder abgeben?
Als Selbstständiger hast du mehr Steuerpflichten als ein Angestellter: Einkommensteuer mit Anlage EÜR, in der Regel Umsatzsteuer, oft Gewerbesteuer und dazu die laufenden Voranmeldungen. Welche Erklärungen das genau sind, zeigt unser Ratgeber Steuererklärung für Selbstständige. Ob du das alles selbst erledigst oder einen Steuerberater beauftragst, ist keine Frage der Ehre, sondern eine Rechnung aus Zeit, Kosten und Risiko.
Eine Pflicht zum Steuerberater gibt es nicht, auch nicht für eine GmbH. In der Praxis hängt die Antwort vor allem von deiner Rechtsform und der Komplexität deines Geschäfts ab. Dieser Schnell-Check gibt dir eine erste Richtung:
Schnell-Check: Steuersoftware oder Steuerberater?
Vereinfachte Einschätzung. Fehlt dir die Zeit oder das Interesse, ist ein Steuerberater auch in einfachen Fällen eine gute Entscheidung.
Vier Wege im Vergleich
Zwischen „alles selbst“ und „alles abgeben“ gibt es mehrere Abstufungen. Die vier typischen Modelle:
Vier Wege zur Steuererklärung im Vergleich
- Kosten
- 0 €
- Hilfe
- Formulare ohne Erklärungen
- Passt zu
- Erfahrenen mit sehr einfachen Fällen
- Kosten
- Meist um die 40 € im Jahr
- Hilfe
- Geführte Eingabe, Plausibilitätschecks
- Passt zu
- Freiberuflern und Kleingewerbe mit EÜR
- Kosten
- Tool-Abo plus Honorar nur für den Abschluss
- Hilfe
- Laufend selbst, Jahresabschluss vom Profi
- Passt zu
- Wachsenden Selbstständigen mit Umsatzsteuer
- Kosten
- Nach Gebührenverordnung, schnell vierstellig
- Hilfe
- Buchhaltung, Erklärungen, Beratung
- Passt zu
- GmbH, UG, Arbeitgebern, komplexen Fällen
ELSTER: Kostenlos, aber ohne Hilfe
Mit Mein ELSTER kannst du alle Erklärungen kostenlos an das Finanzamt schicken, inklusive Anlage EÜR, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. ELSTER ist allerdings ein reines Formularportal. Es erklärt dir nicht, was in welches Feld gehört, und weist dich nicht auf vergessene Abzüge hin. Für erfahrene Selbstständige mit einfacher Struktur reicht das, für Gründer ist es mühsam.
Steuersoftware: Geführt durch die Erklärung
Eine Steuersoftware führt dich mit Fragen durch die Erklärung, prüft deine Angaben auf Plausibilität und übermittelt alles direkt ans Finanzamt. Gute Programme decken auch die Anlage EÜR, die Umsatzsteuer- und die Gewerbesteuererklärung ab. In unserem Steuersoftware-Vergleich empfehlen wir Selbstständigen WISO Steuer, Smartsteuer konnte dort ebenfalls überzeugen. Die meisten Programme kosten zwischen 35 und 40 € im Jahr.
Buchhaltungstool plus Steuerberater
Viele Selbstständige fahren mit einem Mischmodell am besten. Die laufende Buchhaltung, Rechnungen und Umsatzsteuer-Voranmeldungen erledigst du selbst mit einem Online-Buchhaltungstool. Für den Jahresabschluss und die Steuererklärungen übergibst du die Daten an einen Steuerberater, meist per DATEV-Export. Weil die Vorarbeit schon erledigt ist, fällt das Honorar deutlich niedriger aus. Worauf es bei der Buchhaltung ankommt, zeigt unser Ratgeber zur Buchhaltung.
Steuerberater komplett
Beim Rundum-Mandat übernimmt der Steuerberater Buchhaltung, Voranmeldungen, Jahresabschluss und alle Erklärungen. Du lieferst nur noch Belege. Das ist die bequemste und teuerste Variante. Für GmbH und UG, bei Mitarbeitern oder mehreren Standbeinen ist sie oft die vernünftigste.
Wann eine Steuersoftware reicht
Selbst machen kannst du deine Steuern in der Regel, wenn diese Punkte auf dich zutreffen:
- Du bist Einzelunternehmer oder Freiberufler und erstellst eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
- Dein Geschäft ist überschaubar: wenige Einnahmequellen, keine Mitarbeiter mit Lohnabrechnung.
- Deine Kunden sitzen überwiegend in Deutschland.
- Du führst deine Buchhaltung laufend und hast deine Belege im Griff.
- Du hast Zeit und Interesse, dich ein paar Stunden im Jahr mit Steuerthemen zu beschäftigen.
Gerade Kleinunternehmer und nebenberuflich Selbstständige kommen mit Software gut zurecht. Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, spart sich zudem Umsatzsteuer-Voranmeldungen und seit 2025 in der Regel auch die Umsatzsteuer-Jahreserklärung.
Wann sich ein Steuerberater lohnt
Ein Steuerberater ist sein Geld wert, wenn Fehler teuer werden können oder die Gestaltung echtes Sparpotenzial bietet:
- GmbH und UG: Bilanz, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und die Frage nach Geschäftsführergehalt oder Ausschüttung sind für Laien kaum fehlerfrei zu stemmen.
- Bilanzierungspflicht: Ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn müssen Gewerbetreibende bilanzieren.
- Mitarbeiter: Lohnabrechnung, Sozialversicherung und Meldungen sind fehleranfällig. Viele lagern zumindest den Lohn aus.
- Sonderthemen: Kunden im Ausland, Firmenwagen, Immobilien im Betriebsvermögen, Rechtsformwechsel oder eine Betriebsprüfung.
- Gründungsjahr: Eine einmalige Beratung zum Start hilft, Rechtsform, Umsatzsteuer und Rücklagen richtig aufzusetzen.
- Hoher Gewinn: Ab einem gewissen Gewinn bringen Gestaltungen wie Investitionsabzugsbetrag oder Rürup-Rente mehr, als die Beratung kostet. Die wichtigsten Hebel zeigt unser Ratgeber Steuern sparen als Selbstständiger.
Ein weiterer Vorteil: Mit Steuerberater verlängert sich die Abgabefrist. Für das Steuerjahr 2025 hast du dann bis zum 1. März 2027 Zeit statt bis zum 31. Juli 2026.
Was kostet ein Steuerberater?
Steuerberater rechnen nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) ab. Sie legt für jede Leistung einen Gebührenrahmen fest, der sich nach dem sogenannten Gegenstandswert richtet, etwa deinen Einnahmen oder Ausgaben. Innerhalb des Rahmens bestimmt der Berater die Gebühr nach Umfang und Schwierigkeit. Alternativ ist eine Pauschale oder ein Zeithonorar möglich.
| Leistung | Gebührenrahmen laut StBVV | Gegenstandswert |
|---|---|---|
| Einkommensteuererklärung | 1/10 bis 6/10 einer vollen Gebühr (Tabelle A) | Summe der positiven Einkünfte |
| Einnahmen-Überschuss-Rechnung | 5/10 bis 30/10 einer vollen Gebühr (Tabelle B) | Höhere Summe aus Einnahmen oder Ausgaben, mindestens 17.500 € |
| Zeitgebühr | Abrechnung pro angefangener Viertelstunde | Wenn kein Gegenstandswert passt |
Zum 1. Juli 2025 wurde die StBVV angehoben. Die Tabellengebühren stiegen um durchschnittlich rund 6 %, die Zeitgebühr um rund 9 %. Für eine Solo-Selbstständigkeit mit EÜR, Einkommensteuer- und Umsatzsteuererklärung kommt schnell ein mittlerer bis hoher dreistelliger oder niedriger vierstelliger Betrag im Jahr zusammen. Übernimmt der Berater auch die laufende Buchhaltung, wird es entsprechend mehr. Lass dir vorab ein schriftliches Angebot machen.
💡 Unser Tipp: Je besser deine Belege vorsortiert sind, desto günstiger wird die Rechnung. Eine digitale Buchhaltung mit Belegfotos und automatischer Zuordnung spart dem Steuerberater Zeit und dir Geld. Die Kosten für die betrieblichen Erklärungen setzt du außerdem als Betriebsausgabe ab.
Worauf du bei Steuersoftware für Selbstständige achten solltest
Nicht jedes Steuerprogramm ist für Selbstständige geeignet. Viele schlanke Steuer-Apps sind für Angestellte gebaut und können keine Gewinnermittlung. Prüfe vor dem Kauf diese Punkte:
| Kriterium | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| Anlage EÜR | Ohne sie kannst du deinen Gewinn nicht übermitteln. Das ist das K.-o.-Kriterium. |
| Anlage G und S | Für Gewerbetreibende und Freiberufler gleichermaßen nötig. |
| Umsatzsteuer | Voranmeldungen und Jahreserklärung, idealerweise mit Dauerfristverlängerung. |
| Gewerbesteuererklärung | Für Gewerbetreibende ab 24.500 € Gewinn. |
| Anlagenverzeichnis und Abschreibung | Damit größere Anschaffungen über die Jahre korrekt abgeschrieben werden. |
| Datenübernahme | Import aus deinem Buchhaltungstool oder per Belegabruf spart Tipparbeit. |
Arbeitest du ohnehin mit einem Online-Buchhaltungstool, kann es oft schon die Anlage EÜR und die Umsatzsteuer-Voranmeldungen selbst an ELSTER schicken. Dann brauchst du die Steuersoftware nur noch für die Einkommensteuer selbst. Was ein gutes Tool leisten sollte, liest du auch im Ratgeber zur Umsatzsteuer.
So triffst du die Entscheidung
- Rechtsform prüfen: GmbH oder UG? Dann führt am Steuerberater kaum ein Weg vorbei.
- Zeit bewerten: Rechne deine Stunden für die Steuer mit deinem Stundensatz hoch und vergleiche das mit dem Honorar.
- Risiko einschätzen: Je höher Gewinn und Komplexität, desto teurer werden Fehler.
- Klein anfangen: Viele starten mit Software und einer einmaligen Erstberatung und holen sich erst später dauerhafte Hilfe.
- Jährlich neu bewerten: Wächst dein Geschäft, lohnt sich der Wechsel zum Mischmodell oder zum Rundum-Mandat.
Fazit: Software für den Start, Berater für Komplexität
Für die meisten Freiberufler und Kleingewerbetreibenden reicht zu Beginn eine gute Steuersoftware mit EÜR-Funktion, kombiniert mit einer sauberen Buchhaltung. Das spart Geld und schärft dein Verständnis für die eigenen Zahlen. Spätestens mit einer GmbH, mit Mitarbeitern oder bei deutlich steigenden Gewinnen lohnt sich ein Steuerberater, oft auch als Mischmodell.
Welche Programme in unserem Test am besten abgeschnitten haben, zeigt unser Steuersoftware-Vergleich.
Häufige Fragen zu Steuersoftware und Steuerberater
Brauche ich als Selbstständiger einen Steuerberater?
Nein, eine Pflicht gibt es nicht. Viele Freiberufler und Kleingewerbetreibende machen ihre Steuern mit Software selbst. Bei GmbH und UG, Bilanzierungspflicht oder Mitarbeitern ist ein Steuerberater aber meist sinnvoll.
Welche Steuersoftware eignet sich für Selbstständige?
Eine, die die Anlage EÜR, die Anlagen G und S sowie Umsatzsteuer- und Gewerbesteuererklärung beherrscht. In unserem Steuersoftware-Vergleich empfehlen wir Selbstständigen WISO Steuer, auch Smartsteuer schnitt gut ab.
Was kostet ein Steuerberater für Selbstständige?
Das hängt von Umfang und Gegenstandswert ab. Abgerechnet wird nach der Steuerberatervergütungsverordnung. Für EÜR, Einkommensteuer- und Umsatzsteuererklärung einer Solo-Selbstständigkeit fallen oft mehrere Hundert bis über tausend Euro im Jahr an.
Kann ich die Kosten für Steuersoftware und Steuerberater absetzen?
Ja, soweit sie die betrieblichen Erklärungen betreffen, als Betriebsausgaben. Das gilt für EÜR, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer und anteilig für die Einkommensteuererklärung.
Reicht ELSTER für Selbstständige?
Technisch ja, über ELSTER kannst du alle Erklärungen kostenlos abgeben. Es fehlt aber jede Hilfe beim Ausfüllen. Für Einsteiger ist eine Steuersoftware deutlich komfortabler.
Habe ich mit Steuerberater mehr Zeit für die Abgabe?
Ja. Für das Steuerjahr 2025 verlängert sich die Frist mit Steuerberater auf den 1. März 2027, ohne Berater gilt der 31. Juli 2026.
- Formulare, Fristen 2025/2026, Berechnung der Einkommensteuer, Vorauszahlungen
- Rechenweg, Anrechnung auf die Einkommensteuer, ab welchem Hebesatz es wirklich kostet
- Voll, teilweise, nicht absetzbar; GWG, AfA, degressive AfA 2025–2027, Homeoffice, Fahrtkosten
- Investitionsabzugsbetrag, Abschreibungen, Timing, Rürup, Grenzen
- Gehalt, Ausschüttung und Gewinn in der GmbH lassen im Vergleich, Rechenbeispiel mit 120.000 €
- Schnell-Check, 4 Wege im Vergleich, Kosten nach Gebührenverordnung, Auswahlkriterien, WISO-Widget

