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Rechtsformen in Deutschland: Alle Unternehmensformen im Überblick

Lesezeit 14 min.

Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchDennis Groß
Business
Teil des Handbuchs
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Knapp 60 % der rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland sind Einzelunternehmen, etwa jedes vierte ist eine Kapitalgesellschaft wie GmbH oder UG. Welche Rechtsform zu dir passt, hängt vor allem von Haftung, Startkapital und deinen Plänen ab. In diesem Ratgeber vergleichen wir alle wichtigen Rechtsformen, zeigen dir, was die Gründung von GmbH, UG und GbR kostet und wie sie abläuft, und geben dir eine klare Empfehlung für den Start.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einzelunternehmen dominieren: Von rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland sind knapp 60 % Einzelunternehmen, etwa jedes vierte ist eine Kapitalgesellschaft wie GmbH oder UG.
  • Haftung ist der Knackpunkt: Im Einzelunternehmen, in der GbR und in der OHG haftest du mit deinem Privatvermögen. Bei UG und GmbH haftet grundsätzlich nur die Gesellschaft.
  • Startkapital: Einzelunternehmen und Personengesellschaften brauchen keins. Die UG startet ab 1 €, die GmbH braucht 25.000 €, davon mindestens 12.500 € bei der Anmeldung.
  • Gründungskosten: Notar und Handelsregister kosten für eine Ein-Personen-UG mit Musterprotokoll rund 465 €, bei einer GmbH mit eigener Satzung über 1.000 €.
  • Unsere Faustregel: Solo und mit überschaubarem Risiko reicht meist das Einzelunternehmen. Mit Partnern, hohem Haftungsrisiko oder hohen Gewinnen lohnt der Blick auf UG und GmbH.

Was ist eine Rechtsform?

Die Rechtsform ist der rechtliche Rahmen deines Unternehmens. Sie legt fest, wer haftet, wie viel Kapital du zur Gründung brauchst, wie du Steuern zahlst und wie aufwendig Buchhaltung und Anmeldung werden. Umgangssprachlich ist oft auch von Unternehmensform oder Gesellschaftsform die Rede, gemeint ist dasselbe.

Eine Rechtsform hast du übrigens immer, auch wenn du dich nie bewusst für eine entschieden hast. Machst du dich allein selbstständig, bist du automatisch Einzelunternehmer. Gründet ihr zu zweit oder mehr ohne weitere Formalitäten, entsteht automatisch eine GbR.

Grob unterscheiden wir drei Gruppen:

  • Einzelunternehmen: eine Person, die mit ihrem gesamten Vermögen für das Unternehmen geradesteht, inklusive Freiberufler, Kleingewerbetreibende und eingetragene Kaufleute (e. K.).
  • Personengesellschaften: mindestens zwei Gesellschafter, die in der Regel persönlich haften, etwa GbR, PartG, OHG und KG.
  • Kapitalgesellschaften: eigenständige juristische Personen, bei denen grundsätzlich nur das Gesellschaftsvermögen haftet, etwa UG, GmbH und AG.

Wie sich die Rechtsformen bei Haftung und Startkapital unterscheiden, zeigt die Übersicht:

Haftung und Startkapital auf einen Blick

Je stärker die Haftung begrenzt ist, desto mehr Kapital und Formalitäten braucht die Gründung.

Du haftest mit deinem Privatvermögen

Einzelunternehmen
Startkapital: 0 €
1 Gründer
GbR
Startkapital: 0 €
ab 2 Gründer
OHG
Startkapital: 0 €
ab 2 Gründer, Handelsregister
PartG
Startkapital: 0 €
ab 2 Freiberufler

Haftung teilweise begrenzt

KG
Startkapital: 0 €
Kommanditisten haften nur bis zur Einlage
PartG mbB
Startkapital: 0 €
Berufsfehler nur mit Gesellschaftsvermögen
GmbH & Co. KG
Startkapital: Kapital der GmbH
Haftung über die GmbH begrenzt

Nur das Gesellschaftsvermögen haftet

UG
Startkapital: ab 1 €
haftungsbeschränkt, ab 1 Gründer, Notar
GmbH
Startkapital: 25.000 €
ab 1 Gründer, Notar
AG
Startkapital: 50.000 €
ab 1 Gründer, Vorstand und Aufsichtsrat

Rechtsformen im Überblick: Die wichtigsten Unterschiede

Die folgende Tabelle zeigt die Rechtsformen, die für Gründer in Deutschland praktisch relevant sind. Auf den ersten Blick wirken die Unterschiede klein, in der Praxis entscheiden sie über Risiko, Kosten und Aufwand.

RechtsformGründerMindestkapitalHaftungRegister
Einzelunternehmen1keinsunbeschränkt privatnur als e. K. im Handelsregister
GbRab 2keinsalle Gesellschafter privatoptional im Gesellschaftsregister (eGbR)
PartGab 2 Freiberuflerkeinsprivat, bei PartG mbB für Berufsfehler beschränktPartnerschaftsregister
OHGab 2keinsalle Gesellschafter privatHandelsregister
KGab 2keinsKomplementär privat, Kommanditist bis zur EinlageHandelsregister
UG (haftungsbeschränkt)ab 11 €GesellschaftsvermögenHandelsregister
GmbHab 125.000 €GesellschaftsvermögenHandelsregister
AGab 150.000 €GesellschaftsvermögenHandelsregister

Wie verbreitet die einzelnen Formen sind, zeigt das Unternehmensregister des Statistischen Bundesamts für 2024: Rund 2,06 Millionen Einzelunternehmen stehen rund 862.000 Kapitalgesellschaften und 441.000 Personengesellschaften gegenüber. Bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten dreht sich das Bild komplett: Dort sind Kapitalgesellschaften klar in der Mehrheit.

Einzelunternehmen: Der einfachste Start

Das Einzelunternehmen ist die häufigste Rechtsform in Deutschland, und das hat einen simplen Grund: Du brauchst weder Kapital noch Notar noch Vertrag. Du meldest dein Gewerbe an oder als Freiberufler nur das Finanzamt, und schon bist du startklar. Gewinne gehören dir allein, Entscheidungen triffst du allein.

Der Preis dafür ist die unbeschränkte Haftung. Für Schulden und Schadenersatzforderungen deines Unternehmens stehst du mit deinem gesamten Privatvermögen ein, also auch mit Erspartem, Auto oder Immobilie.

Einzelunternehmen gründen: Das ist zu tun

  • Gewerbetreibende melden ihr Gewerbe beim Gewerbeamt an, die Gebühr liegt meist zwischen 20 und 65 €. Wie das genau abläuft, liest du in unserem Ratgeber zum Kleingewerbe.
  • Freiberufler brauchen keine Gewerbeanmeldung, für sie ist nur das Finanzamt zuständig.
  • Innerhalb eines Monats nach dem Start schickst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER ans Finanzamt.
  • Als Name musst du deinen Vor- und Nachnamen führen. Einen Zusatz wie „Müller Webdesign“ darfst du ergänzen.

Kleingewerbe oder eingetragener Kaufmann (e. K.)?

Solange dein Betrieb keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, bist du Kleingewerbetreibender. Dann reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, und du bist nicht im Handelsregister. Wächst das Geschäft deutlich, wirst du Kaufmann und musst dich als e. K. ins Handelsregister eintragen. Bilanzieren musst du als Kaufmann erst, wenn du mehr als 800.000 € Umsatz oder mehr als 80.000 € Gewinn im Jahr machst.

Vorteile Einzelunternehmen

  • Kein Mindestkapital und kein Notar nötig
  • Gründung oft am selben Tag erledigt
  • Einfache Buchhaltung per Einnahmen-Überschuss-Rechnung
  • Gewerbesteuer-Freibetrag von 24.500 € pro Jahr
  • Keine Veröffentlichung von Jahresabschlüssen

Nachteile Einzelunternehmen

  • Unbeschränkte Haftung mit dem Privatvermögen
  • Gewinne voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz von bis zu 45 % belastet
  • Partner oder Investoren lassen sich nicht einfach beteiligen
  • Name muss Vor- und Nachnamen enthalten

GbR: Die einfachste Form für Teams

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) entsteht, sobald sich mindestens zwei Personen zusammentun, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Rechtsgrundlage sind die §§ 705 ff. BGB, weshalb sie auch BGB-Gesellschaft heißt. Wie beim Einzelunternehmen brauchst du kein Startkapital und keinen Notar.

Seit 2024 gilt das neue Personengesellschaftsrecht (MoPeG). Seitdem kann sich eine GbR freiwillig ins neue Gesellschaftsregister eintragen und heißt dann eGbR. Pflicht ist die Eintragung nur in bestimmten Fällen, etwa wenn die GbR eine Immobilie kauft oder Anteile an einer GmbH hält.

GbR gründen: Das ist zu tun

  1. Gesellschaftsvertrag aufsetzen: Gesetzlich reicht sogar eine mündliche Einigung. Wir raten trotzdem klar zu einem schriftlichen Vertrag, der Gewinnverteilung, Einlagen, Entscheidungen und den Ausstieg eines Gesellschafters regelt.
  2. Gewerbe anmelden: Ist die GbR gewerblich tätig, meldet jeder Gesellschafter beim Gewerbeamt an. Eine reine Freiberufler-GbR meldet sich nur beim Finanzamt.
  3. Finanzamt informieren: Auch die GbR füllt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und bekommt eine eigene Steuernummer.

Wichtig: Wächst die GbR so stark, dass sie einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb braucht, wird sie automatisch zur OHG und muss ins Handelsregister.

Vorteile der GbR

  • Kein Mindestkapital, kein Notar
  • Schnell und günstig gegründet
  • Auch für Freiberufler-Teams geeignet
  • Einfache Buchhaltung, solange die GbR klein bleibt

Nachteile der GbR

  • Alle Gesellschafter haften gemeinsam und unbeschränkt privat
  • Du haftest auch für Fehler deiner Mitgesellschafter
  • Ohne Vertrag gelten gesetzliche Regeln, die oft nicht passen
  • Banken schauen bei Krediten auf die Bonität der einzelnen Gesellschafter

PartG, OHG und KG: Die weiteren Personengesellschaften

Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Die PartG steht nur Freiberuflern offen, etwa Ärzten, Anwälten, Architekten oder Ingenieuren. Sie wird ins Partnerschaftsregister eingetragen. Der große Vorteil gegenüber der GbR: Für berufliche Fehler haftet neben der Gesellschaft nur der Partner, der den Auftrag bearbeitet hat. In der PartG mbB (mit beschränkter Berufshaftung) haftet für Berufsfehler sogar nur das Gesellschaftsvermögen, dafür ist eine Berufshaftpflichtversicherung Pflicht.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die OHG ist die Personengesellschaft für Kaufleute. Sie wird ins Handelsregister eingetragen, ein Mindestkapital gibt es nicht. Alle Gesellschafter haften unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Als Handelsgesellschaft ist sie immer zu doppelter Buchführung und Bilanz verpflichtet. Im Geschäftsverkehr genießt sie wegen der vollen persönlichen Haftung aber oft einen guten Ruf.

Kommanditgesellschaft (KG) und GmbH & Co. KG

In der KG gibt es zwei Arten von Gesellschaftern: Mindestens ein Komplementär haftet unbeschränkt, die Kommanditisten haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage. Das macht die KG interessant, wenn Kapitalgeber einsteigen sollen, ohne mitzuarbeiten. Ist der Komplementär eine GmbH, spricht man von einer GmbH & Co. KG. Damit ist die Haftung praktisch komplett begrenzt, der Aufwand mit zwei Gesellschaften aber auch doppelt.

UG (haftungsbeschränkt): Die Mini-GmbH ab 1 €

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist keine eigene Rechtsform, sondern eine Variante der GmbH. Der Unterschied: Du kannst sie theoretisch schon mit 1 € Stammkapital gründen. Deshalb hört man oft den Begriff 1-Euro-GmbH. Die Haftung ist wie bei der GmbH grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt.

Dafür gelten zwei Pflichten: Die UG muss immer den Zusatz „(haftungsbeschränkt)“ im Namen tragen. Und sie muss jedes Jahr 25 % ihres Jahresüberschusses in eine Rücklage stecken, bis zusammen mit dem Stammkapital 25.000 € erreicht sind. Danach kann sie per Kapitalerhöhung zur GmbH werden.

UG gründen: Das ist zu tun

  1. Termin beim Notar: Mit bis zu drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer reicht meist das günstige Musterprotokoll. Die Beurkundung geht inzwischen auch online per Videocall.
  2. Geschäftskonto eröffnen und Stammkapital einzahlen: Bei der UG muss das gesamte Stammkapital vor der Anmeldung eingezahlt sein, und zwar in Geld, nicht als Sacheinlage.
  3. Eintragung ins Handelsregister: Der Notar meldet die UG an. Erst mit der Eintragung entsteht die UG. Wer vorher schon in ihrem Namen Geschäfte macht, haftet persönlich.
  4. Gewerbe anmelden und Finanzamt informieren: Kapitalgesellschaften sind immer gewerblich, auch wenn du eigentlich Freiberufler bist. Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung reichst du innerhalb eines Monats ein.
  5. Transparenzregister: Die wirtschaftlich Berechtigten musst du dort melden. Die Mitteilung ist kostenlos, die Jahresgebühr liegt bei unter 20 €.

Für eine Ein-Personen-UG mit 1.000 € Stammkapital und Musterprotokoll kommen Notar und Handelsregister zusammen auf rund 465 €. Das Handelsregister allein kostet seit Juni 2025 pauschal 300 €.

💡 Unser Tipp: Gründe die UG nicht mit 1 €. Schon die Rechnung vom Notar wäre dann nicht gedeckt, und die Gesellschaft wäre sofort überschuldet. Ein paar Tausend Euro Stammkapital geben dir Luft und wirken auf Geschäftspartner und Banken seriöser.

Vorteile der UG

  • Haftung grundsätzlich auf die Gesellschaft beschränkt
  • Gründung schon mit wenig Kapital möglich
  • Günstige Gründung per Musterprotokoll
  • Späterer Wechsel zur GmbH ohne Neugründung

Nachteile der UG

  • 25 % des Gewinns müssen in die Rücklage
  • Bilanzpflicht und doppelte Buchführung von Anfang an
  • Jahresabschluss muss veröffentlicht oder hinterlegt werden
  • Banken verlangen oft private Bürgschaften
  • Bei manchen Geschäftspartnern ein Image-Nachteil gegenüber der GmbH

GmbH: Der Klassiker unter den Kapitalgesellschaften

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die beliebteste Kapitalgesellschaft in Deutschland. Du kannst sie allein gründen, als sogenannte Ein-Personen-GmbH, oder mit beliebig vielen Mitgesellschaftern. Die GmbH ist eine eigene juristische Person: Sie schließt Verträge, beschäftigt Mitarbeiter und haftet mit ihrem eigenen Vermögen.

Das Stammkapital beträgt mindestens 25.000 €. Bei der Anmeldung müssen davon mindestens 12.500 € eingezahlt sein, den Rest können die Gesellschafter später nachschießen. Anders als bei der UG sind auch Sacheinlagen erlaubt, etwa ein Firmenwagen oder Maschinen.

GmbH gründen: Das ist zu tun

Der Ablauf entspricht weitgehend dem der UG: Notartermin, Konto eröffnen, Kapital einzahlen, Eintragung ins Handelsregister, Gewerbeanmeldung, Finanzamt und Transparenzregister. Wie lange das dauert, hängt vor allem vom Registergericht ab. Mit vollständigen Unterlagen ist die GmbH oft in wenigen Tagen bis Wochen eingetragen.

GmbH-GründungNotar und Handelsregister
1 Gründer, Musterprotokollrund 590 €
2 bis 3 Gründer, Musterprotokollrund 730 €
2 Gründer, eigene Satzungrund 1.040 bis 1.120 €

Hinzu kommen Gewerbeanmeldung, IHK-Beitrag und laufende Kosten für Buchhaltung und Jahresabschluss. Für das Stammkapital brauchst du ein Geschäftskonto für GmbH und UG, denn der Notar verlangt einen Einzahlungsnachweis.

Gesellschafter-Geschäftsführer und Sozialversicherung

Arbeitest du selbst als Geschäftsführer in deiner GmbH, zahlt sie dir ein Gehalt. Das senkt den Gewinn der GmbH und damit ihre Steuerlast. Hältst du mindestens 50 % der Anteile oder eine Sperrminorität, bist du in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig. Dann kümmerst du dich selbst um Kranken- und Altersvorsorge. Im Zweifel klärt die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung deinen Status verbindlich.

Vorteile der GmbH

  • Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
  • Hohes Ansehen bei Kunden, Lieferanten und Banken
  • Investoren und neue Gesellschafter lassen sich einfach beteiligen
  • Gewinne können zum niedrigeren Steuersatz im Unternehmen bleiben

Nachteile der GmbH

  • 25.000 € Stammkapital, mindestens 12.500 € bei der Gründung
  • Notar, Handelsregister und Transparenzregister nötig
  • Bilanzpflicht, doppelte Buchführung, höhere Steuerberaterkosten
  • Jahresabschluss muss veröffentlicht oder hinterlegt werden
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Aktiengesellschaft: Für Gründer meist eine Nummer zu groß

Die AG braucht mindestens 50.000 € Grundkapital, das in Aktien aufgeteilt ist. Sie hat zwingend drei Organe: Vorstand, Aufsichtsrat mit mindestens drei Mitgliedern und Hauptversammlung. Nicht jede AG ist an der Börse, aber der Verwaltungsaufwand ist in jedem Fall hoch. Für Start-ups mit großen Finanzierungsrunden kann sie später interessant werden, zum Start wählen sie aber kaum Gründer.

UG oder GmbH: Was passt besser?

Viele Gründer schwanken zwischen beiden Varianten. Rechtlich sind sie eng verwandt, im Alltag gibt es aber spürbare Unterschiede:

KriteriumUG (haftungsbeschränkt)GmbH
Stammkapitalab 1 €, voll einzuzahlen25.000 €, davon mind. 12.500 € bei Gründung
Sacheinlagennicht erlaubterlaubt
Gewinnverwendung25 % Pflichtrücklage bis 25.000 €frei
Gründungskostenab rund 465 €ab rund 590 €
Imageteils als Notlösung gesehenetabliert und seriös

Unterm Strich: Hast du die 12.500 € für die Gründung, ist die GmbH meist die bessere Wahl, weil sie ohne Rücklagenpflicht und mit mehr Ansehen startet. Die UG ist sinnvoll, wenn du die Haftung begrenzen willst, das Kapital aber noch nicht da ist.

Welche Rechtsform passt zu dir?

Eine beste Rechtsform gibt es nicht, nur die passende für deine Situation. Diese Fragen helfen dir bei der Entscheidung:

  • Wie viele gründen? Allein kommen Einzelunternehmen, UG und GmbH infrage, im Team GbR, PartG, OHG, KG, UG oder GmbH.
  • Wie hoch ist das Haftungsrisiko? Kann ein Fehler teuer werden, etwa bei großen Aufträgen, Produkthaftung oder Mitarbeitern, spricht viel für eine Kapitalgesellschaft.
  • Wie viel Kapital hast du? Ohne Rücklagen bleiben Einzelunternehmen, GbR oder UG.
  • Bist du Freiberufler? Dann sparst du im Einzelunternehmen, in der GbR oder PartG die Gewerbesteuer. Mit einer UG oder GmbH wirst du dagegen gewerbesteuerpflichtig.
  • Wie viel Bürokratie willst du? Bilanz, doppelte Buchführung und Veröffentlichungspflichten bedeuten bei Kapitalgesellschaften spürbar mehr Aufwand und Steuerberaterkosten.
  • Was ist der Plan? Sollen später Investoren einsteigen oder Gewinne im Unternehmen bleiben, ist die GmbH meist im Vorteil.

Unsere Empfehlung für den Start

Solo-Selbstständige mit überschaubarem Risiko fahren mit dem Einzelunternehmen am einfachsten. Teams ohne großes Haftungsrisiko starten oft als GbR, aber unbedingt mit schriftlichem Vertrag. Wer hohe Risiken trägt, mit Partnern ernsthaft wachsen will oder dauerhaft Gewinne ab etwa 60.000 € im Jahr erwartet, sollte UG oder GmbH mit einem Steuerberater durchrechnen.

Steuern: So unterscheiden sich die Rechtsformen

Der größte steuerliche Unterschied verläuft zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften:

Einzelunternehmen und PersonengesellschaftenUG und GmbH
GewinnsteuerEinkommensteuer der Inhaber, bis zu 45 % plus SoliKörperschaftsteuer 15 % plus Soli
Gewerbesteuerja (außer Freiberufler), Freibetrag 24.500 €, größtenteils auf die Einkommensteuer anrechenbarja, ohne Freibetrag und ohne Anrechnung
Gesamtbelastungabhängig vom persönlichen Steuersatzrund 30 % im Unternehmen
Gewinn privat nutzenjederzeit per Entnahme, bereits versteuertAusschüttung mit 25 % Abgeltungsteuer plus Soli

Was heißt das in der Praxis? Holst du den kompletten Gewinn ohnehin privat heraus, ist eine GmbH steuerlich nicht automatisch besser. Spannend wird sie, wenn Gewinne im Unternehmen bleiben und reinvestiert werden sollen. Dann zahlst du zunächst nur die rund 30 %. Zudem sinkt die Körperschaftsteuer ab 2028 schrittweise um je einen Prozentpunkt pro Jahr, bis sie 2032 bei 10 % liegt.

Übrigens: Die Kleinunternehmerregelung gilt unabhängig von der Rechtsform. Auch eine UG oder GmbH kann bei geringen Umsätzen auf die Umsatzsteuer in Rechnungen verzichten.

Kann ich die Rechtsform später wechseln?

Ja, und das ist eine gute Nachricht für alle, die sich gerade schwer festlegen. Viele starten als Einzelunternehmen oder GbR und wechseln erst, wenn das Geschäft trägt. Typische Wege:

  • UG zu GmbH: Per Kapitalerhöhung auf 25.000 €, etwa aus den angesparten Rücklagen.
  • GbR zu OHG: Passiert automatisch, sobald ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb nötig wird, oder freiwillig per Eintragung ins Handelsregister.
  • Einzelunternehmen zu GmbH: Das Unternehmen wird in eine neue GmbH eingebracht oder ausgegliedert. Das ist steuerlich anspruchsvoll und gehört in die Hände eines Steuerberaters.

Ein Wechsel kostet allerdings Zeit, Notar- und Beratungsgebühren. Wer schon zum Start weiß, dass Investoren einsteigen oder hohe Risiken entstehen, gründet besser direkt in der passenden Form.

Fazit: Erst einfach starten, dann wachsen

Die Wahl der Rechtsform ist wichtig, aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. Für die meisten Gründer ist das Einzelunternehmen oder im Team die GbR der unkomplizierteste Einstieg. Die UG ist die Brücke für alle, die ihre Haftung begrenzen wollen, aber wenig Kapital haben. Die GmbH spielt ihre Stärken aus, wenn Risiko, Gewinne und Wachstumspläne größer werden.

Wie es nach der Entscheidung weitergeht, also Anmeldung, Finanzamt und Geschäftskonto, zeigen wir dir Schritt für Schritt im Ratgeber Unternehmen gründen. Und für Einzelunternehmer und Freiberufler lohnt sich ein Blick auf unseren Vergleich der Geschäftskonten für Selbstständige.

Häufige Fragen zu Rechtsformen

Welche Rechtsformen gibt es in Deutschland?

Für Gründer relevant sind vor allem das Einzelunternehmen, die Personengesellschaften GbR, PartG, OHG und KG sowie die Kapitalgesellschaften UG (haftungsbeschränkt), GmbH und AG. Dazu kommen Sonderformen wie die Genossenschaft oder der Verein.

Welche Rechtsform ist für Selbstständige am besten?

Für Solo-Selbstständige mit geringem Haftungsrisiko ist das Einzelunternehmen meist die einfachste und günstigste Wahl. Wer seine Haftung begrenzen will, gründet eine UG oder GmbH.

Welche Rechtsform braucht kein Startkapital?

Einzelunternehmen, GbR, PartG, OHG und KG kommen ohne Mindestkapital aus. Die UG lässt sich ab 1 € gründen, die GmbH braucht 25.000 €, davon 12.500 € bei der Anmeldung.

Was kostet die Gründung einer GmbH oder UG?

Notar und Handelsregister kosten mit Musterprotokoll rund 465 € für eine Ein-Personen-UG und rund 590 € für eine Ein-Personen-GmbH. Mit eigener Satzung landest du schnell bei über 1.000 €.

Haftet man bei einer GmbH wirklich nicht privat?

Grundsätzlich haftet nur die GmbH. Ausnahmen gibt es, wenn du als Geschäftsführer Pflichten grob verletzt, etwa bei verspätetem Insolvenzantrag, oder wenn du der Bank eine private Bürgschaft gibst. Wer vor der Eintragung schon Geschäfte im Namen der GmbH macht, kann außerdem persönlich haften.

Was ist der Unterschied zwischen Personen- und Kapitalgesellschaft?

In Personengesellschaften wie GbR oder OHG haften die Gesellschafter in der Regel mit ihrem Privatvermögen, Gewinne versteuern sie persönlich. Kapitalgesellschaften wie UG und GmbH sind eigene juristische Personen, haften mit dem Gesellschaftsvermögen und zahlen Körperschaftsteuer.

Kann ein Freiberufler eine GmbH gründen?

Ja. Allerdings ist eine GmbH immer gewerblich. Du musst dann ein Gewerbe anmelden, Gewerbesteuer zahlen und bist Mitglied der IHK.

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Lukas Rumpel
Lukas Rumpel
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Über den Autor
Als Social Media Manager und seit mehreren Jahren erfolgreicher Selbstständiger beschäftige ich mich täglich mit digitalen Medien, Content und modernen Technologien. Ich möchte Unternehmer dabei unterstützen, den Bürokratiealltag mit digitalen Lösungen effizienter zu gestalten und gleichzeitig jungen Menschen zeigen, dass Finanzen kein kompliziertes Thema sein müssen.

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