Umsatzsteuer am Schreibtisch berechnen
Envato elements

Umsatzsteuer für Selbstständige: Vorsteuer, Voranmeldung und Fristen

Lesezeit 6 min.

Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchDennis Groß
Business
Teil des Handbuchs
Business
Sieh dir an, wie wir bei €uro-Finanzwissen arbeiten

Die Umsatzsteuer gehört nicht dir, aber du bist dafür verantwortlich, dass sie pünktlich beim Finanzamt ankommt. Wir erklären, wie Umsatzsteuer und Vorsteuer zusammenspielen, wann du Voranmeldungen abgeben musst und welche Erleichterungen es für Selbstständige gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durchlaufposten: Die Umsatzsteuer kassierst du für das Finanzamt ein. Die Vorsteuer aus deinen Einkäufen ziehst du davon ab, die Differenz ist deine Zahllast.
  • Steuersätze: 19 % als Regelsatz, 7 % für bestimmte Waren und Leistungen.
  • Voranmeldung: Monatlich, vierteljährlich oder jährlich, je nach Höhe der Steuer. Abgabe und Zahlung bis zum 10. des Folgemonats.
  • Ist-Versteuerung: Bis 800.000 € Umsatz und für Freiberufler kannst du beantragen, die Steuer erst zu zahlen, wenn der Kunde gezahlt hat.
  • Ausnahme: Kleinunternehmer berechnen keine Umsatzsteuer und geben in der Regel keine Voranmeldungen ab.

Wie funktioniert die Umsatzsteuer?

Die Umsatzsteuer, oft auch Mehrwertsteuer genannt, zahlt am Ende der Endverbraucher. Du als Selbstständiger bist nur die Zwischenstation: Du schlägst sie auf deine Rechnungen auf, nimmst sie ein und leitest sie ans Finanzamt weiter. Für dich ist sie ein Durchlaufposten.

Gleichzeitig zahlst du selbst Umsatzsteuer, wenn du für dein Business einkaufst. Diese sogenannte Vorsteuer darfst du von deiner eingenommenen Umsatzsteuer abziehen. Ans Finanzamt fließt nur die Differenz:

So berechnest du deine Umsatzsteuer-Zahllast

Beispiel für ein Quartal mit 19 % Umsatzsteuer

Umsatzsteuer
1.900 €
aus deinen Rechnungen über 10.000 € netto
Vorsteuer
380 €
aus Einkäufen über 2.000 € netto
Zahllast
1.520 €
überweist du mit der Voranmeldung ans Finanzamt

Ist die Vorsteuer höher als die Umsatzsteuer, etwa nach einer großen Anschaffung, erstattet dir das Finanzamt die Differenz.

Damit wird auch klar, warum die Umsatzsteuer für Gründer so gefährlich ist: Auf dem Konto sieht sie aus wie Umsatz. Gibst du sie aus, fehlt das Geld bei der nächsten Voranmeldung. Wie du sie sicher parkst, zeigen wir im Ratgeber Privat und geschäftlich trennen.

Wer muss Umsatzsteuer berechnen?

Grundsätzlich alle Unternehmer, also Gewerbetreibende, Freiberufler und Gesellschaften. Ausgenommen sind:

  • Kleinunternehmer mit höchstens 25.000 € Vorjahresumsatz. Wie das funktioniert, liest du im Ratgeber zur Kleinunternehmerregelung.
  • Steuerfreie Leistungen, etwa ärztliche Heilbehandlungen, viele Versicherungs- und Finanzdienstleistungen oder bestimmte Bildungsangebote. Hier darfst du im Gegenzug auch keine Vorsteuer abziehen.

Welche Steuersätze gibt es?

In Deutschland gibt es zwei Steuersätze. Der Regelsatz von 19 % gilt für die meisten Waren und Dienstleistungen, also etwa für Beratung, Webdesign, Handwerk oder Software. Der ermäßigte Satz von 7 % gilt für bestimmte Güter, zum Beispiel viele Lebensmittel, Bücher und Zeitschriften oder Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen. Welcher Satz gilt, hängt von der konkreten Leistung ab, nicht von deinem Beruf.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung

Über die Umsatzsteuer-Voranmeldung meldest du dem Finanzamt regelmäßig, wie viel Umsatzsteuer du eingenommen und wie viel Vorsteuer du gezahlt hast. Gleichzeitig überweist du die Zahllast. Die Voranmeldung schickst du elektronisch über ELSTER oder dein Buchhaltungsprogramm.

Wie oft du abgeben musst

Umsatzsteuer im VorjahrVoranmeldungAbgabe bis
über 9.000 €monatlich10. des Folgemonats
2.000 bis 9.000 €vierteljährlich10. April, Juli, Oktober und Januar
bis 2.000 €in der Regel nur JahreserklärungFinanzamt kann von Voranmeldungen befreien

Neugründer richten sich bis einschließlich 2026 nach der voraussichtlichen Steuer im ersten Jahr, die sie im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung angeben. Meist landen sie damit bei der vierteljährlichen Abgabe.

Dauerfristverlängerung: Ein Monat mehr Zeit

Mit einer Dauerfristverlängerung verschiebst du jede Abgabe- und Zahlungsfrist um einen Monat nach hinten. Du beantragst sie einmalig über ELSTER. Wer monatlich abgibt, zahlt dafür eine Sondervorauszahlung von einem Elftel der Vorjahressteuer, die mit der Dezember-Voranmeldung verrechnet wird. Für Vierteljahreszahler ist die Verlängerung ohne Sondervorauszahlung zu haben.

💡 Unser Tipp: Beantrag die Dauerfristverlängerung gleich zum Start. Der zusätzliche Monat entspannt die Buchhaltung spürbar, weil du nicht schon am 10. alle Belege des Vormonats beisammenhaben musst.

Soll- oder Ist-Versteuerung?

Standard ist die Soll-Versteuerung: Die Umsatzsteuer wird fällig, sobald du die Leistung erbracht hast, auch wenn der Kunde noch gar nicht gezahlt hat. Im Zweifel streckst du die Steuer also vor.

Bei der Ist-Versteuerung zahlst du die Umsatzsteuer erst, wenn das Geld bei dir eingegangen ist. Beantragen können sie Unternehmen mit höchstens 800.000 € Vorjahresumsatz sowie Freiberufler unabhängig vom Umsatz. Für die meisten Selbstständigen ist sie die deutlich angenehmere Variante. Du wählst sie im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung oder beantragst sie später beim Finanzamt.

Umsatzsteuer-Jahreserklärung

Zusätzlich zu den Voranmeldungen gibst du einmal im Jahr eine Umsatzsteuererklärung ab. Darin fasst du das ganze Jahr zusammen, Unterschiede zu den Voranmeldungen werden nachgezahlt oder erstattet. Abgabefrist ist ohne Steuerberater der 31. Juli des Folgejahres, mit Steuerberater gelten längere Fristen.

Geschäfte mit dem Ausland und Reverse Charge

Sobald Kunden oder Lieferanten im Ausland sitzen, wird es etwas komplizierter. Die wichtigsten Fälle:

  • Leistung an Unternehmen in der EU: In der Regel schuldet dein Kunde die Umsatzsteuer in seinem Land. Du schreibst eine Rechnung ohne Umsatzsteuer mit dem Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ und meldest den Umsatz zusätzlich in der Zusammenfassenden Meldung.
  • Einkauf bei ausländischen Unternehmen: Kaufst du etwa Werbung bei Google oder Meta mit Sitz in Irland, schuldest du die deutsche Umsatzsteuer. Du meldest sie in der Voranmeldung an und ziehst sie im selben Schritt als Vorsteuer wieder ab.
  • USt-IdNr.: Für Geschäfte innerhalb der EU brauchst du eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Du beantragst sie kostenlos online beim Bundeszentralamt für Steuern.

Typische Fehler bei der Umsatzsteuer

  • Umsatzsteuer ausgeben: Der Klassiker. Lege sie sofort auf ein eigenes Unterkonto.
  • Vorsteuer verschenken: Ohne ordnungsgemäße Rechnung kein Vorsteuerabzug. Prüfe Eingangsrechnungen auf alle Pflichtangaben.
  • Fristen verpassen: Zu späte Voranmeldungen kosten Verspätungszuschläge, zu späte Zahlungen Säumniszuschläge von 1 % pro angefangenem Monat.
  • Falscher Steuersatz: Wer 7 statt 19 % berechnet, zahlt die Differenz aus eigener Tasche nach.

Fazit: Fremdes Geld, eigene Verantwortung

Die Umsatzsteuer gehört nicht dir, aber du bist dafür verantwortlich, dass sie pünktlich beim Finanzamt ankommt. Wer sie sofort beiseitelegt, die Ist-Versteuerung beantragt und eine Dauerfristverlängerung nutzt, hat die wichtigsten Stellschrauben schon gedreht. Alles Weitere erledigt ein gutes Buchhaltungsprogramm fast automatisch. Wie du deine Belege dafür organisierst, zeigen wir im Ratgeber zur Buchhaltung.

Häufige Fragen zur Umsatzsteuer für Selbstständige

Was ist der Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer?

Es gibt keinen. Mehrwertsteuer ist nur der umgangssprachliche Begriff, im Gesetz heißt es Umsatzsteuer.

Wann muss ich die Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben?

Bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, also monatlich oder vierteljährlich. Mit Dauerfristverlängerung hast du einen Monat länger Zeit.

Was ist die Vorsteuer?

Die Umsatzsteuer, die du selbst auf Einkäufe für dein Unternehmen zahlst. Sie wird von deiner eingenommenen Umsatzsteuer abgezogen, sofern du eine ordnungsgemäße Rechnung hast.

Was bedeutet Ist-Versteuerung?

Du zahlst die Umsatzsteuer erst, wenn dein Kunde die Rechnung bezahlt hat. Möglich ist das bis 800.000 € Vorjahresumsatz und für Freiberufler.

Muss ich als Kleinunternehmer Umsatzsteuer zahlen?

Auf deine eigenen Rechnungen nicht. Ausnahme sind Einkäufe von ausländischen Unternehmen im Reverse-Charge-Verfahren, etwa Online-Werbung. Dafür musst du die deutsche Umsatzsteuer zahlen, ohne sie als Vorsteuer abziehen zu können.

Was passiert, wenn ich die Voranmeldung zu spät abgebe?

Das Finanzamt kann einen Verspätungszuschlag festsetzen. Zahlst du zu spät, fallen Säumniszuschläge von 1 % der Steuer pro angefangenem Monat an.

Business
Teil des Handbuchs
Business
Lukas Rumpel
Lukas Rumpel
Autor
Über den Autor
Als Social Media Manager und seit mehreren Jahren erfolgreicher Selbstständiger beschäftige ich mich täglich mit digitalen Medien, Content und modernen Technologien. Ich möchte Unternehmer dabei unterstützen, den Bürokratiealltag mit digitalen Lösungen effizienter zu gestalten und gleichzeitig jungen Menschen zeigen, dass Finanzen kein kompliziertes Thema sein müssen.

Kommentare zum Beitrag
Werde Teil der €uro-Finanzwissen Community
Du musst angemeldet sein, um hier kommentieren zu können. Melde dich mit deinem Community-Konto an oder erstelle kostenlos ein Konto.
Kommentar verfassen
Informationen zur Datenverarbeitung kannst Du unserer Datenschutzerklärung entnehmen.