In Rohstoffe investieren: Das Handbuch für Anleger und Trader
Themenübersicht
Gold
Gold ist für die meisten der Einstieg in Rohstoffe. Hier findest du alle Wege vom Barren über Xetra-Gold bis zum Sparplan, dazu Steuern und Preisprognose.
WeiterlesenSilber & Edelmetalle
Silber, Platin und Palladium sind günstiger als Gold, schwanken aber meist stärker, weil viel Nachfrage aus der Industrie kommt.
WeiterlesenEnergie
Öl, Erdgas und Uran reagieren stark auf Konjunktur und Politik. Physisch kaufst du sie als Privatanleger nicht, du investierst über ETCs, ETFs oder Aktien.
WeiterlesenMetalle & Zukunftsrohstoffe
Kupfer, Lithium und Seltene Erden hängen an Elektromobilität und Energiewende. Direkt kaufen kannst du sie kaum, meist läuft es über ETFs und Aktien.
WeiterlesenAgrarrohstoffe
Weizen, Mais, Kaffee und Zucker reagieren auf Wetter, Ernten und Handelspolitik. Als Privatanleger investierst du meist über Agrar-ETCs oder Aktien von Produzenten, physisch kaufen kannst du sie nicht.
WeiterlesenAnlagewege
ETFs, ETCs, Aktien oder Fonds: Hier vergleichst du die Wege, in Rohstoffe zu investieren, ohne Ware zu lagern.
WeiterlesenRohstoffe traden
Wer kurzfristig auf Preisbewegungen setzt, handelt Rohstoffe über CFDs, Futures oder Optionsscheine. Das Verlustrisiko ist hoch, mit Hebel bis zum Totalverlust.
WeiterlesenDas Wichtigste in Kürze
- Rohstoffe zahlen weder Zinsen noch Dividenden. Deine Rendite kommt allein durch die Preisentwicklung.
- Du kannst die Ware selbst kaufen, Wertpapiere wie ETCs, ETFs und Aktien nutzen oder mit Derivaten handeln.
- Für den Einstieg reichen meist ETCs und ETFs. Hebelprodukte und CFDs sind etwas für Erfahrene und Trader.
- Kosten und Steuern hängen vom gewählten Investment ab.
- Hebelprodukte können schnell zum Totalverlust führen.
Was sind Rohstoffe?
Rohstoffe sind unverarbeitete Grundstoffe aus der Natur. Weil sich Menge und Qualität standardisieren lassen, kannst du sie an Börsen handeln: Eine Tonne Weizen in vereinbarter Qualität gleicht der nächsten, also gibt es weltweit einheitliche Preise. Der Ölpreis etwa wird weltweit in der Einheit Barrel abgerechnet.
Bevor du in Rohstoffe investierst, lohnt der Blick auf die vier Hauptkategorien:
- Edelmetalle: Gold, Silber, Platin und Palladium. Gold gilt als Wertspeicher. Verlässlich läuft der Preis deshalb noch lange nicht: Nach dem Rekord von 2011 dauerte es fast ein Jahrzehnt, bis Gold wieder neue Höchststände erreichte. Silber, Platin und Palladium werden zusätzlich stark in der Industrie gebraucht. Mehr dazu im Ratgeber zu Edelmetallen.
- Energie: Öl, Erdgas und Uran. Konjunktur, Politik und Förderentscheidungen bestimmen die Preise, wie du bei Erdöl siehst.
- Industrie- und Batteriemetalle: Kupfer, Nickel, Lithium und Seltene Erden. Sie stecken in Leitungen, Akkus und den Magneten von Windrädern. Als Beispiel lohnt der Blick auf Kupfer.
- Agrarrohstoffe: Weizen, Mais, Kaffee, Zucker. Wetter und Ernte entscheiden. Wie du sie kaufst, zeigt dir der Ratgeber über Agrar-ETFs und -ETCs.
Fachleute trennen außerdem Hard Commodities, die abgebaut werden, von Soft Commodities, die angebaut werden.
Aus unserer Sicht entscheidet der Anlageweg stärker über dein Ergebnis als der Rohstoff selbst.
Wie entstehen Rohstoffpreise?
Rohstoffpreise entstehen an Börsen aus Angebot und Nachfrage. Auf der Angebotsseite zählen Fördermengen, Ernten und Lagerbestände, dazu Beschlüsse von Förderländern wie im Ölbündnis OPEC+.
Die Nachfrage hängt an der Weltwirtschaft. Läuft die Industrie in China heiß, sind Kupfer und Öl gefragt. Gold reagiert eher auf Zinsen und Geopolitik. Die Stärke des US-Dollar ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, da die meisten Rohstoffe in der Weltleitwährung gehandelt werden.
Kassamarkt und Terminmarkt
Für deine Investmententscheidung zählt vor allem der Unterschied zwischen Kassa- und Terminmarkt. Am Kassamarkt wechselt die Ware sofort oder kurzfristig den Besitzer. Am Terminmarkt handeln Anleger Futures, also Verträge über eine Lieferung zu festen Preisen an einem späteren Stichtag.
Gehandelt wird vor allem an der London Metal Exchange, an den Terminbörsen der CME Group in Chicago und New York und an der ICE.
Rollverluste bei Terminkontrakten
Viele ETCs auf Rohstoffe kaufen den Rohstoff nicht direkt, sondern indirekt über Futures. Weil ein Future ausläuft, tauscht der Anbieter ihn regelmäßig gegen den nächsten. Dieser Vorgang wird als Rollen bezeichnet. Der nächste Kontrakt ist oft teurer, weil sein Preis einen Aufschlag für die spätere Lieferung enthält. Diese Lage nennt man Contango. Der ETC kauft damit teurer ein, als der Rohstoff am Markt kostet, und der Aufschlag geht bei jedem Wechsel verloren.
Das ist der Rollverlust: Er schmälert die Rendite gegenüber dem Rohstoffpreis, solange der Markt im Contango steht. Im umgekehrten Fall, der Backwardation, ist der Folgekontrakt günstiger, und der ETC verdient beim Wechsel (Rollgewinn). Für physisch hinterlegte ETCs auf Gold gilt das Problem nicht, weil sie das Metall im Tresor halten.
Für dich bedeutet das: Ein ETC kann den Rohstoffpreis korrekt abbilden und dich trotzdem Rendite kosten. Aus unserer Sicht solltest du deshalb bei jedem Rohstoff-ETC zuerst prüfen, ob er Futures nachbildet oder physisch hinterlegt ist.
Wie kannst du in Rohstoffe investieren?
Ein Rohstoffpreis lässt sich auf mehreren Wegen abbilden. Wir sortieren sie in drei Gruppen: Ware, Wertpapiere und Derivate.
Rohstoffe physisch kaufen
Du kaufst Münzen oder Barren und lagerst sie zu Hause, im Schließfach oder bei einem Anbieter. Das geht praktisch nur bei Edelmetallen. Der Nachteil daran ist, dass du beim Kauf ein Aufgeld auf den Marktpreis zahlst, beim Verkauf bekommst du einen Abschlag. Zusätzliche Kosten entstehen durch Lagerung und Versicherung.
Bei kleinen Münzen ist der Aufschlag in Relation größer. Die zwei Hauptvorteile des physischen Erwerbs sind der steuerfreie Verkauf nach einem Jahr Haltedauer und das ausbleibende Emittentenrisiko. Wie du beim Kauf vorgehst, steht im Ratgeber Gold kaufen.
Wertpapiere: ETC, ETF, Aktien, Fonds und Sparplan
Umständliche und teure Verwahrung ersparst du dir durch den Kauf von Wertpapieren. ETCs bilden einen Rohstoffpreis nach, entweder über Futures oder physisch hinterlegt. Rohstoff-ETFs sind meist Indexfonds auf einen Korb aus mehreren Rohstoffen. Alle wichtigen Informationen findest du gebündelt unter Rohstoff-ETFs. Beliebte Alternativen zum Kauf von Goldmünzen sind Xetra-Gold und Euwax Gold.
Aktien von Minen und Ölkonzernen sind dagegen kein echter Ersatz für den Rohstoff. Goldminen gelten häufig als Hebel auf den Goldpreis. Das stimmt nur zum Teil, denn es gibt Phasen, in denen Gold steigt und die Minenaktien hinterherhinken, weil Kosten, Politik und Management mitspielen. Mehr dazu bei den Rohstoff-Aktien und den Goldminen-Aktien.
Rohstofffonds werden aktiv gemanagt und kosten deutlich mehr als ein ETF. Wir sehen dafür wenig Grund.
Sparpläne bieten den Vorteil, dass du monatlich einen festen Betrag in einen ETC oder ETF anlegst. Der Cost-Average-Effekt senkt langfristig den durchschnittlichen Einkaufspreis, kann aber bei einer anhaltend schlechten Marktentwicklung auch keine Wunder bewirken.
Derivate: CFDs, Futures und Optionsscheine
Diese Instrumente gehören zum Trading, nicht zum Anlegen. Mit Hebel bewegst du große Positionen mit kleinem Einsatz, und Gewinne wie Verluste vervielfachen sich. CFDs kosten laufend Finanzierungsgebühren, Futures laufen aus, und Optionsscheine verlieren mit der Zeit an Wert, selbst wenn der Rohstoffpreis stillsteht.
Für einen dauerhaften Rohstoffanteil im Depot ist keines dieser Finanzinstrumente geeignet. Wie das Trading funktioniert, erklären wir unter Rohstoffe traden.
Risikohinweis: CFDs und Derivate sind komplexe Instrumente und bergen wegen der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. Für die meisten Anleger sind sie daher nicht geeignet.
Anlagewege im Überblick
In der nachstehenden Tabelle fassen wir die wichtigsten Eckdaten aller Anlagewege zusammen.
| Anlageweg | Was du bekommst | Kosten | Risiko | Steuer (Privatanleger in Deutschland) | Passt für |
|---|---|---|---|---|---|
| Physisch (Münzen, Barren) | Das Metall selbst | Aufgeld, Verkaufsabschlag, Lagerung, Versicherung | Preisrisiko, Diebstahl, Lagerung | Nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei | Langfristige Anleger bei Gold und Silber |
| Physisch hinterlegter ETC | Schuldverschreibung, gedeckt durch Metall im Tresor | Laufende Gebühr, Spread | Preisrisiko, Emittentenrisiko | Mit Lieferanspruch (z. B. Xetra-Gold) nach einem Jahr steuerfrei, sonst Abgeltungsteuer | Einsteiger bei Gold und Silber |
| ETC auf Futures | Schuldverschreibung auf einen Futures-Index | Laufende Gebühr, Spread, Rollkosten im Contango | Preisrisiko, Rollverlust, Emittentenrisiko | Abgeltungsteuer | Anleger bei Öl, Gas und Agrar, die den Rollverlust kennen |
| Rohstoff-ETF | Fondsanteil auf einen Rohstoffindex | Laufende Gebühr (TER), Spread | Preisrisiko, Indexaufbau und Rollverlust | Abgeltungsteuer, keine Teilfreistellung | Breite Streuung über mehrere Rohstoffe |
| Rohstoff-Aktien | Beteiligung an Minen und Förderern | Orderkosten, Spread | Aktienrisiko, Unternehmensrisiko, Kostenrisiko | Abgeltungsteuer auf Kurse und Dividenden | Anleger, die Unternehmen statt den Rohstoff kaufen wollen |
| Rohstofffonds | Aktiv gemanagter Fondsanteil | Hohe laufende Kosten, ggf. Ausgabeaufschlag | Preisrisiko, Managerrisiko | Abgeltungsteuer | Kaum ein Fall, ETF und ETC sind meist günstiger |
| Sparplan | Regelmäßiger Kauf von ETC oder ETF | Je nach Broker ab 0 € Ordergebühr, plus Produktkosten | Wie das gewählte Produkt | Wie das gewählte Produkt | Einsteiger, die Schritt für Schritt aufbauen |
| CFD | Vertrag auf die Preisdifferenz | Spread, tägliche Finanzierungskosten | Hebel, schneller Totalverlust | Abgeltungsteuer | Erfahrene Trader |
| Optionsscheine | Recht auf Kauf oder Verkauf zu einem Basispreis | Spread, Zeitwertverlust | Totalverlust, Emittentenrisiko | Abgeltungsteuer | Erfahrene Trader mit kurzem Horizont |
Chancen und Risiken von Rohstoffen im Depot
Rohstoffe verhalten sich anders als die Anlageklassen Aktien und Anleihen. Das birgt sowohl Chancen als auch Risiken.
Chancen
- Streuung: Rohstoffe laufen oft anders als Aktien und Anleihen. Bricht der Aktienmarkt ein, hilft Gold dem Depot manchmal, weil viele Anleger dann in (vermeintliche) Sicherheit flüchten.
- Sachwert: Ein Barrel Öl oder eine Unze Gold verliert nicht an Wert, weil ein Unternehmen pleitegeht.
- Inflationsschutz, aber nur mit Einschränkung: Langfristig gilt das eher als kurzfristig. Verlass dich nicht darauf, dass dein Rohstoffanteil den Preisanstieg der nächsten zwölf Monate ausgleicht.
Risiken
- Keine laufenden Erträge: Rohstoffe zahlen weder Zinsen noch Dividenden. Deine Rendite entsteht allein durch Kursgewinne, und die können jahrelang ausbleiben.
- Hohe Schwankungen: Rohstoffe wie Öl und Erdgas schwanken teils stärker als Aktienindizes.
- Rollverlust: ETCs auf Futures bleiben im Contango hinter dem Rohstoffpreis zurück (mehr dazu bei „Rollverlust bei Terminkontrakten").
- Währungsrisiko: Rohstoffe werden meist in US-Dollar gehandelt. Verliert der Dollar zum Euro, schmälert das deinen Gewinn, auch wenn der Rohstoffpreis steigt.
- Emittentenrisiko: ETCs sind Schuldverschreibungen. Fällt der Emittent aus, hilft dir der Rohstoff dahinter nur eingeschränkt, bei besicherten Produkten ist das Risiko geringer.
- Klumpenrisiko: Wer nur einen Rohstoff hält, trägt dessen Einzelrisiko, etwa politische Eingriffe bei Öl oder Angebotsschocks bei Agrarprodukten.
- Hebelrisiko: Bei CFDs und anderen Hebelprodukten verlierst du schneller, als du reagieren kannst, und im ungünstigen Fall mehr als gedacht.
Die starken Schwankungen von Rohstoffen eröffnen Chancen auf hohe Kursgewinne, bedeuten aber ebenso hohe Verlustrisiken. Wer sie aktiv mit Hebel ausnutzen will, braucht Erfahrung und eine klare Strategie. Aus unserer Sicht sind Rohstoffe deshalb eher eine Beimischung als ein Fundament fürs Depot.
Kosten und Steuern im Überblick
Kosten und Steuern hängen vom gewählten Investment ab.
Kosten
- Spread: Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die bei jeder Order anfällt.
- TER: Die laufende Gebühr von ETCs und ETFs. Aktiv gemanagte Rohstofffonds kosten meist deutlich mehr.
- Rollkosten: Sie fallen bei ETCs auf Futures im Contango an und stehen in keiner Gebührenzeile (mehr dazu bei „Rollverlust bei Terminkontrakten").
- Aufgeld und Lagerung: Beim physischen Kauf zahlst du Aufgeld, Verkaufsabschlag, Lagerung und Versicherung.
- Finanzierungskosten: Bei CFDs fallen sie täglich an, bei Futures kommen Gebühren und Margin dazu. Anbieter vergleichst du im CFD-Broker-Vergleich.
- Mehrwertsteuer auf Silber: Silbermünzen und -barren kosten 19 Prozent obendrauf, Anlagegold ist mehrwertsteuerfrei. Physisch ist deshalb nicht automatisch günstiger.
Steuern
- Abgeltungsteuer: 25 Prozent auf Kursgewinne bei ETCs, ETFs, Aktien und Fonds, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr bleiben Gewinne steuerfrei.
- Keine Teilfreistellung: Bei Rohstoff-ETFs gibt es sie anders als bei Aktien-ETFs nicht.
- Sonderrolle von Gold: Physisches Gold und Produkte mit Lieferanspruch wie Xetra-Gold sind nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Regeln und Sonderfälle erklärt der Ratgeber Gold und Steuern.
- Derivate: Gewinne aus CFDs, Futures und Optionsscheinen unterliegen der Abgeltungsteuer. Für die Verrechnung von Verlusten gelten eigene Regeln.
Häufige Fragen zum Investieren in Rohstoffe
Was ist der Unterschied zwischen ETC und ETF?
Ein ETC ist eine Schuldverschreibung des Emittenten, ein ETF dagegen ein Sondervermögen, das im Insolvenzfall des Anbieters geschützt ist.
Lohnt sich ein Rohstoff-Sparplan?
Ein Sparplan verteilt deinen Einstiegszeitpunkt, er erzeugt aber keine Rendite. Rohstoffe zahlen weder Zinsen noch Dividenden, deine Rendite hängt also allein vom Preis und von den Kosten des gewählten Produkts ab.
Ist Gold ein Inflationsschutz?
Langfristig kann Gold Kaufkraft erhalten. Kurzfristig folgt sein Preis eher Zinsen, Dollar und Geopolitik als der Inflationsrate, du kannst dich also nicht darauf verlassen, dass Gold einen Preisanstieg Monat für Monat ausgleicht.
Wie kann ich Rohstoffe kaufen?
Du kaufst Rohstoffe auf drei Wegen. Münzen und Barren bekommst du bei Edelmetallhändlern und Banken, das geht praktisch nur bei Edelmetallen. Über das Depot kaufst du ETCs, ETFs, Aktien und Fonds bei jedem Broker. Derivate wie CFDs und Futures handelst du bei spezialisierten Brokern.
