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Derivate, Hebel & Hedgefonds – Die 5 wichtigsten Finanzbegriffe

Die meisten kennen das Problem. Ob im TV, beim Grillen mit den Nachbarn oder im BĂŒro auf der Arbeit, irgendjemand redet immer vom Investieren, Aktien oder Immobilien.

An sich findest du das Thema Finanzen auch ziemlich interessant und wĂŒrdest gerne mehr zu den GesprĂ€chen beitragen. WĂ€re da nicht das Problem, dass dein Kollege sich augenscheinlich viel besser mit dem Thema auskennt.

Er benutzt stÀndig Begriffe wie Pennystock, Hedgefonds oder Hebel.

Damit du beim nÀchsten Mal ohne Probleme mitreden kannst und nicht in Verlegenheit gerÀtst, erklÀren wir dir in diesem Artikel 5 wichtige Fachbegriffe aus der Finanzwelt.

1. Was sind Derivate?

Derivate sind eine bestimmte Art von FinanzgeschÀften.

Sie funktionieren dabei so, dass zwischen mehreren Parteien ein zukĂŒnftiges GeschĂ€ft vertraglich festgelegt wird.

Derivate sind in gewisser Weise KaufvertrÀge mit Laufzeit.

Ist diese Laufzeit abgelaufen kann/muss die eine Vertragspartei den festgelegten Basiswert zum vorher vereinbarten Preis kaufen.

Der Basiswert ist hierbei der Wert, also der Gegenstand des Handels. Oft besteht der Basiswert aus Wertpapieren, Indizes, Edelmetallen oder anderen Rohstoffen.

Vertragsunterschrift
Meistens wird bei einem Derivat keine physische Unterschrift benötigt.

Derivate, die einem Vertragspartner die Entscheidungsfreiheit lassen den Basiswert zu kaufen oder den Handel abzulehnen, nennt man Option.

Das Recht den Handel gegebenenfalls abzulehnen, bezahlt der Vertragspartner mit einer GebĂŒhr.

Beispiel fĂŒr den Handel mit Derivaten:

Torben verhandelt mit seiner Bank seinen zukĂŒnftigen Kauf von einer großen Menge Silber.

Weil Torben mit einem steigenden Silberpreis rechnet und aktuell nicht genug Geld angespart hat, bittet er die Bank nach einem Derivat.

Vertraglich halten beide Parteien fest, dass Torben in 2 Jahren 5 Kilo Silber fĂŒr 3.500 EUR abkaufen wird.

Torben verzichtet auf die Option den Handel abzusagen und ist daher verpflichtet das Silber zu diesem Preis abzukaufen.

Steigt der Silberpreis, so wie Torben es prognostiziert, hat er einen guten Deal gemacht und kauft gĂŒnstig ein.

Sinkt der Silberpreis in den nĂ€chsten 5 Jahren, dann steht die Gegenpartei auf der Gewinnerseite. Sie wird das Silber dann fĂŒr einen mittlerweile viel zu hohen Preis an Torben los.

Alte MĂŒnzen Silber
Historische Gold und SilbermĂŒnz-Sammlung.

Entgegen ihres Rufs können Derivate auch dazu dienen Anlegern mehr Sicherheit zu gewÀhrleisten.

Sie können als Absicherung gegen rapide KursabfÀlle eingesetzt werden und so den Verlust des eigenen Vermögens abmildern. Man spricht vom sogenannten Hedging.

Derivate können aber auch genutzt werden um auf zukĂŒnftige Kursentwicklungen zu spekulieren. In dem Fall entsteht eine Hebelwirkung, weil du dein Kapital fĂŒr den zukĂŒnftigen Handel nicht fest bindest.

2. Was ist ein Hebel?

Wenn du mit geringem Kapital kurzfristig hohe Gewinne erzielen willst, dann wirst du irgendwann auf den Begriff Hebel stoßen.

Einen Hebel kennt eigentlich so gut wie jeder aus dem Alltag.

Scheren, Nussknacker oder Flaschenöffner funktionieren nach dem Hebelprinzip. In der Physik geht es beim Hebeleffekt darum die eigene Kraft zu multiplizieren.

Nussknacker
Nussknacker funktionieren nach dem Hebelprinzip.

Durch den bestimmten Aufbau der genannten AlltagsgegenstĂ€nde ist es uns möglich große KrĂ€fte auf einen Körper auszuĂŒben, ohne dabei selbst ĂŒbermĂ€ĂŸig viel Kraft einzusetzen.

In der Finanzwelt wird ebenfalls hĂ€ufig vom Hebeln gesprochen. NĂ€mlich dann, wenn mit einem geringen Kapitaleinsatz verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe Renditen erzielt werden sollen.

Hier wird durch den Hebel nicht etwa wie bei der Schere die Kraft gehebelt, sondern der eigene Kapitaleinsatz.

Es gibt verschiedene Arten einen Hebeleffekt zu erzeugen:

  • Fremdkapital (Kredite o. Ä.)
  • Derivate (Optionen, etc.)

Beispiel fĂŒr Handel mit Hebel (Leveraged Trading):

Tim hat ein Kapital von 10.000 Euro, welches er in den Erwerb einiger Wertpapiere investieren möchte.

Da Tim noch sehr jung ist und daher ziemlich risikofreudig entschließt er sich sein Investment zu hebeln.

Dazu kann er entweder bei einer Bank einen Kredit fĂŒr seine Kapitalanlagen einholen oder mit sogenannten Derivaten handeln.

Wenn die Bank ihm auf Grundlage seines angesparten Eigenkapitals einen Kredit ĂŒber 50.000 Euro gewĂ€hrt, hat Tim die Möglichkeit mit dem 6-fachen seines ursprĂŒnglichen Kapitals zu handeln.

Vorsicht: So ein Vorgehen ist Ă€ußerst riskant. Dies gilt gerade fĂŒr unerfahrene Anleger und fĂŒhrt in vielen FĂ€llen zu einer Verschuldung.

Tim ist sich des hohen Risikos bewusst und geht dieses entgegen aller RatschlÀge ein.

Nun ist es allerdings ziemlich unrealistisch, dass eine Bank Tim, einem jungen Studenten ohne regelmĂ€ĂŸiges Einkommen, einen derartigen Kredit anbietet.

Schließlich sind Spekulationen mit Wertpapieren nicht ohne Risiko und die Bank hat im Gegensatz zu einem Immobilienkredit wenig hinterlegte Sicherheiten.

Deswegen greift Tim auf eine andere Möglichkeit zurĂŒck seine Investition zu hebeln. Er entscheidet sich gegen den Handel mit CFDs oder klassischen Optionsscheinen und fĂŒr sogenannte Knockout-Zertifikate, da diese eine mögliche Verschuldung verhindern können.

Was sind Knockout-Zertifikate?

Knockout-Zertifikate sind eine bestimmte Art von Derivaten.

Auch hier handelt es sich um einen zeitlich-begrenzten Vertrag mit einer Bank, der den Kauf bzw. Verkauf eines bestimmten Basiswerts regelt.

Das besondere an Knockout-Zertifikaten ist, dass Trader sowohl auf steigende, als auch auf fallende Kurse setzen können.

Bewegt sich der Kurs bis zum Ablauf des Zertifikats in die richtige Richtung, kann man sein eingesetztes Kapital vervielfÀltigen.

Bewegt sich der Kurs des Basiswerts allerdings zu weit in die „falsche“ Richtung und ĂŒberschreitet die Knockout-Schwelle, dann wird das Zertifikat noch vor Ablauf der Ursprungsfrist wertlos und das eingesetzte Kapital ist verloren.

Beispiel fĂŒr den Handel mit Knockout Zertifikaten:

  • die Google-Aktie ist aktuell 2.000 Euro wert.
  • Tim kauft fĂŒr 10 Euro ein Knockout-Zertifikat fĂŒr die Google-Aktie und wettet auf einen Kursabfall
  • die Google-Aktie liegt nach Ablauf der Frist bei einem Preis von 1.900 Euro
  • Tim bekommt fĂŒr seinen Handel 100 Euro (die Differenz aus dem Anfangswert und dem aktuellen Kurs)
  • wĂ€re die Google Aktie wĂ€hrend der Zertifikats-Laufzeit ĂŒber 2.010 Euro hinaus gestiegen, wĂ€re die Knockout-Schwelle ĂŒberschritten und die Investition verloren gewesen

3. Was ist ein Hedgefonds?

Wenn wir wissen welche Aufgabe ein klassischer Investmentfonds hat und wie er funktioniert, fÀllt es leichter zu verstehen was genau der Begriff Hedgefonds aussagt.

Was ist ein Fonds?

Um den eigenen Vermögensaufbau voranzutreiben investieren viele Anleger ihr Erspartes in sogenannte Fonds.

Fonds sind Vermögensansammlungen, welche durch Spenden, Beitragszahlungen oder sonstige Geldmittel finanziert werden.

Um auf den FinanzmĂ€rkten grĂ¶ĂŸeren Handlungsspielraum zu haben und so potenziell bessere Renditen zu erzielen, hat ein Fonds in der Regel ein ziemlich hohes Volumen.

Es steckt also viel Geld in dem Fonds.

Fonds können unter anderem in Wertpapiere, Immobilien oder Rohstoffe investieren.

So sind Investmentfonds aufgebaut

Ein Hedgefonds ist ein Investmentfonds. Er wird geleitet von einem oder mehreren Fondsmanagern und agiert im Auftrag von Anlegern, die dem Fonds ihr Kapital zur VerfĂŒgung stellen.

Im Unterschied zu exchange-traded funds (ETFs), werden die Anlageentscheidungen aktiv-gemanagter Investmentfonds von den Fondsmanagern bestimmt.

Diese arbeiten zwar in der Regel nach bestimmten Vorgaben, nach denen die Anleger ihren favorisierten Fonds auswÀhlen können, haben innerhalb dieser aber einen gewissen Entscheidungsspielraum.

ETFs sind passive Fonds, weswegen hier strikt nach den vorher festgelegte Vorgaben des abgebildeten Index investiert wird.

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Das sind die Merkmale eines Hedgefonds:

  • ExklusivitĂ€t
  • fĂŒhren LeerverkĂ€ufe aus
  • hohes Mindestanlagevolumen
  • großes Volumen
  • hohe VerwaltungsgebĂŒhr
  • wenige Regularien

Ein Hedgefonds sollte seiner ursprĂŒnglichen Bedeutung nach das Vermögen seiner Investoren gegen etwaige KurseinbrĂŒche absichern.

Den meisten Investoren und Hedgefonds-Managern geht es aber schon lange nicht mehr um die Sicherung ihres Vermögens, sondern um das rapide Vermehren von diesem.

Hedgefonds-Manager
Hedgefonds-Manager haben in der Regel Angestellte, die detaillierte Unternehmensanalysen durchfĂŒhren.

Bekannt sind Hedgefonds vor allen Dingen dafĂŒr bestimmte Aktien zu „shorten“.

Durch exzessives Shorten einer ohnehin schon schwÀchelnden Aktie kann es zu schwerwiegenden Kursverlusten kommen.

Was genau „shorten“ bedeutet, erklĂ€ren wir dir jetzt.

4. Was ist Shortselling?

HĂ€ufig schon stand das sogenannte Shortselling, auf Deutsch – Leerverkaufen, in der Kritik. Doch wie genau funktioniert dieser Vorgang?

Möchte jemand eine Aktie shorten, dann tut er das, weil er von einem zukĂŒnftigen Wertverlust der Aktie ausgeht.

Im Gegenteil zur klassischen Investition in Wertpapiere möchte man als Anleger also nicht vom Wertzuwachs eines Unternehmens, sondern von dessen Wertverlust profitieren.

Das funktioniert wie folgt:

  • 10 Tesla Aktien sind 6.000 Euro wert.
  • Du denkst, dass der Kurs der Tesla Aktie in den nĂ€chsten 5 Tagen fallen wird.
  • Du leihst dir bei einer Bank 10 Tesla Aktien.
  • Du musst diese 10 Aktien innerhalb der nĂ€chsten 5 Tage zurĂŒckgeben.
  • In der Zwischenzeit verkaufst du die die Tesla Aktien fĂŒr 6.000 Euro
  • Der Kurs fĂ€llt und die Aktien sind nur noch 5.000 Euro wert.
  • Du kaufst dir 10 Tesla Aktien fĂŒr 5.000 Euro und gibst sie der Bank zurĂŒck.
  • Durch das Shortselling hast du 1.000 Euro Gewinn gemacht.
TSLA / EUR
Tesla Inc
242,40€
-8,6%

Der Shortsqueeze von Gamestop

Immer wieder bekommt das Shortselling mediale Aufmerksamkeit.

So auch vor einiger Zeit durch den Gamestop-Hype.

Gamestop auf dem Smartphone
Meme- oder Hype-Aktien wie Gamestop werden von Kleinanlegern ĂŒberwiegend ĂŒber Neobroker auf dem Smartphone gehandelt.

Die Aktie von Gamestop, einem amerikanischen HĂ€ndler fĂŒr Videospiele, wurde von einigen Hedgefonds geshortet.

Weil einige Privatanleger diese etablierte Masche des Leerverkaufens kritisieren und als marktmanipulativ betiteln, entschloss sich eine große Gruppe von Menschen einen Shortsqueeze herbeizufĂŒhren, um den shortenden Hedgefonds zu schaden.

Sie kauften also Unmengen an Gamestop-Aktien und trieben den Preis des Wertpapiers kĂŒnstlich in die Höhe.

Die Hedgefonds, so zumindest der Plan, sollten so gezwungen sein ihre verkauften Gamestop-Aktien fĂŒr ein Vielfaches des Ursprungspreises zurĂŒckzukaufen, um so das LeihgeschĂ€ft abzuschließen.

5. Was ist ein Pennystock?

Ein Pennystock lÀsst sich sehr kurz beschreiben.

Im Wesentlichen sind das die Eigenschaften eines Pennystocks:

  • sehr volatil
  • niedriger Kurswert
  • hohes Risiko
  • werden ĂŒberwiegend außerbörslich gehandelt
Pennystock
Risiko und Sicherheit sollten sich in deinem Portfolio immer die Waage halten.

Der Begriff Pennystock setzt sich zusammen aus dem englischen Begriff „Stock“ fĂŒr Aktie und „Penny“, der kleinsten WĂ€hrungseinheit in Amerika.

Das europĂ€ische Äquivalent zum Penny ist hierzulande der Cent.

Eine Aktie deren Wert sich lediglich im Cent-Bereich bewegt, also weniger 1 Euro wert ist, wird Pennystock genannt.

WĂ€hrend in Amerika Aktien bis zu einem Wert von 5 USD Pennystock genannt werden, liegt die Grenze in Deutschland bei 1 EUR.

Pennystocks gelten deswegen als besonders riskantes Investitionsobjekt, weil die jeweiligen Unternehmen eine niedrige Marktkapitalisierung haben. Hinzu kommt der psychologische Effekt, dass Anleger fĂŒr „wenig Geld“ eine große Anzahl an Aktien kaufen können.

Aus dem hohen Risiko in einen Pennystock zu investieren ergeben sich aber auch ĂŒberdurchschnittlich große Renditechancen.

Börsenweisheit

Dort wo das Risiko am höchsten ist, lassen sich auch die grĂ¶ĂŸten Gewinne einfahren.

Genauso ist es aber auch umgekehrt. Wenn eine Investition hohe Renditen verspricht, dann ist auch das Risiko dieser Anlage entsprechend höher.

6. Fazit: Fachbegriffe erhöhen dein Standing

Auch ohne die Bedeutung jedes einzelnen Fachbegriffs zu kennen, kann man sich gut mit der Thematik Vermögensaufbau auseinandersetzen und sich mit anderen darĂŒber austauschen.

Dir sollte es nicht peinlich sein deinen GegenĂŒber in einem GesprĂ€ch auf die von ihm benutzen Begriffe anzusprechen und nachzufragen.

Oftmals lassen sich Fachbegriffe, besonders wenn es um Finanzen geht, aus dem Zusammenhang erschließen

Falls du und dein GesprÀchspartner allerdings beide nicht genau wisst, welche Bedeutung ein bestimmter Fachbegriff hat, dann helfen wir gerne weiter.

In dem Fall empfehlen wir dir hier auf Finanzwissen.de einen Kommentar zu schreiben.

Hi! Ich bin
👋

Neben meinem Studium arbeite ich nun seit fast 3 Jahren als freiberuflicher Online-Texter und konnte so bereits als Teenager mein Hobby zum Beruf machen. Mit 16 Jahren habe ich begonnen mich neben der Schule mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Seitdem investiere ich mein Erspartes in ETFs, Kryptos und selten auch Einzel-Aktien. Ich wĂŒnsche mir, dass ich etwas von meinem Optimismus an euch weitergeben kann und freue mich jeden Tag aufs neue, dass ich mit meinen Artikeln Menschen zur Investition in ihre Zukunft motivieren darf.

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