P2P-Plattformen im Vergleich /
- 12 Anbieter im Test
- Alle Angebote mit echtem Geld getestet
- Transparentes Testverfahren

12 P2P-Plattformen, 36 Bewertungskriterien — und gleich drei Plattformen erzielen ein sehr gutes Testergebnis. Wir haben bei jeder einzelnen Plattform selbst ein Konto eröffnet, eingezahlt und wieder ausgezahlt. Keine fünfstelligen Beträge, aber genug, um Auto-Invest, Sekundärmarkt und Steuerreport aus der Anlegerperspektive zu prüfen.
Das Ergebnis: PeerBerry liegt mit 90,3 % vorn, dicht gefolgt von Mintos (90,2 %) und Viainvest (89,5 %). Ehrlicherweise gibt es keinen klaren Sieger — sondern drei sehr gute Plattformen für unterschiedliche Anlegertypen. Und ein paar Anbieter, von denen wir aktuell eher abraten würden.
Eins vorab: P2P-Kredite sind kein Tagesgeld-Ersatz. Auch nicht unsere Testsieger.
Das Wichtigste zum P2P-Vergleich auf einen Blick
- Testverfahren: Alle Plattformen wurden von uns getestet und mithilfe von 36 Kriterien in sechs Kategorien untersucht. Hier findest du unser Testverfahren für P2P-Anbieter.
- Unser Testsieger: PeerBerry erzielt eine Bewertung von 90,3 %, überzeugt mit einer makellosen Plattform- und Bilanzwertung und durchschnittlich 11 % Rendite.
- Knapp dahinter: Mit 90,2 % sowie 89,5 % reihen sich Mintos und Viainvest direkt hinter PeerBerry ein.
- Beste Bilanz im Test: Go & Grow (ex Bondora, seit April 2026 eigenständig unter goandgrow.eu) auf Platz 4 mit 89,3 %.
- Augen auf beim Investieren: Ventus Energy (41,8 %) und Estateguru (62,1 %) bieten eine hohe Rendite in Kombination mit einem hohen Risiko.
- Auf Diversifikation achten: Streue dein Risiko über mehrere Plattformen und investiere maximal 5–10 % deines Vermögens in P2P-Kredite.
Die besten P2P-Plattformen im Vergleich
Bevor du dich durch alle 12 Plattformen klickst — hier sind die drei Anbieter, die in unserem Test ganz vorne landen. Ehrlicherweise gibt es keinen klaren Sieger, sondern drei sehr gute Plattformen für unterschiedliche Anlegertypen. Welche zu dir passt, hängt davon ab, worauf du am meisten Wert legst: maximale Regulierung, langfristige Stabilität oder die größte Reichweite am Markt.
PeerBerry — Stabilität, die sich im Krisentest bewiesen hat
PeerBerry ist die unauffällige Plattform an der Spitze — und das ist als Kompliment gemeint. 2017 in Litauen gegründet, eng verbunden mit der Aventus Group als Hauptkreditgeber. Mittlerweile über 100.000 Investoren, ein ausstehendes Portfolio im dreistelligen Millionenbereich und eine Geschichte, die mehr über die Plattform sagt als jede Werbeaussage: Während der Ukraine-Krise 2022 hat PeerBerry sämtliche ausstehenden Kredite aus der Region vollständig an die Investoren zurückgezahlt. Kein anderer Anbieter im Test kann das so klar für sich verbuchen.
In unserer Bewertung holt PeerBerry als einzige Plattform die volle Punktzahl in gleich zwei Kategorien — Plattform und Bilanz, jeweils 100 %. Das ist der Grund, warum es trotz fehlender Regulierung knapp vor Mintos landet.
Was uns an PeerBerry gefällt
- Volle 100 % in den Kategorien Plattform und Bilanz — die einzige Plattform, die das schafft
- Krisenfest: Russland-Exit ohne Verluste für Anleger durchgezogen
- Buyback-Garantie plus Loyalty-Programm mit zusätzlich bis zu 1 % Cashback ab 10.000 € investiertem Kapital
Was uns an PeerBerry stört
- Konzentrationsrisiko durch die enge Bindung an Aventus Group — wenn der Hauptkreditgeber strauchelt, strauchelt auch PeerBerry
- Keine MiFID-Regulierung wie bei Viainvest oder Mintos
- Auto-Invest hat zuletzt häufiger nicht alles platziert, weil nicht immer genug Kredite verfügbar sind
Für wen ist PeerBerry geeignet? Anleger mit Fokus auf Stabilität und Track Record. Wer seit Jahren das Gerede um „die nächste P2P-Pleite" satt hat und einfach eine Plattform sucht, die liefert, sollte sich PeerBerry genauer anschauen.
Mintos — Der Marktführer mit der größten Reichweite
Mintos ist der unangefochtene Schwergewichtschampion im P2P-Markt: Über 600.000 Investoren, mehr als 800 Mio. € verwaltetes Vermögen, Kredite aus 16 Ländern und ein etablierter Sekundärmarkt, der seinesgleichen sucht. Mintos hat als einzige Plattform im Test eine MiFID-Lizenz als Investmentgesellschaft — reguliert von der lettischen Zentralbank — und bietet einen EU-rechtlich verankerten Anlegerschutz bis 20.000 € (EU-Richtlinie 97/9/EG).
Mit nur 0,04 Prozentpunkten Rückstand auf PeerBerry ist Mintos faktisch gleichauf. Der einzige Grund, warum es knapp dahinter landet: die Bilanz. Mit 67 % ist sie der schwächste Wert in der Spitzengruppe.
Was uns an Mintos gefällt
- Größte Plattform Europas — mehr Investoren, mehr Volumen, mehr Diversifikationsmöglichkeiten
- MiFID-Investmentgesellschaft mit echtem Anlegerschutz bis 20.000 €
- Breite Produktpalette: nicht nur klassische Kredite, sondern auch ETFs, Kryptos, Smart Cash, Anleihen und Immobilien
Was uns an Mintos stört
- Fokus auf Wachstum sorgt für eine schwächere Bilanz
- Mindestanlage von 50 € pro Kredit — gleicher Wermutstropfen wie bei Viainvest
- Cashback-Aktionen wirken oft komplexer als nötig (Tiered-Systeme, Mindesthaltedauern, Einschränkungen bei Smart Cash)
Für wen ist Mintos geeignet? Anleger, die maximale Diversifikation und eine etablierte Plattform mit Anlegerschutz wollen. Mintos ist auch der naheliegende Startpunkt für alle, die zum ersten Mal in P2P einsteigen — schon allein wegen der Plattformgröße und der breiten Auswahl. Mehr Details findest du in unserem ausführlichen Mintos-Test.
Viainvest — Unsere Wahl für hohe Sicherheit
Viainvest ist die lettische P2P-Plattform der VIA SMS Group. 2016 gegründet, mehr als 47.000 Investoren, durchschnittliche Rendite von rund 12 % p.a. — und das, was viele andere Plattformen nicht haben: eine echte Regulierung durch die lettische Wertpapieraufsicht (IBAS-Lizenz). In Kombination mit Buyback-Garantie, Gruppengarantie und einem funktionierenden Sekundärmarkt ergibt das die rundeste Sicherheitsbilanz im Test.
Was uns an Viainvest gefällt
- Volle MiFID-konforme Regulierung — selten in der P2P-Welt
- Buyback nach 60 Tagen plus Gruppengarantie der VIA SMS Group
- Sekundärmarkt funktioniert zuverlässig, falls du frühzeitig aussteigen willst
Was uns an Viainvest stört
- Mit 47.000 Investoren deutlich kleiner als Mintos — weniger Volumen heißt auch: weniger Kreditauswahl und gelegentlich Cash-Drag
- Mindestanlage von 50 € pro Kredit — bei kleinen Portfolios schwer zu diversifizieren
Für wen ist Viainvest geeignet? Anleger, denen Regulierung wichtiger ist als Plattformgröße. Wer P2P als Beimischung im Portfolio sieht und auf eine kontrollierte Aufsicht setzt, ist hier richtig.
💡 Praxistipp: Statt dich für eine der drei Plattformen zu entscheiden, kannst du auch alle drei kombinieren. Viainvest und Mintos liefern beide MiFID-konforme Regulierung. PeerBerry ergänzt das um eine Plattform mit besonders starkem Krisen-Track-Record. Diese Kombination senkt dein Plattformrisiko deutlich — denn auch die beste P2P-Plattform kann irgendwann Probleme bekommen.
Weitere P2P-Plattformen im Vergleich
Nicht jeder Anleger sucht das gleiche Plattform-Profil. Vielleicht willst du nicht nur in klassische Konsumkredite investieren, sondern in besicherte Agrarkredite, Geschäftskredite oder Erneuerbare-Energie-Projekte. Oder du suchst gezielt eine Plattform mit besonders niedriger Mindestanlage, um auch mit kleinen Summen breit zu streuen.
Genau dafür haben wir uns neun weitere Plattformen angeschaut — von etablierten Marktteilnehmern wie Go & Grow und Twino bis hin zu Nischenanbietern wie Lande oder spekulativen Hochzinsplattformen wie Ventus Energy. Die folgende Tabelle zeigt dir auf einen Blick, wie alle 12 Plattformen in unserem Test abgeschnitten haben — sortiert nach Gesamtscore. Die ausführlichen Steckbriefe zu jeder Plattform findest du im Detail-Vergleich weiter unten.
| Kategorie | PeerBerry | Mintos | Viainvest |
|---|---|---|---|
| Gründungsjahr | Gründungsjahr 1,64 / 2 2017 | Gründungsjahr 2 / 2 2014 | Gründungsjahr 1,82 / 2 2016 |
| Kommunikation | Kommunikation 2 / 2 1 | Kommunikation 2 / 2 1 | Kommunikation 2 / 2 1 |
| Geschäftsbericht | Geschäftsbericht 3 / 3 Extern geprüft | Geschäftsbericht 3 / 3 Extern geprüft | Geschäftsbericht 3 / 3 Extern geprüft |
| Profitables Geschäftsmodell | Profitables Geschäftsmodell 2 / 2 Ja | Profitables Geschäftsmodell 2 / 2 Ja | Profitables Geschäftsmodell 2 / 2 Ja |
| Separierte Konten | Separierte Konten 3 / 3 Ja | Separierte Konten 3 / 3 Ja | Separierte Konten 3 / 3 Ja |
| Krisenresilienz | Krisenresilienz 4 / 4 Ja | Krisenresilienz 4 / 4 Ja | Krisenresilienz 4 / 4 Ja |
| Kreditsicherheiten | Kreditsicherheiten 2 / 2 Ja | Kreditsicherheiten 2 / 2 Ja | Kreditsicherheiten 2 / 2 Ja |
| Regulierung | Regulierung 0 / 3 Nein | Regulierung 3 / 3 Ja | Regulierung 3 / 3 Ja |
| Bonitätsprüfung Darlehensnehmer | Bonitätsprüfung Darlehensnehmer 2 / 2 Ja | Bonitätsprüfung Darlehensnehmer 2 / 2 Ja | Bonitätsprüfung Darlehensnehmer 2 / 2 Ja |
| Plattform | Plattform 100 % | Plattform 100 % | Plattform 98 % |
Drei Beobachtungen, die wir besonders hervorheben würden:
- Go & Grow auf Platz 4 (89,3 %) verdient eine eigene Erwähnung. Die Plattform — bis April 2026 unter dem Namen Bondora bekannt — hat die beste Bilanz aller getesteten Anbieter und kommt mit der einfachsten Bedienung. Wer P2P als reines Cashflow-Produkt nutzen will, sollte sich Go & Grow genauer anschauen. Hier gibt es allerdings keine einzelnen Kredite, sondern lediglich ein festverzinstes Portfolio.
- Lande (81,0 %) ist die spannendste Nische im Test. Besicherte Agrarkredite mit Land und Maschinen als Sicherheit, dazu eine erstklassige Bilanz. Der Haken: Nur 7.000 Investoren und damit eine deutlich kleinere Plattformbasis als bei den Top-3.
- Estateguru (62,1 %) und Ventus Energy (41,8 %) sind die beiden Anbieter, bei denen wir aktuell sehr vorsichtig wären. Mehr dazu im Detail-Vergleich — aber ehrlicherweise: bei diesen Anbietern würden wir sehr genau hinschauen, bevor wir neu investieren.
So haben wir die P2P-Plattformen getestet
Bei unseren Tests legen wir Wert auf Nachvollziehbarkeit. Statt nach Bauchgefühl zu bewerten, haben wir für den P2P-Vergleich 36 Einzelkriterien festgelegt, sie sechs Hauptkategorien zugeordnet und jeder Kategorie eine Gewichtung gegeben. So entsteht für jede Plattform ein Gesamtscore zwischen 0 und 100 %, der unsere Bewertung transparent abbildet.
Wichtig: Wir haben bei allen 12 Plattformen auch tatsächlich investiert. Keine fünfstelligen Beträge — aber genug, um Anmeldung, KYC-Prozess, Auto-Invest, Sekundärmarkt-Verkauf und Steuerreport aus der Anlegerperspektive zu prüfen. Reine Schreibtisch-Tests, bei denen Daten aus Plattform-Marketing abgeschrieben werden, halten wir für unseriös.
Die sechs Bewertungskategorien
Die Gewichtung der Kategorien spiegelt unsere Einschätzung wider, welche Faktoren bei einem P2P-Investment am wichtigsten sind:
- Sicherheit (25 %) — Alter der Plattform, externe Prüfung des Geschäftsberichts, Profitabilität, separierte Kundenkonten, Krisenresilienz, Regulierung, Bonitätsprüfung der Kreditnehmer
- Plattform (25 %) — Anzahl der Investoren, Länderdiversifikation, Transparenz, Buyback- und Gruppengarantie, Sekundärmarkt, deutscher Service, Forderungsmanagement
- Bilanz (17,5 %) — Gewinn-Bilanzsummen-Verhältnis, Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Liquiditätsgrade 1 bis 3, Verschuldungsgrad
- Features (17,5 %) — Auto-Invest, verschiedene Kreditarten, Steuerbescheinigung, 2-Faktor-Authentifizierung, App-Qualität, Rendite
- Gebühren (10 %) — Kontoeröffnung, Kontoführung, Investitionen, Sekundärmarkt-Gebühren, Mindestanlage, Inaktivitätsgebühren
- Service (5 %) — FAQ, Live-Chat, Telefonservice, E-Mail-Erreichbarkeit, Bearbeitungsdauer, deutschsprachiger Support
Sicherheit und Plattform machen zusammen 50 % der Bewertung aus — das ist kein Zufall. Bei einem P2P-Investment kannst du die beste Rendite haben und die schönste App, aber wenn die Plattform pleite geht oder dein Geld nicht ordentlich verwaltet, ist die ganze Diskussion sowieso obsolet.
Die Bilanz haben wir mit 17,5 % deutlich höher gewichtet, als es bei vielen anderen P2P-Vergleichen üblich ist. Der Grund ist einfach: Eine Plattform mit negativem Eigenkapital und ohne profitables Geschäftsmodell ist auf Dauer kein verlässlicher Partner. Estateguru ist dafür ein perfektes Beispiel — wie das im konkreten Fall aussieht, schauen wir uns im Detail-Vergleich an.
Wenn du wissen willst, wie unsere Bewertungsmethodik im Detail aufgebaut ist, welche Datenquellen wir nutzen und wie die einzelnen Kriterien gewichtet sind, findest du das in unserem ausführlichen Testverfahren für P2P-Anbieter.
P2P-Renditen im Realitätscheck
Die beworbenen Renditen in unserem Test reichen von 6 % bei Go & Grow bis zu 17,6 % bei Ventus Energy. Klingt verlockend. Aber: Die Zahl, die eine Plattform plakativ auf die Startseite schreibt, ist fast nie die Rendite, die am Ende auf deinem Konto landet. Dazwischen liegen drei Faktoren, die gerne unter den Tisch fallen — Cash-Drag, Ausfälle und Steuern.
Warum die beworbene Rendite selten die echte ist
Der erste Renditefresser heißt Cash-Drag. Damit ist Geld gemeint, das auf deinem Plattform-Konto liegt, aber gerade nicht in Kredite investiert ist — etwa, weil der Auto-Invest nicht genug passende Kredite findet. Dieses Geld verdient nichts. Gerade bei kleineren Plattformen wie Viainvest oder PeerBerry kann das in Phasen mit wenig Kreditangebot spürbar an der Rendite knabbern.
Der zweite Faktor sind Ausfälle. Viele Plattformen werben mit einer Rückkaufgarantie (Buyback) — fällt ein Kredit aus, kauft der Kreditgeber ihn zurück. Klingt sicher, ist es aber nur, solange der Kreditgeber selbst zahlungsfähig ist. Die Buyback-Garantie ist eine vertragliche Zusage, keine staatliche Einlagensicherung. Wenn der Loan Originator pleitegeht, ist auch die Garantie wertlos.
Der dritte Faktor ist die Steuer — und die ist im Gegensatz zu den ersten beiden exakt berechenbar.
Was nach Steuern übrig bleibt
Zinserträge aus P2P-Krediten sind in Deutschland als Kapitalerträge steuerpflichtig. Es fallen 25 % Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag an — zusammen also 26,375 %, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Anders als bei einem deutschen Broker führt keine ausländische P2P-Plattform diese Steuer automatisch ab. Du musst deine Erträge selbst in der Anlage KAP deiner Steuererklärung angeben.
Rechnen wir das einmal durch. Wichtig vorab: Die folgenden Quoten für Cash-Drag und Ausfälle sind vorsichtige Annahmen — die echten Werte hängen stark von Plattform, Auto-Invest-Einstellung und Marktphase ab.
Angenommen, du investierst 1.000 € auf einer Plattform mit 11 % beworbener Rendite:
| Beworbene Rendite: | 110 € im Jahr |
| − Cash-Drag (Annahme: rund 5 % des Kapitals ungenutzt): | ca. −6 € |
| − Ausfälle (Annahme: rund 2 % nicht durch Buyback gedeckt): | ca. −20 € |
| = Reale Rendite vor Steuern: | ca. 84 € (8,4 %) |
| − Abgeltungssteuer (26,375 % auf 84 €) | ca. −22 € |
| = Netto im Konto: | ca. 62 € — also rund 6,2 % Nettorendite |
Aus den beworbenen 11 % werden also realistisch um die 6 % netto. Das ist immer noch mehr als Tagesgeld — aber eben kein zweistelliges Renditewunder. Und der Sparerpauschbetrag (1.000 € pro Person) kann den steuerpflichtigen Anteil senken, sofern du ihn nicht schon mit anderen Kapitalerträgen ausgeschöpft hast.
💡 Praxistipp
Plane den Steuerreport von Anfang an ein. Nicht jede Plattform liefert einen aufbereiteten deutschen Jahressteuerbericht — bei einigen musst du dir die Zahlen mühsam selbst zusammensuchen. Wer mehrere Plattformen kombiniert, sollte sich die Steuerunterlagen jeweils zum Jahresende herunterladen und sammeln. Mehr zu den Gesamtkosten einer Geldanlage liest du in unserem Beitrag zu den Kosten der Geldanlage.
Risiken — was bei P2P wirklich auf dem Spiel steht
Reden wir Klartext: P2P-Kredite gehören zu den riskanteren Anlageformen, die für Privatanleger zugänglich sind. Das ist kein Grund, die Finger davon zu lassen — aber ein Grund, die Risiken zu kennen, bevor du investierst. Wir haben in unserem Test mehrfach gesehen, wie schnell aus einer beworbenen Traumrendite ein Problem werden kann.
Plattformrisiko
Das größte Risiko bei P2P ist nicht der einzelne ausgefallene Kredit, sondern die Pleite der Plattform selbst. Geht der Anbieter insolvent, kann im schlimmsten Fall dein gesamtes investiertes Kapital verloren sein. Die Geschichte des P2P-Marktes ist voll von solchen Fällen — Kuetzal, Envestio und Grupeer sind nur die bekanntesten Plattformen, die innerhalb weniger Jahre verschwunden sind und Anlegergelder mitgenommen haben.
Genau deshalb gewichten wir Sicherheit und Plattformstabilität in unserem Test mit zusammen 50 %. Eine separierte Kontoführung — bei der dein Geld rechtlich vom Vermögen der Plattform getrennt ist — und eine externe Prüfung des Geschäftsberichts sind hier die wichtigsten Schutzmechanismen.
Bilanzrisiko
Eng damit verbunden ist ein Punkt, den die meisten P2P-Vergleiche komplett ignorieren: die Bilanz der Plattform. Eine Plattform mit negativem Eigenkapital und ohne profitables Geschäftsmodell ist auf Dauer kein verlässlicher Partner — egal, wie hoch die beworbene Rendite ist. Estateguru ist in unserem Test das Paradebeispiel: 0 % in der Bilanzbewertung, negatives Eigenkapital, keine Profitabilität. Wer hier investiert, sollte diese Zahlen kennen.
Ausfallrisiko trotz Buyback
Die Rückkaufgarantie wiegt viele Anleger in falscher Sicherheit. Sie ist eine vertragliche Zusage des Kreditgebers, ausgefallene Kredite zurückzukaufen — aber nur so viel wert wie die Zahlungsfähigkeit des Kreditgebers dahinter.
Gerät der ins Wanken, läuft die Garantie ins Leere. Besonders heikel ist das bei Plattformen mit hohem Konzentrationsrisiko, bei denen ein einziger Kreditgeber den Großteil des Volumens stellt — wie etwa die enge Bindung von PeerBerry an die Aventus Group.
Liquiditätsrisiko
Anders als bei einem ETF kommst du bei P2P nicht jederzeit an dein Geld. Ein Sekundärmarkt, über den du Kredite vorzeitig verkaufen kannst, existiert nicht bei jeder Plattform — und selbst wo es ihn gibt, funktioniert er nur, wenn sich ein Käufer findet. Go & Grow hat seinen Sekundärmarkt im September 2025 sogar ganz geschlossen. Plane dein P2P-Investment also nur mit Geld, das du über die Kreditlaufzeit hinaus nicht brauchst.
Geopolitisches und Währungsrisiko
Viele Kreditgeber auf P2P-Plattformen stammen aus Osteuropa und Zentralasien. Der russische Angriff auf die Ukraine 2022 hat gezeigt, wie schnell ganze Kreditportfolios in einer Region unter Druck geraten können. Dass PeerBerry seine Anleger damals vollständig ausgezahlt hat, war keine Selbstverständlichkeit — andere Plattformen haben deutlich schlechter dagestanden. Bei Krediten in Fremdwährung kommt obendrein ein Wechselkursrisiko hinzu.
Steuerliches Risiko
Kein finanzielles Risiko im engeren Sinne, aber ein praktisches: Weil ausländische Plattformen keine deutsche Steuer abführen, liegt die korrekte Versteuerung komplett bei dir. Wer das unterschätzt oder schludert, riskiert Ärger mit dem Finanzamt. Das magische Dreieck der Geldanlage — der Zielkonflikt zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität — gilt bei P2P in besonders ausgeprägter Form. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag zum magischen Dreieck der Geldanlage.
Für wen lohnen sich P2P-Plattformen — und für wen nicht?
P2P-Kredite sind kein Produkt für jeden. Sie sind auch kein Produkt für den Großteil deines Vermögens. Aber für die richtige Zielgruppe und in der richtigen Dosierung können sie eine sinnvolle Beimischung sein. Die ehrliche Antwort auf die Frage „lohnt sich das für mich?" hängt vor allem davon ab, wo du in deinem Anlegerleben gerade stehst.
P2P passt zu dir, wenn:
- du bereits ein solides Fundament hast — also einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto und idealerweise einen breit gestreuten ETF-Sparplan als Basis
- du bereit bist, dich aktiv zu kümmern — Plattformen auswählen, Auto-Invest einrichten, gelegentlich nachsehen, einmal im Jahr die Steuer machen
- du höhere Renditechancen suchst und dafür bewusst ein höheres Risiko in Kauf nimmst
- du einen Teil deines Portfolios breiter streuen willst, jenseits von Aktien und Anleihen
P2P passt eher nicht zu dir, wenn:
- du noch keinen Notgroschen und keine ETF-Basis hast — dann gehört dein Geld zuerst dorthin
- du noch keinen Notgroschen und keine ETF-Basis hast — dann gehört dein Geld zuerst dorthin
- du eine Anlage suchst, die so sicher wie Tagesgeld ist — die gibt es bei P2P schlicht nicht
- du dich gar nicht kümmern willst und eine echte „einrichten und vergessen"-Lösung erwartest
Wenn du dir unsicher bist, in welche Kategorie du fällst, hilft ein Blick auf deinen Anlegertyp — er sagt viel darüber aus, ob und wie viel P2P zu deiner Strategie passt.
Die richtige Dosierung
Hier sind wir bei finanzwissen.de klar in unserer Haltung: P2P-Kredite gehören als Beimischung ins Portfolio, nicht ins Zentrum. Aus unserer Sicht sind maximal 5 bis 10 % deines liquiden Vermögens eine vernünftige Obergrenze. Wer mehr investiert, setzt einen zu großen Teil seines Geldes einem Risiko aus, das im Ernstfall den Totalverlust bedeuten kann.
Und innerhalb dieser 5 bis 10 %: nicht alles auf eine Plattform. Wir empfehlen mindestens drei, besser fünf Plattformen — und innerhalb jeder Plattform eine breite Streuung über viele einzelne Kredite. Wie du dein Portfolio insgesamt sinnvoll aufstellst, liest du in unserem Beitrag zu den Anlagestrategien.
P2P im Vergleich zu Tagesgeld und ETFs
Damit du P2P richtig einordnen kannst, hilft ein Blick auf die Alternativen — denn je nachdem, was du suchst, ist vielleicht gar kein P2P die beste Wahl.
Im Vergleich zu Tagesgeld bietet P2P deutlich höhere Renditechancen — aber eben auch ein ungleich höheres Risiko. Tagesgeld ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € geschützt, dein Geld ist täglich verfügbar, und du musst dich um nichts kümmern. Nichts davon gilt für P2P. Wer einfach nur ein bisschen mehr aus seinem Notgroschen herausholen will, ist mit Tagesgeld besser bedient — einen Überblick gibt unser Tagesgeld-Vergleich. Auch Alternativen zum Tagesgeld wie Geldmarktfonds lohnen einen Blick, bevor du ins Risiko gehst.
Im Vergleich zu ETFs ist die Sache differenzierter. Ein breit gestreuter Aktien-ETF ist über lange Zeiträume die renditestärkere und — durch die enorme Streuung — oft auch robustere Anlage. P2P kann ein ETF-Portfolio aber sinnvoll ergänzen, weil die Renditen weitgehend unabhängig von den Aktienmärkten entstehen. Wichtig bleibt die Reihenfolge: erst die ETF-Basis, dann P2P als Beimischung — nicht umgekehrt.
Im Vergleich zu Anleihen-ETFs liegt P2P risikotechnisch in einer ähnlichen Liga, ist aber deutlich illiquider. Ein Anleihen-ETF lässt sich börsentäglich verkaufen, ein P2P-Kredit nicht. Wer den Renditeaufschlag von P2P nicht zwingend braucht, fährt mit einem Geldmarkt- oder Anleihen-ETF oft ruhiger. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Geldmarktfonds.
Häufig gestellte Fragen zu P2P-Plattformen
Was ist die beste P2P-Plattform 2026?
In unserem Test mit 36 Kriterien liegt PeerBerry mit 90,3 % knapp vorn, dicht gefolgt von Mintos (90,2 %) und Viainvest (89,5 %). Einen eindeutigen Sieger für alle gibt es aber nicht — welche Plattform am besten zu dir passt, hängt davon ab, ob dir Stabilität, Reichweite oder Regulierung am wichtigsten ist.
Was ist mit Bondora passiert?
Bondora hat sein bekanntestes Produkt, Go & Grow, im April 2026 als eigenständige Marke ausgegliedert. Die juristische Person heißt seitdem Go&Grow OÜ, die neue Adresse ist goandgrow.eu. Für Bestandsanleger ändert sich nichts: Konto, Zielzins von 6 % p.a. und Auszahlungen laufen unverändert weiter.
Gibt es P2P-Plattformen aus Deutschland?
Nein. Alle relevanten P2P-Plattformen für Privatanleger sitzen im Baltikum, in Osteuropa oder Tschechien. Frühere deutsche Anbieter wie Auxmoney oder Smava sind heute reine Kreditvermittler und bieten keine P2P-Investments für Privatanleger mehr an.
Wie viel Geld sollte ich in P2P investieren?
Aus unserer Sicht maximal 5 bis 10 % deines liquiden Vermögens — und auch das nur, wenn du bereits einen Notgroschen und eine ETF-Basis hast. Innerhalb dieser Quote solltest du über mindestens drei Plattformen und viele einzelne Kredite streuen.
Was passiert, wenn eine P2P-Plattform pleite geht?
Im schlimmsten Fall ist dein dort investiertes Kapital verloren. Es gibt keine Einlagensicherung wie beim Tagesgeld. Eine separierte Kontoführung kann das Risiko verringern, ist aber kein vollständiger Schutz. Genau deshalb ist die Streuung über mehrere Plattformen so wichtig.
Was ist eine Rückkaufgarantie (Buyback) — und wie sicher ist sie?
Bei einer Rückkaufgarantie verpflichtet sich der Kreditgeber, einen ausgefallenen Kredit nach einer bestimmten Frist zurückzukaufen, meist inklusive aufgelaufener Zinsen. Sie ist aber nur eine vertragliche Zusage und nur so viel wert wie die Zahlungsfähigkeit des Kreditgebers. Geht dieser pleite, greift die Garantie nicht mehr.
Kann ich mein investiertes Geld jederzeit abziehen?
Nein. Anders als beim Tagesgeld ist dein Geld in laufenden Krediten gebunden. Manche Plattformen bieten einen Sekundärmarkt, über den du Kredite vorzeitig verkaufen kannst — aber nur, wenn sich ein Käufer findet, und nicht jede Plattform hat einen. Go & Grow hat seinen Sekundärmarkt im September 2025 sogar geschlossen.
Wie versteuere ich P2P-Erträge in Deutschland?
Zinserträge unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, also 26,375 % (gegebenenfalls plus Kirchensteuer). Da ausländische Plattformen die Steuer nicht automatisch abführen, musst du deine Erträge selbst in der Anlage KAP deiner Steuererklärung angeben.
Wie fange ich am besten mit P2P-Krediten an?
Starte mit einer der etablierten Top-Plattformen und einem kleinen Betrag, um die Abläufe kennenzulernen — Registrierung, Auto-Invest, Auszahlung, Steuerreport. Erst wenn du verstanden hast, wie sich dein Geld verhält, lohnt es sich, aufzustocken und weitere Plattformen dazuzunehmen.
