Kryptowährungen an der Wallstreet

Was ist das Canton Netzwerk? Funktionsweise, Verwendungszweck und Zukunft

Lesezeit 8 min.

Überprüft durchChristian Musanke
Krypto
Teil des Handbuchs
Krypto
Sieh dir an, wie wir bei Finanzwissen arbeiten

Das Canton-Netzwerk versucht das klassische Finanzsystem und Kryptowährungen zu vereinen. Transaktionen sind nur für die teilhabenden Parteien sichtbar, werden aber dennoch auf der Blockchain abgewickelt. Zudem ist ein Großteil der Regulatorik bereits im Code enthalten. Aufgrund vieler Partnerschaften mit großen Banken betitelt sich Canton selbst schon als "Blockchain der Wallstreet". Wie genau das Netzwerk funktioniert und ob Canton so etabliert ist, wie es sich vermarktet, schauen wir uns im folgenden einmal genauer an.

Canton Coin: Das Wichtigste in Kürze

  • Canton gehört zu den Top-20-Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung.
  • Canton Coin (CC) ist der native Token des Canton Network, einer Layer-1-Blockchain, die gezielt für Banken, Börsen und andere regulierte Finanzinstitute gebaut wurde.
  • Entwickelt hat das Netzwerk das Unternehmen Digital Asset. Mainnet und Token gingen im Juli 2024 live.
  • Die Besonderheit: konfigurierbare Privatsphäre. Transaktionen sehen nur die beteiligten Parteien und trotzdem ist das Netzwerk öffentlich.
  • CC hatte kein Pre-Mine, keinen Vorverkauf, keine VC-Zuteilung. Jeder Coin wird durch echte Netzwerknutzung verdient.

1. Was ist das Canton Netzwerk?

Canton (CC) ist in erster Linie ein Netzwerk, dass aus mehreren Subnetzwerken besteht. Jedes Subnetzwerk ist eigenständig. Die "Super Validatoren" sorgen mit dem sogenannten Synchronizer aber dafür, dass die Abstimmung zwischen den Systemen stimmt und nicht etwa Transaktionen doppelt ausgegeben werden oder Ähnliches. Zu diesen "Super Validatoren" gehören auch bekannte Namen und Netzwerke wie Chainlink, Ledger, Circle, Visa und Société Générale.

Das Canton Netzwerk wurde 2023 von den Entwicklern der Daml-Programmiersprache Angekündigt. 2024 erfolgte dann der Launch. Es gab keinen ICO oder Pre-Sale. Coins wurden stattdessen durch Teilhabe und Weiterentwicklung des Netzwerks verteilt. Es gab jedoch für Privatanleger erst 2025 die Möglichkeit den Canton Coin an einer Börse zu kaufen. Vorher waren es nur Institutionen, die die Möglichkeit zur Teilhabe bekommen haben.

Bitvavo: Krypto-Börsen Testsieger
  • 25 € in BTC zum Start erhalten
  • 300+ Kryptowährungen
  • Niedrige Gebühren ab 0,03%
BillionPhotos - Adobe Stock
Bitcoin vor blauem Hintergrund
Bitvavo
BillionPhotos - Adobe Stock

Wie funktioniert das Conton Netzwerk

Canton ist eine Layer-1-Blockchain – ein eigenständiges Basis-Netzwerk wie Bitcoin oder Ethereum, nicht bloß eine App obendrauf. Der Zweck ist aber ein komplett anderer. Canton wurde für die Tokenisierung realer Vermögenswerte (englisch: Real World Assets, kurz RWA) gebaut: Staatsanleihen, Fondsanteile, Unternehmenskredite, Gold. Also genau die Dinge, die heute noch über langsame, teure Altsysteme abgewickelt werden.

Canton ist ein Netzwerk aus Netzwerken, die alle synchronisiert sind. Anders als bei anderen Kryptowährungen ist die Blockchain nicht für jeden einsehbar und Transaktionen nur für die Teilhaber sichtbar. Canton möchte eine Schnittstelle für Banken und Finanzinstitute in den Krypto-Bereich sein. Für Banken ist es aber wichtig, dass nicht jede ihrer Transaktionen sofort öffentlich ist. Deshalb die verstärkten Privacy Features bei Canton.

Transaktionen werden zunächst durch die Validatoren der jeweiligen Subnetze validiert und dann noch durch den Synchronizer, der von Super Validatoren betrieben wird, bestätigt. Damit hat Canton keinen klassischen Konsensmechanismus, wie Proof-of-Work oder Proof-of-Stake. Stattdessen beglaubigen ausgewählte Gruppen die Zahlungen und Geschäfte. Für klassische Kryptowährungen wäre dies aufgrund der Zentralisierung ein No-Go.

Funktionsweise des Canton Netzwerks
Funktionsweise des Canton Netzwerks

Apps auf Canton

Um eine App auf der Blockchain zu starten oder zum Validator zu werden, benötigt es die Erlaubnis des Entwicklerteams. Diese ist als Privatanleger kaum zu bekommen. Retailinvestoren können den Coin kaufen, halten und verkaufen, aber sonst kaum am Netzwerk teilhaben.

Das ist so gewollt. Das Canton Netzwerk soll in erster Linie Banken und Finanzinstitute den Zugang zu einer Blockchain ermöglichen. Damit unterscheidet sich Canton stark von anderen Kryptowährungen. Während Dezentralität, Quelloffenheit, Einsicht der Blockchain und Teilhabe bei anderen.

Die Apps können verschiedenste Anwendungen haben:

  • Tokenisierung von Assets (RWA)
  • Wallets für Canton
  • Stablecoins
  • Wrapped Bitcoin
  • Banking
  • Payment über Social Media
  • AI Co-Piloten

Der Canton Coin und Tokenomics

Als native Währung des Netzwerks wird der Canton Coin verwendet. Dieser dient dazu Gebühren zu erheben, Transaktionen zu tätigen und als Belohnung für die Weiterentwicklung des Netzwerks. Jeder neue Coin wurde als Belohnung ausgeschüttet. Der aktuelle Bestand beträgt 34,9 Milliarde Canton Coin. Theoretisch ist die Menge unbegrenzt. Um die Inflation einzudämmen werden die von Netzwerk erhobenen Gebühren verbrannt. Je mehr das Netzwerk genutzt wird, umso kleiner wird der Bestand damit.

Ein Nachteil ist, dass die Entwickler bestimmten wie viele und wer neue Coin als Belohnung bekommt. Das kann intransparent sein und Vetternwirtschaft begünstigen. Die Verteilung neuer Canton Coins ist folgendermaßen gestalltet:

Super Validatoren80 %Betreiben des Global Synchronizer
Validatoren5 %
Nodes betreiben, Transaktionen validieren
App-Betreiber15 %Neue Apps starten und betreiben

Insgesamt sollen jährlich 2,5 Milliarden CC geschaffen werden. Im Idealfall hält die Burn-Rate den Gebühren hier die Waage. Das ist aber abhängig von der Nutzung.

Nach 5 Jahren soll sich die Belohnungsstruktur ändern. Dann gibt es nur noch 20 % für Super Validatoren und 18 % für Validatoren. App Entwickler bekommen dann satte 62 % der neuen Coins.

3. Canton vs. Ethereum

Die naheliegende Frage: Warum nicht einfach Ethereum nehmen? Ethereum ist die etablierte Nummer eins für Smart Contracts und wird ebenfalls für Tokenisierung genutzt. Der Punkt ist: Beide zielen auf verschiedene Welten.

KriteriumCantonEthereum
Zielgrupperegulierte Finanzinstituteoffen für alle (DeFi, NFTs, Retail)
Privatsphäreprivat by design (Need-to-know)standardmäßig öffentlich & transparent
ZugangApps frei konfigurierbar, Validator aktuell mit Sponsoringpermissionless
KonsensZwei-Ebenen (Super Validators + Validators)Proof of Stake
Smart ContractsDamlSolidity / EVM
Token-Verteilungkein Pre-Mine, alles verdientVorverkauf 2014 + Foundation-Anteil
Gebührenin USD bemessen, in CC gezahlt & verbranntGas in ETH, anteilig verbrannt
SchwerpunktRWA, WertpapierabwicklungAllzweck-„Weltcomputer"

Ethereum ist der offene Marktplatz, auf dem jeder alles bauen kann. Canton ist der abgeschirmte Handelssaal, in dem Banken untereinander abwickeln, ohne ihre Karten offenzulegen.

Das eine ist nicht automatisch besser als das andere. Ethereum hat ein riesiges Entwickler-Ökosystem, echte Dezentralität und jahrelange Härtung im Live-Betrieb. Canton hat dafür genau die Eigenschaften, die Ethereum bewusst nicht bietet: Privatsphäre und institutionelle Kontrolle. Wer sich fürs große Ganze interessiert, findet in unserer Übersicht zu Kryptowährungen die Einordnung weiterer Projekte.

4. Vorteile von Canton Coin

Was an Canton überzeugt, lässt sich auf ein paar handfeste Stärken herunterbrechen:

  • Echte institutionelle Substanz. Hier testen und bauen keine anonymen Entwickler, sondern Namen wie Goldman Sachs, BNY Mellon, Cboe, HSBC und die Deutsche Börse. Das ist eine andere Liga als der übliche Altcoin-Hype.
  • Privatsphäre, die Institute wirklich brauchen. Das Need-to-know-Modell löst das Problem, an dem öffentliche Blockchains im regulierten Finanzsektor bisher gescheitert sind.
  • Atomare Abwicklung. Geschäfte laufen ganz oder gar nicht durch. Das senkt Settlement-Risiko und operative Kosten, der eigentliche Business-Case hinter dem Ganzen.
  • Faire Tokenomics. Kein Pre-Mine, keine VC-Zuteilung, Wert an echte Nutzung gekoppelt statt an künstliche Knappheit. Das ist selten und spricht für einen langfristigen Ansatz.
  • Interoperabilität statt Insellösung. Als „Netzwerk der Netzwerke" verbindet Canton bisher getrennte Finanzsysteme und lässt sich horizontal skalieren.
  • Regulatorische Nähe. Das gesamte Design ist auf Compliance ausgelegt, was ein Vorteil ist, wenn traditionelle Finanzhäuser tatsächlich aufspringen.

Auch bereits bekannte Krypto-Netzwerke docken an: Chainlink ist mit seiner Oracle-Infrastruktur an Bord und stellt selbst einen Super Validator. Ein weiteres Signal, dass Canton im Krypto-Ökosystem ernst genommen wird.

5. Nachteile & Risiken

So spannend die Story ist, ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Canton hat auch einige Schwachstellen:

  • Fragliche Dezentralität: Die Super Validators sind große Institutionen, und wer heute einen Validator-Node betreiben will, braucht in der Regel ein Sponsoring. Für Krypto-Puristen ist Canton damit näher an einem Konsortiums-Netzwerk als an einer offenen Blockchain.
  • Tokenomics begünstigt Vetternwirtschaft: Das Entwicklerteam bestimmt, wer Validator wird und wer die Erlaubnis bekommt, eine App zu starten. Das begünstigt unfaire Entscheidungen zugunsten weniger.
  • Abhängigkeit von wenigen Playern: Das Netzwerk steht und fällt mit Digital Asset und einer Handvoll Großinstitutionen. Zieht sich ein zentraler Partner zurück, wackelt das Narrativ.
  • Der Kurs hängt an einer Wette: Der Wert von CC ist eng an die tatsächliche institutionelle Adoption gekoppelt. Ein einziges verschobenes Großprojekt kann die Investment-These ins Wanken bringen.
  • Starke Nachrichten-Abhängigkeit: Große Kurssprünge folgten direkt auf Partnerschafts-Meldungen. Das funktioniert in beide Richtungen – bleiben die guten News aus, fehlt der Treibstoff.
  • Junges Netzwerk: Das Mainnet läuft erst seit Juli 2024. Wenig Historie bedeutet wenig Erfahrung mit Stresssituationen.
  • Harte Konkurrenz im RWA-Markt. Ethereum, Solana und der XRP Ledger buhlen um dieselben Tokenisierungs-Anwendungsfälle. Cantons Vorsprung ist nicht in Stein gemeißelt.
  • Für Privatanleger wenig direkter Nutzen. Du kannst CC halten und darauf spekulieren, aber der eigentliche Zweck des Tokens liegt im institutionellen Zahlungsverkehr, nicht im Privatdepot.

6. Ausblick

Der wichtigste Termin im Kalender ist die DTCC. Die Depository Trust & Clearing Corporation – das Rückgrat der US-Wertpapierabwicklung – hat angekündigt, einen Teil der bei ihr verwahrten US-Staatsanleihen auf Canton zu tokenisieren, mit angepeiltem Start im Jahr 2026. Für ein Blockchain-Projekt ist das ein Ritterschlag: Wenn ausgerechnet die zentrale US-Abwicklungsstelle Canton wählt, sagt das viel über die technische Reife aus.

Dazu kommen weitere Signale, die zeigen, dass hier institutionelles Kapital fließt:

  • 21Shares hat einen börsengehandelten Fonds (ETF) auf den Canton-Token aufgelegt – ein neuer Zugang für Anleger, die ohne eigene Wallet Position beziehen wollen.
  • a16z crypto soll laut Medienberichten eine große Finanzierungsrunde bei Digital Asset anführen, die das Unternehmen mit rund zwei Milliarden Dollar bewerten würde.
  • Reihenweise Pilotprojekte laufen – von HSBCs tokenisierten Einlagen bis zu Tests mit japanischen Staatsanleihen durch Nomura und Mizuho.

Zu Kurszielen kursieren die üblichen Prognosen von optimistisch bis vorsichtig, je nachdem, ob die DTCC-Integration planmäßig kommt oder sich verschiebt. Ich halte davon wenig – solche Zahlen sind Kaffeesatzleserei, gerade bei einem so jungen, nachrichtengetriebenen Coin. Entscheidend ist eine einzige Frage: Springt die traditionelle Finanzwelt wirklich in der Breite auf, oder bleibt es bei Pilotprojekten?

Häufige Fragen zum Canton Coin

Ist Canton Coin dasselbe wie das Canton Network?

Nein. Das Canton Network ist die Blockchain, Canton Coin (CC) der dazugehörige Token, mit dem Gebühren bezahlt und Beiträge belohnt werden.

Hatte Canton einen ICO oder Vorverkauf?

Nein. Es gab weder Pre-Mine noch Vorverkauf noch Zuteilungen an Gründer oder Risikokapitalgeber. Jeder Coin wird durch Netzwerknutzung verdient.

Was ist der Unterschied zu Ethereum?

Ethereum ist ein offenes Allzweck-Netzwerk, auf dem alles öffentlich einsehbar ist. Canton ist auf regulierte Institute zugeschnitten und hält Transaktionsdaten standardmäßig privat.

Ist Canton dezentral?

Nur bedingt. Das Netzwerk ist öffentlich zugänglich, die zentrale Infrastruktur liegt aber bei großen Institutionen, und für einen Validator-Node ist derzeit meist ein Sponsoring nötig.

Krypto
Teil des Handbuchs
Krypto
Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

Kommentare zum Beitrag
Werde Teil der Finanzwissen Community
Du musst angemeldet sein, um hier kommentieren zu können. Melde dich mit deinem Community-Konto an oder erstelle kostenlos ein Konto.
Kommentar verfassen
Informationen zur Datenverarbeitung kannst Du unserer Datenschutzerklärung entnehmen.