Programmiererin arbeitet an Chainlink Projekt
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Chainlink: Funktionsweise, Token und Prognose

Lesezeit 7 min.

Silvia Benetti
Redakteurin
Lektoriert vonRune Fauck
Überprüft durchDennis Groß
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Smart Contracts benötigen Daten aus der realen Welt, um die Programme auszuführen. Die Kryptowährung Chainlink will dieses Problem lösen und dezentrale, sichere Daten bereitstellen. Wir erklären, wie Chainlink funktioniert und ob sich der LINK-Token lohnt.

Chainlink: Das Wichtigste in Kürze

  • Blockchain-basierte Layer-2-Anwendung (Orakel) für Smart Contracts
  • Transaktionsgebühren: 14,52 €
  • Konsensmechanismus: Proof of Stake
  • Programmiersprache: Solidity
  • Token im Umlauf: ~ 453,5 Mio.

1. Was ist Chainlink? – Geschichte der Kryptowährung

Ins Leben gerufen wurde Chainlink 2017 von Sergey Nazarov, dem CEO von SmartContract.com, zusammen mit Steve Ellis, einem ehemaligen Ingenieur bei Pivotal, und Ari Juels, Informatikprofessor an der Cornell University.

Ziel des Projekts war, eine Lösung für eines der größten Probleme der Blockchain-Technologie zu schaffen: den Mangel an sicheren, dezentralen Orakeln, also Datenquellen, die externe Daten in Smart Contracts integrieren können.

Im September 2017 führte Chainlink ein Initial Coin Offering (ICO) durch, bei dem das Projekt insgesamt 32 Millionen US-Dollar einwarb. 2018 wurde das Hauptnetzwerk (Mainnet) gelauncht. Im selben Jahr startete die Integration in zahlreiche Blockchain-Plattformen.

Als Heimat der meisten Smart Contracts wurde Ethereum als Umgebung für das neue Kryptoprojekt gesucht. Das erste Whitepaper veröffentlichten die Gründer im September 2017. Ein zweites, das die Chainlink-Entwicklung bis 2021 berücksichtigt, erschien im April 2021.

In den folgenden Jahren erweiterte Chainlink sein Ökosystem und ging jenseits der vielen Kooperationen im Kryptobereich auch zahlreiche Partnerschaften mit Unternehmen ein. Zu den bedeutendsten gehören Kooperationen mit Google (2019), Amazon AWS (2021), SWIFT (2023) sowie mit anderen Blockchains wie Cardano und Tron.

Chainlink Logo

2. Technische Grundlagen von Chainlink

Das Orakelproblem

Smart Contracts benötigen Daten aus der realen Welt, um ausgeführt zu werden. Beispielsweise braucht ein Smart Contract im Finanzbereich den aktuellen Dollar- oder Bitcoin-Kurs. Geht es um Sportwetten, muss er die Ergebnisse der jeweiligen Spiele kennen. Sollen Tantiemen für ein YouTube-Video ausgeschüttet werden, muss er die Anzahl der Klicks wissen.

Ein Orakel ist eine Schnittstelle zwischen Daten aus der realen Welt und einer Blockchain. Handelt es sich um eine zentrale Instanz wie eine Webseite, ist die Transparenz nicht gegeben. Beispielsweise könnten böswillige Akteure den Betreiber bestechen, damit er falsche Informationen übergibt. Wie stellt man also sicher, dass es korrekte Daten liefert?

Chainlink führt ein dezentrales Orakelnetzwerk ein, das aus mehreren Knoten (Nodes) besteht. Diese sind durch ein Anreizsystem motiviert, verlässliche Daten bereitzustellen, da sie für ihre Dienste in der Chainlink-Kryptowährung (LINK) bezahlt werden.

Jeder Knoten ist dabei eine Quelle für spezifische Daten, wie etwa die Außentemperatur oder den Kurs einer bestimmten Kryptowährung, und kann Daten von externen Quellen wie APIs oder Webdiensten sammeln sowie in den Smart Contract integrieren.

Dieses dezentrale Modell sorgt dafür, dass keine einzelne Partei die Kontrolle über die Daten hat, was die Manipulation von Informationen nahezu unmöglich macht. Ein Algorithmus bewertet bei jeder Datenabfrage das Rating der einzelnen Knoten, um die nicht vertrauenswürdigen auszusortieren.

Die Knotenbetreiber erhalten als Belohnung für ihre Arbeit die native Kryptowährung von Chainlink, den LINK-Token. Dabei müssen sie LINK-Token staken, also eine bestimmte Menge LINK als Sicherheit hinterlegen, um sicherzustellen, dass sie zuverlässige Daten liefern. Arbeitet ein Node nicht korrekt, werden die Token vernichtet.

Chainlink Orakel
Indem sie Daten bereitstellen, fungieren Chainlink Knoten als Brücke zwischen Smart Contracts und der realen Welt.

Der Chainlink-Algorithmus

  1. Wer externe Daten für einen Smart Contract haben möchte, setzt eine Anfrage (Requesting Contract) auf und zahlt dafür eine bestimmte Anzahl von LINK-Token.
  2. Der Chainlink-Algorithmus registriert die Anfrage als Event.
  3. Ein sogenannter Service Level Agreement wird erzeugt, also ein Smart Contract, der auf Daten außerhalb der Blockchain zugreifen darf.
  4. Der Service Level Agreement Contract erzeugt drei weitere Smart Contracts:
    1. Einen Reputation Contract (Deutsch: Rufvertrag), der die Geschichte eines Knotens aufwertet und unzuverlässige Knoten aussortiert.
    2. Einen Order Matching Contract, der die ursprüngliche Anfrage an alle zuverlässigen Knoten sendet und ihre Angebote prüft.
    3. Einen Aggregating Contract, der Daten aus verschiedenen Quellen zusammenfügt und validiert. Müssen beispielsweise 9 Knoten die aktuelle Temperatur senden, und stimmt das Ergebnis bei 6 überein, werden die 3 abweichenden aussortiert.
  5. Der Smart Contract, der die Anfrage gesendet hat, erhält die Antwort.
Chainlink Algorithmus

Kompatibilität

Chainlink unterstützt eine Vielzahl von Blockchains, von Ethereum über Polkadot bis hin zu Solana und Binance Smart Chain. Dies ermöglicht Entwicklern, blockchainübergreifende Smart Contracts zu erstellen, die nahtlos Daten austauschen können.

Darüber hinaus ist Chainlink mit vielen Layer-2-Lösungen kompatibel, also solchen, die eine schon vorhandene Blockchain erweitern und zusätzliche Funktionalitäten ermöglichen. Layer-2-Technologien wie Optimistic Rollups oder zk-Rollups können von Chainlink profitieren, indem sie Zugang zu externen Daten erhalten, ohne die Sicherheit und Dezentralisierung der zugrunde liegenden Blockchain zu gefährden. Diese Integration sorgt dafür, dass Anwendungen auf Layer-2 genauso zuverlässig und effizient arbeiten können wie auf Layer-1-Netzwerken, also auf den ursprünglichen Blockchain.

Verifiable Random Function (VRF)

Ein weiterer Baustein von Chainlink ist die Funktion der Verifiable Random Function (VRF). VRF stellt sicher, dass Zufallszahlen, die in Smart Contracts verwendet werden, sowohl für den Benutzer als auch für den Betreiber des Orakels überprüfbar sind. Dies ist besonders wichtig für Anwendungen wie Glücksspiel oder zufallsbasierte Lotterien, da es eine faire und transparente Generierung von Zufallszahlen gewährleistet.

3. Lohnt sich Chainlink? Vorteile und Nachteile

Chainlink bietet ein dezentrales Orakelnetzwerk, das durch eine hohe Sicherheit sowie durch eine hohe Genauigkeit und Verfügbarkeit von Daten punktet. Da keine einzelne Partei die Kontrolle über die gelieferten Daten hat, wird das Risiko von Manipulationen reduziert.

Aus diesem Grund hat es sich als zuverlässiges System etabliert, insbesondere im Bereich DeFi. Die Partnerschaften von Chainlink mit führenden Technologieunternehmen wie Google und Amazon AWS verleihen dem Projekt eine hohe Glaubwürdigkeit und ermöglichen die Integration in bestehende Systeme. Positiv ist auch die Kompatibilität mit vielen Blockchains wie Bitcoin, Ethereum, BNB Chain, Avalanche, Solana und Polkadot.

Chainlink Bridge Smart Contracts
Chainlink versorgt Smart Contracts auf vielen Blockchains mit Daten

Andererseits hängt der Erfolg von Chainlink stark vom LINK-Token ab, da dieser als Anreizmechanismus für Knotenbetreiber fungiert. Sollte die Nachfrage nach Chainlink-Diensten sinken, könnte der Wert des LINK-Tokens sinken und die Knotenanzahl schwinden.

Ebenfalls ist Chainlink nicht das einzige dezentrale Orakelprojekt auf dem Markt. Projekte wie Band Protocol oder UMA bieten ähnliche Lösungen und könnten in der Zukunft zu einer ernsthaften Konkurrenz werden.

Auch wenn Chainlink mittlerweile ein großes Netzwerk betreibt, bleibt die Skalierbarkeit zudem ein potenzielles Problem. Steigt die Nachfrage nach Orakeldiensten weiter, könnte es zu Engpässen und erhöhten Transaktionskosten kommen.

Chainlink Vorteile

  • Dezentralität und Sicherheit
  • Verlässlichkeit
  • Vielfältige Anwendungsfälle
  • Kompatibilität
  • Partnerschaften mit großen Unternehmen

Chainlink Nachteile

  • Abhängigkeit vom LINK-Token
  • Konkurrenz durch andere Orakel-Projekte
  • Skalierbarkeit

4. Wie funktioniert das Chainlink Ökosystem?

DeFi (Dezentralisierte Finanzen)

Viele der führenden DeFi-Protokolle nutzen Chainlink, um auf externe Daten wie den Kurs von Kryptowährungen zuzugreifen. Durch den zuverlässigen Abruf von Marktpreisinformationen können dezentrale Börsen (DEXs), Kreditplattformen und Versicherungen effizient und sicher arbeiten.

Zu den bedeutendsten Partnern zählen die Fintech-Unternehmen Fasanara, BX Digital und Emirates NBD.

 

Chainlink Partnerschaften
Zahlreiche Institutionen aus der DeFi und aus der traditionellen Finanzwelt zählen zu den Partnern von Chainlink

NFT

Auch Marktplätze für Non-fungible Token benötigen zuverlässige Daten außerhalb ihrer Umgebung, beispielsweise Währungskurse. Aus diesem Grund implementieren einige Anbieter wie zkMarkets, HypeBoy und Night & Day Chainlink-APIs.

Versicherungen

Chainlink bietet Lösungen für die Versicherungsbranche, insbesondere bei parametrischen Versicherungen. Dies sind Versicherungen, die automatisch Auszahlungen auslösen, wenn bestimmte, vordefinierte Bedingungen erfüllt sind.

Der Algorithmus ermöglicht es, externe Daten wie Wetterereignisse oder Naturkatastrophen in den Smart Contract zu integrieren, um solche Zahlungen automatisiert und transparent durchzuführen. Zu den Versicherungsanbietern, die Chainlink unterstützen, zählen beispielsweise die Anbieter von Ernteversicherungen für Kleinbauern Etherisc und Acre Africa.

Supply Chain und IoT

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Chainlink ist das Supply-Chain-Management. Hier können Chainlink-Orakel dazu beitragen, Daten über den Zustand von Waren in Echtzeit zu liefern und so die Transparenz und Nachverfolgbarkeit von Lieferketten zu verbessern.

Auch im Internet der Dinge (IoT) können Chainlink-Orakel genutzt werden, um Daten von physischen Geräten in Smart Contracts zu integrieren. Ein Pilotprojekt führt Chainlink in diesem Feld zusammen mit  Vodafone’s Digital Asset Broker.

6. Häufige Fragen zu Chainlink

Unsere Inhalte spiegeln nur die Meinungen und Erwartungen der Autoren wider und stellen somit keine Empfehlung zum Kaufen, Halten oder Verkaufen der genannten Wertpapiere dar.

Als Anleger*in trägst Du die volle Verantwortung für Deine Investitionsentscheidungen.

Die Autoren können in einige der beschriebenen Assets investiert sein und somit ein Interesse an deren Kursentwicklung haben.

Silvia Benetti
Silvia Benetti
Redakteurin
Über die Autorin
Ich habe an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studiert und war anschließend jahrelang im Bereich Windenergie tätig. Seit 2016 schreibe ich freiberuflich über Technik und Finanzen. Zu meinen Lieblingsthemen zählen Immobilien, Kryptowährungen und Tech-Aktien. Insbesondere interessiert mich die Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft und der wirtschaftliche Aspekt von technischen Innovationen. Auch im Freundeskreis bin ich eine geschätzte Beratung, wenn es um Investitionen in Immobilien und Aktien geht.

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