
Trade Republic startet Firmendepot: 2,5 Prozent Zinsen ohne Limit für GmbHs und UGs
Trade Republic nimmt ab sofort auch Firmenkunden an: Alleingesellschafter einer GmbH oder UG können seit dem 22. September 2026 ein Firmendepot eröffnen, mit 2,5 Prozent Zinsen auf nicht investiertes Guthaben ohne Obergrenze, Orders ab 1 Euro und kostenlosen Sparplänen. Das ist eine Kampfansage an die Banken, bei denen Holdings bislang oft 5 Euro und mehr pro Order zahlen. Ein paar Haken hat die Sache trotzdem.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 22. September 2026 bietet Trade Republic den Private Holding Account an: ein Firmendepot für alleinige Gesellschafter einer GmbH oder haftungsbeschränkten UG.
- Auf nicht investiertes Guthaben zahlt Trade Republic 2,5 Prozent Zinsen ohne Obergrenze. Das Geld liegt in Geldmarktfonds, nicht auf einem Bankkonto.
- Orders kosten 1 Euro über die Bestpreis-Ausführung oder 2 Euro direkt an rund 30 Börsenplätzen wie Xetra, Nasdaq und Euronext. Sparpläne sind kostenlos, gehandelt wird ab 1 Euro.
- Kursgewinne aus Aktien werden in der GmbH „unter bestimmten Voraussetzungen" mit rund 1,5 Prozent besteuert. Das ist Gesetz, kein Trade-Republic-Feature, und gilt nicht für ETFs, Streubesitz-Dividenden oder Zinsen.
- Voraussetzung ist ein bestehendes privates Trade-Republic-Konto. GmbHs mit mehreren Gesellschaftern, GbRs und Einzelunternehmer bleiben vorerst außen vor.
Die Konditionen: 1 Euro pro Order, 2,5 Prozent aufs Cash
Trade Republic überträgt sein Privatkunden-Modell eins zu eins auf Kapitalgesellschaften. Das Trade Republic Firmendepot heißt offiziell Private Holding Account und kostet dieselben Gebühren wie das normale Depot: 1 Euro pro Order über die hauseigene Bestpreis-Ausführung oder 2 Euro, wenn du direkt an einem der rund 30 angebundenen Börsenplätze handeln willst, etwa Xetra, Nasdaq oder Euronext. Sparpläne auf Aktien und ETFs sind kostenlos, Orders gehen ab 1 Euro.
Der zweite Baustein ist die Verzinsung. Trade Republic zahlt 2,5 Prozent auf nicht investiertes Guthaben, und zwar ohne Obergrenze. Das ist exakt der Satz, den auch Privatkunden seit dem 16. September 2026 bekommen, nachdem die EZB den Einlagenzins auf 2,50 Prozent angehoben hat. Für eine Holding mit 500.000 Euro Cash sind das 12.500 Euro Zinsen im Jahr. Wie Trade Republic die Verzinsung technisch umsetzt, liest du in unserem Test der Trade-Republic-Zinsen.
Das Kleingedruckte solltest du kennen: Das Guthaben liegt laut Pressemitteilung ausschließlich in Geldmarktfonds. Eine Einlagensicherung wie bei einem Bankguthaben gibt es dafür nicht. Geldmarktfonds sind Sondervermögen und gelten als sehr sicher, ein Tagesgeldkonto sind sie aber nicht. Zur Einordnung: Auch bei einer klassischen Bank ist ein Firmenguthaben gesetzlich nur bis 100.000 Euro geschützt. Für die meisten Holdings dürfte das also kein Ausschlusskriterium sein.
| Produkt | Private Holding Account (Firmendepot) |
| Zielgruppe | Alleinige Gesellschafter einer GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) |
| Zinsen | 2,5 % p.a. auf nicht investiertes Guthaben, ohne Obergrenze (Geldmarktfonds) |
| Ordergebühr | 1 € (Bestpreis) oder 2 € (rund 30 Börsenplätze) |
| Mindestorder | 1 € |
| Sparpläne | kostenlos |
| Anlageuniversum | Tausende Aktien und ETFs, laut Trade Republic „weitere Anlageprodukte" |
| Eröffnung | digital per App oder Web Terminal, bestehendes Trade-Republic-Konto nötig |
| Start | 22. September 2026 |
- Kostenlose Depotführung
- Kostenlose Sparpläne
- Niedrige Ordergebühren
Der Steuervorteil: Warum es rund 1,5 Prozent sind, und wofür nicht
Trade Republic wirbt damit, dass Kapitalgewinne aus Aktien „unter bestimmten Voraussetzungen" mit lediglich rund 1,5 Prozent besteuert werden. Die Pressemitteilung nennt weder die Voraussetzungen noch den Paragrafen. Dahinter steckt § 8b KStG: Verkauft eine Kapitalgesellschaft Aktien mit Gewinn, bleiben 95 Prozent davon steuerfrei. Nur 5 Prozent gelten als nicht abziehbare Betriebsausgabe und werden mit Körperschaftsteuer, Soli und Gewerbesteuer belastet, zusammen rund 30 Prozent. 5 Prozent mal 30 Prozent ergibt die beworbenen 1,5 Prozent.
Was in der Pressemitteilung fehlt: Der Vorteil gilt ausschließlich für Kursgewinne aus Aktien. Dividenden aus Streubesitz, also bei Beteiligungen unter 10 Prozent, versteuert die GmbH voll. Gewinne aus Aktien-ETFs laufen über das Investmentsteuergesetz: Bei der Körperschaftsteuer bleiben 80 Prozent steuerfrei, bei der Gewerbesteuer nur 40 Prozent. Je nach Hebesatz landest du damit grob bei 10 bis 12 Prozent statt bei 1,5. Und die 2,5 Prozent Zinsen aus den Geldmarktfonds sind ganz normale Erträge, die mit rund 30 Prozent besteuert werden. Verluste aus Aktienverkäufen darfst du im Gegenzug nicht abziehen.
💡 Der Vorteil ist im Kern ein Stundungseffekt: Solange das Geld in der GmbH bleibt, arbeitet fast der volle Gewinn weiter. Schüttest du an dich privat aus, greift noch einmal die Abgeltungsteuer. Ob und wie stark das für dich aufgeht, hängt von deiner Struktur ab. Eine operative GmbH mit Wertpapierdepot ist etwas anderes als eine reine Vermögensverwaltungs-Holding. Sprich das mit deinem Steuerberater durch, bevor du das Depot eröffnest, nicht danach.
Wer das Firmendepot bekommt, und wer nicht
Die Zielgruppe ist enger, als der Begriff Firmendepot vermuten lässt. Trade Republic nimmt nur alleinige Eigentümer oder Gesellschafter einer GmbH oder haftungsbeschränkten UG. Das passt auf die klassische Ein-Personen-Holding. Eine Betriebs-GmbH mit zwei Gründern, eine GbR, ein Einzelunternehmen oder ein Verein gehen leer aus, zumindest vorerst. Welche Rechtsform zu welchem Zweck passt, erklären wir im Beitrag zu den Rechtsformen für Gründer.
Zweite Bedingung ist ein bestehendes privates Trade-Republic-Konto. Das Firmendepot hängt am Privat-Login, in der App wechselst du zwischen Privatdepot und Holding. Die Eröffnung läuft vollständig digital über die App oder das Web Terminal und soll innerhalb von Minuten erledigt sein. Wer schon einmal ein Firmendepot bei einer Filialbank eröffnet hat, mit Handelsregisterauszug, Gesellschafterliste und zwei Wochen Wartezeit, weiß, wie groß dieser Unterschied ist.
Ich finde die Kopplung ans Privatkonto nachvollziehbar, weil Trade Republic sich damit die komplette Legitimation spart. Sauber getrennt ist es trotzdem nicht. Willst du deine GmbH-Finanzen bewusst von den privaten Konten fernhalten, musst du dich an den Gedanken gewöhnen, dass beides hinter einem Login liegt. Den laufenden Zahlungsverkehr deiner Gesellschaft ersetzt das Depot ohnehin nicht, dafür brauchst du weiterhin ein Geschäftskonto für GmbH und UG.
Einordnung: Kampfansage an die Banken, mit offenen Fragen
Mit 1 Euro pro Order setzt Trade Republic einen Preis, den es im Firmendepot-Markt bisher so nicht gab. In unserem Firmendepot-Vergleich liegt der Testsieger flatex bei 5,90 Euro pro Order, die Commerzbank verlangt 4,90 Euro plus 0,25 Prozent, der S Broker 5,97 Euro plus 0,25 Prozent. Nur XTB mit 0 Prozent Provision und Interactive Brokers mit 0,05 Prozent liegen ähnlich tief, richten sich aber eher an aktive Trader als an eine Holding, die zweimal im Jahr einen ETF nachkauft.
Der eigentliche Hebel ist aber nicht die Ordergebühr, sondern der Zins. Mitgründer Christian Hecker bringt es in der Pressemitteilung auf den Punkt: „Milliarden liegen in deutschen Holdings und arbeiten kaum." Das deckt sich mit dem, was ich aus Gesprächen mit anderen GmbH-Inhabern kenne. Das Geld liegt auf dem Geschäftskonto bei der Hausbank, zu 0 Prozent, weil ein Firmendepot dort Papierkram und Gebühren bedeutet. Trade Republic greift genau diese Trägheit an, mit mehr als zehn Millionen Kunden und über 150 Milliarden Euro Kundenvermögen im Rücken.
Was mich zurückhält, sind drei offene Punkte. Erstens sagt die Pressemitteilung nichts zur Depotgebühr. Zweitens fehlt jede Aussage zum Steuerreporting: Dein Steuerberater braucht am Jahresende eine saubere Erträgnisaufstellung für die Bilanz, und ob Trade Republic die auf GmbH-Niveau liefert, muss sich erst zeigen. Drittens wissen wir noch nicht, ob und wie ein Depotübertrag von einer anderen Bank ins Firmendepot funktioniert.
Würde ich meine Holding heute komplett umziehen? Noch nicht. Ein Zweitdepot für den Cash-Bestand, um die 2,5 Prozent mitzunehmen, halte ich dagegen für naheliegend, sobald dein Steuerberater das Reporting abgenickt hat. Wie das Depot im Privatkundengeschäft abschneidet, liest du in unserem Trade-Republic-Test.
Fazit
Trade Republic bringt das, was im Privatkundengeschäft funktioniert hat, jetzt in die GmbH: 1-Euro-Orders, kostenlose Sparpläne, 2,5 Prozent auf Cash ohne Deckel und eine Eröffnung in Minuten. Für Ein-Personen-Holdings, die ihr Geld bisher unverzinst auf dem Geschäftskonto liegen lassen, ist das Trade Republic Firmendepot ein echter Fortschritt, und für flatex, Commerzbank und Co. eine unangenehme Nachricht.
Unterm Strich fehlen aber noch zu viele Details für ein klares Urteil: Depotgebühr, Steuerreporting, Depotübertrag, und ob mehrere Gesellschafter irgendwann nachziehen dürfen. Der 1,5-Prozent-Steuervorteil ist außerdem kein Trade-Republic-Feature, sondern Gesetz, und er gilt nur für Aktien. Sobald wir das Firmendepot selbst getestet haben, aktualisieren wir unseren Trade-Republic-Test und den Firmendepot-Vergleich. Wie ist deine Meinung? Schreib mir gerne einen Kommentar.
FAQ zum Trade Republic Firmendepot
Was kostet das Firmendepot bei Trade Republic?
Eine Order kostet 1 Euro über die Bestpreis-Ausführung oder 2 Euro direkt an einem Börsenplatz. Sparpläne sind kostenlos, die Mindestorder liegt bei 1 Euro. Zu einer Depotgebühr macht Trade Republic in der Pressemitteilung keine Angabe.
Wer kann das Trade Republic Firmendepot eröffnen?
Nur alleinige Eigentümer oder Gesellschafter einer deutschen GmbH oder haftungsbeschränkten UG, die bereits ein privates Trade-Republic-Konto haben. Gesellschaften mit mehreren Gesellschaftern, GbRs, Einzelunternehmer und Vereine sind bislang nicht zugelassen.
Sind die 2,5 Prozent Zinsen sicher?
Das Guthaben liegt in Geldmarktfonds, also in Sondervermögen ohne Einlagensicherung. Das Ausfallrisiko ist gering, aber nicht null. Der Zinssatz ist zudem nicht garantiert: Trade Republic gibt den EZB-Einlagenzins weiter. Senkt die EZB, sinken auch die 2,5 Prozent.
Gilt der Steuervorteil von 1,5 Prozent für alle Anlagen?
Nein. Die 95-prozentige Steuerfreiheit nach § 8b KStG gilt nur für Kursgewinne aus Aktienverkäufen. Streubesitz-Dividenden und Zinsen versteuert die GmbH voll, Aktien-ETFs profitieren nur von einer Teilfreistellung. Lass dir deine konkrete Situation vom Steuerberater durchrechnen.

