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Trade Republic baut eigene Handelsmaschine: Was die neue Bestpreis-Technologie für Anleger und Broker bedeutet

Lesezeit 5 min.

Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchSebastian Rau
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Trade Republic hat heute eine neue Handelstechnologie vorgestellt und die hat es in sich. Statt eine Order wie bisher an einen einzelnen Handelsplatz weiterzureichen, wickelt der Neobroker Trades künftig über einen eigenen Bestpreis-Algorithmus ab, der Kurse über alle relevanten Börsen zusammenführt. Dazu kommen ein neuer Direktpreis mit Zugang zu 30 Börsen und ein Web Terminal für aktive Anleger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trade Republic führt eine eigene Handelstechnologie ein: Orders werden automatisch zum Bestpreis unter allen relevanten Börsen ausgeführt, gegen Trade Republic selbst.
  • Der Bestpreis kostet weiterhin nur 1 € Abwicklungspauschale pro Trade (zzgl. Fremdkosten und Spreads). Wer den Handelsplatz selbst wählen will, zahlt über den neuen Direktpreis 2 € pro Trade.
  • Über Direktpreis stehen 30 Börsen zur Auswahl, darunter Xetra, Euronext, NYSE und Nasdaq – für Market-, Limit- und Stop-Orders.
  • Neu ist ein Web Terminal mit Charting, Screenern und Live-Daten, ohne Zusatzkosten.
  • Auslöser ist das PFOF-Verbot seit dem 1. Juli 2026. Die Broker-Aktien von Lang & Schwarz (bis zu −13 %) und FlatexDegiro (−4 %) gerieten vorbörslich unter Druck.

Das steckt hinter der neuen Handelstechnologie

Kern der Umstellung ist ein selbst entwickelter Bestpreis-Algorithmus. Er ermittelt für jede Order automatisch den günstigsten Kaufkurs und den besten Verkaufskurs und zwar über ein aggregiertes Orderbuch, das die Preise aller relevanten liquiden Börsen in Echtzeit zusammenführt. Das Ganze funktioniert laut Trade Republic für jede Ordergröße und ohne zusätzliche Kosten. Der Preis bleibt bei der bekannten 1-Euro-Pauschale pro Trade.

Neu daneben: der Direktpreis. Damit kannst du gezielt aus 30 Handelsplätzen wählen, etwa Xetra, Euronext oder Nasdaq, und dort Market-, Limit- und Stop-Orders platzieren. Kostenpunkt hier: 2 € pro Trade, unabhängig von der Ordergröße. Dazu zeigt die App die Live-Daten des aggregierten Orderbuchs sowie die Orderbücher einzelner Börsen kostenlos an, du kannst also direkt vergleichen, wo gerade welcher Kurs steht.

Der dritte Baustein ist das Web Terminal, ein eigenes Web-Trading-Angebot für aktive Anleger. Enthalten sind professionelles Charting, anpassbare Workspaces, Aktien- und Derivate-Screener, Portfolio-Analysen und Live-Marktdaten – ebenfalls ohne Zusatzkosten. Mitgründer Christian Hecker ordnet den Schritt so ein: Man gebe damit über zehn Millionen Kunden Werkzeuge und Marktinfrastruktur, die bisher Banken, Hedgefonds und institutionellen Investoren vorbehalten gewesen seien.

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Warum Trade Republic den Handel jetzt komplett neu baut

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU das Verbot des sogenannten Payment for Order Flow (PFOF). Broker dürfen sich also nicht mehr dafür bezahlen lassen, dass sie Kundenorders an einen bestimmten Handelsplatz weiterleiten. Genau darauf beruhte bisher ein Teil des Geschäftsmodells.

Im Aktienhandel arbeitete Trade Republic bislang vor allem mit Lang & Schwarz zusammen, die für die Übermittlung der Orders Provisionen zahlten.

Die eigentliche Neuerung liegt unter der Haube. Künftig ist nicht mehr eine Börse der Gegenpart der Order, sondern Trade Republic selbst. Der Algorithmus sucht in Echtzeit an über 30 Börsen den günstigsten verfügbaren Kurs, Trade Republic nimmt das Wertpapier einen kurzen Moment ins eigene Buch und gibt es dann an dich weiter. Aus dem reinen Vermittler wird damit ein aktiver Teil der Handelskette, so ersetzt Trade Republic die weggefallenen PFOF-Einnahmen durch ein eigenes Geschäftsfeld.

Was das für dich als Anleger bedeutet

Für die meisten Kunden ändert sich am Preis erst einmal wenig: Der Standardhandel bleibt bei 1 Euro pro Order. Was neu dazukommt, ist Transparenz. Über das globale Orderbuch siehst du Geld- und Briefkurse über alle Börsen hinweg. Diese Live-Daten waren bei vielen Brokern bisher kostenpflichtig oder gar nicht verfügbar. Ein spürbarer Mehrwert, gerade wenn du wissen willst, zu welchem Kurs deine Order tatsächlich ausgeführt wird.

Wer aktiver handelt, bekommt mit dem Web Terminal und dem Direktpreis-Modell mehr Kontrolle: Du wählst deinen Handelsplatz selbst, nutzt Limit- und Stop-Orders gezielt und arbeitest mit professionellen Charts. Für Trader, die bisher wegen der schlanken App-Oberfläche zögerten, ist das ein echtes Argument.

Ein Punkt gehört zur ehrlichen Einordnung: Der „Bestpreis" wird von Trade Republics eigenem Algorithmus ermittelt und ausgeführt wird gegen Trade Republic. Das ist per se nichts Schlechtes. Market-Making ist im institutionellen Handel Standard. Aber es lohnt sich, das kostenlose Live-Orderbuch zu nutzen und den gebotenen Kurs mit einzelnen Börsen abzugleichen.

Genau dafür hat Trade Republic den Vergleich ja eingebaut. Unser Tipp: Bei größeren Orders vorher kurz das aggregierte Orderbuch checken und, wenn du einen bestimmten Referenzkurs willst, über den Direktpreis gezielt an Xetra oder Nasdaq gehen.

Wenn du wissen willst, wie sich Trade Republic insgesamt schlägt, findest du unsere Bewertung in unserem Trade Republic Test. Grundlagen zu den einzelnen Handelsplätzen erklären wir dir im Ratgeber zu den Börsenplätzen, und die Unterschiede zwischen Market-, Limit- und Stop-Order liest du in unserer Übersicht der Ordertypen.

Was das für die Konkurrenz bedeutet

Am deutlichsten trifft es Lang & Schwarz. Der Wertpapierhandel für Neobroker war ein zentrales Standbein, und Trade Republic war ein wichtiger Partner. Fällt dieser Orderstrom weg, fällt ein großer Umsatzblock weg, der Kurssturz von bis zu 13 Prozent auf Tradegate spricht eine klare Sprache. Auch FlatexDegiro rutschte vorbörslich rund vier Prozent unter den Xetra-Schluss, obwohl das Geschäftsmodell breiter aufgestellt ist.

Der Schritt verschiebt die Machtverhältnisse im Neobroker-Markt. Trade Republic macht sich unabhängiger von Handelsplätzen und Partnern und kontrolliert die gesamte Wertschöpfungskette selbst, von der Order bis zur Ausführung. Für Wettbewerber wie Scalable Capital, deren Modell teils auf ähnlichen Kooperationen aufbaut, erhöht das den Druck, eigene Antworten auf das PFOF-Verbot zu finden.

Für klassische Börsenbetreiber ist die Entwicklung zwiespältig. Einerseits bündelt Trade Republic weiter Liquidität und leitet sie über Direktpreis an Xetra, Euronext und Co. Andererseits läuft der Standardhandel künftig zu großen Teilen im eigenen Haus. Ein Teil des Volumens, das früher direkt an die Börsen ging, bleibt bei Trade Republic hängen.

Die Konkurrenz gerät unter Druck - Für Kunden positiv

Trade Republic macht aus der Not des PFOF-Verbots eine strategische Chance. Statt schlicht eine Einnahmequelle zu verlieren, baut der Broker eine eigene Handelsinfrastruktur, sichert sich ein neues Geschäftsfeld und liefert Kunden gleichzeitig mehr Transparenz und Tools. Für Anleger überwiegen erst einmal die Vorteile: gleicher Preis, kostenlose Live-Orderbücher, professionelles Web Terminal. Der Haken liegt im Detail: Der Bestpreis wird vom Anbieter selbst ermittelt, weshalb sich ein prüfender Blick ins Orderbuch lohnt.

Für die Konkurrenz ist der Tag ein Warnschuss. Wer sein Geschäft auf Provisionen für Orderweiterleitung aufgebaut hat, muss umdenken – und zwar schnell. Welcher Broker unterm Strich zu dir passt, kannst du in unserem Neobroker-Vergleich und im großen Depot-Vergleich prüfen.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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