
OpenAI-Börsengang: ChatGPT-Macher reicht IPO-Antrag ein – das musst du als Anleger wissen
OpenAI hat am Montag den formellen Weg an die Börse eingeschlagen. Der ChatGPT-Entwickler reichte bei der US-Börsenaufsicht SEC vertraulich einen Entwurf seines Börsenprospekts ein und das rund eine Woche, nachdem Konkurrent Anthropic exakt denselben Schritt getan hatte.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI hat am 8. Juni 2026 vertraulich eine S-1-Registrierung bei der SEC eingereicht – der formelle Startschuss für den Börsengang.
- Erwartet wird eine Bewertung von über einer Billion US-Dollar; die letzte Finanzierungsrunde im März 2026 bewertete das Unternehmen mit rund 852 Milliarden Dollar.
- OpenAI will laut Berichten mindestens 60 Milliarden Dollar einsammeln – mehr als das Doppelte des bisherigen Rekord-IPOs von Saudi Aramco.
- Ein konkreter Termin steht noch nicht fest. Diskutiert werden September oder das vierte Quartal 2026.
- Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den Prozess. CFO Sarah Friar kündigte an, dass auch Privatanleger zum Zuge kommen sollen.
Was genau ist passiert?
OpenAI hat bei der SEC einen vertraulichen Entwurf des Börsenprospekts eingereicht. „Vertraulich" heißt: Die wirklich spannenden Zahlen – Ausgabepreis, Aktienanzahl, Emissionsvolumen – bleiben vorerst unter Verschluss. Sie werden erst kurz vor dem eigentlichen Handelsstart öffentlich. Dieses Verfahren ist in den USA völlig normal und erlaubt es Unternehmen, den Prozess in Ruhe vorzubereiten, ohne sofort alle Karten offenzulegen.
Bemerkenswert ist die Kommunikation: OpenAI hat den Schritt selbst öffentlich gemacht – mit der Begründung, die Sache würde ohnehin durchsickern. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, der Zeitpunkt des Börsengangs sei noch nicht entschieden und könne dauern. Der Druck durch andere KI-Unternehmen ist aber enorm. Daher wahrscheinlich auch der Schritt, das ganze jetzt zu verkündigen.

Über eine Billion Dollar – bei Milliardenverlusten
Jetzt zu den Zahlen, die das Ganze interessant machen. OpenAI wurde zuletzt mit rund 852 Milliarden Dollar bewertet. Beim Börsengang könnte eine Bewertung von über einer Billion Dollar angepeilt werden. Das Unternehmen will dabei mindestens 60 Milliarden Dollar aufnehmen – eine Größenordnung, die fast jeden bisherigen IPO in den Schatten stellt.
Die andere Seite der Medaille: OpenAI verdient noch kein Geld. Für das Geschäftsjahr 2026 wird ein Verlust im zweistelligen Milliardenbereich erwartet. Profitabel will das Unternehmen frühestens 2030 sein. Der Umsatz wächst zwar rasant – getragen von rund 900 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzern –, aber gleichzeitig fließen gigantische Summen in Rechenzentren, Chips und Strom. Moderne KI ist eben längst kein reines Softwaregeschäft mehr, sondern ein extrem kapitalintensives Infrastrukturgeschäft.
Und genau hier liegt die Spannung, über die du nachdenken solltest:
- Pro: Markenbekanntheit und ein großes Nutzerwachstum.
- Contra: eine Bewertung jenseits der Billionengrenze – für ein Unternehmen, das pro Jahr zweistellige Milliardenverluste schreibt und dessen Profitabilität Jahre in der Zukunft liegt. Außerdem ist die Konkurrenz riesig. Google, Anthropic, Microsoft und weitere haben längst ihre eigenen KI-Modelle.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist am Ende eine Frage des Zeithorizonts und der Frage, wie viel Fantasie der Markt zu zahlen bereit ist. Eine ausgemachte Sache ist das nicht.
Das Wettrennen: Anthropic war zuerst da
Der eigentlich interessante Teil der Geschichte ist das Timing. Anthropic – der Entwickler des KI-Assistenten Claude – hatte seinen vertraulichen IPO-Antrag bereits am 1. Juni 2026 eingereicht, also eine ganze Woche vor OpenAI. Auf den Prediction Markets hatten die meisten darauf gewettet, dass OpenAI zuerst gehen würde. Es kam anders.
Dass beide Einreichungen innerhalb von zwei Wochen erfolgen, ist sicher kein Zufall. Keines der beiden Unternehmen will als Nachzügler dastehen. Hinzu kommt SpaceX, das ebenfalls einen Börsenprospekt eingereicht hat. Drei Tech- und Raumfahrt-Schwergewichte mit zusammen weit über drei Billionen Dollar Bewertung drängen also fast gleichzeitig aufs Parkett. 2026 könnte damit als Ausnahmejahr für Tech-IPOs in die Geschichte eingehen.
Für dich als Anleger heißt das vor allem eins: Schau nicht nur auf den lautesten Namen. Die spannendste Frage ist nicht, wer zuerst geht, sondern welche dieser Bewertungen der öffentliche Markt tatsächlich mitträgt.
Kann ich als Privatanleger überhaupt OpenAI-Aktien kaufen?
Diese Frage bekomme ich bei jedem großen IPO – und sie ist berechtigt. Die ehrliche Antwort: Beim Börsengang selbst (in der Zeichnungsphase) kommen Privatanleger in Deutschland meist nicht oder nur über Umwege an Aktien. Die Zuteilung läuft überwiegend an institutionelle Investoren. Immerhin: OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar hat angekündigt, dass auch Privatanleger beim Börsengang berücksichtigt werden sollen. Wie das konkret aussieht, ist aber noch offen.
Trade Republic hat jüngst erst angekündigt, exklusiven Zugang zu ausgewählten IPOs wie SpaceX zu gewähren. Auch bei OpenAI und Anthropic wurde dies bereits angekündigt. Wenn du in der Trade Repulbic App unter Suche gehst, werden dir die drei IPOs bereits angezeigt.

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- Niedrige Ordergebühren
Realistisch für die meisten von uns ist der Kauf nach dem Börsenstart – also wenn die KI-Aktie regulär gehandelt wird. Dafür brauchst du ein Wertpapierdepot. Welcher Anbieter für US-Aktien günstig und unkompliziert ist, findest du in unserem Depot-Vergleich.
Unser Tipp: Lass dich von der Schlagzeile nicht zum Schnellschuss verleiten. Gerade bei prominenten IPOs sind die ersten Handelstage oft von Euphorie und hoher Volatilität geprägt. Wer ein paar Wochen abwartet und sich erst die echten Geschäftszahlen aus dem dann öffentlichen Prospekt anschaut, trifft in der Regel die nüchternere Entscheidung. Wie ein Börsengang grundsätzlich abläuft, erklären wir dir im Ratgeber zu IPOs und Neuemissionen.
Einordnung: Hype oder echte Chance?
Ein direktes Investment in einen frisch gelisteten KI-Riesen mit Billionen-Bewertung und Milliardenverlusten ist nichts für schwache Nerven – und schon gar keine Basis für den Vermögensaufbau. Wenn du am KI-Trend teilhaben willst, ohne alles auf eine Karte zu setzen, sind breit gestreute Alternativen oft der ruhigere Weg. Über Welt-ETFs und KI-ETFs bist du bereits heute an Dutzenden Unternehmen aus dem Sektor beteiligt – inklusive der Zulieferer wie Halbleiterhersteller, die unabhängig vom einzelnen IPO-Gewinner mitverdienen.
Der OpenAI-Börsengang ist ein Meilenstein für die gesamte Branche. Aber ein Meilenstein für ein Unternehmen ist nicht automatisch ein gutes Investment für dein Depot. Diese beiden Dinge solltest du sauber trennen.
Der Hype ist groß, aber Vorsicht ist geboten
OpenAIs IPO-Antrag ist der vorläufige Höhepunkt eines beispiellosen KI-Wettlaufs an die Börse. Über eine Billion Dollar Bewertung, mindestens 60 Milliarden Dollar Emissionsvolumen, dazu der Schlagabtausch mit Anthropic und SpaceX – die Dimensionen sind historisch. Für dich als Anleger zählt aber weniger die Schlagzeile als die Substanz: Solange ein konkreter Termin, ein Preis und belastbare Zahlen fehlen, ist alles andere Spekulation.
Unsere Inhalte spiegeln nur die Meinungen und Erwartungen der Autoren wider und stellen somit keine Empfehlung zum Kaufen, Halten oder Verkaufen der genannten Wertpapiere dar.
Als Anleger*in trägst Du die volle Verantwortung für Deine Investitionsentscheidungen.
Die Autoren können in einige der beschriebenen Assets investiert sein und somit ein Interesse an deren Kursentwicklung haben.

