Man stapelt Münzen

Altersvorsorgedepot: Was die GroKo kurz vor Toresschluss noch gedreht hat und wie Sparer davon profitieren

Lesezeit 6 min.

Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchFlorian Döhnert-Breyer
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Kurz vor der Bundestagsabstimmung am 27. März 2026 hat sich die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD doch noch auf wesentliche Änderungen beim Altersvorsorgedepot geeinigt. Was nach Technokraten-Detail klingt, ist in Wahrheit eine echte Schlappe für die Finanzindustrie, aber gute Nachrichten für dich als Sparer. Wir ordnen die fünf wichtigsten Änderungen ein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kostendeckel runter: Beim Standarddepot sind die jährlichen Effektivkosten künftig auf 1,0 Prozent statt der ursprünglich geplanten 1,5 Prozent gedeckelt.
  • Förderung neu gerechnet: Statt einer festen Cent-Zulage gibt es jetzt 50 Prozent Förderung auf die ersten 360 € Jahresbeitrag und 25 Prozent auf weitere Beiträge bis 1.800 €. Das sind maximal 540 € Grundzulage.
  • Selbstständige rein: Endlich können auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende staatlich gefördert vorsorgen.
  • Staatliches Depot möglich: Der Bund darf per Rechtsverordnung künftig selbst ein Standarddepot anbieten – als Alternative zu Banken und Fondsanbietern.
  • Bundesrat hat zugestimmt: Am 8. Mai 2026 ist die Reform endgültig durch. Start ist der 1. Januar 2027.

Was war eigentlich der Streit?

Der ursprüngliche Regierungsentwurf vom Dezember 2025 war eher ein Kompromiss zugunsten der Anbieter. Die Deutsche Kreditwirtschaft wollte den Kostendeckel sogar ganz kippen, mit dem üblichen Argument, der Wettbewerb regele das schon. Verbraucherschützer hielten dagegen 1,5 Prozent für viel zu hoch.

Am Ende hat sich die SPD aber durchgesetzt. Heraus kam ein Paket, das die klassischen Fonds-Vertreiber und Versicherer sichtbar wurmt. Aber für Neobroker und ETF Anleger besser ist.

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Die fünf wichtigsten Änderungen im Detail

1. Kostendeckel: 1,0 Prozent statt 1,5 Prozent

Ein halber Prozentpunkt klingt erstmal nach nicht viel, ist es aber. Bei einer Anlagedauer von 30 Jahren macht ein halber Prozentpunkt schnell mehrere zehntausend Euro Endkapital aus. Das gilt aber nur für das Standarddepot, das jeder Anbieter verpflichtend führen muss. Wer ein „normales" Altersvorsorgedepot mit individueller Produktauswahl wählt, kann auch teurer fahren.

Was uns besonders gut gefällt: Der Deckel umfasst alle Effektivkosten , also auch die TER der enthaltenen Fonds. Damit lassen sich verdeckte Gebühren kaum noch durch die Hintertür reinholen.

2. Neue Zulagenlogik: 50 Prozent auf die ersten 360 Euro

Die ursprünglich geplante Förderung in Cent pro Euro Sparbeitrag ist Geschichte. Stattdessen gilt jetzt:

  • Beitrag bis 360 € pro Jahr: 50 % staatliche Zulage, also bis zu 180 €
  • Beitrag zwischen 360,01 € und 1.800 € pro Jahr: 25 % staatliche Zulage, also bis zu weiteren 360 €
  • Maximale Grundzulage: 540 € pro Jahr

Zum Vergleich: Bei der alten Riester-Rente waren es maximal 175 €. Die Förderung verdreifacht sich also fast.

Ehrlicherweise hat dieser Punkt einen Haken: Wer wirklich nur kleine Beträge sparen kann, muss jetzt deutlich mehr eigenes Geld einzahlen, um die volle Förderung mitzunehmen. Bei der alten Riester reichten 60 € Beitrag für die volle Grundzulage. Beim Altersvorsorgedepot brauchst du mindestens 120 € überhaupt und 525 €, um auf die alte 175-€-Marke zu kommen.

Heißt: Die Reform belohnt Sparer mit mittlerem Einkommen stärker als die alte Riester und die untersten Einkommensgruppen weniger.

3. Kinderzulage: 100 Prozent bis 300 Euro Eigenbeitrag

Eltern bekommen es einfacher: Bis zu einem Eigenbeitrag von 300 € pro Jahr gibt es eine Kinderzulage von 100 Prozent, also bis zu 300 € pro Kind, on top zur Grundzulage. Wer drei Kinder hat und genug einzahlt, kommt damit auf eine staatliche Förderung von über 1.400 € jährlich.

4. Selbstständige sind drin

Lange war das ein Aufreger der alten Riester: Selbstständige durften nicht mit. Das ist vorbei. Künftig dürfen alle Selbstständigen, Freiberufler und Gewerbetreibenden das Altersvorsorgedepot nutzen, inklusive Förderung. Auch Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke (Ärzte, Anwälte, Architekten) können einsteigen.

Das war im ursprünglichen Entwurf nicht vorgesehen und ist in unseren Augen die wichtigste sozialpolitische Korrektur des Gesetzes. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur privaten Altersvorsorge und zur gesetzlichen Rente für Selbstständige.

5. Der Staat als Anbieter

Spannende Neuerung am Rande: Der Bund darf künftig per Rechtsverordnung selbst ein Standarddepot anbieten und so eine Alternative zu Banken, Fondsanbietern und Versicherern anbieten. Das Modell soll sich selbst tragen, also ohne Steuermittel auskommen.

Ob daraus tatsächlich ein staatliches ETF-Depot wird (Stichwort „Bürgerfonds", wie ihn die Grünen vorgeschlagen haben), bleibt abzuwarten. Die Verordnung steht noch aus. Aber allein die Möglichkeit dürfte den privaten Anbietern Druck machen, ihre Konditionen wettbewerbsfähig zu halten.

Was bedeutet das konkret für dich?

Drei Szenarien, drei Empfehlungen:

Du hast einen alten Riester-Vertrag. Bestandsschutz gilt. Du musst erstmal nichts tun. Trotzdem solltest du prüfen, ob ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot lohnt. Die meisten Riester-Verträge haben miese Renditen und hohe Kosten. In unserem Ratgeber zur Riester-Rente findest du eine Entscheidungshilfe. Riester lohnt sich eigentlich nur für Menschen mit niedrigem Einkommen und vielen Kindern. Alle anderen sind mit dem Altersvorsorgedepot oder eine eigenen ETF-Strategie besser dran.

Du sparst noch nicht für die Rente. Ab Januar 2027 ist das Altersvorsorgedepot wahrscheinlich das beste staatlich geförderte Produkt für den Vermögensaufbau- Gerade, wenn du den langen Anlagehorizont (20+ Jahre) hast, um das Kapitalmarktrisiko auszusitzen. Bis dahin kannst du schon heute mit einem ETF-Sparplan anfangen, ohne staatliche Förderung, aber mit voller Flexibilität.

Du bist Selbstständiger. Für dich ist die Reform der vielleicht wichtigste Punkt. Erstmals gibt's eine staatlich geförderte private Altersvorsorge, die nicht so unflexibel ist wie die Rürup-Rente. Spätestens ab Mitte 2026 lohnt es sich, das Thema vorzubereiten.

Wo der Haken sitzt

Bei aller Begeisterung gibt es ein paar Punkte die einen kritischen Blick verdienen:

  • Keine Beitragsgarantie: Du trägst das volle Kapitalmarktrisiko. Wer 2 Jahre vor Rentenbeginn einen Crash erwischt, kann böse landen. Historisch gesehen erholt sich der Markt aber wieder, weshalb ein langer Anlagehorizont von 10+ Jahren wichtig ist.
  • Keine Pflicht zum Einstieg: Anders als in Schweden oder Großbritannien gibt's keinen automatischen Einstieg („Opt-out"). Die Ökonomie-Professorin Ulrike Malmendier hat in der Bundestags-Anhörung zu Recht kritisiert, dass die Reform damit bildungsferne Haushalte kaum erreichen wird.
  • Standarddepot ≠ bestes Depot: Der 1-Prozent-Deckel gilt nur dort. Wer individuell wählt, kann teurer fahren und der Vergleich wird komplexer als bei der alten Riester.

Fazit: Das Altersvorsorgedepot ist deutlich besser als die Riester-Rente

Die Reform ist insgesamt ein gelungener politischer Kompromiss. Schwächen und Kritikpunkte gibt es immer. Einige der wichtigsten Verbesserungen kamen erst in letzter Minute und haben das Produkt noch verbessert: niedrigerer Kostendeckel, neue Förderlogik, Selbstständige drin, staatlicher Anbieter möglich.

Der Dezember-Entwurf hatte die Schwäche, dass viele Anleger vermutlich von Fondsgesellschaften und Versicherern teure Produkte verkauft bekommen hätten.

Die Gefahr besteht immer noch, aber die maximalen Kosten wurden immerhin auf 1,00 % gedeckelt. Verglichen mit einem ETF, bei dem die Kosten oft nur bei 0,20 % liegen ist das immer noch viel, aber besser als die geplanten 1,50 %.

Häufige Fragen zu den Änderungen am Altersvorsorgedepot

Wann startet das Altersvorsorgedepot?

Am 1. Januar 2027. Ab dann dürfen Banken, Fondsanbieter und Versicherer entsprechende Depots anbieten.

Wie hoch ist die maximale Förderung?

540 € Grundzulage pro Jahr bei einem Eigenbeitrag von 1.800 €. Plus bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind.

Was passiert mit meinem alten Riester-Vertrag?

Der Bestandsschutz gilt. Du kannst ihn weiterführen, beitragsfrei stellen oder kündigen. Ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot soll möglich werden. Die Details dafür stehen aber noch aus.

Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?

Ja. Das ist eine der wichtigsten Neuerungen gegenüber der alten Riester-Rente.

Was kostet das Standarddepot maximal?

Maximal 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr – das umfasst alle Kosten inklusive Fonds-TER.

Gibt es eine Beitragsgarantie?

Nein, nicht beim Altersvorsorgedepot. Neben renditeorientierten Varianten ohne Garantie wird es weiterhin garantierte Produkte mit Kapitalgarantie zu Beginn der Auszahlungsphase geben.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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