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Altersvorsorgedepot ab 2027: Bundesrat besiegelt das Ende der Riester-Rente

Lesezeit 6 min.

Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchSebastian Rau
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Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 grünes Licht für die Reform der privaten Altersvorsorge gegeben. Damit ist die letzte parlamentarische Hürde genommen — und der Weg frei für das Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 die unbeliebte Riester-Rente ablöst. Bis zu 540 Euro Grundzulage, ETF-Sparen ohne Beitragsgarantie und ein Kostendeckel von einem Prozent: Wir zeigen dir, was jetzt beschlossen wurde und für wen sich der Wechsel lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 dem Altersvorsorge-Reformgesetz zugestimmt.
  • Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 und ersetzt die Riester-Rente.
  • Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, 300 € Kinderzulage pro Kind, 200 € Berufseinsteigerbonus für Sparer unter 25.
  • ETF- und Fondssparen sind ausdrücklich erlaubt — ohne 100-Prozent-Beitragsgarantie.
  • Bestandsschutz für alle Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden.

Was hat der Bundesrat genau beschlossen?

Nach jahrelanger Diskussion ist es jetzt offiziell: Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 der vom Bundestag beschlossenen Reform der privaten Altersvorsorge zugestimmt. Das Gesetz sieht vor, ab 2027 die Riester-Rente durch ein neues, staatlich gefördertes Modell abzulösen.

Im Zentrum steht das Altersvorsorgedepot — ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in das du direkt in Aktien, Fonds und ETFs für deinen Ruhestand investieren kannst. Die neuen Produkte sollen flexibler, renditenstärker und kostengünstiger sein als die Riester-Rente. Sie bieten jedoch keine Beitragsgarantie.

Im parlamentarischen Verfahren wurde der Entwurf der Bundesregierung an mehreren Stellen noch deutlich nachgebessert: So können nun neben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern künftig auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende von der staatlichen Förderung profitieren. Außerdem wurden die Kinderzulage erhöht und die maximalen Effektivkosten beim Standardprodukt von 1,5 auf 1 Prozent abgesenkt.

Unser Hinweis: Diese letzte Anpassung — der Kostendeckel von einem Prozent statt 1,5 Prozent — klingt klein, macht über 40 Jahre Spardauer aber locker einen fünfstelligen Unterschied.

Kosten bleiben ein erheblicher Faktor

Die Kosten für die Produkte bleiben also ein großer Faktor. Um diese möglichst gering zu halten empfehlen sich reit gestreute ETFs von Neobrokern.

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Die neue Förderung im Detail

Das Fördersystem ist zweistufig aufgebaut — und deutlich großzügiger als die alte Riester-Grundzulage von 175 Euro.

Grundzulage (gestaffelt):

  • 50 Cent pro Euro auf die ersten 360 € Eigenbeitrag → max. 180 €
  • 25 Cent pro Euro auf weitere Einzahlungen bis 1.800 € Eigenbeitrag → max. 360 €
  • Maximale Grundzulage: 540 € pro Jahr

Kinderzulage:

  • Bis zu 300 € pro Kind und Jahr bei Kindergeldbezug
  • Volle Kinderzulage bereits ab 25 € Eigenbeitrag pro Monat

Berufseinsteigerbonus:

  • Einmalig 200 € für Sparer unter 25 Jahren bei Vertragsabschluss

Einzahlungslimit:

  • Maximal 6.840 € pro Jahr möglich
  • Davon 1.800 € gefördert — der Rest profitiert von der Steuerstundung in der Ansparphase

Was uns besonders gut gefällt: Die volle Kinderzulage gibt es jetzt schon bei 300 € Eigenbeitrag im Jahr. Im ursprünglichen Entwurf waren noch 1.200 € nötig. Das ist eine echte Verbesserung für Familien mit kleinerem Budget.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Wenn du bereits einen Riester-Vertrag hast, musst du jetzt nichts überstürzen. Bestehende Riester-Verträge lassen sich auch nach der Reform weiter besparen. Sie werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt.

Du hast nach aktueller Gesetzeslage drei Optionen:

  1. Vertrag weiterführen — mit dem alten Bestandsschutz und der alten Förderung
  2. Nur in die neue Fördersystematik wechseln — Vertrag bleibt bestehen, Förderung wird umgestellt
  3. Komplett in ein neues Altersvorsorgedepot wechseln — ohne Rückzahlung bisheriger Zulagen

Wichtig: Eine voreilige Kündigung ist fast immer die schlechteste Option. Du müsstest sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Wer wechseln will, sollte das über den geregelten Übertragungsweg machen und nicht über eine Kündigung.

Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot besonders?

Unterm Strich profitieren die meisten Sparer vom neuen System — aber nicht alle gleich stark:

  • Junge Sparer unter 25 (Berufseinsteigerbonus + langer Anlagehorizont)
  • Familien mit Kindern (Kinderzulage schon ab 25 € im Monat voll)
  • Selbstständige und Freiberufler (erstmals voll förderberechtigt)
  • ETF-affine Anleger (endlich staatlich geförderter Aktienmarkt-Zugang)
  • ⚠️ Geringverdiener mit mehreren Kindern: Einer der wenigen Fällen wo das alte Riester-Modell im Einzelfall noch attraktiver sein kann — durchrechnen lohnt sich.

Warum ist das neue Depot dann nicht für jeden automatisch besser? Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die alte Riester-Förderung über die Kinderzulage von 300 € pro Kind ab Geburt 2008 bei sehr niedrigen Eigenbeiträgen extrem hohe Förderquoten erreichen konnte. Bei vielen Kindern und kleinem Einkommen kann sich die Rechnung erst auf den zweiten Blick zugunsten des neuen Systems drehen.

Standardprodukt und Kostendeckel

Ein zentrales Element der Reform: das Standarddepot Altersvorsorge. Um sich bei der Anlageentscheidung besser orientieren zu können, ist ein kostengünstiges Standardprodukt vorgesehen.

Jeder Anbieter muss dieses Standardprodukt zwingend im Angebot haben — mit einem Kostendeckel von maximal einem Prozent Effektivkosten pro Jahr. Verbraucherschützer halten das immer noch für zu hoch. Eine Beispielrechnung von Finanztip zeigt, warum: Wer 40 Jahre lang jährlich in die private Vorsorge einzahlt und sechs Prozent Rendite pro Jahr erzielt, habe am Schluss bei günstigen Kosten von 0,2 Prozent rund 269.000 Euro nach Steuern. Wenn die Anbieter hingegen den Kostendeckel von einem Prozent ausreizen, dann beträgt das Endvermögen nur rund 219.000 Euro - 50.000 Euro weniger.

Praxis-Tipp: Achte beim Anbietervergleich nicht nur darauf, ob das Standardprodukt da ist — entscheidend ist die tatsächliche TER deines gewählten ETFs. Bei Neobrokern wie Trade Republic, Scalable Capital oder Traders Place kommst du mit globalen MSCI World- oder FTSE All-World-ETFs auf deutlich unter 0,2 Prozent.

Was du jetzt tun solltest

  1. Riester-Vertrag prüfen, aber nicht voreilig kündigen. Wenn du einen hast, lass die Hände vorerst vom Kündigungsbutton. Besser ist es oft den Vertrag auf "beitragsfrei" zu stellen.
  2. Anbieter im Blick behalten. Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Traders Place arbeiten bereits an Altersvorsorgedepot-Lösungen.
  3. Strategie überlegen. Ein globaler ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World ist für die meisten Sparer der naheliegende Einstieg.
  4. Auf den 1. Januar 2027 vorbereiten. Wer schon ein Depot beim künftigen Anbieter hat, spart sich die Identitätsprüfung am Starttag.
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Fazit

Mit dem Bundesratsbeschluss ist die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente 2002 besiegelt. Das Altersvorsorgedepot ist deutlich flexibler, kostengünstiger und renditestärker als sein Vorgänger — und endlich auch für Selbstständige offen. Die maximale Förderung steigt von 175 € auf 540 € Grundzulage, Familien bekommen die Kinderzulage einfacher und ETF-Sparen wird erstmals staatlich gefördert.

Klar ist aber auch: Ohne Beitragsgarantie trägst du das Kapitalmarktrisiko selbst. Wer langfristig (20+ Jahre) anlegt, hat historisch betrachtet wenig zu befürchten — wer kurz vor der Rente steht, sollte das alte oder das Garantieprodukt der neuen Welt prüfen.

Spätestens ab Sommer 2026 sollten die ersten Anbieter konkrete Produktdetails kommunizieren. Wir verfolgen das Thema weiter und werden die neuen Depots ab Januar 2027 ausführlich testen.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot

Wann startet das Altersvorsorgedepot?

Am 1. Januar 2027. Ab diesem Datum können Anbieter die neuen Produkte anbieten — und ab dann sind keine neuen Riester-Abschlüsse mehr möglich.

Wie hoch ist die maximale Förderung?

Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, plus 300 € Kinderzulage pro Kind, plus einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus unter 25.

Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen?

Nein und solltest du auch nicht. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und können weitergeführt werden. Bei einer Kündigung müsstest du sämtliche Zulagen zurückzahlen. Besser ist es meistens den Vertrag auf "beitragsfrei" zu stellen.

Kann ich in ETFs investieren?

Ja. ETFs, Investmentfonds und Anleihen der Risikoklassen 1–5 sind im Altersvorsorgedepot zugelassen. Einzelaktien, Kryptowährungen und Zertifikate dagegen nicht.

Was kostet das Altersvorsorgedepot?

Für das verpflichtende Standardprodukt gilt ein Kostendeckel von einem Prozent Effektivkosten pro Jahr. Bei Neobrokern mit günstigen ETFs liegst du in der Praxis oft deutlich darunter.

Sind Selbstständige förderberechtigt?

Ja, das ist eine der wichtigsten Neuerungen. Erstmals werden auch Freiberufler, Gewerbetreibende und nicht rentenversicherungspflichtige Selbstständige in die staatliche Förderung einbezogen.

Ab wann kann ich auszahlen?

Eine steuerbegünstigte Auszahlung ist nach 12 Jahren Laufzeit und ab dem 62. Lebensjahr möglich. Wer vorher entnimmt, muss Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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