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Scalable Credit gestartet: Wertpapierkredit ab 3,24 % p.a. — so schlägt sich Scalable gegen Trade Republic

Lesezeit 3 min.

Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchDennis Groß
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Scalable Capital hat seinen Wertpapierkredit „Scalable Credit“ als eigenes Bankprodukt am Markt und die Konditionen sind eine Ansage. Ab 3,24 % variablem Sollzins p.a. im PRIME+, bis zu 250.000 € Kreditlinie, keine festen Raten, keine Gebühren auf die ungenutzte Linie. Damit positioniert sich der Münchner Neobroker offensiv gegen klassische Ratenkredite, Dispokredite und gegen Trade Republic, die in dieser Disziplin schlicht nicht antreten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sollzins: 3,24 % p.a. (PRIME+) bzw. 4,24 % p.a. (FREE), variabel, an den 3-Monats-Euribor gekoppelt
  • Kreditlinie: bis zu 250.000 € — vorher (vermittelt über Baader Bank): 100.000 €
  • Beleihungswert: bis zu 75 % auf Aktien, ETFs und Fonds — Krypto-ETPs und Derivate werden nicht beliehen
  • Mindestportfolio: 1.000 € im Scalable Broker
  • Intraday zinsfrei: Wer am gleichen Tag zurückzahlt, zahlt nichts
  • Keine Schufa-Abfrage, keine Bearbeitungsgebühr, keine Vorfälligkeitsentschädigung

Was sich konkret geändert hat

Den Wertpapierkredit gab es bei Scalable schon seit Herbst 2023, allerdings vermittelt über die Baader Bank, mit damals rund 6,88 % Zinsen und einem Maximalrahmen von 100.000 €. Mit der EZB-Vollbanklizenz im September 2025 hat Scalable das Geschäft komplett ins eigene Haus geholt. Seitdem ist „Credit" ein direktes Produkt der Scalable Capital Bank GmbH.

Das Ergebnis: Der Maximalrahmen ist auf 250.000 € gestiegen, der Zinssatz ist im PRIME+ auf 3,24 % gefallen. Zum Vergleich: Ein klassischer ING-Wertpapierkredit liegt aktuell bei 9,20 %, ein typischer Dispo bei 10 % oder mehr.

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(ggf. fallen Produktkosten, Spreads, Zuwendungen und Crypto-Gebühren an)

So funktioniert die Beleihung

Du beleihst dein bestehendes Depot und bekommst eine Kreditlinie auf dem Verrechnungskonto. Wie hoch die ist, hängt von deinen Wertpapieren ab:

AnlageklasseBeleihungswert
Aktienbis 75 %
ETFs, ETCs, ETPsbis 75 %
Fonds (ohne ELTIFs)bis 75 %
Derivate, Krypto-ETPs, ELTIFs0 %

Beispielrechnung: Bei 10.000 € Depotwert und einer Kreditlinie von 5.000 € leihst du dir 2.000 € für 3 Monate. Bei 3,24 % p.a. zahlst du 15,98 € Zinsen. Mehr nicht.

Wichtig: Der Kredit darf nicht für Immobilienfinanzierung verwendet werden. Sonst gibt es keine Zweckbindung — Auszahlen aufs Girokonto ist erlaubt.

Scalable vs. Trade Republic: Wer hat was?

Hier wird es spannend. Trade Republic hat bis heute keinen Wertpapierkredit im Angebot — und hatte auch nie einen. Während Scalable mit dem eigenen Credit-Produkt einen wichtigen Bankservice nachzieht, bleibt Trade Republic beim klassischen Broker-Modell.

Scalable CapitalTrade Republic
Wertpapierkredit✅ ab 3,24 % p.a.❌ nicht verfügbar
Max. Kreditlinie250.000 €
Tagesgeldzinsen2,50 % p.a. (seit März 2026)2,00 % p.a.
Vollbanklizenzseit Sept. 2025seit 2023

Aus unserer Sicht ist das ein klarer struktureller Vorteil für Scalable — gerade für Anleger, die ihr Depot strategisch hebeln oder kurzfristig Liquidität brauchen, ohne Positionen verkaufen zu müssen. Hinzu kommt, dass Scalable Höhere Zinsen aufs Tagegeld anbietet. Auch deshalb ist Scalable Capital vor Trade Republic in unserem Neobroker-Vergleich.

Für wen lohnt sich der Scalable Credit?

Sinnvoll ist Credit aus meiner Sicht in drei Szenarien:

  1. Marktkorrektur ausnutzen: Du willst nachkaufen, hast aber gerade kein freies Kapital. Statt im Vorhinein Geld unverzinst „auf Reserve" zu halten, beleihst du im Crash-Fall dein Depot.
  2. Brückenfinanzierung: Kurzfristiger Liquiditätsbedarf — günstiger als Dispo (~10 %) oder Ratenkredit.
  3. Intraday-Trading: Wer noch am gleichen Tag glattstellt, zahlt null Zinsen.

Eher kritisch sehe ich den Kredit zum dauerhaften Hebeln einer Buy-and-Hold-Strategie. Oft klingt es verlockend: Historisch liefert ein Welt-ETF 7–8 %, der Kredit kostet 3,24 %. Aber: Die Zinsen sind variabel. Und in einem Bärenmarkt zahlst du Zinsen, während dein Depot schrumpft. Im schlimmsten Fall kommt der Margin Call.

Ehrlicherweise würde ich den Kreditrahmen nie zu 100 % ausreizen — eine Auslastung von 20–30 % des Beleihungswerts ist konservativ und hält genug Puffer für Schwankungen.

Risiken — kurz und ehrlich

  • Margin Call: Fällt dein Depotwert, kann Scalable den Verkauf von Wertpapieren erzwingen — auch zu schlechten Kursen.
  • Variabler Zins: Die 3,24 % sind nicht in Stein gemeißelt. Steigt der 3-Monats-Euribor, steigt dein Zinssatz.
  • Kündigung möglich: Scalable kann die Kreditlinie jederzeit kündigen und sofortige Rückzahlung verlangen.

Unterm Strich

Mit dem eigenen Credit-Produkt schließt Scalable Capital eine Lücke, die Trade Republic offen lässt. 3,24 % p.a. sind im aktuellen Zinsumfeld konkurrenzfähig — günstiger als die meisten Dispo- und Ratenkredite, und mit einer Flexibilität, die klassische Banken so nicht bieten. Wer ohnehin PRIME+-Kunde ist und sein Depot taktisch ergänzen will, bekommt hier ein wirklich interessantes Werkzeug. Aber: Wertpapierkredit bleibt Wertpapierkredit. Hebelwirkung schneidet in beide Richtungen.

Häufige Fragen zum Scalable Kredit

Brauche ich für Scalable Credit eine Schufa-Prüfung?

Nein. Die Wertpapiere im Depot dienen als Sicherheit — eine klassische Bonitätsprüfung entfällt.

Kann ich den Kredit auch im FREE-Tarif nutzen?

Ja, aber zu 4,24 % p.a. statt 3,24 % im PRIME+.

Wie schnell bekomme ich den Kredit?

Während der Bankarbeitszeiten innerhalb weniger Minuten — die Beantragung läuft komplett papierlos in der App.

Kann ich den Kredit für eine Immobilie nutzen?

Nein. Scalable schließt die Verwendung für Immobilienkauf oder -bau explizit aus.

Was passiert, wenn mein Depot an Wert verliert?

Die Kreditlinie reduziert sich entsprechend. Bei einer Überziehung musst du nachzahlen oder Wertpapiere verkaufen — sonst kann Scalable Positionen zwangsweise glattstellen.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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