Scalable Capital stellt Altersvorsorgedepot vor: Rentenbonus erstattet die ETF-Kosten

Lesezeit 4 min.

Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchSilvia Benetti
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Scalable Capital legt beim Altersvorsorgedepot vor. Der Münchner Broker hat am 9. Oktober 2026 die Konditionen für sein Depot im Rahmen der Reform der privaten Altersvorsorge veröffentlicht. Die Schlagzeile: 0 % TER auf ausgewählte ETFs, weil Scalable die laufenden Produktkosten über einen sogenannten Rentenbonus gutschreibt und direkt wieder anlegt. Sparpläne kosten nichts, Einzelorders 0,99 Euro im FREE-Modell oder 0 Euro mit PRIME+. Das ist der Kampfpreis, den viele erwartet haben. Ein paar Details solltest du trotzdem kennen, bevor du dich festlegst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Scalable bietet zwei Varianten an: ein Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider und ein Standarddepot mit automatischer, altersabhängiger Aufteilung.
  • Der Rentenbonus erstattet die TER von ETFs auf einer Positivliste (Scalable, BlackRock, DWS, Vanguard). Für alle anderen Produkte zahlst du die normalen Fondskosten.
  • Sparpläne sind gebührenfrei, Einzelkäufe kosten 0,99 Euro (FREE) oder 0 Euro (PRIME+).
  • Die staatliche Zulage beträgt bis zu 540 Euro pro Jahr plus 300 Euro pro Kind, dazu kommen Steuervorteile.
  • Der Rentenbonus gilt schon jetzt: Wer bis Jahresende im normalen Broker-Depot Bonus-ETFs kauft oder bespart, bekommt die anfallende TER später ins Altersvorsorgedepot gutgeschrieben.
Scalable Capital
Scalable Capital - Depot
  • 4.500 Aktiensparpläne und über 2.700 ETFs
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  • Nur 0,99 € Ordergebühr (FREE-Modell)
  • Kostenlose Sparpläne ab 1 € möglich.
(ggf. fallen Produktkosten, Spreads, Zuwendungen und Crypto-Gebühren an)

So funktioniert der Rentenbonus

Normalerweise zieht die Fondsgesellschaft die TER (Total Expense Ratio) unbemerkt aus dem Fondsvermögen ab. Scalable dreht den Spieß um. Der Broker ermittelt die TER, die auf deine Bestände in Bonus-ETFs anfällt, schreibt dir den Betrag gut und investiert ihn wieder. Effektiv hältst du diese ETFs damit kostenlos.

Ein Rechenbeispiel zur Einordnung: Bei 20.000 Euro Depotwert und einer TER von 0,20 % geht es um 40 Euro pro Jahr. Das wirkt überschaubar. Über 30 oder 40 Jahre Ansparphase summiert es sich aber spürbar, weil auch der erstattete Betrag wieder Rendite bringt.

Welche ETFs dazugehören? Scalable nennt den hauseigenen Scalable MSCI AC World Xtrackers UCITS ETF 1C, außerdem den Vanguard FTSE Global All-Cap, den Xtrackers FTSE All-World und den iShares S&P 500 Swap. Die vollständige Auswahl veröffentlicht der Broker als PDF und in der App, und zwar ausdrücklich als jeweils aktuelle Liste. Die Zusammensetzung ist also nicht in Stein gemeißelt.

Prüfe vor dem Einrichten deines Sparplans, ob dein Wunsch-ETF auf der Liste steht. Ein ETF außerhalb der Liste kostet dich weiterhin die volle TER. Mehr zu den Indizes hinter den großen Welt-ETFs findest du in unseren Ratgebern zum MSCI ACWI und zum FTSE All-World.

Selbstentscheider oder Standarddepot?

Im Depot für Selbstentscheider stellst du dein Portfolio selbst zusammen. Neben Aktien-, Anleihen- und Rohstoff-ETFs sind auch aktive Fonds und Private Markets in Form von ELTIFs möglich. Bei Letzteren lohnt ein genauer Blick: ELTIFs sind deutlich teurer als ETFs und lassen sich nur eingeschränkt handeln. Den Rentenbonus nennt Scalable ausschließlich für ETFs der genannten Anbieter.

Das Standarddepot richtet sich an alle, die sich nicht selbst kümmern wollen. Scalable kombiniert hier einen Aktien-ETF mit einem Anleihen-ETF und senkt die Aktienquote vor dem Ruhestand automatisch. Fünf Jahre vor Rentenbeginn liegt sie bei höchstens 50 %, zwei Jahre vorher bei 30 %. Diese Regeln kannst du jederzeit gebührenfrei ändern. Die ETF-Kosten entfallen im Standarddepot bis mindestens 31. Dezember 2027. Was danach gilt, lässt Scalable offen.

Wie verdient Scalable daran?

Eine berechtigte Frage, wenn Depot, Sparpläne und Fondskosten wegfallen. Gründer und Co-CEO Erik Podzuweit beantwortet sie erstaunlich offen: Altersvorsorge sei für Scalable ein Basisprodukt. Verdienen will der Broker über die gesamte, möglichst jahrzehntelange Kundenbeziehung, denn Kunden nutzen bei Scalable im Schnitt bereits mehrere Produkte.

Gemeint sind etwa das kostenpflichtige PRIME+-Abo, Tagesgeld (aktuell 2,60 % p.a. variabel), Festgeld mit bis zu 3,25 % p.a. oder der Handel über die hauseigene Börse European Investor Exchange. Das Altersvorsorgedepot ist also der Türöffner. Daran ist nichts Verwerfliches. Rechne trotzdem nüchtern nach, ob du ein Zusatzprodukt wirklich brauchst oder nur mitnimmst, weil es bequem ist.

Wie sich die Scalable-Konditionen im Alltag schlagen, zeigt unser ausführlicher Scalable Capital Test. Die aktuellen Gebühren bei Scalable haben wir dort ebenfalls aufgeschlüsselt.

Was Scalable noch plant

In Deutschland will Scalable neben dem Altersvorsorgedepot auch die Frühstartrente anbieten. In Österreich, wo der Broker am 8. Oktober nach Italien seine zweite Bankniederlassung eröffnet hat, soll das geplante Zukunftsdepot folgen.

Unsere Einschätzung

Was uns besonders gut gefällt: Scalable verzichtet auf Garantien und bietet das Depot gebührenfrei an. Zusammen mit kostenlosen Sparplänen und der TER-Erstattung ist das ein sehr aggressives Preismodell. Zum Vergleich: Bei vielen Riester-Verträgen haben Abschluss- und Verwaltungskosten einen großen Teil der Zulagen aufgezehrt.

Schwächen gibt es trotzdem. Der Bonus hängt an einer Positivliste, die Scalable jederzeit anpassen kann. Die Kostenübernahme im Standarddepot ist befristet. Und zur Auszahlphase oder zu möglichen Kosten bei einem späteren Anbieterwechsel macht die Mitteilung keine Angaben.

Ist Scalable damit automatisch die beste Wahl? Nein, zumindest noch nicht. Das entscheidet sich erst, wenn die übrigen Broker ihre Konditionen offenlegen. Unterm Strich ist das Angebot aber schon jetzt ein starker Maßstab. Wer ohnehin bei Scalable ist und per ETF-Sparplan breit gestreut anlegt, kann sich den Rentenbonus bis Jahresende bereits sichern. Einen Überblick über alle Bausteine findest du in unserem Ratgeber zur privaten Altersvorsorge.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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