
Mintos startet ETF-Handel: über 1.000 ETFs ab 1 € ohne Kauf- und Verkaufsgebühren
Mintos erweitert sein Angebot um den Einzelkauf von ETFs. Anleger bekommen Zugang zu über 1.000 der bei europäischen Investoren beliebtesten ETFs und das ohne Transaktionsgebühren, ohne Depotgebühren und ab einem Mindestanlagebetrag von 1 €. Für deutsche Anleger gibt es trotzdem einen Haken, und der hat mit der Steuer zu tun.
Das Wichtigste in Kürze
- Über 1.000 UCITS-ETFs von Anbietern wie iShares, Vanguard, VanEck und Amundi
- 0 € Order-, Verwahr- und Inaktivitätsgebühren – einzige laufende Kosten sind die TER des jeweiligen ETFs
- Ab 1 € investierbar, Bruchstücke inklusive
- Sparplan für Einzel-ETFs ist angekündigt, aber noch nicht live
- Mintos ist nicht steuereinfach: Du musst alles selbst in der Anlage KAP-INV erklären
1. Was Mintos jetzt genau anbietet
Bisher gab es ETFs bei Mintos nur als fertiges Core-ETF-Portfolio – ein Robo-Advisor mit automatischem Rebalancing ab 50 €. Neu ist die freie Auswahl: Du suchst dir deine Fonds selbst aus, entscheidest über Kauf- und Verkaufszeitpunkt und kannst beide Varianten parallel in einem Konto laufen lassen.
Der ETF-Katalog kommt in Partnerschaft mit Upvest und besteht ausschließlich aus UCITS-konformen Fonds. UCITS ist das EU-Regelwerk mit strengeren Vorgaben zu Diversifikation und Transparenz. Aufträge werden laut Mintos während der Börsenhandelszeiten sofort bearbeitet, ein separates Wallet oder Fremdkonto brauchst du nicht.
Angekündigt, aber noch nicht verfügbar: der automatisierte Sparplan für einzelne ETFs. Geplant sind wöchentliche, zweiwöchentliche, monatliche und vierteljährliche Einzahlungen. Für das Core-ETF-Portfolio gibt es das bereits.
2. Die Gebührenstruktur – und wo sie wirklich hilft
Keine Ordergebühr, keine Depotgebühr, keine Inaktivitätsgebühr. Übrig bleibt die Gesamtkostenquote des ETFs, die dir nicht separat berechnet, sondern intern aus dem Fondsvermögen entnommen wird. Mehr dazu in unserer Übersicht zu den ETF-Kosten.
Der Effekt ist bei kleinen Beträgen am größten. Eine Ausführungsgebühr von 1 € auf eine 20-€-Order sind bereits 5 % Kosten, bevor sich der Markt überhaupt bewegt hat. Das Argument ist gut, nur ist es in Deutschland kaum noch ein Alleinstellungsmerkmal. Bei den Neobrokern gibt es Sparpläne seit Jahren für 0 €, teils auch Einmalkäufe. Wer vergleichen will, findet die Konditionen in unserem Neobroker-Vergleich und im ETF-Sparplan-Vergleich.
Was in der Pressemitteilung nicht auftaucht: Spreads, Produktkosten und mögliche Rückvergütungen fallen natürlich trotzdem an. Gebührenfrei heißt nicht kostenlos.
3. Der eigentliche Haken: keine Steuereinfachheit
Das ist der Punkt, an dem sich für deutsche Anleger entscheidet, ob sich der Umzug lohnt. Mintos ist ein lettisches Wertpapierinstitut und führt keine deutsche Abgeltungsteuer ab.
Konkret bedeutet das:
- Kein Freistellungsauftrag möglich. Da Mintos Quellensteuern an die lettische Steuerbehörde abführt, können deutsche Anleger keinen Freistellungsauftrag erteilen. Erträge gehören in die Anlage KAP-INV der Einkommensteuererklärung.
- Vorabpauschale in Eigenregie. Bei thesaurierenden ETFs musst du sie selbst berechnen und angeben.
- Kein automatischer Verlustverrechnungstopf, wie du ihn von einem deutschen Depot kennst.
Ehrlicherweise ist das für viele Anleger der Dealbreaker. Wenn du dein ETF-Depot ohnehin bei einem deutschen Broker führst und dort 0 € Sparplangebühr zahlst, tauschst du bei Mintos einen Kostenvorteil, den du nicht hast, gegen echten Mehraufwand bei der Steuer. Was dabei auf dich zukommt, haben wir unter ETF-Steuern aufgeschlüsselt.
4. Wie sicher sind die ETF-Bestände?
Mintos Marketplace ist als Wertpapierfirma bei der Latvijas Banka zugelassen und Mitglied des lettischen Anlegerentschädigungssystems, das Ansprüche bis 20.000 € abdeckt. Diese Absicherung greift für die Rückgabe von Finanzinstrumenten oder Geldern – nicht für Kursverluste. Die ETF-Bestände werden auf getrennten Konten bei den Verwahrstellen gehalten und können im Insolvenzfall vollständig zurückgefordert werden.
Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Grenze der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung bei 100.000 €. Für Wertpapiere ist das weniger relevant als für Cash, weil Fondsanteile Sondervermögen sind – für dein Verrechnungskonto solltest du es trotzdem im Kopf haben.
5. Einordnung: Für wen der Schritt Sinn ergibt
Mintos zielt nicht auf den ETF-Sparer, der bereits ein Depot hat. Das Angebot ist für Bestandskunden gedacht, die Kredite, Anleihen, Immobilien, Krypto-ETPs und Smart Cash schon auf der Plattform halten und nicht noch einen sechsten Login pflegen wollen. Für diese Gruppe ist es ein sinnvoller Lückenschluss. Wie das Gesamtpaket abschneidet, liest du in unserem Mintos Test.
CEO und Mitgründer Martins Sulte begründet den Schritt mit dem Marktwachstum: 330 Milliarden Euro flossen 2025 in europäische ETFs, und Vanguard erwartet bis 2035 rund 100 Millionen ETF-Anleger in Europa statt heute 30 Millionen. „Unser Ziel war es, jede Hürde zwischen Anlegern und ihrem ersten ETF zu beseitigen", so Sulte.
Alle Hürden sind es nicht geworden. Die steuerliche bleibt stehen und die ist in Deutschland die teuerste.

