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Krypto-Steuer 2027: Wer in Berlin gerade was plant — Lagebild zur Debatte um die Bitcoin-Haltefrist

Lesezeit 7 min.

Überprüft durchChristian Musanke
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Innerhalb von nur einer Woche hat sich die Debatte um die Krypto-Besteuerung in Deutschland komplett gedreht. Erst kündigte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil auf der Bundespressekonferenz das Aus für die einjährige Haltefrist an, dann legten die Grünen einen eigenen Gesetzentwurf nach — und am 7. Mai stellte sich die CDU/CSU überraschend deutlich gegen die Pläne.

Die Positionen liegen aktuell so weit auseinander, dass kaum noch jemand den Überblick hat. Genau deshalb sortieren wir hier für dich, was die einzelnen Parteien vorhaben und was das für deine Bitcoin-Bestände bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • SPD/Klingbeil will die einjährige Haltefrist für Krypto-Gewinne kippen — geplante Mehreinnahmen: 2 Milliarden Euro
  • Die Grünen preschen mit einem eigenen Gesetzentwurf vor und fordern den persönlichen Einkommensteuersatz statt der 25 % Kapitalertragsteuer
  • CDU/CSU sieht „keinen Anlass" für Änderungen und verweist auf den Koalitionsvertrag — ohne die Union gibt es keine Mehrheit
  • AfD verteidigt die Haltefrist deutlich
  • Die Linke fordert sogar stellenweise sogar ein komplettes Bitcoin-Trading Verbot
  • Konkrete Gesetzgebung wird frühestens ab Juli 2026 zur Etatreife erwartet. Entschieden ist also noch gar nichts
  • Spannend ist auch die Frage, ob so eine Steuer rein rechtlich überhaupt Bestand hätte.

Worum es in der Debatte geht

Aktuell gilt für Kryptowährungen in Deutschland eine recht entspannte Regelung. Bitcoin und Co. werden nicht wie Aktien behandelt, sondern als „sonstiges Wirtschaftsgut" nach § 23 EStG. Das bedeutet: Hältst du deine Coins länger als ein Jahr, sind sämtliche Gewinne beim Verkauf steuerfrei. Genau diese Sonderstellung steht jetzt zur Diskussion — und zwar plötzlich sehr konkret.

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Auslöser war die Bundespressekonferenz am 29. April 2026. Dort verkündete Lars Klingbeil als Teil der Eckwerte für den Haushalt 2027: „Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern." Details? Fehlanzeige. Erst zur Etatreife Anfang Juli sollen konkrete Modelle vorliegen. Was bislang über Jahre hinweg nur als Bedrohung über deutschen Bitcoin-Haltern hing, hat damit zum ersten Mal politische Substanz bekommen. Mehr zum Thema Steuern auf Bitcoin liest du auch in unserem Ratgeber zu den Steuern auf Bitcoin und andere Kryptowährungen.

Die vier Parteilager im Überblick

SPD/Klingbeil — Haltefrist abschaffen, dafür Kapitalertragsteuer

Klingbeils Plan ist bisher der vageste, was viele Halter zusätzlich nervös macht. Klar ist nur die Richtung: Die einjährige Haltefrist soll fallen. Stattdessen sollen Krypto-Gewinne künftig wahrscheinlich wie Aktiengewinne mit der Kapitalertragsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag versteuert werden. Zusammen mit Maßnahmen gegen Finanz- und Steuerkriminalität rechnet das Finanzministerium mit Mehreinnahmen von rund zwei Milliarden Euro. Ob Altbestände geschützt werden oder rückwirkend besteuert wird, ließ Klingbeil bewusst offen.

Die Grünen — der härteste Vorschlag mit persönlichem Steuersatz

Während die SPD noch an Details feilt, haben die Grünen am 5. Mai bereits einen kompletten Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht. Der Titel allein zeigt die Stoßrichtung: „Entwurf eines Gesetzes zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Kryptowerten." Anstatt die Aktien-Logik zu übernehmen, sollen Krypto-Gewinne nach dem Willen der Grünen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt werden und der liegt für viele Bitcoin-Sparer deutlich über den 26,375 %, die Kapitalertragsteuer plus Soli ausmachen.

Der Stichtag im Entwurf: alle nach dem 31. Dezember 2025 erworbenen Coins. Was du davor gekauft hast, bliebe steuerfrei. Die Grünen kalkulieren übrigens mit Mehreinnahmen von mindestens 5 Milliarden Euro — also mehr als das Doppelte dessen, was das Finanzministerium veranschlagt. Ehrlicherweise: Die Zahl wirkt arg ambitioniert, wenn man den Vergleich mit Österreich zieht (dazu gleich mehr).

CDU/CSU — überraschend deutliche Ablehnung

Die größte Überraschung kam am 7. Mai: In einer Stellungnahme an einen Bürger schreibt die Unionsfraktion wörtlich, dass „kein Anlass besteht, an der bewährten Regelung etwas zu ändern". Die Maßnahme sei zudem „im Koalitionsvertrag nicht vereinbart". Das ist deutlich — und politisch bedeutsam. Denn ohne die Stimmen der Union kommt Klingbeil schlicht nicht durchs Parlament.

Spannend ist auch die Argumentation: Die CDU/CSU verweist auf die steuerliche Systematik. Die Haltefrist gilt schließlich nicht nur für Krypto, sondern auch für Gold und Fremdwährungsgeschäfte. Eine Sonderbehandlung allein für Bitcoin würde diese Logik aufbrechen. Wenn dich die Parallele zu Edelmetallen interessiert, schau dir unseren Vergleich Bitcoin vs. Gold an, in diesem gehen wir genau auf die ökonomischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein.

AfD und Linke — die Extreme

An den Rändern wird die Debatte deutlich härter. Die AfD verteidigt die Haltefrist offensiv. Bundestagsabgeordneter Dirk Brandes nannte Klingbeils Pläne einen „Frontalangriff auf Eigentum und Eigenverantwortung" — die Haltefrist sei kein Schlupfloch, sondern „ein bewusst gesetzter Anreiz für langfristiges Sparen".

Die Linke geht in die entgegengesetzte Richtung und zwar weit. In einem neuen Antrag fordert die Fraktion nicht nur die Abschaffung der Haltefrist, sondern zusätzlich eine Wegzugsbesteuerung und ein vollständiges Bitcoin-Handelsverbot. Realistische Mehrheitschancen hat das nicht, aber es zeigt, wie breit das politische Spektrum bei dem Thema gerade gefächert ist.

Was Klingbeils Plan in Österreich gezeigt hat

Hier wird es interessant und für die Politik unangenehm. Österreich hat die Krypto-Haltefrist bereits 2022 abgeschafft. Im Bullenmarktjahr 2024 kamen dabei lediglich 33,8 Millionen Euro zusammen. Auf Deutschland hochgerechnet wären das bei Anwendung der Kapitalertragsteuer gerade einmal rund 100 Millionen Euro an Mehreinnahmen und damit ein Bruchteil der zwei Milliarden, mit denen Klingbeil rechnet, geschweige denn der fünf Milliarden der Grünen.

Auch aus der Branche kommt scharfe Kritik. Bitpanda-Mitgründer Eric Demuth nannte die Pläne öffentlich eine „extrem dumme Entscheidung". Sein Argument: Wer Krypto-Anleger ins Ausland treibt, bekommt am Ende weder Steuern noch Innovation, das hat Österreich bereits am eigenen Leib erfahren.

Was du als Bitcoin-Halter jetzt wissen solltest

Wichtig vorweg: Wir geben dir hier keine Anlage- oder Steuerberatung — das gehört in jedem konkreten Einzelfall in die Hände eines Steuerberaters. Aber ein paar Dinge lassen sich nüchtern festhalten.

Aktuell ist noch gar nichts beschlossen. Wir haben einen Eckwertebeschluss und einen Gesetzentwurf — beides weit entfernt von einem rechtskräftigen Gesetz. Frühestens im Juli 2026 wird ein konkreter Referentenentwurf vorliegen. Bis zur Verabschiedung können noch viele Monate vergehen, in denen sich der Inhalt deutlich verändern kann.

Ein Bestandsschutz für Altbestände ist möglich, aber nicht garantiert. Österreich hat 2022 einen klaren Stichtag eingeführt, vor dem gekaufte Coins steuerfrei bleiben. Die Grünen haben in ihrem Entwurf einen ähnlichen Mechanismus vorgesehen (Stichtag 31.12.2025). Die SPD hat sich dazu bisher nicht festgelegt.

Was du aber unabhängig von der politischen Lage immer machen solltest: deine Anschaffungskosten sauber dokumentieren. Wann hast du welche Coins zu welchem Kurs gekauft? Du kannst es dir bei der Krypto-Steuer einfach machen, indem du ein Krypto-Steuer-Tool nutzt. Dieses dokumentiert alle deine Transaktionen und fertigt dir einen Steuerreport an. Unser Testsieger ist CoinTracking.

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Diese Daten brauchst du im Zweifel sowieso, egal wie das neue Gesetz am Ende aussieht. Wenn du noch dabei bist, ein Portfolio aufzubauen, findest du in unserem Bitcoin-Sparplan-Vergleich eine Übersicht der wichtigsten Anbieter und Konditionen.

Wie es weitergeht

Der nächste konkrete Termin ist Anfang Juli 2026. Dann muss das Bundesfinanzministerium die Eckwerte zur Etatreife in einen konkreten Gesetzentwurf gießen. Erst dann wird wirklich sichtbar, ob die Haltefrist komplett fällt, ob es Bestandsschutz gibt und welcher Steuersatz greifen soll.

Entscheidend wird die parlamentarische Mehrheit sein. Solange die CDU/CSU bei ihrem klaren Nein bleibt, hat Klingbeil ein echtes Problem — denn ohne die Union geht in der Koalition nichts. Allerdings: Bei steuerpolitischen Themen sind in den letzten Jahren schon häufiger Positionen gefallen, die vorher in Stein gemeißelt schienen. Die Sache ist also offen. Und genau deshalb lohnt es sich, das Thema in den nächsten Wochen aufmerksam zu verfolgen.

Häufige Fragen zu Krypto-Steuern

Wann kommt die neue Krypto-Steuer?

Frühestens 2027. Konkrete Gesetzgebung wird zur Etatreife Anfang Juli 2026 erwartet. Bis zur tatsächlichen Verabschiedung im Bundestag und Bundesrat können danach noch mehrere Monate vergehen.

Sind meine alten Bitcoin-Bestände betroffen?

Das ist die zentrale offene Frage. Der Gesetzentwurf der Grünen sieht einen Stichtag zum 31.12.2025 vor — alles davor bliebe steuerfrei. Die SPD hat sich noch nicht festgelegt. Ob am Ende ein Bestandsschutz wie in Österreich kommt, ist offen.

Wie hoch wäre die Steuer nach den verschiedenen Vorschlägen?

Nach SPD-Modell wahrscheinlich 25 % Kapitalertragsteuer plus Soli, also 26,375 %. Nach dem Grünen-Entwurf der persönliche Einkommensteuersatz, der je nach Einkommen bis zu 45 % betragen kann.

Kann die CDU/CSU die Reform noch verhindern?

Theoretisch ja — ohne ihre Stimmen gibt es keine parlamentarische Mehrheit. In der Praxis hat die Union bei steuerpolitischen Themen aber schon häufiger Positionen aufgegeben, wenn sich die Koalitionsspitzen geeinigt haben. Eine Garantie gibt es also nicht.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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