
Bitpanda zahlt bis zu 7 % auf Stablecoins: Was hinter dem Zins steckt
Bitpanda hat ein neues Zinsprogramm für Stablecoins gestartet, bei dem Kunden bis zu 7 % Rendite pro Jahr versprochen wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Bitpanda vergütet verliehene USDC und EURCV mit bis zu 7 % Rendite pro Jahr. Davon sind 3 % fest, bis zu 4 % gibt es als variablen Bonus.
- Rechtlich ist das kein Sparprodukt, sondern ein Sachdarlehen. Deine Coins gehen für die Laufzeit ins Eigentum von Bitpanda über, eine Einlagensicherung gibt es nicht.
- Der hohe Zins finanziert sich vor allem über Margin-Trader, die sich bei Bitpanda Kapital leihen und dafür kräftige Gebühren zahlen.
- Das Modell steht politisch unter Druck: Die EZB will genau solche Konstruktionen verbieten lassen.
- Herausragende Weboberfläche und App
- Große Anzahl an handelbaren Krypto-Assets
- Deutsche BaFin-Lizenz zur Kryptoverwahrung
Die Konditionen im Überblick
Das Programm heißt „Earn on Stablecoins" und läuft komplett in der Bitpanda-App. Die Rendite besteht aus einem festen Basiszins von 3 %, der über die gesamte Laufzeit gleich bleibt, plus einem variablen Bonus von bis zu 4 %, mit dem Bitpanda auf Marktnachfrage und Liquiditätslage reagiert. Den Bonus legt Bitpanda alle 14 Tage neu fest, garantiert ist er nicht. Unterm Strich bekommst du also irgendwo zwischen 3 und 7 %.
Weitere Eckdaten:
- Auszahlung: wöchentlich, in der Währung, die du verleihst
- Mindest- und Höchstbetrag: keiner, Bitpanda wirbt ausdrücklich mit Rendite auf das gesamte Guthaben ohne Obergrenze
- Rückgabe: Nach einer Rückgabeanfrage greift eine Frist von 14 Tagen, bevor die Coins wieder im Wallet liegen
- Verfügbarkeit: In Österreich und Großbritannien bietet Bitpanda das Programm nicht an. Deutsche Kunden können teilnehmen
Ganz neu ist das Angebot übrigens nicht. Bitpanda hatte „Earn on Stablecoins" bereits im November 2025 mit bis zu 7 % angekündigt. Seit Juni 2026 gilt die Aufteilung in Basiszins und Bonus.
Zum Vergleich: Die EZB hat den Einlagesatz am 10. September auf 2,50 % angehoben. Coinbase zahlt Abonnenten von Coinbase One laut Handelsblatt 3,50 % auf USDC, Kraken je nach Tarif zwischen 1,75 und 3,75 %. Die 7 % von Bitpanda liegen also weit über allem, was Konkurrenz und Zentralbank hergeben.
| Angebot | Rendite p. a. | Einlagensicherung | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| Bitpanda Earn on Stablecoins | 3 % fest + bis zu 4 % Bonus | Nein | 14 Tage Rückgabefrist |
| Coinbase One (USDC) | 3,50 % | Nein | täglich |
| Kraken (USDC) | 1,75 – 3,75 % | Nein | täglich |
| Normales Tagegeldkonto | 2,50 % (kann je nach Angebot abweichen) | Ja | täglich |
Warum sind die Zinsen so hoch?
Das fragen sich viele, und die Antwort ist unspektakulärer als gedacht. Bitpanda verschenkt kein Geld, sondern verleiht deins weiter.
1. Margin-Trader bezahlen die Rendite
Bitpanda nutzt die verliehenen Stablecoins als Liquiditätspool für seine Margin-Trading-Produkte und gibt einen Teil der Erträge an die Verleiher weiter. Wer bei Bitpanda mit Hebel handelt, leiht sich also indirekt dein Geld. Beim Aktien-Margin-Trading ist das sogar ausdrücklich so geregelt: Dort können Trader zur Rückzahlung geliehener EURCV samt täglicher Finanzierungskosten verpflichtet sein.
Und diese Finanzierungskosten haben es für Trader in sich. Für neue Positionen seit dem 8. Juli 2026 verlangt Bitpanda gestaffelt 0,18 % pro Tag bis Tag 60, danach sinkt der Satz schrittweise bis auf 0,0312 % ab Tag 181. Auf ein Jahr hochgerechnet entsprechen 0,18 % täglich rund 66 %.
2. Du bekommst eine Risikoprämie
Der zweite Grund ist schlicht und ergreifend das Risiko, das du übernimmst. Mit dem Verleihen geht das Eigentum an den Token für die Dauer der Earn-Transaktion auf Bitpanda über, du trägst Gegenpartei- und Insolvenzrisiken. Bei einer Pleite wärst du kein Eigentümer deiner Coins mehr, sondern Gläubiger.
3. Das Produkt umgeht das MiCA-Zinsverbot
Spannend wird es beim Blick in die Regulierung. Artikel 50 der EU-Kryptoverordnung MiCA verbietet Herausgebern und Krypto-Plattformen, Haltern von E-Geld-Token Zinsen zu zahlen, sogar haltedauerabhängige Vorteile fallen darunter. USDC und EURCV sind genau solche E-Geld-Token.
Bitpanda löst das über die Darlehenskonstruktion. Das Unternehmen stuft „Earn on Stablecoins" als unreguliertes Produkt ein, das nicht als Kryptowerte-Dienstleistung unter MiCAR gilt. Juristisch geht das wohl, aber eben auch außerhalb des Schutzrahmens.
Vor- und Nachteile
Das spricht dafür:
- Fester Sockel von 3 %, der über dem EZB-Einlagesatz liegt
- Keine Mindestanlage, wöchentliche Gutschrift mit Zinseszinseffekt
- EURCV stammt von SG-Forge, der Digitaltochter der Société Générale, und ist in Euro denominiert
- Bitpanda selbst ist ein etablierter, beaufsichtigter Anbieter. Eine Firmenpleite ist unwahrscheinlich
Das spricht dagegen:
- Keine Einlagensicherung. Bitpanda stellt selbst klar, dass es sich weder um ein Bank- noch um ein Einlageprodukt handelt.
- Zugesichert sind nur 3 %. Wie oft Anleger die vollen 7 % bekommen, bleibt abzuwarten
- Eigentumsübergang: Im Insolvenzfall stehst du in der Gläubigerschlange
- Bonus ohne Garantie, Änderung alle 14 Tage möglich
- 14 Tage Sperrfrist bei der Rückgabe, für Notgroschen also ungeeignet
- Währungsrisiko bei USDC: Für Euro-Anleger kann ein schwächerer Dollar die Rendite schnell auffressen
- De-Peg-Risiko: Verliert ein Stablecoin kurzzeitig seine Bindung, sinkt auch der Wert deiner verliehenen Coins
- Regulatorisches Risiko (dazu gleich mehr)
Die Liste der Nachteile ist länger, und das ist kein Zufall.
Die EZB will genau solche Modelle stoppen
Brandaktuell: Das Europäische System der Zentralbanken fordert in seiner 57-seitigen Stellungnahme zur MiCA-Überprüfung, das Vergütungsverbot auch auf unregulierte Aktivitäten wie Krypto-Kreditvergabe, Verleih und Staking auszuweiten. Die Zentralbanken argumentieren, Stablecoins ließen sich über Verleih oder Staking in ertragsbringende Anlagen umwandeln und so das direkte Zinsverbot umgehen. Das beschreibt ziemlich exakt das Bitpanda-Modell.
Entschieden ist aber noch nichts. Die EU-Kommission nimmt Antworten auf ihre MiCA-Konsultation bis zum 30. September 2026 entgegen, danach folgt ein langwieriges Gesetzgebungsverfahren. Kurzfristig dürfte sich für dich nichts ändern. Das Angebot ist aber alles andere als in Stein gemeißelt.
In den USA tobt übrigens derselbe Streit. Der Clarity Act scheiterte im Senat mit 49 zu 50 Stimmen, auch weil US-Bankenverbände schärfere Regeln für Stablecoin-Belohnungen verlangten.
Steuern: Was du wissen musst
Erträge aus dem Krypto-Lending behandelt die Finanzverwaltung als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG. Bis 256 € im Jahr bleiben sie über die Freigrenze steuerfrei, darüber wird der gesamte Betrag mit deinem persönlichen Steuersatz fällig. Bitpanda führt für Krypto-Erträge keine Steuern automatisch ab, gleichzeitig melden Kryptodienstleister seit Anfang 2026 über DAC8 Transaktionsdaten an die Finanzbehörden. Das Finanzamt weiß also Bescheid.
Mit einem Krypto-Steuer-Tool behältst du den Überblick über die wöchentlichen Gutschriften, ohne jede einzelne händisch zu erfassen.
- Vom Finanzamt anerkannte Steuer-Reports
- 400+ Integrationen zu Börsen, Wallets und Blockchains
- Portfolio-Tracking inklusive

Fazit: Für wen lohnt sich das Angebot?
Die 7 % sind real, aber nur als Obergrenze. Wer Stablecoins ohnehin auf Bitpanda parkt, etwa zwischen zwei Trades, kann mit dem Programm sinnvoll Rendite mitnehmen. Das Problem ist hier aber die 14 tägige Sperrfrist, die kruzfristiges Handeln unterbindet.
Als Ersatz für Tagesgeld taugt es dagegen nicht. Dafür fehlen Einlagensicherung und tägliche Verfügbarkeit.

