
Binance und Bitget weiter ohne MiCA-Lizenz – das solltest du als Kunde jetzt tun
Zwei der größten Krypto-Börsen der Welt stehen knapp zwei Wochen vor dem entscheidenden Stichtag ohne gültige Zulassung da. Binance, gemessen am Handelsvolumen die Nummer eins, und Bitget haben bis heute keine MiCA-Lizenz erhalten. Am 1. Juli 2026 läuft die letzte Übergangsfrist im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum aus und ein laufender Antrag reicht ab diesem Tag nicht mehr aus, um EU-Kunden legal weiter zu bedienen. Was das konkret für dich und deine Coins bedeutet, ordnen wir hier ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Am 1. Juli 2026 endet die EU-weite MiCA-Übergangsfrist. Wer dann keine Lizenz hat, darf keine EU-Kunden mehr bedienen.
- Binance und Bitget halten bislang keine MiCA-Lizenz – beide haben nur Anträge laufen.
- Bei Binance berichtet Reuters sogar, die griechische Aufsicht HCMC wolle den Antrag ablehnen. Binance widerspricht dieser Darstellung.
- Für deutsche Kunden ist die Frist faktisch schon abgelaufen: Über das KMAG endete die nationale Übergangsphase bereits am 31. Dezember 2025.
- Dein Geld ist nicht weg. Du solltest aber keine neuen Einzahlungen mehr planen und prüfen, ob du Guthaben rechtzeitig zu einer lizenzierten Börse oder in eine eigene Wallet überträgst.
- Binance Alternativen und Bitget Alternativen findest du in unserem Krypto-Börsen-Vergleich.
1. Worum geht es bei MiCA und dem 1. Juli?
MiCA, die Markets in Crypto-Assets Regulation, ist das einheitliche EU-Regelwerk für Krypto-Dienstleister. Es gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig. Der Kern ist simpel: Wer in der EU eine Börse, eine Verwahrung oder einen Handelsdienst betreiben will, braucht die Erlaubnis einer nationalen Aufsichtsbehörde. Eine einmal erteilte Lizenz gilt dann per Passporting in allen 27 EU-Staaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein.
Bestandsanbietern hat MiCA eine Übergangsfrist eingeräumt, in der sie weiterarbeiten durften, während ihr Antrag geprüft wird. Diese Frist endet EU-weit am 1. Juli 2026. Die ESMA hat am 17. April 2026 ausdrücklich klargestellt: Eine Verlängerung wird es nicht geben. Ab dem Stichtag muss ein Anbieter entweder lizenziert sein, seine Kunden geordnet auf eine regulierte EU-Einheit migrieren oder das EU-Geschäft abwickeln. Wer einfach weitermacht, handelt rechtswidrig. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 5 Millionen Euro oder 5 Prozent des Jahresumsatzes.
2. Binance: Antrag in Griechenland auf der Kippe
Binance hat seinen MiCA-Antrag am 23. Januar 2026 über die griechische Aufsicht HCMC eingereicht und dafür eigens die Holding „Binary Greece" gegründet. Co-CEO Richard Teng hatte Griechenland bewusst als EU-Standort gewählt.
Jetzt wird es kompliziert. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 16. Juni 2026 unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen, die HCMC wolle den Antrag ablehnen. Wäre das final, verlöre Binance den EU-Marktzugang in allen 27 Mitgliedstaaten ab dem 1. Juli.
Binance widerspricht dieser Darstellung allerdings entschieden. Nach eigener Lesart habe die HCMC ihre Prüfung abgeschlossen und den Antrag als MiCA-konform bewertet; ein formelles Signal in die Gegenrichtung gebe es nicht. Die HCMC selbst äußert sich unter Verweis auf Vertraulichkeitspflichten nicht. Damit stehen zwei unvereinbare Versionen nebeneinander – auflösen kann das nur die Behörde in Athen. Binance hat angekündigt, seine europäischen Nutzer vor dem 30. Juni zu informieren.
Aus unserer Sicht ist das die zentrale Unsicherheit dieser Geschichte: Die Faktenlage ist offen, und sie kann sich täglich drehen. Wer bei Binance investiert ist, sollte die Updates der Börse in den kommenden Tagen also genau verfolgen oder schonmal sicherheitshalber seine Gelder und Coins auf eine andere Börse transferieren.
3. Bitget: Antrag in Österreich – aber noch keine Genehmigung
Bei Bitget ist die Lage etwas klarer und gleichzeitig nicht beruhigender. Die Börse baut ihr EU-Hauptquartier in Wien auf und will die MiCA-Lizenz über die österreichische FMA erlangen. Der Antrag liegt vor, aber eine Genehmigung gibt es Stand Mitte Juni 2026 nicht. Solange die fehlt, darf Bitget EU keine regulären Dienste für EWR-Kunden starten.
Wie ernst die Behörden das nehmen, zeigt ein Blick nach Frankreich, wo Bitget bereits seit 2023 auf der Blacklist der Aufsicht AMF steht. Dort lief der Rückzug streng gestaffelt: ab 16. Januar 2026 keine neuen Konten, ab 16. März keine neuen Orders und Einzahlungen mehr, ab 31. März wurden offene Positionen liquidiert. Restguthaben über 10 USDC wurden gebührenfrei an einen lizenzierten Anbieter übertragen, nicht einbehalten. Ein realistisches Szenario dafür, wie ein geordneter Ausstieg auch in anderen EU-Ländern aussehen könnte.
4. Wichtig für deutsche Kunden: Die Frist ist hier längst abgelaufen
Hier liegt der Punkt, den viele übersehen. Der 1. Juli 2026 ist die EU-weite Schlusslinie. Für dich als deutschen Nutzer galt aber schon eine frühere Frist. Deutschland hat über das Kryptomärkteaufsichtsgesetz (KMAG) die Übergangsphase auf den 31. Dezember 2025 verkürzt. Dieselbe verkürzte Frist gilt in Italien, Irland, Spanien und Österreich.
Für Anbieter ohne Lizenz heißt das: In Deutschland gibt es seit Jahresanfang kein geschütztes Übergangsregime mehr. Dass viele Offshore-Börsen faktisch trotzdem weiterlaufen, liegt vor allem daran, dass die Durchsetzung gegen Anbieter ohne EU-Sitz zäh ist. Eine belastbare Rechtsgrundlage ist das aber nicht. Verlass dich also nicht darauf, dass „es ja noch funktioniert".
5. Was du als Kunde jetzt tun solltest
Erstmal Ruhe bewahren: Dein Guthaben verschwindet nicht über Nacht. Geordnete Abwicklungspläne sehen vor, dass Kunden vorab informiert werden und ihre Assets zu einem lizenzierten Anbieter oder in die eigene Wallet übertragen können. Trotzdem solltest du nicht abwarten, bis dich eine Frist überrascht.
- Keine neuen großen Einzahlungen auf Binance oder Bitget mehr planen, solange die Lizenzfrage offen ist.
- Status verfolgen: Beide Börsen haben Updates vor dem 30. Juni angekündigt. Lies die offiziellen Mitteilungen, keine Gerüchte aus Foren.
- Anbieter wechseln: Überlege, ob du Coins auf eine MiCA-lizenzierte Börse verschiebst oder in eine eigene Wallet überträgst. Welche Optionen es gibt, zeigen wir dir in unserem Krypto-Wallet-Vergleich.
- Offene Positionen im Blick behalten: Gerade bei Derivaten und Hebelprodukten kann eine Zwangsliquidation drohen, wenn eine Börse abwickeln muss, wie das Frankreich-Beispiel zeigt.
- Auf Phishing achten: In solchen Umbruchphasen häufen sich Fake-Mails, die zu „Migration" oder „Verifizierung" auffordern. Klick keine Links aus unaufgeforderten Nachrichten an.
Unser Tipp: Wenn du ohnehin überlegt hast, zu einer regulierten Plattform zu wechseln, ist jetzt ein vernünftiger Zeitpunkt. Einen Überblick liefert unser Krypto-Börsen-Vergleich. Speziell zu den beiden betroffenen Anbietern findest du Alternativen in unseren Übersichten zu Binance-Alternativen und Bitget-Alternativen.
6. Welche Börsen haben bereits eine MiCA-Lizenz?
Die gute Nachricht: Es gibt reichlich lizenzierte Alternativen, und Deutschland führt bei den erteilten Lizenzen sogar EU-weit. Eine MiCA-Zulassung halten unter anderem:
- Bitpanda – BaFin-Lizenz (Deutschland), zusätzlich Österreich und Malta
- Kraken – über die Central Bank of Ireland
- Coinbase EU – über die CSSF in Luxemburg
- Bitvavo – über die AFM in den Niederlanden, mit sehr niedrigen Gebühren
Eine Lizenz macht eine Börse aber nicht automatisch zur besseren Wahl. Gebühren, Coin-Auswahl und Bedienung musst du weiter selbst vergleichen. Aber sie bedeutet laufende Aufsicht, Transparenzpflichten und EU-Rechtssicherheit im Streitfall. Und genau das fehlt bei Binance und Bitget derzeit.
- Herausragende Weboberfläche und App
- Große Anzahl an handelbaren Krypto-Assets
- Deutsche BaFin-Lizenz zur Kryptoverwahrung
- Bekannte Marke im Krypto-Space
- Große Auswahl an Coins
- Kontinuierlicher Ausbau des Produkts
- Sehr niedrige Handelsgebühren
- Günstiger Krypto-Sparplan
- Europäische Krypto-Plattform
- Riesige Auswahl an handelbaren Kryptowährungen
- Moderne und einfache Plattform
- Deutsche BaFin-Verwahrlizenz
7. Fazit: Lieber Anbieter wechseln, als das Risiko einzugehen
Die Lage ist ernst, aber kein Grund für Panik. Bitget hat einen laufenden Antrag in Österreich ohne Genehmigung – das Risiko ist real. Bei Binance ist die Faktenlage offen: Reuters und die Börse erzählen unterschiedliche Geschichten, und entschieden ist nichts. Klar ist nur der Zeitplan, und der lässt kaum Spielraum.
Für dich als Anleger heißt das vor allem: nicht abwarten, sondern vorbereiten. Prüfe, wo dein Guthaben liegt, plane keine neuen Einzahlungen auf die betroffenen Börsen und halte eine lizenzierte Alternative oder deine eigene Wallet bereit. Dann triffst du die Entscheidung in Ruhe – und nicht unter dem Druck einer ablaufenden Frist.

