Unser Testverfahren für Tagesgeldkonten

Lesezeit 9 min.

Silvia Benetti
Redakteurin
Lektoriert vonSebastian Rau
Sieh dir an, wie wir bei Finanzwissen arbeiten

Ist das Tagesgeldkonto mit den höchsten Aktionszinsen das beste? Nicht immer! Deswegen prüfen wir alle Anbieter in fünf Kategorien und vergeben Punkte, die wir am Ende in eine Prozentnote umrechnen. Wie wir dabei vorgehen, welche Kategorie wie schwer wiegt und warum eine Bank mit 2,5 % manchmal hinter einer mit 2,3 % landet – das liest du auf dieser Seite.

  • Wir bewerten Tagesgeldkonten in 5 Kategorien. Die Endnote bekommst du als Prozentwert.
  • Zinsen wiegen mit 60 % am schwersten. Dabei bewerten sowohl Aktions- als auch Bestandszinsen. Der Anbieter mit dem besten Aktionszins ist deshalb nicht automatisch der Sieger.
  • Die Kategorie Sicherheit fließt mit 20 % ein. Dabei prüfen wir die gesetzliche und erweiterte Einlagensicherung plus Bank- und Landes-Rating.
  • Weitere Kategorien sind Kontoführung (12,5 %), Kontoeröffnung (5 %) und Service (2,5 %).
  • Wir aktualisieren das Tagesgeld-Ranking regelmäßig, damit die Noten zur aktuellen Marktlage passen.

Warum wir ein eigenes Bewertungsverfahren nutzen

Viele Tagesgeld-Rankings sortieren nach genau einer Zahl: dem Aktionszins. Das Problem: Dabei handelt es sich überwiegend um einen Neukundenzins, der nur für 3 oder 6 Monate gilt. Danach fällst du auf einen mageren Bestandszins zurück, der mit dem Lockangebot nichts mehr zu tun hat.

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Tagesgeldkonto spielen zudem Faktoren eine Rolle, die ein reines Zins-Ranking komplett ausblendet:

  • Liegt dein Geld bei einer Bank mit erweiterter Einlagensicherung oder nur beim gesetzlichen Minimum von 100.000 €?
  • Musst du für das Konto zwingend ein Girokonto eröffnen?
  • Wie solide sind das Rating der Bank und ihres Sitzlandes?
  • Ist die Kontoeröffnung einfach und digital?
  • Wie viele Kontaktmöglichkeiten bietet der Kundenservice?

Deshalb bewerten wir nicht eindimensional, sondern in fünf Kategorien, vom Zins über die Sicherheit bis zum Service, mit nachvollziehbaren Punkten für jede Kategorien. Wie das geht, zeige ich dir in den nächsten Abschnitten.

Tagesgeldvergleich: Die fünf Kategorien im Überblick

Jede Bank durchläuft dieselben fünf Kategorien. Sie zählen unterschiedlich schwer – hier die komplette Gewichtung auf einen Blick:

KategorieGewichtungEinzelne Kriterien
Zinsen60 %– Bestands- und Neukundenzins
– Zinsgarantie
– Zinsintervall
– Min./Max.-Anlage
Kontoführung12,5 %– Kosten
– App-Bewertung
– Konto für Minderjährige (ja/nein)
– Gemeinschaftskonto (ja/nein)
– Automatische Steuerabführung (ja/nein)
– Einzahlungsmöglichkeiten
Kontoeröffnung5 %– digitaler Prozess (ja/nein)
– Girokontopflicht (ja/nein)
– Verifizierungsmethoden
Einlagensicherung20 %– gesetzliche und erweiterte Sicherung
– Bank-Rating
– Landesrating
Service2,5 %– Telefon-Hotline
– E-Mail
– Chat
– Servicezeiten
– Self-Services
Gesamt27,25

Zinsen: Deswegen bewerten wir sie relativ

Die Zinsen sind mit 60 % Gewichtung die bedeutendste Kategorie. Das ist in unseren Augen richtig, da sie das Hauptkriterium sind, sich für ein Tagesgeldkonto zu entscheiden.

Bestandszins und Neukundenzins zählen getrennt

Je 3,0 Punkte vergeben wir für den Bestandszins und für den Neukundenzins. Damit schneiden Banken schlechter, die Neukunden mit 3 % ködern und nach Angebotsende auf 0,5 % für Bestandskunden absacken lassen. Eine Bank, die dauerhaft 2,3 % zahlt, punktet dagegen in beiden Kategorien höher.

So berechnen wir die Punkte bei den Zinsen

Für beide Zinskategorien schauen wir, wo eine Bank im aktuellen Marktfeld steht – zwischen dem schlechtesten und dem besten Wert. Am unteren Ende gibt es 0 Punkte, am oberen Ende die vollen 3,0. Alles dazwischen verteilen wir linear.

Folgend wollen wir ein Beispiel berechnen. Angenommen, der schwächste Anbieter zahlt 0,5 %, und der Deckel für die volle Punktzahl liegt bei 2,5 %, gibt es bei 2 % Zinsen :

BestandszinsPunkte (max 3,0)
0,5 % (Feld-Tiefstwert)0,0
2 %2,25
3,5 % und höher3,0
Zinsberechnung im Tagesgeldframework

Der Deckel sorgt für gerechtere Bewertungen

In unserem Beispiel erhält eine Bank, die 2,5 % Neukundenzinsen zahlt, schon die volle Punktzahl, obwohl einzelne Banken vielleicht 3 % zahlen. Das ist bewusst so: Wir setzen den Höchstwert etwas unter den absoluten Spitzenwert der Angebote.

Damit vermeiden wir, dass ein einzelnes überdurchschnittliches Angebot die Skala verzerrt und alle anderen Banken schlechter abschneiden, obwohl sie auch gute Zinsen zahlen.

Weitere Kriterien in der Kategorie "Zinsen"

Die restlichen Punkte verteilen sich auf weitere wichtige Kriterien:

  • Zinsintervall (0,5 Punkte): Wie oft zahlt die Bank die Zinsen? Üblich sind etwa monatliche, vierteljährliche oder jährliche Auszahlungen. Banken, die die Zinsen monatlich ausschütten, schneiden besser ab, da ihre Kunden stärker vom Zinseszinseffekt profitieren.
  • Zinsgarantie (0,5 Punkte): Wie lange steht der Neukundenzins fest? Je länger das Angebot, desto länger profitierst du von den höheren Zinsen. Üblich ist eine Garantie von 3 bis 6 Monaten, manche Anbieter garantieren die Zinsen jedoch auch für 9 oder 12 Monate.
  • Mindest- und Maximalanlage (jeweils 0,5 Punkte): Volle Punkte gibt es ohne Mindesteinlage und mit einem großzügigen Limit von 300.000 € und höher.

Einlagensicherung: So bewerten wir, wie sicher dein Geld liegt

In der zweitwichtigsten Kategorie "Einlagensicherung" vergeben wir über 4 Kriterien 4 Punkte, jeweils 1,0 Punkt pro Kriterium. Jedes Kriterium ist eine klare Ja/Nein-Frage. Das ist Absicht: Bei der Sicherheit deines Geldes wollen wir keine halben Sachen bewerten. Eine Bank erfüllt den Standard oder sie erfüllt ihn nicht.

  • Gesetzliche Einlagensicherung (1,0): Innerhalb der EU sind deine Einlagen bis 100.000 € pro Bank und Kunde abgesichert. Das ist der gesetzliche Mindeststandard, den praktisch jede seriöse Bank erfüllt. Den Punkt holen sich also alle.
  • Erweiterte Einlagensicherung (1,0): Viele Banken sind zusätzlich einem freiwilligen Sicherungsfonds angeschlossen, der höhere Beträge abdeckt. Legst du mehr als 100.000 € an, macht es im Notfall den Unterschied.
  • Bank-Rating (1,0): Wie kreditwürdig ist die Bank selbst? Wir verlangen mindestens ein B-Rating. Darunter gibt es null Punkte, egal wie verlockend der Zins ist.
  • Landes-Rating (1,0): Eine Einlagensicherung ist immer nur so stark wie der Staat, der hinter ihr steht. Eine Bank in einem Land mit schwacher Bonität kann selbst dann versagen, wenn sie ein gutes Rating hat. Der . Deshalb fordern wir mindestens ein A-Rating für das Sitzland.

Das bewerten wir in der Kategorie "Kontoführung"

Mit 12,5 % ist die Kontoführung unsere drittgrößte Kategorie. Hier bewerten wir, ob das Angebot bezüglich Funktionen und Gebühren überzeugt, und vergeben dafür insgesamt 6,75 Punkte.

Den größten Posten bilden mit 2 Punkten die Kosten. Die meisten Tagesgeldkonten sind kostenlos. Verlangt eine Bank trotzdem Gebühren, gibt es nur noch 1 Punkt.

Das zweitschwerste Kriterium ist mit 1,5 Punkten die App-Bewertung . Hier betrachten wir die Nutzerbewertungen aus den App-Stores und normalisieren sie genauso wie die Zinsen: Unten liegt die Schwelle bei 3,0 Sternen, ab etwa 4,7 Sternen gibt es die volle Punktzahl.

Ebenfalls prüfen wir den Einzahlungsprozess. Kannst du dein Geld per einfacher Überweisung von jedem beliebigen Konto aufs Tagesgeld schieben? Volle Punktzahl und damit 1 Punkt. Bist du an ein festes Referenzkonto gebunden, gibt's nur 0,5 Punkte.

Die restlichen Punkte verteilen sich auf:

  • Steuern (0,5): Führt die Bank die Abgeltungsteuer automatisch ab oder musst du sie selbst in der Steuererklärung über die Anlage KAP angeben? Ausländische Anbieter führen die Abgeltungssteuer nicht automatisch ab, was für dich mehr Aufwand bedeutet.
  • Gemeinschaftskonto (0,5): Lässt sich das Konto zu zweit führen? Ist das nicht der Fall, gibt es 0 Punkte.
  • Kontoart (1,0): Handelt es sich um Online-Konto, das du digital verwalten kannst? Dann gibt es die volle Punktzahl.
  • Minderjährige (0,25): Konten, die auch Kindern und Jugendlichen offenstehen, sammeln hier Extrapunkte.

Kontoeröffnung: Wie bequem lässt sich das Tagesgeldkonto einrichten?

Hier vergeben wir 5 Punkte dafür, wie einfach du überhaupt an das Konto kommst. Klingt nebensächlich, ist es aber nicht – denn die schönste Kontoführung bringt dir nichts, wenn die Eröffnung an einem Papierformular oder einem ungewollten Zusatzkonto scheitert.

Das Schwergewicht ist die Einfachheit der Eröffnung mit 2,0 Punkten. Läuft alles komplett digital, gibt es die volle Punktzahl. Schickt dich die Bank dagegen über einen analogen Prozess mit ausgedruckten Unterlagen und Postweg, halbieren wir auf 1,0, da im Jahr 2026 Papierkram der Vergangenheit angehören soll.

Der zweite große Hebel ist die Tatsache, ob ein Girokonto erforderlich ist (1,0). Manche Anbieter ermöglichen ein Tagesgeldkonto nur, wenn du gleichzeitig ein Girokonto eröffnest. Brauchst du keins, ist das lästig. Verzichtet die Bank auf diesen Zwang, gibt es den vollen Punkt – andernfalls null.

Des Weiteren bewerten, ob die Bank folgende Identifizierungsverfahren anbietet:

  • Video-Ident (1,0): das schnellste Verfahren – Ausweis vor die Kamera, in wenigen Minuten erledigt. Deshalb gibt es hier die meisten Punkte.
  • eID (0,5): Identifizierung per Online-Ausweisfunktion des Personalausweises. Auch hier musst du dein Wohnzimmer nicht verlassen.
  • Postident (0,5): der klassische Gang zur Postfiliale. Funktioniert zuverlässig, kostet aber Zeit.

Je mehr Wege eine Bank anbietet, desto mehr Punkte sammelt sie hier – weil du dir das Verfahren aussuchen kannst, das zu dir passt.

Kundenservice: Wichtig, wenn auch für ein Tagesgeldkonto selten entscheidend

Mit 2,5 Prozent Gewichtung ist der Service unsere am wenigsten relevante Kategorie – und das ganz bewusst, da du ihn bei einem Tagesgeldkonto in der Regel selten brauchst.

Den größten Einzelpunkt teilen sich zwei Kriterien mit je 1,0 Punkte:

  • Telefon: Gibt es eine echte Rufnummer, unter der sich ein Mensch um dein Anliegen kümmert? Klingt selbstverständlich, ist es bei digitalen Banken nicht immer der Fall.
  • Servicezeiten: Hier staffeln wir. Rund um die Uhr erreichbar bringt den vollen Punkt, Erreichbarkeit nur an Werktagen die Hälfte, stark eingeschränkte Zeiten null.

Die übrigen Punkte verteilen sich auf die weiteren Kontaktwege:

  • E-Mail (0,5): Über E-Mail kannst du dein Anliegen detailliert schildern. Das eignet sich für alles, was nicht eilt.
  • Chat / Chatbot (0,5): Über einen Chat erhältst du schnelle Hilfe bei Standardfragen, ohne Warteschleife.
  • Self-Services (0,5): Kannst du eine Adressänderung vornehmen oder den Freistellungsauftrag in der App hinterlegen, ohne den Kundenservice kontaktieren zu müssen? Gerade das spart im Alltag am meisten Zeit.

Bei der Bewertung des Kundenservices beschränken wir uns darauf, das Vorhandensein der Kanäle sowie die zeitliche Verfügbarkeit zu bewerten. Die Qualität des Kundenservices an sich bewerten wir bewusst nicht.

Hier wäre eine objektive Note unmöglich, da sie stark von einem konkreten Mitarbeiter abhängen würde. Durch die Punkte für die App-Bewertung in der Kategorie "Kontoführung" fließen die Nutzerbewertungen des Kundenservices jedoch indirekt ein.

So entsteht die Gesamtnote

Die Endnote entsteht in zwei Schritten. Folgend zeigen wir dir anhand eines fiktiven Beispiels, wie das funktioniert.

Schritt 1: Prozent der möglichen Punkte je Kategorie ausrechnen

Zuerst schauen wir pro Kategorie, wie viel Prozent der möglichen Punkte eine Bank geholt hat. Sammelt sie bei den Zinsen 6 von 8 Punkten, sind das 75 %. Gibt es bei der Einlagensicherung 4 von 4 Punkten, sind es 100 %. So bekommt jede der fünf Kategorien einen eigenen Score zwischen 0 und 100 %.

Schritt 2: Gewichtung

Diese fünf Scores zählen aber nicht gleich viel. Jeder wird mit seinem Gewicht multipliziert – und die Summe ergibt die Endnote:

KategoriePunkteProzentpunkte für diese KategorieGewichtungEndnote
Zinsen77/8= 87,5 %60 %52,5 %
Einlagensicherung44/4 = 100 %20%20 %
Kontoführung5,65,6/6,75=82,9%12,5%10,3 %
Kontoeröffnung4,54,5/5 = 90 %5 %4,5 %
Kundenservice3,53,5/3,5=100 %2,5%2,5%
GESAMTNOTE89,8%

Fazit: Unsere Bewertung der Tagesgeldkonten ist fair und nachvollziehbar

Unser Bewertungsverfahren bewertet Tagesgeldkonten als ganzes Produkt und verhindert, dass nur das Tagesgeldkonto mit dem höchsten Aktionszins auf Platz 1 landet, selbst wenn er nach 3 Monaten ausläuft und das Angebot sonst alles andere als top ist.

Durch die gewichtete Bewertung der 5 Kategorien hast du eine Prozentnote, die du in Ruhe vergleichen kannst, ohne selbst viele Kriterien gegeneinander abzuwägen. Die Bewertungen aktualisieren wir regelmäßig, damit sie zur jeweiligen Zinslage passen.

Auch die Bestnote heißt nicht, dass ein Tagesgeldkonto in deiner Situation das Richtige für dich ist. Willst du dein Geld nur ein paar Monate anlegen, kann das Tagesgeldkonto mit dem höchsten Zins tatsächlich die beste Entscheidung sein. Den vollständigen Tagesgeldvergleich mit allen Noten findest du hier.

Silvia Benetti
Silvia Benetti
Redakteurin
Über die Autorin
Ich habe an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studiert und war anschließend jahrelang im Bereich Windenergie tätig. Seit 2016 schreibe ich freiberuflich über Technik und Finanzen. Zu meinen Lieblingsthemen zählen Immobilien, Kryptowährungen und Tech-Aktien. Insbesondere interessiert mich die Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft und der wirtschaftliche Aspekt von technischen Innovationen. Auch im Freundeskreis bin ich eine geschätzte Beratung, wenn es um Investitionen in Immobilien und Aktien geht.

Kommentare zum Beitrag
Werde Teil der Finanzwissen Community
Du musst angemeldet sein, um hier kommentieren zu können. Melde dich mit deinem Community-Konto an oder erstelle kostenlos ein Konto.
Kommentar verfassen
Informationen zur Datenverarbeitung kannst Du unserer Datenschutzerklärung entnehmen.