
Die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks senden in dieser Woche entscheidende Signale. Die US-amerikanische Federal Reserve hat ihren Leitzins erneut unverändert gelassen und auch die Europäische Zentralbank entschied heute den Zins bei 2,00 % zu belassen. Der Kontext ist dabei alles andere als ruhig: Der Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt und lässt die Inflation steigen.
| Federal Reserve (USA) | EZB (EU) | |
|---|---|---|
| Aktueller Leitzins | 3,50 – 3,75 % | Einlagenzins: 2,00 % |
| Inflation | Erhöht, durch Energiepreise angeheizt | Zuletzt 1,90 %, aber EZB erwartet bis zu 2,60 % |
| Tendenz | Zinspause, keine Senkung absehbar | Abwarten, Erhöhung möglich |
| Hauptrisiko | Iran-Krieg / Ölpreisschock | Stagflation durch Energiekrise |
Die Ausgangssituationen unterscheiden sich erheblich: Die Fed kämpft bereits auf einem hohen Zinsniveau mit einer hartnäckigen Inflation. Die EZB dagegen befand sich auf dem Weg zur Normalisierung, wird nun aber durch denselben geopolitischen Schock wieder in Alarmbereitschaft versetzt.
Fed: Keine Zinssenkung in Sicht
Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen – es ist bereits die zweite Sitzung in Folge ohne Änderung. Elf von zwölf Mitgliedern des Zentralbankrates stimmten für diese Entscheidung. Lediglich Stephen Miran, ein Berater von US-Präsident Donald Trump, plädierte wie schon bei früheren Sitzungen für eine Senkung.
Fed-Chef Jerome Powell machte in seiner Stellungnahme unmissverständlich klar: Ohne eine spürbare Abschwächung der Inflation gibt es keine Grundlage für Zinssenkungen. Höhere Energiepreise werden die Teuerung kurzfristig weiter anheizen – wie stark und wie lange, sei aber noch nicht abzuschätzen.
Auslöser der erneuten Zinspause ist vor allem der Krieg im Nahen Osten. Ende Februar hatten die USA und Israel Angriffe auf den Iran begonnen. Seitdem ist die Straße von Hormus – die wichtigste Ölhandelsroute der Welt – für den Schiffsverkehr erheblich gestört. Der Ölpreis ist in der Folge auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen. Die Märkte reagierten auf Powells Worte mit einem Kursrückgang des Euro gegenüber dem US-Dollar.
Was das für die USA bedeutet: Solange die Energie- und Inflationsrisiken durch den Iran-Krieg nicht eingedämmt sind, dürfte die Fed den Zins auf hohem Niveau halten. Eine Zinssenkung rückt damit in weite Ferne – auch für die kommenden Sitzungen.
Auch die EZB lässt die Zinsen unverändert
Auch die EZB lässt ihre Zinsen erst einmal unverändert. Eine Senkung kommt derzeit nicht in Frage, bei der nächsten Entscheidung könnte eher noch eine erneute Erhöhung angekündigt werden. Der größte Faktor ist derzeit die geopolitische Lage im nahen Osten. EZB-Präsidentin Lagarde sagte, die EZB beobachte die wirtschaftliche Lage genau und ist weiterhin entschlossen die Inflation bei 2,00 % zu halten. Für 2026 hat sie jedoch eine Inflation von 2,6 % prognostiziert.
Noch vor wenigen Wochen schien die Lage komfortabel: Die Inflation im Euroraum lag im Februar bei nur 1,9 Prozent und damit knapp unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Seitdem hat sich die Situation schlagartig verändert. Der Iran-Krieg treibt Spritpreise und Gaskosten auch in Deutschland nach oben.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte im Vorfeld bereits öffentlich: Ein länger andauernder Konflikt könnte gleichzeitig das Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation anheizen und damit eine Stagflation herbeiführen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer schätzt, dass die Inflation im Euroraum im Falle einer anhaltenden Krise auf mindestens 3 Prozent steigen könnte.
Was bedeutet die Zinsentscheide für das Tagesgeld?
Für alle Tagesgeld-Sparer bedeutet dies erstmal gleichbleibende Zinsen. Man kann sich sogar leise Hoffnungen auf eine Zinserhöhung 2026 machen, dies bleibt aber abzuwarten. Anbieter wie Trade Republic, die die Leitzinsen Eins-zu-eins- weitergeben, zahlen also weiterhin 2,00 % pro Jahr aufs Tagesgeld. Teilweise sind die Aktionszinsen auch höher, dann zeitlich begrenzt Die besten Angebote dazu findest du in unserem Tagesgeld-Vergleich.
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Fazit: Geopolitik diktiert die Geldpolitik
Die Zinsentscheide von Fed und EZB stehen 2026 ganz im Schatten des Iran-Krieges. Was als ruhiges Normalisierungsjahr geplant war, entwickelt sich zu einem neuen Stresstest für beide Notenbanken. Während die Fed schon lange auf der Bremse steht, muss die EZB nun möglicherweise wieder auf das Gaspedal wechseln – ausgerechnet in einem konjunkturell schwachen Umfeld.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher gilt: Die Zeiten günstiger Kredite dürften vorerst vorbei bleiben, die Zeiten attraktiver Sparzinsen dagegen noch etwas anhalten.

