
Die Nvidia-Aktie steht in dieser Woche gleich doppelt im Rampenlicht: Am Mittwoch präsentiert der Chipkonzern seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen. Dies passiert ausgerechnet in einem Marktumfeld, das durch erneut aufflammende Handelskonflikte und wachsende Skepsis gegenüber dem KI-Boom belastet wird. Zuletzt für Auftrieb sorgte jedoch die Meldung über ein geplantes Milliarden-Investment in OpenAI.
Größtes Investment der Firmengeschichte
Bevor alle Augen auf die Quartalsbilanz gerichtet sind, machte Nvidia zuletzt mit einer strategischen Weichenstellung von sich reden. Der Halbleiterhersteller soll kurz davorstehen, sich mit rund 30 Milliarden US-Dollar direkt an OpenAI zu beteiligen. Das wäre das größte Einzelinvestment in der Geschichte des Unternehmens. Wie Berichte unter Berufung auf informierte Kreise zeigen, ersetzt das geplante Direktinvestment eine frühere Absichtserklärung vom September, die ursprünglich eine schrittweise Infrastrukturinvestition von bis zu 100 Milliarden US-Dollar vorsah.
CEO Jensen Huang hatte bereits Ende Januar Zweifel an einer engen Partnerschaft zerstreut und betont, Nvidia werde an der Finanzierungsrunde beteiligt sein. Die aktuelle Runde bewertet OpenAI mit bis zu 830 Milliarden US-Dollar und hat ein Gesamtvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar.
Neben Nvidia möchten auch SoftBank und Amazon einsteigen. Ein Großteil der frischen Mittel dürfte direkt in den Kauf von Hochleistungschips fließen, womit Nvidia indirekt seinen wichtigsten Abnehmer weiter mit Hardware versorgen würde. Die Beteiligung ist strategisch geschickt: Sie sichert dem Konzern Einfluss bei OpenAI und zugleich langfristige Absatzsicherheit für seine begehrten Blackwell-Grafikprozessoren.

Zollkonflikt trübt das Bild
Der OpenAI-Deal klingt erstmal positiv, das Marktumfeld rund um den Quartalsbericht ist aber alles andere als ruhig. Der Handelstreit zwischen den USA und wichtigen Handelspartnern eskaliert erneut, und das trifft viele KI-Aktien empfindlich. US-Präsident Trump hat zuletzt signalisiert, die weltweiten Zollsätze weiter anheben zu wollen, was an den Börsen für Nervosität sorgt. Für Nvidia ist das China-Geschäft dabei ein besonders heikles Thema: Nach dem monatelangen Hin und Her bei Exportgenehmigungen für KI-Chips hoffen Investoren auf konkrete Zahlen, wie stark das Reich der Mitte mittlerweile zur Umsatzentwicklung beiträgt – oder eben nicht mehr.
Gleichzeitig wird der KI-Trade insgesamt kritischer beäugt. Die hohen Investitionsausgaben der großen Hyperscaler wie Alphabet, Amazon und Microsoft gelten als Rückenwind für Nvidia, doch die Frage nach der langfristigen Rentabilität dieser Ausgaben bleibt unbeantwortet. Hinzu kommt, dass der heiße Trade im Halbleitersegment zuletzt nicht bei GPU-Herstellern, sondern bei Speicherchipunternehmen wie Micron zu finden war. Nvidia muss mit seinen Zahlen also gleich mehrere Baustellen adressieren.

Was Analysten von den Quartalszahlen erwarten
Die Markterwartungen für das vierte Geschäftsquartal sind hoch gesteckt: Analysten rechnen mit Erlösen von rund 65,7 Milliarden US-Dollar was ein Plus von etwa 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wäre. Beim bereinigten Gewinn je Aktie wird ein Sprung von 0,89 auf 1,53 US-Dollar erwartet, was einem Zuwachs von fast 72 Prozent entspricht. Einige Häuser sehen sogar bis zu 35 Prozent Kurspotenzial für die Aktie, sollten die Zahlen und der Ausblick überzeugen. Alles jedoch nur Prognosen, die Zahlen werden zeigen, wie gut Nvidia wirklich performt hat.
Besonders im Fokus stehen dabei die Margen. Nvidia selbst hatte eine Bruttomarge von rund 75 Prozent in Aussicht gestellt. Eine Abweichungen nach unten könnten die Aktie jedoch unter Druck bringen, da bei Halbleitertiteln Kurs- und Margenentwicklung traditionell eng korrelieren. Zudem wird auch der gesamte S&P500 und NASDAQ unter Druck geraten, sollte Nvidia die Erwartungen nicht erfüllen.
Auch die Frage nach dem Kundenkreis bleibt akut: Das OpenAI-Geschäft im Volumen von 30 Milliarden US-Dollar ist zwar ein positives Zeichen, macht aber zugleich die anhaltend hohe Abhängigkeit von einzelnen Großkunden deutlich. Ein Muster, das Erinnerungen an Cisco und Intel zur Jahrtausendwende weckt. Konkurrenzfähige chinesische Modelle können inzwischen ganz ohne Nvidia-Chips trainiert werden.
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