
Consorsbank lockt mit 4 % Zinsen — aber nur, wer sein Depot mitbringt
Die Consorsbank hat zum 13. Mai ihre Neukunden-Konditionen umgestellt. Statt klassischer Cash-Prämien gibt es jetzt einen Aktionszins von 4,0 Prozent pro Jahr — sechs Monate lang, für Anleger, die ihr Wertpapierdepot zur Consorsbank übertragen. Klingt nach dem Top-Angebot am Markt. Hat aber viele Hürden.
Das Wichtigste in Kürze:
- Zinssatz: 4,0 % p.a. für 6 Monate auf bis zu 50.000 €
- Voraussetzung: mind. 20.000 € Depotübertrag und Kündigung des Altdepots
- Nach der Aktion fallen die Zinsen auf 0,80 %
- Ordergebühr: 0,95 € pro Trade über Tradegate (zzgl. marktüblicher Spreads)
- Sparpläne: über 560 ETFs dauerhaft ohne Kaufgebühr, Aktien-Sparpläne im ersten Jahr kostenlos
Die Konditionen im Überblick
Der Zins ist üppig, die Bedingungen sind es nicht. Die 4,0 Prozent gelten für Guthaben auf dem Tagesgeldkonto bis maximal 50.000 Euro. Um sich zu qualifizieren, müssen Neukunden — also Privatpersonen ohne Konto oder Depot bei der Consorsbank in den letzten sechs Monaten — innerhalb von drei Monaten nach Eröffnung ein Depotvolumen von mindestens 20.000 Euro von einer Fremdbank übertragen.
Und hier kommt der entscheidende Haken: Das bisherige Depot bei der anderen Bank muss im Zuge des Wechsels vollständig geschlossen werden. Das ist also kein Zweitdepot-Angebot zum Mitnehmen, du musst dich festlegen. Genau das macht das Angebot im Vergleich schlechter. Neue Angebot beispielsweise von Chase bieten 4,00 % ohne größere Konditionen, dafür aber nur für 3 Monate.
Was die Aktion konkret bringt
Rechnen wir es durch: bei voller Ausnutzung der 50.000 Euro zu 4,0 Prozent garantiert für sechs Monate ergeben 1.000 Euro Zinsertrag vor Steuern. Verglichen mit einem durchschnittlichen Bestandskunden-Tagesgeldzins von rund 2,5 Prozent bleibt im ersten Halbjahr ein Zinsvorteil von etwa 375 Euro.
Das ist ordentlich. Aber 50.000 Euro liquide auf dem Tagesgeldkonto plus 20.000 Euro Depotübertrag — das muss man erst mal haben. Hinzu kommt, dass jetzt immer mehr Anbieter wie Chase und die Norisbank 4,00 % Tagesgeldzinsen als Aktionszins bieten und das auch ohne sein Depot übertragen zu müssen.
Der Kontext: ein Markt im Zinskrieg
Der eigentlich spannende Punkt steckt nicht im Angebot selbst, sondern darin, warum die Consorsbank es überhaupt auflegt. Der Wettbewerb um Spareinlagen ist gerade brutal und das bei einem EZB-Einlagensatz von nur 2,00 Prozent. Die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen aller verglichenen Banken lagen zum 1. Mai 2026 bei mageren 1,84 Prozent, die Top-5-Banken aber bei 3,32 Prozent was ein 15-Monats-Hoch darstellt. Die Spreizung zwischen Durchschnitt und Spitze war selten so groß. In unserem Tagesgeldvergleich findest du alle Tagesgeldkonten.
Vor allem die Neobroker treiben das Niveau. Ein Blick auf die Konkurrenz:
- Scalable Capital zahlt seit März 2,5 Prozent p.a. auf Tagesgeld — für Neu- und Bestandskunden, unbefristet, ohne Betragsgrenze, Voraussetzung ist nur ein (kostenloses) Depot. Damit liegt Scalable dauerhaft über Trade Republic.
- Trade Republic gewährt in Deutschland 2,00 Prozent p.a. auf unbegrenztes Guthaben, für Neu- wie Bestandskunden, bis auf Widerruf. In Österreich hat der Berliner Broker zum 12. Mai sogar auf 3,00 Prozent erhöht — allerdings ausdrücklich nur dort, nicht in Deutschland.
Genau hier liegt der strategische Unterschied. Die Aktionsangebote der Direktbanken sind auf dem Papier attraktiver, fallen aber nach drei bis sechs Monaten deutlich ab. Die Consorsbank spielt klassisch nach diesem Muster: hoher Lockzins, harte Bedingung, danach Standardniveau. Trade Republic und Scalable setzen dagegen auf den dauerhaft soliden Satz ohne Wechselzwang.
Warum ist dann die Consorsbank mit ihren 4 Prozent nicht automatisch der Sieger? Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass der Vergleich hinkt: Bei Trade Republic und Scalable bekommst du den Zins ohne 20.000-Euro-Übertrag, ohne Kündigung des Altdepots und ohne Betragsdeckel von 50.000 Euro. Die Consorsbank kauft sich die hohe Zahl mit Auflagen, die andere nicht stellen. Außerdem sind die 4,00 % nur auf sechs Monate begrenzt, danach bekommst du nur 0,80 %.
Für wen sich der Wechsel lohnt
Das Angebot richtet sich klar an erfahrene Anleger mit bestehendem Kapital — nicht an Einsteiger. Die Pflicht zur Schließung des Altdepots spricht gegen eine Nutzung als reines Zweitdepot.
Wenn du ohnehin mit dem Gedanken spielst, zu einem anderen Broker zu wechseln, und gleichzeitig liquide Mittel parken willst, ist die Kombination derzeit gut. Prüfe aber vorab, ob alle Wertpapiere aus deinem Altdepot bei der Consorsbank überhaupt handelbar sind — sonst gibt's beim Übertrag böse Überraschungen.
Unterm Strich: 4 Prozent sind ein starker Wert, aber kein Selbstläufer. Die Aktion belohnt Anleger, die ihre Bankverbindung ohnehin konsolidieren wollen — für alle anderen sind die unbefristeten 2,5 Prozent bei Scalable oder 2,0 Prozent bei Trade Republic der entspanntere Deal.

