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Chase startet in Deutschland: 4 Prozent Tagesgeld – J.P. Morgan greift den Zinsmarkt an

Lesezeit 5 min.

Überprüft durchSebastian Rau
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Seit heute, dem 20. Mai 2026, ist Chase offiziell in Deutschland am Start. Die Digitalbank von J.P. Morgan, der größten Bank der USA, kommt mit einem einzigen Produkt – und einer dicken Ansage: 4 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld, vier Monate lang, auf Guthaben bis zu einer Million Euro. Damit setzt sich Chase auf Anhieb an die Spitze der deutschen Tagesgeldangebote.

Das Wichtigste in Kürze

  • 4 % Zinsen p. a. für die ersten 4 Monate, danach ein variabler Basiszins von 2 %
  • Der Aktionszins gilt auf Guthaben bis zu 1 Million Euro – aktuell der höchste Tagesgeldzins im deutschen Markt
  • Kostenloses Konto, reine App-Bedienung, Eröffnung per Videoident oder eID
  • Betrieben von der J.P. Morgan SE mit deutscher Vollbanklizenz – Einlagensicherung gesetzlich bis 100.000 €, freiwillig bis 3 Mio. €
  • Girokonto, Investment- und Kreditprodukte sollen bis Ende 2028 folgen

4 Prozent für vier Monate – das steckt dahinter

Der Aufbau ist klassisch: ein hoher Lockzins, der nach kurzer Zeit deutlich abschmilzt. Der Einstieg erfolgt über ein gebührenfreies Tagesgeldkonto, das einen Einführungszinssatz von 4 Prozent pro Jahr für die ersten vier Monate bietet. Danach gilt ein variabler Basiszinssatz von 2 Prozent.

Was Chase dabei von vielen Wettbewerbern abhebt: Die 4 Prozent gelten auf Guthaben bis zu einer Million Euro – und nicht nur auf eine gedeckelte Summe von ein paar Tausend Euro, wie es bei manchen Lockangeboten der Fall ist. Die Zinsen werden täglich berechnet und monatlich ausgezahlt, der Zinseszinseffekt läuft also mit.

Der Basiszins von 2 Prozent ist variabel – Chase kann ihn jederzeit anpassen. Verlass dich also nicht darauf, dass nach den vier Monaten dauerhaft 2 Prozent stehen bleiben. 2 % ist derzeit der Einlagenzins, sollte dieser von der EZB geändert werden, werden sich auch die meisten Tagesgeldzinsen ändern.

Wie gut sind 4 Prozent wirklich?

Im aktuellen Marktumfeld ist das eine Hausnummer. Zur Einordnung: In unserem Tagesgeldvergleich sind die besten Angebote derzeit Scalable Capital mit 2,50 % Zinsen (erstmal zeitlich unbegrenzt, aber immer variabel) und die Consorsbank mit Aktionszinsen von 3,4 % für 3 Monate.

Mit 4,00 % für vier Monate bietet Chase damit den besten Aktionszins auf das Tagesgeldkonto.

Scalable Capital
Scalable Capital Broker - Tagesgeld
  • Tagesgeldkonto und Depot in einem
  • 2,50 % Zinsen auf unlimitiertes Guthaben
  • Einfache Handhabung per App
(ggf. fallen Produktkosten, Spreads, Zuwendungen und Crypto-Gebühren an)

Consorsbank
Consorsbank - Tagesgeld
  • 3,40 % für Neukunden
  • Gute Verwaltung im Online Banking
  • Umfangreiches Produktangebot
ggf. fallen Produktkosten, Spreads, Zuwendungen und Crypto-Gebühren an

Aber es ist und bleibt ein befristeter Lockzins. Wer dazu bereit ist, sein Geld erneut zu einer anderen Bank umzuschichten, wenn die hohen Zinsen nach einigen Monaten auslaufen, findet hier ein gutes Angebot. Wem das zu viel Aufwand ist, kann sein Geld bei Anbietern mit zeitlich erstmal nicht begrenzten 2,50 % besser verwahren.

Reine App-Bank – kein Girokonto, keine Filiale

Chase startet bewusst schlank. Kein Girokonto, keine Karte, keine Filiale – nur Tagesgeld, gesteuert komplett übers Smartphone. Die Kontoeröffnung erfolgt rein digital über Video-Identifikation oder die Online-Ausweisfunktion. Für Auszahlungen brauchst du ein Referenzkonto bei einer deutschen Bank.

Wer eine echte Allround-Bank sucht, ist hier vorerst falsch. Das ändert sich aber: Pläne sehen vor, das Angebot bis Ende 2028 um Girokonten, Investment- und Kreditprodukte auszubauen. In Großbritannien, wo Chase seit 2021 aktiv ist, hat die Bank diesen Weg bereits hinter sich und dort inzwischen über drei Millionen Kunden gewonnen. Deutschland ist nun der zweite europäische Markt.

Wie sicher ist mein Geld?

Das ist der Punkt, an dem Chase sich klar von dubiosen Auslandsanbietern abgrenzt. Betrieben wird das Angebot von der J.P. Morgan SE, die eine Vollbanklizenz in Deutschland besitzt und von Bafin, EZB und Deutscher Bundesbank beaufsichtigt wird.

Damit greift die gewohnte deutsche Einlagensicherung: Einlagensicherung schützt Beträge bis 100000 Euro gesetzlich und bis drei Millionen Euro über den Sicherungsfonds. Hinter Chase steht zudem kein Start-up, sondern J.P. Morgan – mit einer Bilanzsumme von 4,9 Billionen US-Dollar (Stand: 31. März 2026) eine der größten Banken der Welt. An der Substanz dürfte es also nicht scheitern.

Warum ausgerechnet Deutschland?

Weil hier viel Geld unverzinst herumliegt. Ende 2025 summierte sich das Geldvermögen der privaten Haushalte hierzulande nach Zahlen der Bundesbank auf den Rekordwert von rund 9.504 Milliarden Euro, mehr als ein Drittel davon (37,2 Prozent) sind Bargeld und Einlagen wie Tagesgeld

Deutschlandchef Daniel Llano Manibardo, der zuvor bei der ING war, formuliert es so: „Wir haben in Deutschland eine ausgeprägte Sparkultur mit viel ungenutztem Potenzial.“ Übersetzt heißt das: Für viele Deutsche ist das Sparbuch bzw. das Tagesgeldkonto immer noch die Nr. 1, während der Börse und Aktien misstraut wird . Diese große Masse an vorsichtigen Sparern möchte J.P.Morgan erreichen.

Spannend ist die Konkurrenzsituation. Chase trifft auf einen brutal umkämpften Markt mit Trade Republic, Scalable Capital, Consorsbank und vielen Automobilbanken. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Erst im Juni 2025 war die spanische BBVA mit einem ähnlichen Zins-Lockangebot in Deutschland gestartet. Auffällig ist auch, was nicht gelingt: Goldman Sachs gab seine deutsche Privatkundenbank Marcus im Jahr 2022 nach Jahren auf.

Bestes Tagesgeldangebot, aber nur für 4 Monate

Für alle, die ohnehin Tagesgeld-Hopping betreiben, ist Chase ein klarer Kandidat: 4 Prozent auf bis zu eine Million Euro, gesicherte Einlagen, dahinter die größte Bank der USA. Schwer zu schlagen – zumindest für die nächsten vier Monate.

Danach sollte man nicht den Fehler machen, das als Dauerlösung zu betrachten. Der echte Test kommt erst nach der Aktionsphase, wenn der variable Zins greift. Bleibt Chase dann attraktiv, ist es eine ernsthafte Hausbank-Option der Zukunft. Schmilzt der Zins ab wie bei so vielen Lockangeboten, sind andere Anbieter besser.

Häufige Fragen zum Tagesgeldkonto von J.P.Morgan Chase

Wie hoch ist der Zins bei Chase und wie lange gilt er?

Chase zahlt 4 Prozent p. a. für die ersten vier Monate nach Kontoeröffnung. Danach gilt ein variabler Basiszins von aktuell 2 Prozent, den die Bank jederzeit anpassen kann.

Bis zu welcher Summe gelten die 4 Prozent?

Der Aktionszins gilt auf Guthaben bis zu einer Million Euro – ungewöhnlich hoch im Vergleich zu vielen anderen Lockangeboten.

Ist mein Geld bei Chase sicher?

Ja. Chase wird in Deutschland von der J.P. Morgan SE mit Vollbanklizenz betrieben. Einlagen sind gesetzlich bis 100.000 Euro und über den freiwilligen Einlagensicherungsfonds bis zu drei Millionen Euro geschützt.

Gibt es bei Chase ein Girokonto?

Aktuell nicht. Chase startet nur mit Tagesgeld. Girokonto, Investment- und Kreditprodukte sind bis Ende 2028 geplant.

Wie eröffne ich ein Konto bei Chase?

Komplett digital über die Chase-App – per Video-Identifikation oder Online-Ausweisfunktion (eID). Du brauchst einen Wohnsitz in Deutschland, eine deutsche Handynummer und ein Referenzkonto bei einer deutschen Bank.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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