
Altersvorsorgedepot ab 2027: Staatlich gefördert in ETFs investieren?
Deutschland reformiert seine private Altersvorsorge grundlegend. Das neue Altersvorsorgedepot soll die ungeliebte Riester-Rente ablösen und ermöglicht erstmals staatlich geförderte Investments in ETFs ohne teuren Versicherungsmantel. Was das konkret bedeutet und wer davon profitiert.
Überblick
- Gefördert werden 1.800 Euro Eigenvorsorge im Jahr. Für die ersten gesparten 1.200 € erhältst du 30 Cent pro gespartem Euro.
- Für weitere 600 Euro gibt es 20 Cent – insgesamt also eine Zulage von bis zu 480 Euro im Jahr.
- Eltern erhalten zusätzlich 25 Cent pro Spar-Euro und Kind, maximal 300 Euro pro Jahr. Der Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro bleibt bestehen.
- Bezuschusst werden Fonds oder ETFs bei Banken, Neobrokern, Versicherer oder Fondsgesellschaften. Kryptowährungen werden explizit ausgenommen.
- Geplant ist, dass das Depot am 1. Januar 2027 startet. Noch ist das Vorhaben aber nicht beschlossen.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Vertrag mit einem Anbieter von Altersvorsorgeprodukten, bei dem auf Garantien verzichtet wird, um chancen- und renditeorientierte Anlageformen zu ermöglichen. Das eingezahlte Geld wird vom Anbieter angelegt und vom Staat gefördert – auch in Fonds wie ETFs.
Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist in Deutschland aber eine kleine Revolution. Bisher zwang die Beitragsgarantie der Riester-Rente Anbieter dazu, das Geld überwiegend konservativ in Anleihen zu parken. Entsprechend mager fielen die Renditen aus, da auch die Gebühren hoch waren.
Künftig können Bürgerinnen und Bürger von Kapitalanlagen mit höheren Renditechancen profitieren, zum Beispiel durch global gestreute Aktien-ETFs. Für Menschen mit höherem Sicherheitsbedürfnis bleibt der Abschluss von Garantieprodukten weiterhin möglich.

Aktueller Stand: Bundestag in erster Lesung
Der Bundestag hat am 26. Februar 2026 in erster Lesung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung beraten. Ein endgültiger Beschluss ist das noch nicht. Nach der Debatte sollen die Vorlagen erst in die Ausschüsse überwiesen werden. Vorgesehen ist, dass Finanz-Unternehmen ab dem 1. Januar 2027 Altersvorsorgedepots anbieten können. Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften und auch Neobroker sollen dazu berechtigt sein.
So funktioniert die staatliche Förderung
Die Förderlogik ist deutlich simpler als bei Riester. Gefördert werden 1.800 Euro Eigenvorsorge im Jahr. Sparer erhalten 30 Cent staatliche Zulage für jeden selbst eingezahlten Euro bis 1.200 Euro. Für weitere 600 Euro gibt es 20 Cent – insgesamt also eine Zulage von bis zu 480 Euro im Jahr.
Ab 2029 steigt dieser Satz auf 35 Cent für die ersten 1.200 Euro, die maximale Förderung erhöht sich dann auf 540 Euro pro Jahr.
Zusätzlich greift ein steuerlicher Hebel: Auf Erträge aus dem Altersvorsorgedepot wird in der Ansparphase keine Kapitalertragsteuer und keine Vorabpauschale fällig. Wer mehr einzahlen möchte, kann das bis zu einem Betrag von 5.040 Euro pro Jahr tun und profitiert auch für diesen Teil von den Steuervorteilen.
Besondere Extras gibt es für Familien und Berufseinsteiger: Eltern erhalten zusätzlich 25 Cent pro Spar-Euro und Kind, maximal 300 Euro pro Jahr. Der Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro bleibt bestehen.
Frühstart-Rente: Vorsorge beginnt mit sechs Jahren
Besonders innovativ ist die neu eingeführte Frühstart-Rente. Ab dem 6. Lebensjahr zahlt der Staat zwölf Jahre lang pro Monat 10 Euro auf das Depot ein – insgesamt also 1.440 Euro. Zudem sollen auch Dritte, wie Eltern oder Großeltern, in begrenztem Umfang zusätzlich einzahlen können. Damit der Zinseszinseffekt voll wirken kann, werden Erträge erst in der Auszahlungsphase besteuert.

Welche Anlageklassen dürfen ins Altersvorsorgedepot?
Zulässig sind vor allem regulierte Investmentfonds und ETFs nach europäischem Standard (OGAW/UCITS). Hochspekulative oder wenig transparente Anlagen bleiben außen vor. Ergänzend sind bestimmte Produkte mit Anleihen vorgesehen. Kryptowährungen sind explizit ausgeschlossen.
Für alle, die sich nicht tiefer mit Finanzmärkten beschäftigen wollen: Das Standarddepot verfügt über Standardeinstellungen, sodass in der Ansparphase keine weiteren Anlageentscheidungen erforderlich sind.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen
Bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Wer bereits einen abgeschlossen hat, kann diesen auch nach der Reform weiter besparen. Ab 2027 können allerdings keine Verträge mehr nach altem Riester-Modell abgeschlossen werden. Bürgerinnen und Bürger können freiwillig in das neue Altersvorsorgedepot wechseln.
Fazit: Lohnt sich das Warten?
Generell ist das Altersvorsorgedepot ein Schritt in die richtige Richtung. Gerade junge Menschen nutzen hauptsächlich ETFs zur Altersvorsorge, da ist es nur sinnvoll diese zu unterstützen. Zudem haben sich die „alten“ Produkte wie Riester und Rürup als sehr renditeschwach und meistens nicht lohnenswert herausgestellt.

