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Alphabet Anleihe: Gibt es Google in 100 Jahren noch?

Lesezeit 3 min.

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Der Google-Mutterkonzern Alphabet greift zu einem außergewöhnlichen Finanzierungsinstrument: Eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit soll die massive Expansion im Bereich Künstliche Intelligenz finanzieren. Es ist das erste Mal seit der Dotcom-Ära, dass eine Tech-Aktie so weit in die Zukunft blickt.

  • Die Nachfrage nach Googles 100-jährige Anleihe überstieg die 100-Milliarden-Dollar-Marke.
  • Mit den Erlösen möchte Alphabet weiter in die Entwicklung neuer KI-Modelle investieren.
  • Google setzt damit immer weiter alles auf die KI-Karte.
  • In der Vergangenheit gab es immer wieder Unternehmensanleihen, bei denen die dahinterstehenden Aktien pleitegingen.
  • Einige Experten werten die Emission der Anleihe als Signal der Schwäche.
  • Andere sagen: Google ist selbstbewusst und glaubt, auch in 100 Jahren noch zu existieren.

Warum gibt Google eine 100-jährige-Anleihe heraus?

Der Grund für diese massive Kapitalbeschaffung liegt in Alphabets ambitionierten Investitionsplänen. Der Konzern will seine Infrastrukturausgaben in diesem Jahr auf bis zu 185 Milliarden Dollar nahezu verdoppeln – im Vorjahr waren es 91 Milliarden Dollar. Das Geld fließt vor allem in Rechenzentren, spezialisierte KI-Chips und Energieinfrastruktur.

Diese gewaltigen Summen zeigen, wie ernst es dem Konzern mit seiner KI-Offensive ist. Trotz der umfangreichen Einnahmen aus dem Online-Werbegeschäft reicht der operative Cashflow offenbar nicht mehr aus, um die Investitionsflut zu stemmen. Die Verschuldungsstrategie markiert damit einen Wandel: Alphabet setzt nicht mehr allein auf seine bewährten Geldquellen, sondern nutzt aktiv den Kapitalmarkt.

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Alphabet steht mit diesem Investitionshunger nicht allein da. Auch andere KI-Aktien wie Microsoft, Meta und Amazon stecken dreistellige Milliardenbeträge in die KI-Infrastruktur.

Morgan Stanley prognostiziert, dass die großen Cloud-Computing-Unternehmen in diesem Jahr insgesamt 400 Milliarden Dollar an Fremdkapital aufnehmen werden. Was ein deutlicher Anstieg gegenüber den 165 Milliarden Dollar im Jahr 2025 ist.

Massive Nachfrage trotz hoher Risiken

Die Resonanz der Anleger fiel überwältigend aus. Die 100-jährige Anleihe, die im Sterling-Markt mit einem Volumen von einer Milliarde britischen Pfund angeboten wurde, war fast zehnfach überzeichnet. Bereits am Montag hatte Alphabet am US-Markt Dollar-Anleihen im Wert von 20 Milliarden Dollar platziert – ursprünglich waren nur 15 Milliarden geplant. Die Nachfrage überstieg nach Angaben von Bloomberg 100 Milliarden Dollar.

Die Jahrhundert-Anleihe ist Teil einer umfassenden Finanzierungsoffensive. Neben den Dollar-Anleihen begibt Alphabet erstmals auch Anleihen in britischen Pfund und Schweizer Franken. Die Pfund-Emission umfasst fünf Tranchen mit Laufzeiten von drei bis 100 Jahren, die Schweizer-Franken-Anleihen laufen zwischen drei und 25 Jahren.

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Eine Rarität mit Symbolkraft

Unternehmensanleihen mit 100 Jahren Laufzeit sind extrem selten und normalerweise Staaten, Universitäten oder langlebigen Institutionen vorbehalten.

Im Pfund-Sterling-Markt haben bisher nur die Universität Oxford, der Energiekonzern EDF und der Wellcome Trust solche Papiere begeben. In der Technologiebranche sind sie nahezu unbekannt und die letzte vergleichbare Emission stammte von IBM im Jahr 1996.

Warnung vor den Risiken und gescheiterte Unternehmensanleihen

Trotz der hohen Nachfrage warnen Experten vor den erheblichen Risiken solcher ultra-langfristigen Papiere. Konstantin Veit, Portfolio-Manager von Pimco in London, gibt zu bedenken, dass die Anleihe nicht für jeden Anleger geeignet sei. Die hohe Sensibilität gegenüber Zinsveränderungen macht Jahrhundert-Anleihen besonders volatil.

Ein Blick auf bestehende Langläufer zeigt die Gefahren: Die 2018 emittierte 100-jährige Anleihe des Wellcome Trust notiert aktuell nur noch bei etwa 39 bis 44,6 Pence pro Pfund. Anleger, die heute verkaufen müssten, würden einen Verlust von über 50 Prozent ihres Einsatzes erleiden.

Besonders kritisch äußerte sich Michael Burry, bekannt als „Big Short“-Investor. Auf X verwies er spöttisch auf Motorola, das 1997 ebenfalls eine Jahrhundert-Anleihe ausgab. Damals gehörte der Konzern noch zu den wertvollsten Unternehmen weltweit – heute spielt Motorola in der Technologiebranche keine führende Rolle mehr. 1997 sei „das letzte Jahr gewesen, in dem Motorola als großes Unternehmen galt“, so Burry.

Noch drastischer war das Schicksal des Einzelhändlers J.C. Penney: Das Unternehmen meldete 2020 Insolvenz an – nur 23 Jahre nach der Emission seiner 100-jährigen Anleihe. Die Bonds sind heute praktisch wertlos.

Vertrauen in die eigene Zukunft

Die Emission einer Jahrhundert-Anleihe signalisiert extremes Vertrauen in die eigene Langlebigkeit. Alphabet setzt darauf, dass der Konzern auch in 100 Jahren noch existiert und relevant ist.

Solche Anleihen werden selten bis zur Fälligkeit gehalten. Viele Investoren setzen auf Kursgewinne in den ersten Jahrzehnten.

Ob Alphabets Jahrhundert-Wette aufgeht, wird sich zeigen. Eines ist jedoch klar: Der Konzern ist bereit, alles auf die Karte KI zu setzen und versucht mit dem Geld aus den Anleihen weiter in Datenzentren und Forschung zu investieren. Die Konkurrenz ist groß und investiert genauso viel Zeit und Geld in die Technologie der Zukunft.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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