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Tokenisierung: Vermögenswerte auf der Blockchain aufbewahren und traden

Lesezeit 1 min.

Silvia Benetti
Redakteurin
Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchRune Fauck
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Ein Porsche, eine Ferienwohnung oder gar ein Rennpferd als digitale Token auf der Blockchain? Dank der Tokenisierung kannst du reale Vermögenswerte in Token umwandeln und traden. Allerdings gibt es rechtliche Aspekte, die du als Anleger nicht außer Acht lassen solltest. Im folgenden Artikel klären wir darüber, was die Tokenisierung von Vermögenswerten interessant macht und welche Investitionen sicher sind.

Tokenisierung: Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Tokenisierung werden Wertpapiere und reale Vermögenswerte in einen Smart Contract umgewandelt und als Token auf der Blockchain aufbewahrt.
  • Die Eigentums- und Nutzungsrechte sind für alle einsehbar, die Assets leicht transferierbar.
  • Durch die Tokenisierung können Anleger Anteile an einem Vermögenswert wie einer Immobilie oder einer Anlage kaufen, der als Ganzes für sie zu teuer wäre.
  • Bei der Tokenisierung von Sachwerten ist die Rechtslage nicht eindeutig. Oft benötigen Anleger zusätzliche Lizenzen und Verträge, um im Zweifelsfall Rechte zu erhalten.

1. Was bedeutet Tokenisierung?

„Tokenisierung“ bezeichnet die Abbildung von Assets (Deutsch: Vermögenswerten) als digitale Token auf der Blockchain einer Kryptowährung. Dabei zählen zu den Vermögenswerten nicht nur Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder ETF, sondern auch reale Gegenstände wie:

  • Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge
  • Immobilien und Grundstücke
  • Viehbestand und Tiere, z.B. Rennpferde
  • Rohstoffe
  • Edelmetalle
  • Kunstwerke
  • Maschinen und Anlagen
  • Sonstige alternative Investments wie Sammlerstücke
Tokenisierung
Reale Assets und sämtliche Eigentums- und Nutzungsrechte lassen sich in Smart Contracts übersetzen

Überdies ermöglicht die Tokenisierung, auch Urheberrechte zu digitalisieren, unter anderem das geistige Eigentumsrecht an einem Buch oder an einem Song.

Fungible und non-fungible Token

Doch was ist ein Token genau? In erster Linie handelt es sich um eine lange Reihe von Zahlen und Buchstaben, die von einem Hash-Algorithmus erzeugt wurden. Dieser String steht allerdings je nach Token-Art für einen Kryptocoin, ein Asset oder bestimmte Rechte.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen fungible Token (Deutsch: austauschbare Token), die sich genauso wie Münzen und Scheine 1:1 gegen gleichwertige Token austauschen lassen, und non-fungible Token (NFT), die einen einzigartigen Vermögenswert ausbilden und nicht den gleichen Wert haben.

Fungible Token

Fungible Token sind identisch, austauschbar und haben den gleichen Wert, genauso wie Euroscheine oder Münzen. Ein Beispiel sind die klassischen Bitcoins, Ethereum-Coins oder sonstige Altcoins, die als Zahlungsmittel auf verschiedenen Blockchains dienen und daher Payment Token genannt werden.

Ferner gibt es:

  • Utility Token – genauso wie digitale Gutscheine werden sie herausgegeben, damit die Besitzer Dienste oder Produkte innerhalb der Plattform nutzen. Ein Beispiel dafür sind die plattformeigenen Token bei Play to Earn Spielen. Auch bei den Token, die bei ICOs ersteigert oder bei Airdrops verschenkt werden, handelt es sich oft um Utility Token: Die Besitzer erhalten oft Rechte an Waren oder Premium-Zugängen.
  • strong>Security Token – Diese Token stehen für Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Fondsanteile und gelten als eigene Wertpapierart. Werden die von der BaFin vorgegebenen Standards eingehalten, erwerben die Besitzer mit dem Kauf die gleiche Rechte wie bei einem herkömmlichen Wertpapier.

Non-fungible Token

Der Handel mit NFT, die digitale Kunstwerke abbilden, findet auf vielen Marktplätzen auf der Blockchain statt. Darüber hinaus lassen sich aber auch reale Gegenstände tokenisieren.

Ob ein Gemälde, eine alte Uhr, ein Oldtimer oder ein Lied – diese Objekte sind einzigartig. Zwar kannst du sie, wenn sie dir gehören, gegen andere austauschen, aber du erhältst nicht den gleichen Wert.

Überträgst du deine Eigentumsrechte in einen Token, erschaffst du daher einen nicht austauschbaren Token, einen NFT (non-fungible Token), der ebenfalls einzigartig ist, weil er für einen besonderen Gegenstand steht.

2. Rechtslage der Tokenisierung – sind Token rechtlich gesehen etwas wert?

Kaufst du Kleidung oder Elektronik im Online-Handel, erhältst du gegen Geld den jeweiligen Gegenstand. Darüber hinaus fungieren Plattformen wie Amazon oder eBay als rechtliche Rahmen, damit du bei Streitigkeiten zu deinem Recht kommst.

Was passiert aber, wenn du einen Token kaufst, der für eine Aktie oder einen Anteil an einer Immobilie steht? Lange Zeit fehlte eine rechtliche Einordnung, sodass es unklar war, ob Token rechtlich gesehen einen Wert hatten.

Die 2024 in der EU in Kraft getretene MiCAR-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation) hat fungible Token für zulässig erklärt, wenn die Herausgeber sich an eine Reihe von Compliance-Regeln halten. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Überwachung der Vorschriften zuständig.

Unter anderem müssen Token-Herausgeber:

  • Durch die nationale Aufsichtsbehörde (BaFin) zugelassen sein.
  • Ihren Sitz in der EU haben.
  • Ein Whitepaper erstellen, in dem sie ihr Unternehmen und ihre Token inklusive technischer Details beschreiben.
  • Eine Vermögenswertreserve vorhalten, damit ihre Kunden jederzeit die Token in Fiatwährung umtauschen können.

Diese Regeln betreffen Security Token. NFT gelten dagegen nicht als Wertpapiere, da sie einmalig sind. In bestimmten Fällen stuft sie die BaFin als Vermögensanlagen ein, etwa wenn sie dem Besitzer Zinsen oder Ausschüttungsversprechen gewähren. Ansonsten gehen die meisten Rechtsexperten davon aus, dass NFT unter den Begriff „digitale Inhalte“ fallen.

Das bedeutet:

  • Wer ein NFT kauft, erwirbt den NFT, aber ohne Weiteres keine Eigentumgsrechte oder Nutzungsrechte am Referenzobjekt (Immobilie, Kunstwerk, Fahrzeug usw.).
  • Soll der NFT-Besitzer urheberrechtliche Nutzungsrechte erhalten (z.B. das Recht auf Tantiemen bei einem Roman), muss ein gesonderter Vertrag aufgesetzt werden.
  • Ebenfalls kann der Verkäufer dem Käufer Miteigentumsanteile am Referenzobjekt einräumen (z.B. Anteile an einem Goldbarren). Allerdings muss er sie auch hier in einem Vertrag festhalten.
  • Geht es um Immobiliengeschäfte, muss immer eine Eintragung ins Grundbuch erfolgen.
Steuerpflicht prüfen!

Tokenisierst du einen Gegenstand und verkaufst ihn auf einem dezentralen Marktplatz, gilt das als privates Veräußerungsgeschäft. Den Gewinn musst du mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern. Eine Ausnahme gilt, wenn du den NFT länger als ein Jahr gehalten hast.

Security Token, die Wertpapiere abbilden, werden dagegen wie Aktien behandelt. In beiden Fällen solltest du rechtzeitig prüfen, welche Steuern auf deine Token-Geschäfte anfallen.

3. Wie tokenisiere ich Vermögenswerte?

Vor der Tokenisierung solltest du dir darüber Gedanken machen, welche Rechte du übertragen möchtest. Geht es um Eigentumsrechte, Nutzungsrechte oder sonstige Rechte? Wie wir im vorherigen Abschnitt erklärt haben, ist vor allem der Handel mit NFT rechtlich gesehen sehr komplex. Fehlen dir Jurakenntnisse, solltest du dich daher rechtlich beraten lassen.

1.     Token-Standard und Blockchain wählen:

Bevor du einen Token erzeugst, solltest du dich für eine Blockchain und einen Token-Standard entscheiden. Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  1. Was soll der Token können? (Funktionen)
  2. Transaktionsgeschwindigkeit
  3. Transaktionsgebühren
  4. Kompatibilität mit anderen Blockchains

Neben dem ERC-721 Token, dem bekanntesten non-fungible Ethereum-Token, gibt es zahlreiche Token mit unterschiedlichen Eigenschaften, die auf verschiedenen Plattformen ansässig sind. Dazu zählen:

  • Der BEP-20 Token (Binance Smart Chain), das durch niedrige Transaktionsgebühren und kurze Blockzeiten punktet.
  • SPL (Solana), der ebenfalls schnelle und günstige Transaktionen ermöglicht.
  • ERC-1155 (Ethereum) – diese Hybridtoken ermöglich sowohl fungible als auch non-fungible Token innerhalb desselben Smart Contracts.

2.     Smart Contract erzeugen:

Hast du eine Blockchain und eine Tokenart ausgewählt, geht es darum, die Eigenschaft deines Assets und die Rechte in einen Smart Contract zu codieren. Erst der Smart Contracts verleiht deinem Asset-Token seine Eigenschaften.

Die Entwicklung eines Smart Contracts erfordert tiefe Programmierkenntnisse und setzt sich aus den folgenden Punkten zusammen:

  1. Wallet einrichten
  2. Node installieren
  3. Framework für die Entwicklung wählen
  4. Tokenparameter wie Anzahl, Name und Symbol definieren
  5. Funktionen – damit lässt sich der Token transferieren. Beispielsweise kannst du eine Funktion schreiben, die Zinsen gewährt oder die Zahlung von Tantiemen ermöglicht.
  6. Smart Contract testen
  7. Token veröffentlichen

3.     Token verteilen

Stehen deine Token, kannst du sie auf Marktplätzen wie OpenSea oder im Rahmen eines ICO (ICO) anbieten. Ebenfalls steht es dir frei, einige in einem Airdrop zu verschenken, um sie bekannt zu machen.

4. Vorteile und Nachteile der Tokenisierung

Die Tokenisierung von realen Vermögensgegenständen eröffnet auch kleinen Investoren die Möglichkeit, bestimmte Märkte durchzudringen. Hast du beispielsweise nicht genug Geld, um eine Immobilie zu kaufen, kannst du mittels eines NFT Anteile an einer Immobilie erwerben. Damit steigst du auch mit einem kleinen Betrag ins Immobiliengeschäft ein. Die jeweiligen Märkte erhalten zusätzliche Liquidität, weil mehr Anleger am Handel teilnehmen können.

Zu den weiteren Vorteilen der Tokenisierung zählen Transparenz, Sicherheit und Flexibilität: Weil alle Transaktionen öffentlich auf der Blockchain stattfinden und auf allen Knoten gespeichert sind, bleiben nachträgliche Manipulationen ausgeschlossen. Ebenfalls entfallen theoretisch die Bürokratie, die mit klassischen Verträgen entsteht, sowie Agenten, Verkäufer und Makler, die Kosten verursachen.

 

Tokenisierung Immobilien
Anteile an einer Luxus-Villa auf Bali? Die Tokenisierung von Immobilienprojekten macht es möglich.

Allerdings fehlt vielen Token und Smart Contracts die erforderliche Rechtsstruktur, da die MiCAR-Verordnung diesbezüglich hohe Hürden festlegt. Noch schwieriger ist es bei NFT, da ein rechtlicher Rahmen und entsprechende Gerichtsurteile fehlen. Damit ist es unklar, welche Rechte ein Token-Besitzer am realen Gegenstand erwirbt.

Noch komplizierter gestaltet sich die Lage bei Herausgebern mit Sitz in Ländern außerhalb der EU, bei denen keine Gesetze bezüglich Token existieren. Gibt es keine rechtsgültigen Verträge, steht dir im schlimmsten Fall bei einer juristischen Auseinandersetzung nichts zu.

Der Mangel an einheitlichen Standards führt wiederum zu zahlreichen Scams, bei denen die Geschädigten am Ende mit nichts dastehen. Möchtest du NFT oder Wertpapiere als Token kaufen, solltest du dich daher gründlich über die Plattform sowie über den Herausgeber erkundigen.

Selbst wenn es sich um ein seriöses Projekt handelt, unterliegen alle Token einer hohen Volatilität. Wegen der schwankenden Kurse handelt es sich um ein riskantes Investment, das gut überlegt sein soll.

Vorteile der Tokenisierung

  • Teileigentum an Gegenständen möglich/vereinfachter Zugang zu Investitionen
  • Transparenz
  • Flexibilität
  • Effizienz

Nachteile der Tokenisierung

  • Komplizierte Rechtslage
  • Hohes Betrugspotential
  • Mangel an einheitlichen Standards

5. Häufige Fragen zur Tokenisierung

Was ist die Tokenisierung einfach erklärt?

Mit der Tokenisierung werden Vermögenswerte wie Wertpapiere, Immobilien, Kunstwerke und sonstigen realen Gegenständen als Token auf der Blockchain abgebildet. Der Token steht für das Eigentumsrecht am Vermögenswert.

Wie funktioniert die Tokenisierung?

Willst du einen Vermögenswert tokenisieren, musst du zunächst die rechtlichen Aspekte definieren. Schließlich wählst du eine Blockchain sowie einen Token-Standard und codierst die Eigenschaft in einem Smart Contract.

Welche Beispiele gibt es für Tokenisierung?

Zu den beliebtesten Assets für Tokenisierungsprojekte zählen Immobilien, Kunstwerke und Fahrzeuge, die in Token umgewandelt und anteilig verkauft werden.

Welche Krypto für Tokenisierung?

Viele NFT und Security sind als ERC-721 Token oder als ERC-20 auf der Ethereum-Blockchain zu finden. Andere für Tokenisierungen beliebte Blockchains sind Solana, Polygon, Binance Smart Chain, Avalanche, Cardano und Stellar.

Was ist die Tokenisierung von Aktien?

Bei der Tokenisierung von Aktien wird die jeweilige Aktie zu einem Security Token, der sich auf der Blockchain traden lässt. Alle Rechte werden im zugrundeliegenden Smart Contract festgehalten.

Welche Vorteile bietet die Tokenisierung?

Durch die Tokenisierung lassen sich Vermögenswerte günstig, transparent und flexibel auf der Blockchain handeln. Auch können kleine Investoren Anteile an teuren Gegenständen kaufen, was die Einstiegshürden senkt.

Ist die Tokenisierung legal?

Vermögensgegenstände und Wertpapiere zu tokenisieren ist in der EU legal. Security Token (Wertpapiere) sind durch die MiCAR-Verordnung reglementiert. Bei NFT sind die Rechtsvorschriften komplexer und nicht immer eindeutig.

Silvia Benetti
Silvia Benetti
Redakteurin
Über die Autorin
Ich habe an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studiert und war anschließend jahrelang im Bereich Windenergie tätig. Seit 2016 schreibe ich freiberuflich über Technik und Finanzen. Zu meinen Lieblingsthemen zählen Immobilien, Kryptowährungen und Tech-Aktien. Insbesondere interessiert mich die Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft und der wirtschaftliche Aspekt von technischen Innovationen. Auch im Freundeskreis bin ich eine geschätzte Beratung, wenn es um Investitionen in Immobilien und Aktien geht.

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