Junger Mann kauft auf Rechnung
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Kauf auf Rechnung: So funktioniert der Rechnungskauf

Lesezeit 11 min.

Silvia Benetti
Redakteurin
Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchSebastian Rau
Banking
Teil des Handbuchs
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„Heute kaufen – in 30 Tagen bezahlen!“ – so oder so ähnlich lauten Angebote zum Rechnungskauf im Internet. Diese Zahlungsart ist nicht nur komfortabel, sondern bietet dir auch noch zusätzliche Sicherheit.
Doch wie funktioniert der Kauf auf Rechnung? Welche Vorteile sind genau damit verbunden und was solltest du dabei beachten?

Kauf auf Rechnung – das Wichtigste in Kürze

  • Erst die Ware, dann das Geld: Du zahlst nach Erhalt der Lieferung. Üblich sind 14 oder 30 Tage, das genaue Zahlungsziel steht auf der Rechnung.
  • Händler oder Zahlungsdienst? Bietet der Shop den Rechnungskauf selbst an, zahlst du direkt an ihn. Bei Klarna oder PayPal tritt der Händler seine Forderung ab, dein Gläubiger ist dann der Zahlungsdienst. Die Verbraucherzentrale Hamburg hält den Kauf auf Rechnung direkt beim Händler für die sicherere Wahl.
  • Nicht jeder bekommt die Rechnung angeboten: Viele Shops prüfen vorher deine Bonität über die Schufa. Ist sie schlecht, bleiben nur Zahlungsmethoden wie PayPal oder Kreditkarte.
  • Fristen ernst nehmen: Ignorierst du Zahlungserinnerung und Mahnungen, kommen Mahngebühren und Inkassokosten dazu. Im schlimmsten Fall folgt ein negativer Schufa-Eintrag.

Rechnungskauf: Was bedeutet „Auf Rechnung bestellen“?

Auf Rechnung bestellen bedeutet: Der Händler liefert, bevor du bezahlt hast. Er geht in Vorleistung und schickt dir mit der Ware oder kurz danach per E-Mail eine Rechnung mit Zahlungsziel (meist 15 Tage). Erst dann überweist du den Betrag. Bei der Zahlung auf Rechnung trägt also der Shop das Risiko, nicht du.

So läuft ein Kauf auf Rechnung ab

  1. Du legst die Artikel in den Warenkorb und wählst an der Kasse „Rechnung“ oder „Kauf auf Rechnung“.
  2. Der Shop prüft im Hintergrund, ob er dir die Zahlungsart überhaupt anbietet.
  3. Die Ware kommt, die Rechnung liegt im Paket oder in deinem Postfach.
  4. Du prüfst die Lieferung, schickst bei Bedarf etwas zurück und überweist den Rest bis zum Fälligkeitsdatum.

Bei Schritt 4 lohnt ein zweiter Blick auf die Rechnung. Dort stehen Bankverbindung und Verwendungszweck, meist Rechnungs- oder Kundennummer. Fehlt die Referenz in deiner Überweisung, kann der Shop das Geld im Zweifel nicht zuordnen, und die Rechnung bleibt in seinem System offen.

Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Einen Anspruch auf Rechnungskauf hast du nicht. Jeder Shop entscheidet selbst, wem er die Zahlungsart anbietet, und das oft bei jeder Bestellung neu. Typischerweise schauen Händler auf diese Punkte:

  • Volljährigkeit: Minderjährige können ohne Zustimmung der Eltern nur eingeschränkt Verträge schließen. Deshalb setzen Shops für den Rechnungskauf in der Regel 18 Jahre voraus.
  • Bonität: Viele Händler fragen vor der Bestellung eine Auskunftei wie die Schufa ab. Wie deine Kreditwürdigkeit zustande kommt, erklären wir in unserem Ratgeber zur Bonität.
  • Adresse: Liefer- und Rechnungsadresse sollten übereinstimmen. Lieferungen an eine Packstation oder an andere Personen schließen manche Shops vom Rechnungskauf aus.
  • Bestellwert und Kundenkonto: Bei großen Warenkörben oder ganz neuen Kundenkonten taucht die Rechnung seltener auf. KiK nennt zum Beispiel Bestellwert, Lieferadresse und Kundenkonto ausdrücklich als Kriterien.
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Tipp: Prüfe die Bedingungen für den Rechnungskauf genau!

Wenn du Waren auf Rechnung kaufen möchtest, solltest du die Bedingungen genau prüfen. Gerade zusätzliche Gebühren oder allzu aufwendige Bonitätsprüfungen können die Option weniger attraktiv machen. Es ist zudem sinnvoll, alle Rechnungsforderungen im Blick zu behalten. Gerade bei sehr langen Zahlungszielen verlierst du sonst den Überblick. Im schlimmsten Fall könnte dies zur Schuldenfalle werden.

Wie lange hast du Zeit, die Rechnung zu bezahlen?

Meist hast du 14 oder 30 Tage Zeit, die Rechnung zu begleichen. Die genaue Frist legt der Shop fest, sie steht auf der Rechnung oder in den Zahlungsbedingungen an der Kasse. Schau dabei genau hin, ab wann sie läuft: Manche Händler rechnen ab Rechnungsdatum, andere ab Versand.

Bei Zalando läuft die 14-tätige Frist zum Beispiel ab dem Versand der Ware und nicht ab dem Tag, an dem das Paket bei dir ankommt. Liegt die Sendung erst ein paar Tage in der Packstation, schrumpft deine Frist entsprechend.

Was bezahlt ist, vergisst du nicht

Ich persönlich zahle die Rechnung, wenn ich auf Rechnung kaufe, sofort, nachdem ich die Ware erhalten habe und entschieden habe, sie zu behalten. So laufe ich nicht Gefahr, die Rechnung im Alltagstrubel zu vergessen und eine Mahngebühr zu kassieren.

Und wenn keine Frist auf der Rechnung steht?

Steht auf der Rechnung kein Zahlungsziel, ist der Betrag nach § 271 BGB sofort fällig. In Verzug, mit Mahnkosten und Verzugszinsen, gerätst du als Privatperson aber erst später: entweder durch eine Mahnung oder nach § 286 Abs. 3 BGB 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung. Die 30-Tage-Regel gilt für Verbraucher allerdings nur, wenn die Rechnung ausdrücklich auf diese Folge hinweist.

Verlassen würde ich mich auf diese Lücke nicht. Die Zahlungserinnerung kommt in der Praxis meist deutlich früher als nach 30 Tagen.

Was gilt, wenn du etwas zurückschickst?

Was ist mit den zwei Jeans, die du zurückgeschickt hast? Zurückgeschickte Artikel zieht der Shop von der Rechnung ab. Den Rest musst du trotzdem pünktlich zahlen. Mit der Überweisung zu warten, bis die Retoure verbucht ist, kann teuer werden: Kommt die Gutschrift erst nach Fristende, steht womöglich der volle Betrag in der ersten Mahnung. Überweise lieber den Betrag für die Artikel, die du behältst, und heb dir die Sendungsnummer der Retoure auf.

Rechnung beim Händler oder über Klarna und PayPal: Wo liegt der Unterschied?

Auch die Zahlungsdienstleister PayPal und Klarna ermöglichen dir mit ihren Buy Now Pay Later Angeboten, die Rechnung 30 Tage später und darüber hinaus zu begleichen. Der Unterschied liegt darin, wem du das Geld schuldest. Beim klassischen Kauf auf Rechnung zahlst du direkt an den Shop. Wählst du dagegen „Rechnung“ über Klarna oder PayPal, bezahlt der Zahlungsdienst den Händler und holt sich das Geld anschließend bei dir. Die unterstehende Tabelle verdeutlicht die weiteren Unterschiede.

An wem du Geld schuldestDem HändlerKlarnaPayPal
Wie du zahlstSelbst per ÜberweisungSelbst per Überweisung oder in der Klarna-App (Kreditkarte, Sofortüberweisung, Klarna-Card)Automatisch per Lastschrift oder Kreditkartenabbuchung nach 30 Tagen
FristMeist 14 oder 30 TageBis zu 30 Tage (Verlängerung bei vorhandener Bonität und gegen Gebühr möglich)30 Tage, gegen Gebühr verlängerbar auf 60 oder 84 Tage
KäuferschutzKein eigenes Programm, aber du zahlst erst nach Erhalt der WareJa. Meldest du ein Problem, pausiert Klarna die ZahlungFür berechtigte Einkäufe. Ein offener Fall stoppt die Abbuchung nicht
RetoureDer Shop zieht den Artikel abMit Sendungsnummer in der App melden, Zahlung ruht 21 TageDie Erstattung des Händlers senkt den offenen Betrag
Bonitätsprüfungoftjaja

Auf den ersten Blick punkten Klarna und PayPal vor allem durch den Käuferschutz. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass das nicht immer klappt. Einmal habe ich etwa ein Möbelstück beschädigt erhalten. Klarna bestand jedoch auf die Zahlung und mahnte zunächst weiter. Es bedurften viele Telefonate, um die Angelegenheit zu meinen Gunsten zu klären.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bleibt bei beiden Zahlungsdiensten skeptisch. Der „Kauf auf Rechnung“ über Bezahldienste funktioniere in der Praxis eher wie Vorkasse, und für die Lieferung selbst haften die Dienste nicht. Außerdem berichten die Verbraucherschützer von verzögerten Abbuchungen, unklaren Fristen und falsch verrechneten Teilbeträgen nach Retouren.

Aus unserer Sicht ist die Klarna- oder PayPal-Rechnung deshalb kein Tabu, aber die zweitbeste Wahl. Bei einem bekannten Shop und einer Bestellung, die du voraussichtlich behältst, spricht wenig dagegen. Bei einem Shop, den du nicht kennst, bei teurer Elektronik oder bei Sammelbestellungen mit vielen Retouren würde ich den klassischen Kauf auf Rechnung oder die Lastschrift vorziehen.

Ware nicht erhalten? Auch bei Klarna melden!

Nutzt du einen Zahlungsdienst, melde Retouren und Reklamationen immer auch dort, nicht nur beim Shop.

Bei Klarna geht das in der App mit Sendungsnummer. Bei PayPal eröffnest du einen Fall unter der ursprünglichen Transaktion, nicht im Bereich „Später bezahlen“.

Ist der Kauf auf Rechnung sicher?

Für dich als Käufer ist der Kauf auf Rechnung direkt beim Händler sicher. Der Grund ist simpel: Du gehst nicht in Vorleistung. Kommt nichts an, ist auch kein Geld weg, und deine Bank- oder Kartendaten gibst du an der Kasse gar nicht erst preis.

Sicher heißt allerdings nicht risikofrei. Zwei Fallen solltest du kennen, und bei der zweiten hast du selbst gar nichts falsch gemacht.

Fake-Shops mit Rechnungs-Versprechen

Unseriöse Shops werben gern mit „Kauf auf Rechnung“, weil das Vertrauen schafft. Im Checkout ist die Option dann plötzlich nicht verfügbar, oder nach der Bestellung sollst du doch vorab überweisen.

Unser Tipp

Brich den Kauf an dieser Stelle ab! Eine Überweisung an einen unbekannten Shop bekommst du nicht zurück, weshalb die Verbraucherzentrale Vorkasse als riskanteste Zahlungsart einstuft.

Auf Nachnahme auszuweichen, hilft bei zweifelhaften Shops übrigens kaum. Du bezahlst den Boten, bevor du siehst, was tatsächlich im Paket liegt.

Mahnungen für Bestellungen, die du nie gemacht hast

Für einen Rechnungskauf reichen oft Name und Adresse. Genau das nutzen Betrüger: Sie bestellen unter fremdem Namen, fangen die Lieferung ab, und die Rechnung landet beim echten Namensinhaber. Die Opfer erfahren erst dann davon, wenn ein Inkassoschreiben ins Haus flattert.

Bekommst du eine Forderung für eine Bestellung, die du nicht kennst:

  1. Zahl nicht sofort, aber ignorier das Schreiben auch nicht. Sonst erfährt der Gläubiger nie vom Betrug.
  2. Widersprich schriftlich: Du hast weder bestellt noch Ware erhalten.
  3. Erstatte Anzeige bei der Polizei. Das geht auch online über die Internetwache deines Bundeslandes.
  4. Informiere die Schufa über den Identitätsmissbrauch.
  5. Kommt ein gerichtlicher Mahnbescheid, widersprich innerhalb von zwei Wochen. Wird daraus ein Vollstreckungsbescheid, kannst du dich nicht mehr auf den Identitätsdiebstahl berufen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet dafür ein kostenloses Online-Tool mit persönlicher Checkliste und ein Musterschreiben an.

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Bestellen auf Rechnung: Was passiert, wenn ich zu spät bezahle?

Beim Rechnungskauf kann es leicht passieren, dass du eine Rechnung verlegst und deshalb die Zahlungsfrist verstreicht. Im Normalfall ist das kein größeres Problem: Der Händler oder auch Klarna versendet einfach eine Zahlungserinnerung, die dir eine weitere Frist einräumt.

Problematisch wird es erst, wenn du nicht auf die Zahlungserinnerung und die folgenden Mahnungen reagierst. Ob nun aus Nachlässigkeit oder wegen Geldproblemen: In solchen Fällen droht Ärger!

Die Folgen können dabei vielfältig sein:

1. Mahnkosten

Händler dürfen für Mahnungen entsprechende Gebühren geltend machen. Diese sollen die damit verbundenen Kosten für den Händler decken. Gebühren zwischen 1 und 4 € für die 1. Mahnung sind dabei gängig. Mit zunehmender Mahnstufe können die Kosten steigen.

2. Inkassogebühren

Nach mehreren Mahnungen (oft 2–3) geben viele Händler ihre Forderungen oft an ein Inkassounternehmen ab. Hier fallen zusätzliche Inkassogebühren nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) an. Für einen offenen Betrag von 100 € musst du hier mindestens mit Kosten von 24,50 € plus Auslagen (maximal 20 €) rechnen. Bei höheren offenen Beträgen erhöhen sich die Inkassogebühren entsprechend.

3. Schufa-Eintrag

Im schlimmsten Fall kann auch ein negativer Schufa-Eintrag drohen. Dies darf jedoch nur passieren, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Du hast die Forderung nicht bestritten
  • Du wurdest bereits mindestens zweimal angemahnt
  • Bei der Übermittlung an die Schufa muss die erste Mahnung mindestens 4 Wochen her sein
  • In einer der beiden Mahnungen (nicht früher) musst du auf die Gefahr eines Schufa-Eintrags hingewiesen worden sein

Im Normalfall halten sich Händler sehr lange mit Meldungen an die Schufa zurück. Trotzdem solltest du dies unbedingt vermeiden, da er deine Bonität äußerst negativ beeinflusst. So könnten künftige Kredite, Handyverträge oder auch ein weiterer Rechnungskauf erst einmal unmöglich werden. Negative Schufa-Einträge werden leider erst nach 3 Jahren gelöscht.

Tipp: Bei Zahlungsschwierigkeiten klar kommunizieren!

Solltest du einmal eine Rechnung nicht bezahlen können, ist klare Kommunikation der Schlüssel. Wenn du selbst Kontakt aufnimmst und deine Situation erklärst, ist eine sinnvolle Einigung wie eine Ratenzahlung oft kein Problem. Warte lieber nicht, bis sich Mahnungen anhäufen oder du einen Inkassobrief bekommst.

Kauf auf Rechnung: Komfortable Zahlungsoption, wenn du alles beachtest

Der Rechnungskauf stellt für dich als Kunde eine äußerst komfortable Zahlungsart dar. Du hast mehr Zeit für die Bezahlung deiner Bestellung und minimierst das Risiko, nach einer Zahlung eventuell keine Ware zu erhalten.

Die Vorteile haben jedoch auch Tücken: Rechnungen geraten schnell in Vergessenheit und es droht ein Zahlungsverzug. Zahlst du allerdings sofort nach Erhalt der Ware, hast du nichts zu befürchten.

Häufige Fragen zum Rechnungskauf

Was versteht man unter Kauf auf Rechnung?

Beim Kauf auf Rechnung erhalten Kunden nach einer Bestellung zunächst ihre Ware. Die Bezahlung erfolgt innerhalb einer vereinbarten Frist, die oft 14 bis 30 Tage beträgt.

Ist das Bestellen auf Rechnung schlecht für die SCHUFA?

Grundsätzlich hat der Rechnungskauf erst einmal keinen Einfluss auf die eigene Schufa-Auskunft. Negative Konsequenzen ergeben sich nur dann, wenn Kunden die Forderungen aus den Rechnungen auch nach mehreren Mahnungen nicht begleichen.

Kann ich die Bezahlart Kauf auf Rechnung ohne Klarna nutzen?

Ja. Es gibt zahlreiche Online-Shops, die von sich aus eine Rechnungskauf-Option anbieten. Ist dies der Fall, können Verbraucher auch ohne Klarna auf Rechnung bestellen. Bietet der gewünschte Händler diese Option nicht an, bleibt nur der Kauf auf Rechnung über Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Klarna.

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Silvia Benetti
Silvia Benetti
Redakteurin
Über die Autorin
Ich habe an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studiert und war anschließend jahrelang im Bereich Windenergie tätig. Seit 2016 schreibe ich freiberuflich über Technik und Finanzen. Zu meinen Lieblingsthemen zählen Immobilien, Kryptowährungen und Tech-Aktien. Insbesondere interessiert mich die Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft und der wirtschaftliche Aspekt von technischen Innovationen. Auch im Freundeskreis bin ich eine geschätzte Beratung, wenn es um Investitionen in Immobilien und Aktien geht.

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