
Der Berliner Neobroker Trade Republic rüstet sich für das Ende des Payment-for-Order-Flow-Modells und will künftig den Wertpapierhandel seiner Kunden selbst abwickeln. Der größte deutsche Neobroker hat von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Erlaubnis erhalten, ein multilaterales Handelssystem (MTF) zu betreiben.
- Die Genehmigung wurde am 23. Januar 2026 an die Tochtergesellschaft Trade Republic Business III GmbH erteilt und markiert möglicherweise den entscheidenden Schritt in der Entwicklung des Berliner Fintechs.
- Von Trade Republic selbst gibt es dazu noch keine offiziellen Meldungen.
- Durch das Verbot von Payment for Order gerät das Geschäftsmodell des Neobrokers ins Wanken.
- Es wird befürchtet, dass durch die wegfallenden Einnahmen, Trade Republic in Zukunft nicht mehr die niedrigen Ordergebühren und hohen Zinsen anbieten kann.
- Stand jetzt ändert sich für Kunden jedoch nichts.
Reaktion auf EU-weites PFOF-Verbot
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist das ab Sommer 2026 in Deutschland greifende EU-Verbot von „Payment for Order Flow“ (PFOF). Bei diesem Modell erhalten Broker wie Trade Republic Rückvergütungen dafür, dass sie Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze weiterleiten. Die Europäische Union hat diese Praxis aus Sorge vor Interessenkonflikten verboten. Kritiker argumentierten, dass Broker dadurch verleitet werden könnten, eine Order nicht an den günstigsten, sondern an den zahlungskräftigsten Handelsplatz weiterzuleiten.
Für Trade Republic bedeutet dieses Verbot einen massiven Einschnitt ins Geschäftsmodell. Nach Schätzungen machen PFOF-Rückvergütungen zuletzt etwa 30 Prozent der Umsätze des Unternehmens aus. Bislang wickelt Trade Republic die Aktiengeschäfte seiner Kunden über die Lang & Schwarz Exchange ab, die von der Börse Hamburg betrieben wird. Diese Partnerschaft war eine zentrale Säule des bisherigen Erfolgs.
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Was ein multilaterales Handelssystem bedeutet
Die neue BaFin-Lizenz versetzt Trade Republic in die Lage, künftig als eigener Handelsplatz zu operieren. Praktisch bedeutet das: Trade Republic kann nun selbst als Market-Maker auftreten, eigene Handelsplätze betreiben und die Liquidität im Handel mit selbst gewählten Partnern sicherstellen.
Ob und in welchem Umfang das Unternehmen die eigene Plattform tatsächlich nutzen wird, steht laut Insidern allerdings noch nicht fest. Trade Republic prüfe parallel weitere Alternativen und arbeite derzeit an mehreren Lösungen für die Zeit nach dem PFOF-Verbot. Die Lizenz verschafft dem Unternehmen jedoch strategische Flexibilität und Unabhängigkeit von externen Zahlungsströmen.

Scalable Capital ging bereits in die Offensive
Trade Republic ist nicht allein mit dieser Strategie. Konkurrent Scalable Capital hatte bereits im Dezember 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover die „European Investor Exchange“ (EIX) gegründet. Der Münchner Neobroker übernahm dabei nicht nur die Technologie und Liquiditätsversorgung, sondern fungiert auch selbst als Market-Maker. Die meisten Scalable-Kunden sind mittlerweile an die EIX angeschlossen. Die neue Börse bietet Handelszeiten von 8 bis 22 Uhr und startete mit rund 15.000 handelbaren Wertpapieren.
Scalable Capital hat mit der EIX einen ambitionierten Weg gewählt: Das Unternehmen nimmt Depotführung und Börsenhandel in die eigenen Hände. Diese weitreichende Integration ist europaweit einmalig und könnte zum Vorbild für andere Neobroker werden.
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Was bedeutet der eigene Handelsplatz für Trade Republic-Kunden?
Für die Nutzer von Trade Republic dürfte sich an der Oberfläche zunächst wenig ändern. Das Unternehmen betont, dass der Wertpapierhandel weiterhin einfach und kostengünstig bleiben soll. Im Hintergrund verschiebt sich jedoch die Wertschöpfung fundamental: Statt Provisionen von externen Handelsplätzen zu kassieren, kontrolliert Trade Republic künftig selbst einen zentralen Teil der Handelswertschöpfung.
Die entscheidende Frage ist, wie Trade Republic den Wegfall der PFOF-Einnahmen kompensieren wird. Möglich wären höhere Ordergebühren, kostenpflichtige Premium-Modelle oder neue Zusatzservices. Auch das bereits eingeführte Girokonto mit attraktiver Verzinsung könnte stärker in den Fokus rücken, um über das Zinsgeschäft zusätzliche Erträge zu generieren.
Entscheidend für den Erfolg des eigenen Handelssystems wird sein, ob Trade Republic ausreichend Liquidität, faire Preise und stabile Technik gewährleisten kann. Market-Maker müssen fortlaufend Kauf- und Verkaufspreise stellen und für reibungslose Abwicklung sorgen.
Zunächst ändert sich für dich als Kunde also nichts. Höhere Gebühren oder zahlungspflichtige Abonnements wie beispielsweise Scalable Premium sind aber nicht auszuschließen. Bleib also auf dem Laufenden.


