
Scalable Capital erhöht Tagesgeld auf 2,60 % und startet Festgeld mit bis zu 3,00 %
Der Konkurrenzkampf um die besten Zinsen geht weiter. Ab dem ersten September 2026 erhöht Scalable Capital die Tagesgeldzinsen auf 2,60 pro Jahr. Dazu kommen neue Angebote fürs Festgeld.
Das Wichtigste in Kürze
- Scalable Capital hebt den Tagesgeldzins von 2,50 auf 2,60 % p. a. an – variabel, ohne Mindestanlage und ohne Obergrenze.
- Neu im Angebot ist ein Festgeld mit 2,75 % für 12 Monate und 3,00 % für 24 Monate, anlegbar ab 1 Euro.
- Der Tagesgeldzins liegt damit 0,35 Prozentpunkte über dem EZB-Einlagensatz von 2,25 % – ungewöhnlich viel für ein dauerhaftes Angebot ohne Aktionsfrist.
- Die 3,00 % über zwei Jahre sind solide, aber nicht Marktspitze: Bei klassischen Festgeldanbietern gibt es für 24 Monate derzeit mehr.
- Am 10. September entscheidet die EZB erneut über den Leitzins. Wer sich jetzt für 24 Monate bindet, wettet gegen weitere Zinsschritte nach oben.
- Als Anleger empfielt es sich den 10. September abzuwarten, bevor man sein Geld für ein oder zwei Jahre bindet. Sollte der Leitzins erhöht werden, kommen wahrscheinlich noch bessere Angebote.
- 4.500 Aktiensparpläne und über 2.700 ETFs
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- Kostenlose Sparpläne ab 1 € möglich.
1. Das zahlt Scalable Capital ab sofort
Der Münchner Anbieter dreht gleich an zwei Stellschrauben. Der Tagesgeldzins steigt von 2,50 auf 2,60 Prozent, und parallel startet erstmals ein echtes Festgeld. Beim Festgeld kannst du zwischen 12 Monaten zu 2,75 Prozent und 24 Monaten zu 3,00 Prozent wählen, die Anlage ist ab 1 Euro und ohne Höchstbetrag möglich, und bis zu fünf Festgeldkonten lassen sich parallel führen.
Beim Tagesgeld bleibt alles beim bekannten Muster: keine Mindestanlage, keine Obergrenze, monatliche Zinsgutschrift, täglich verfügbares Guthaben. Beim Festgeld wird das Kapital nach Ablauf samt Zinsen automatisch zurückgebucht, optional kannst du den Gesamtbetrag erneut anlegen. Die Einlagensicherung läuft über die Verteilung auf eine oder mehrere Banken mit jeweils 100.000 Euro gesetzlicher Sicherung.
Eine Hürde bleibt: Wer das Tagesgeldkonto nutzen will, braucht ein Depot bei Scalable – das kostenlose FREE-Modell reicht dafür aus. Für reine Sparer, die mit Aktien und ETFs nichts am Hut haben, ist das ein Umweg, den viele Direktbanken nicht verlangen. Einen Vergleich mit anderen Angeboten findest du in unserem Tagesgeldvergleich.
2. 2,60 % sind mehr, als die EZB derzeit zahlt
Der spannendste Punkt steckt nicht in der Zahl selbst, sondern im Abstand zum Leitzins. Der EZB-Einlagensatz liegt seit dem 17. Juni 2026 bei 2,25 Prozent, nachdem der Rat ihn am 11. Juni erstmals seit dem langen Senkungszyklus wieder angehoben hatte. Trade Republic, der direkte Konkurrent, koppelt seinen Cash-Zins genau an diesen Satz und zahlt entsprechend 2,25 Prozent auf unbegrenztes Guthaben.
Scalable Capital legt also 0,35 Prozentpunkte drauf. Das ist attraktiv, aber es erklärt auch, warum der Satz ausdrücklich variabel ist. Dreht die EZB in die andere Richtung, ist dieser Aufschlag das Erste, was verschwindet.
Für die Einordnung hilft ein Blick auf den Gesamtmarkt: Im August 2026 lag der Durchschnitt bei befristeten Tagesgeld-Aktionszinsen bei 3,11 Prozent. Der reguläre Zinssatz war nach Ablauf der Aktionsphase aber nur bei 1,41 Prozent. Gegen die Lockangebote verliert Scalable. Gegen das, was Sparer nach vier oder sechs Monaten übrig behalten, gewinnt Scalable deutlich. Und genau da liegt der Wert des Angebots.
3. Festgeld mit 3,00 % ist gut, aber nicht Spitze
Die 3,00 Prozent auf zwei Jahre lesen sich stark, halten dem Vergleich mit spezialisierten Festgeldanbietern aber nicht ganz stand. Dort bekommst du bis zu 3,50 % aufs Festgeld.
Was Scalable dagegenhält, ist Bequemlichkeit: keine zweite Bank, kein separates Verrechnungskonto, keine Mindestanlage von 1.000 oder 5.000 Euro. Für 8.000 Euro auf zwei Jahre macht der Unterschied zwischen 3,00 und 3,20 Prozent rund 32 Euro im Jahr aus. Ob dir das den Zusatzaufwand wert ist, musst du selbst entscheiden – für mich wäre es das bei kleineren Summen ehrlicherweise nicht.
4. Das Timing ist der eigentliche Knackpunkt
Hier wird es interessant. Nach der Erhöhung vom 11. Juni hat der EZB-Rat am 23. Juli alle drei Leitzinsen unverändert gelassen, und die nächste Sitzung steht am 10. September 2026 an. Ein weiterer Schritt um 0,25 Prozentpunkte ist möglich, sofern die Inflation nicht zurückgeht.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater rechnet bei Ölpreisen um 100 US-Dollar mit wieder anziehenden Inflationsraten und hält einen Schritt im September für wahrscheinlich. Manche Häuser halten bis Jahresende sogar ein bis zwei Erhöhungen auf 2,50 bis 2,75 Prozent für realistisch.
Damit steht das 24-Monats-Festgeld in einem schiefen Licht. Wer heute für zwei Jahre 3,00 Prozent festzurrt, verzichtet auf jede Anpassung nach oben. Steigt der Einlagensatz bis Dezember auf 2,75 Prozent, dürfte das variable Tagesgeld hinterherziehen und der Vorsprung des Festgelds schmilzt auf ein paar Zehntel zusammen, bei zwei Jahren Bindung.
Unsere Meinung dazu ist klar: Für längere Bindung fehlt aktuell die Prämie. In einem Umfeld, in dem die Notenbank eher erhöht als senkt, sind 25 Basispunkte Aufschlag für 24 Monate Illiquidität zu wenig.
5. Für wen sich das Angebot lohnt
Sinnvoll ist Scalable vor allem, wenn du ohnehin dort investierst. Da hast du Depot, Sparplan, Tagesgeld und jetzt Festgeld in einer App, mit Echtzeit-Übertrag zwischen Tagesgeld und Broker-Konto. Der Ausbau passt ins Bild: Scalable hat sich vom reinen Broker zum Allround-Anbieter entwickelt, inzwischen inklusive Altersvorsorgedepot.
Weniger sinnvoll ist es, wenn du maximale Rendite auf eine größere Summe suchst. Dann führt kein Weg an einem echten Zinsvergleich vorbei und an der Frage der Einlagensicherung. Beim kostenpflichtigen PRIME+ verteilt Scalable Guthaben auf die eigene Bank und bis zu vier Partnerbanken, was in Summe bis zu 500.000 Euro gesetzlichen Schutz ergibt; im kostenlosen FREE-Modell fließt ein Teil dagegen in qualifizierte Geldmarktfonds nach OGAW-Standard. Für sechsstellige Beträge ist dieser Unterschied wichtiger als die zehntel Prozentpunkte beim Zins.

