
Microsoft, Google und Amazon treiben die Entwicklung voran. Bis 2029 sollen kommerzielle Quantensysteme in Rechenzentren Realität sein. Die Technolgie ist jedoch noch nicht ausgereift.
Überblick
- Microsoft hat mit optimistischen Aussagen zu ihren eigenen Quantencomputern für aufsehen gesorgt.
- Bis 2029 will das Unternehmen die Technologie in ihre Rechenzentren integrieren.
- Auch Google und IBM konnten in den letzten Jahren signifikante Fortschritte melden.
- Wirklich serienreife Quantenchips kann jedoch noch kein Unternehmen herstellen.
- Einige Experten schätzen, dass die Technologie erst in 20 Jahren wirklich nutzbar sein wird.
Quantencomputer doch schneller als erwartet serienreif?
Nach jahrzehntelanger Forschung in Universitätslaboren könnte Quantencomputing seinen entscheidenden Durchbruch erleben und das früher, als viele Investoren an der Wall Street noch vor einem Jahr erwartet hätten.
„Bis Ende des Jahrzehnts sind wir zuversichtlich, dass wir Maschinen in Rechenzentren haben werden, die kommerziellen Wert besitzen“, sagte Zulfi Alam, Corporate Vice President für Quantum bei Microsoft, gegenüber CNBC. „Ich hätte das letztes Jahr nicht mit dieser Klarheit sagen können, aber heute kann ich es: Bis 2029 werden Sie Maschinen haben, die Berechnungen durchführen, die klassische Computer nicht können.“
Das ist eine bemerkenswerte Aussage für eine Technologie, über die noch vor wenigen Jahren gespottet wurde. Nvidia-CEO Jensen Huang hatte Anfang 2025 noch gescherzt, Quantencomputer seien „mindestens 20 Jahre von der praktischen Anwendung entfernt.“ Seitdem hat sich das Bild fundamental gewandelt.

Microsoft setzt auf topologische Qubits
Microsoft verfolgt dabei einen ungewöhnlichen Ansatz. Mit dem im Februar 2025 vorgestellten Majorana-1-Chip setzt der Konzern auf topologische Qubits.
Dies sind eine stabilere und skalierbarere Variante gegenüber klassischen supraleitenden Qubits. Der Chip passt in eine Handfläche und soll sich direkt in Rechenzentren integrieren lassen. Das erklärte Ziel ist, bis zu einer Million Qubits in einem einzigen Chip zu haben.
Parallel dazu hat Microsoft ein neues Quantum OS vorgestellt sowie ein aktualisiertes Quantum Development Kit (QDK) mit KI-gestützten Entwicklertools über GitHub Copilot.
In Dänemark betreibt der Konzern mittlerweile seinen größten Quantenstandort weltweit, das Lyngby Quantum Lab. In das Projekt wurden etwas über 134 Millionen Euro investiert.
Gemeinsam mit Atom Computing und dem nordischen Quantenkonsortium QuNorth wird zudem der Quantencomputer Magne entwickelt, der noch 2026 in Betrieb gehen soll.
Google, IBM und Amazon ziehen nach
Doch Microsoft ist nicht allein. Alphabet erreichte im Oktober 2025 mit seinem Willow-Chip einen wichtigen Meilenstein. Der Prozessor erledigte eine Aufgabe rund 13.000-mal schneller als die schnellsten klassischen Supercomputer und wies eine kleinere Fehlerrate auf.
Für Analysten ist Google daher die bevorzugte Wahl für Investoren, die in die Technologie investieren wollen, ohne die Risiken von reinen Quantencomputing-Aktien eingehen zu wollen. Google, Microsoft und IBM sind daher auch in den meisten Quantencomputer-ETFs enthalten.

IBM und AWS bieten ebenfalls Cloud-basierten Quantenzugang an. Laut Branchenbeobachtern könnte das Jahr 2026 zum entscheidenden Jahr für hybride Quantum-Classical-Architekturen werden. Bei denen Quantenprozessoren (QPUs) als Beschleuniger in klassische Hochleistungsrechenzentren eingebettet werden. Nvidias CUDA-Q-Plattform treibt diesen Trend aktiv voran.
Auch auf staatlicher Seite fließt viel Geld und ein internationaler Wettlauf ist bereits in Gange. China investiert knapp 18 Milliarden Dollar in Quantentechnologie, die EU liegt dicht dahinter, und das US-Verteidigungsministerium betreibt mit seiner Quantum Benchmarking-Initiative ein umfangreiches Programm zur Bewertung kommerziell skalierbarer Systeme.
Quantencomputer-Aktien: Zwischen Hype und Substanz
Die Unternehmen, die sich ausschließlich auf die Quanten-Technik fokussierten erlebten in jüngster Vergangenheit einige Höhenflüge. Aktien wie: IonQ (IONQ), Rigetti Computing (RGTI), D-Wave Quantum (QBTS) und Quantum Computing Inc. (QUBT) – erlebten 2025 starke Kursgewinnen von über 3.000 %.
Doch die Kurse haben sich von jeder fundamentalen Rechtfertigung gelöst. D-Wave kommt bei einem Jahresumsatz von rund 24 Millionen Dollar auf eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar; Rigetti bringt gerade einmal 12,7 Millionen Dollar Umsatz auf die Waage, wird aber mit über 8 Milliarden bewertet. IonQ ist mit 18 Milliarden Dollar bewertet und das bei einem Umsatz von knapp 80 Millionen Dollar.
Diese Bewertungen sind kaum zu rechtfertigen, es sei denn, die optimistischsten Prognosen treffen tatsächlich ein. Analysten von Morningstar verorten erste kommerzielle Anwendungen erst in fünf bis zehn Jahren und eine breite, wirtschaftlich relevante Nutzung aller Vorrausssicht nach in rund zwei Jahrzehnten.
Erfahrene Wall-Street-Beobachter mahnen zur Vorsicht und ziehen Vergleiche zur Dot-com-Blase oder dem 3D-Druck-Hype von 2013/14. Insider bei IonQ, Rigetti und D-Wave haben zuletzt insgesamt rund 615 Millionen Dollar aus ihren eigenen Beständen verkauft. Kein gutes Signal, das Investoren nicht ignorieren sollten.
Getrieben werden die hohen Bewertungen auch durch den Hype um KI-Aktien. Einige Investoren hoffen, bei Quantencomputern noch vor dem Hype dabei zu sein. Doch die Technik ist noch lange nicht soweit und auch wie gut diese kommerziell genutzt werden kann, ist noch nicht klar.
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