Bitcoin vor der Börse

Neue Bitcoin-ETFs: BlackRock zahlt monatliches Einkommen, Franklin Templeton steckt Aktien-Dividenden in Bitcoin

Lesezeit 5 min.

Lektoriert vonChristian Musanke
Überprüft durchFlorian Döhnert-Breyer
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BlackRock hat mit dem iShares Bitcoin Premium Income ETF (BITA) den ersten hauseigenen Bitcoin-ETF aufgelegt, der monatlich Erträge ausschüttet. Wenige Tage später reichte Franklin Templeton bei der US-Börsenaufsicht SEC gleich zwei ETFs ein, die Aktien-Dividenden automatisch in Bitcoin umschichten. Zwei sehr unterschiedliche Konstruktionen und beide zeigen, wohin die Reise an der Wall Street gerade geht: weg vom simplen Spot-Bitcoin, hin zu strukturierten Produkten rund um die Kryptowährung.

Das Wichtigste in Kürze

  • BlackRock BITA handelt seit dem 16. Juni an der Nasdaq. Der Fonds schreibt Call-Optionen auf 25–35 % seiner Bestände und peilt 15–25 % Jahresrendite über Optionsprämien an. Gebühr: 0,65 %.
  • Franklin Templeton hat zwei „DRIP"-ETFs eingereicht. Sie investieren 95 % in US-Aktien und 5 % in Bitcoin – und leiten die Dividenden der Aktien in Bitcoin statt in neue Anteile. Start frühestens 1. September 2026.
  • Beide Produkte sind US-domiziliert und für deutsche Privatanleger derzeit praktisch nicht handelbar.
  • Hintergrund: Über 100 Krypto-ETFs stehen für 2026 in der Pipeline, seit die SEC Ende 2025 vereinfachte Zulassungsregeln veröffentlicht hat.
  • Der Bitcoin ist derzeit am schwächeln und der gesamte Krypto-Markt steht derzeit im Schatten des KI-Booms.

BlackRock BITA: Bitcoin, der jeden Monat etwas abwirft

Der iShares Bitcoin Premium Income ETF ist BlackRocks zweiter Bitcoin-Schritt nach dem Platzhirsch IBIT und der erste, der nicht auf Kursgewinne, sondern auf laufendes Einkommen setzt. Der Fonds startete am 9. Juni zum Referenzkurs von 61.825 US-Dollar und ging am 16. Juni an die Nasdaq.

Das Prinzip ist eine klassische Covered-Call-Strategie: BITA hält Bitcoin direkt sowie Anteile am IBIT und verkauft auf rund 25–35 % dieser Bestände Kaufoptionen. Die kassierten Optionsprämien werden monatlich an die Anleger ausgeschüttet. BlackRock schreibt dafür wöchentlich etwa 7,5 % der Bitcoin-Position über vier Verfalltermine. In Summe eine Art gestaffelte 30-Prozent-Absicherung. Das Ziel: 15 bis 25 % Rendite pro Jahr, bei rund 70 % Teilhabe an einem möglichen Bitcoin-Anstieg.

Der entscheidende Punkt, den BlackRock in der Vermarktung eher leise hält: Dieses Einkommen ist nicht geschenkt. Du bezahlst es mit gedeckeltem Aufwärtspotenzial. Steigt Bitcoin stark über die Ausübungspreise der verkauften Optionen, lässt du auf dem abgesicherten Teil deines Depots Gewinne liegen. In einer ruhigen oder fallenden Phase ist die Prämie ein netter Puffer. In einem heftigen Bullenlauf schaust du dagegen zu, wie der direkte Bitcoin-Halter an dir vorbeizieht.

Was BITA im Wettbewerb stark macht, ist die Gebühr. Mit 0,65 % unterbietet BlackRock die etablierten Income-Konkurrenten wie NEOS' BTCI oder Roundhills YBTC deutlich, die bei rund 0,95–1,00 % liegen. Dazu kommt eine steuerlich clevere Partnerschaftsstruktur (in den USA gilt eine 60/40-Mischbesteuerung auf Optionsgewinne). Nicht ganz nebensächlich: BlackRock kam damit rund zwei Wochen vor Goldman Sachs auf den Markt, das ein strukturell ähnliches Produkt für Anfang Juli vorbereitet.

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Franklin Templeton: Wenn deine Aktien-Dividenden heimlich Bitcoin kaufen

Franklin Templeton geht einen ganz anderen Weg. Der 1,5-Billionen-Dollar-Vermögensverwalter hat am 19. Juni zwei ETFs bei der SEC registriert: den Franklin US Equity Bitcoin DRIP Index ETF und den Franklin US Innovation Bitcoin DRIP Index ETF. Beide könnten frühestens zum 1. September 2026 starten.

Der Name „DRIP" leiht sich von den klassischen Dividenden-Reinvestitionsplänen (Dividend Reinvestment Plans), bei denen Ausschüttungen automatisch in neue Aktien gesteckt werden. Franklin dreht das Prinzip um: Die Dividenden der Aktienportfolios fließen nicht in weitere Anteile, sondern in bitcoin-gebundene Instrumente – spot-basierte Bitcoin-ETPs, Futures, Optionen und in Teilen eine Tochtergesellschaft auf den Cayman-Inseln.

Konkret starten beide Fonds mit 95 % US-Aktien und 5 % Bitcoin. Der erste bildet einen breiten Large-Cap-Index mit rund 498 Werten ab, der zweite konzentriert sich auf wachstumsstarke Innovationsunternehmen. Eine Analyse beschrieb die Konstruktion treffend als „automatischen, wartungsarmen 5-Prozent-Bitcoin-Zufluss, finanziert komplett aus Aktien-Dividenden". Damit die Krypto-Quote nicht ausufert, greift eine vierteljährliche Rebalancing-Regel: Liegt der Bitcoin-Anteil über 5 %, wird er auf 4,5 % gestutzt, eine harte Obergrenze deckelt ihn zwischen den Terminen bei 20 %. Gebühren nennt der vorläufige Antrag noch nicht – ein wichtiger Datenpunkt, der erst später kommt.

Warum gerade jetzt so viele Bitcoin-ETFs kommen

Diese beiden Produkte sind kein Zufall, sondern Teil einer Welle. Nachdem die SEC Ende 2025 vereinfachte, generische Zulassungsstandards für krypto-gebundene Fonds veröffentlicht hat, fiel die Hürde für neue Anträge drastisch. Bitwise rechnet 2026 mit über 100 neuen Krypto-ETFs, Bloomberg Intelligence zählte zum Jahresende mehr als 100 Einreichungen in der Pipeline.

Das Ergebnis ist ein Wettrüsten um Strukturen jenseits des reinen Spot-Bitcoin, wo BlackRocks IBIT mit zweistelligen Milliardenbeträgen dominiert: Income-Produkte über Covered Calls, Dividenden-in-Bitcoin-Mechanismen, demnächst die Goldman-Variante. Pikant ist das Timing. Der Bitcoin-Kurs steht unter Druck und notiert rund um 64.000 US-Dollar – etwa 50 % unter dem Allzeithoch von knapp 126.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025. Die Produkthersteller bauen also fleißig aus, während der Basiswert schwächelt.

Was heißt das für dich als deutschen Anleger?

Hier kommt die Ernüchterung. BITA und die Franklin-DRIP-ETFs sind US-Produkte – und damit für dich als Privatanleger in Deutschland aktuell so gut wie nicht zu kaufen. Der Grund ist regulatorisch: US-domizilierte ETFs liefern kein PRIIPs-Basisinformationsblatt (KID), das in der EU für den Vertrieb an Privatkunden Pflicht ist. Kein deutscher Broker wird dir diese Fonds also regulär ins Depot legen.

Wer in Deutschland Bitcoin im Wertpapiermantel will, greift ohnehin zu Bitcoin-ETNs/ETPs, nicht zu echten Spot-ETFs, die gibt es im UCITS-Rahmen so nicht. Und wer das Income-Konzept von BITA spannend findet, kann eine Covered-Call-Logik nicht eins zu eins nachbauen. Die News ist für dich daher vor allem eines: ein Signal, der Bitcoin wird immer mehr in die klassische Finanzindustrie inkludiert. Direkt mitverdienen kannst du an diesen konkreten Produkten nicht. Wenn dich der BTC reizt, führt der Weg weiter über den direkten Kauf – worauf du dabei achten solltest, liest du in unserem Ratgeber dazu, wo du Bitcoin kaufen kannst.

Fazit: Krypto wird immer präsenter an der Börse

Zwei neue Bitcoin-ETFs, zwei völlig verschiedene Philosophien: BITA macht aus Bitcoins Schwankungen monatliches Einkommen und nimmt dafür Aufwärtspotenzial in Kauf. Franklin Templeton baut einen leisen Bitcoin-Sparmechanismus aus Aktien-Dividenden. Beide sind ein weiterer Beleg dafür, dass die großen Vermögensverwalter Krypto längst nicht mehr als Nische behandeln.

Für deutsche Anleger bleibt der direkte Nutzen vorerst gering, weil beide Produkte hierzulande nicht handelbar sind. Spannend ist die Richtung trotzdem: Wenn BlackRock, Franklin und bald Goldman in diesem Tempo strukturierte Bitcoin-Produkte ausrollen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis vergleichbare Konzepte auch in Europa auftauchen. Bis dahin lohnt sich der Blick über den Atlantik – als Vorschau auf das, was kommt.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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