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Mutter plant f√ľr Kind mit ESG-Investments

ESG Kriterien: Die Kriterien bestimmen die Nachhaltigkeit deines Investments

Wer sich mit Börse und Investieren beschäftigt, stößt immer wieder auf den Begriff der ESG-Kriterien. Bei diesem Begriff geht es zentral um Nachhaltigkeit.

Es wird immer mehr Menschen wichtig, verantwortungsvoll zu leben, konsumieren und investieren. Ziel soll es sein, die Chancen zuk√ľnftiger Generationen nicht zu gef√§hrden.

Nachhaltige Investments sollen in diesem Zug auch einen Beitrag zu einer positiven Zukunft leisten. Wof√ľr ESG genau steht, was anhand welcher ESG-Kriterien gemessen wird und vieles mehr erf√§hrst du in diesem Artikel.

1. Was sind ESG Kriterien?

ESG ist ein Akronym, welches aus dem Englischen kommt und abk√ľrzend f√ľr Environmental, Social und Governance steht. √úbersetzt steht das f√ľr Umwelt, Soziales, und Unternehmensf√ľhrung.

Anleger beschäftigten sich zunehmend mit der Frage, ob ein Investment persönlichen Nachhaltigkeitsstandards entspricht.

Da es f√ľr Nachhaltigkeit per se keine eindeutigen Definitionen gibt und Anleger oft unterschiedliche Auffassungen haben, wie Nachhaltigkeit definitiert sein sollte, wurden als Orientierung drei zentrale Themenbereiche mit dem ESG-Begriff eingefangen, zu denen es nachpr√ľfbare Kriterien gibt.

Im Finanzsektor ist Nachhaltigkeit noch nicht einheitlich definiert. So variiert von Anbieter zu Anbieter, bzw. Produkt, das Nachhaltigkeitskriterium. Oft werden anstelle von nachhaltig auch Begriffe wie ‚Äěgr√ľn‚Äú (green) oder ‚Äěsozial‚Äú (social) benutzt. Die gesetzlichen Definitionen, was als nachhaltig/ESG gilt, werden allerdings immer genauer und vermutlich bald in der Zukunft bindend.

ESG ist ein Akronym, welches aus dem Englischen kommt und abk√ľrzend f√ľr Environmental, Social und Governance steht. √úbersetzt steht das f√ľr Umwelt, Soziales, und Unternehmensf√ľhrung.

Es finden also von Seiten der Politik, Experten und im Finanzbereich Bem√ľhungen statt, Nachhaltigkeitskriterien zu definieren, die sowohl relevant, messbar und vergleichbar sind.

Du kannst die ESG-Idee und Kriterien mit Siegeln wie z.B. einer Bio-Zertifizierung bei Lebensmitteln vergleichen.

Der ESG-Begriff und seine Kriterien umspannt alle gängigen Investmentinstrumente. So können Anleger ESG-Investments in den folgenden Bereichen, bzw. Asset-Klassen tätigen:

  • ESG Aktien
  • ESG ETF
  • ESG Edelmetalle
  • ESG Fonds
  • ESG Private Equity & Venture Capital
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Die ESG-Bewertung eines Investments findet meist nach dem Ausschlussprinzip statt.

Das bedeutet, wenn ein Unternehmen (oder Staat) ein ESG-Kriterium nicht erf√ľllt, wird es aus dem Investmentportfolio ausgeschlossen. Dieses Ausschlussprinzip wird auch Exklusionsverfahren oder Negative Screening genannt.

Ein Beispiel daf√ľr ist, wenn ein Unternehmen zwar bestimmte Umweltkriterien oder Kriterien zur ethischen Unternehmensf√ľhrung erf√ľllt, allerdings Waffen produziert. In diesem Fall erh√§lt das Unternehmen keine ESG-Zertifizierung.

Manche ESG-Ratings setzen allerdings auch Positivkriterien an. Da wird zum Beispiel untersucht, ob das Unternehmen in seiner Branche zu den nachhaltigsten Akteuren geh√∂rt. Geh√∂rt eine Firma in ihrer Branche zu den „Besten“ innerhalb der Kategorie, wird sie nach dem Best-in-Class-Prinzip als positiv bewertet.

Die untere Tabelle zeigt dir nochmal einen Schritt konkreter eine Übersicht der gängigen Subkriterien innerhalb der 3 großen Themenbereiche:

E: Environmental (Umwelt)S: Social (Soziales)G: Governance (Unternehmensf√ľhrung)
UmweltschutzGesundheitsschutzEthische Unternehmensf√ľhrung
Strategien zum KlimaschutzProduktverantwortungCompliance
Einsatz erneuerbarer EnergienArbeitssicherheit & Einhaltung der Arbeitsrechte Keine Korruption
Reduktion der EmissionenKeine Zwangsarbeit oder Kinderarbeitunabhängiger Aufsichtsrat
Schonender Einsatz von RessourcenEinhalten der ESG-Kriterien bei Lieferanten und DrittenRisikomanagement
.........

Du erkennst also, dass der ESG-Begriff weiter reicht als z.B. der Green-Begriff, welcher sich „nur“ auf den Umweltaspekt bezieht.

2. Environmental: Umweltkriterien im Check

Beim Kriterium Environmental geht es darum, wie sehr ein Unternehmen Umweltaspekte w√§hrend seines Wirtschaftens ber√ľcksichtigt.

Es wird also genauer untersucht, in welchem Ausmaß ein Unternehmen oder Staat die Umwelt verschmutzt, wie auch Treibhausgase oder Schadstoffe in die Luft emittiert. Auch der Ressourcenverbrauch und die Energieeffizienz wird genauer betrachtet.

Beim Kriterium Environmental wird genauer angeschaut, wie sehr ein Unternehmen oder Staat die Umwelt verschmutzt, Treibhausgase oder Schadstoffe emittiert, Ressourcen verbraucht und mit Energie effizient umgeht.

Zentrales Thema in der Rubrik Environmental ist auch der Klimaschutz.

Der Risikobericht des Weltwirtschaftsforums nennt 2020 f√ľnf der weltweit gr√∂√üten Risiken f√ľr die Menschheit, welche allesamt in die Rubrik Umwelt fallen. Diese sind: Extreme Wetterereignisse, Klimaschutzversagen, Naturkatastrophen, Verlust der Biodiversit√§t, menschengemachte Umweltkatastrophen.

Die Rubrik Environmental spielt im Rahmen von Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung also eine wichtige Rolle.

Folgende Fragen werden unter anderem im Bereich der Umwelt gestellt:

  • Welche Strategien und Pl√§ne hat das Unternehmen (der Staat) zur Abmilderung des Klimawandels?
  • Wie gro√ü ist der CO2-Fu√üabdruck des Unternehmens (des Staates)?
  • Nutzt das Unternehmen (der Staat) Energie aus erneuerbaren Energiequellen?
  • Werden nat√ľrliche Ressourcen entlang der Wertsch√∂pfungskette gesch√ľtzt? (z.B. durch Reduktion, Effizienz, Kreislauff√ľhrung)
  • Werden nachhaltige Produkte, Technologien und Infrastrukturen eingesetzt?
  • Ist das Geb√§udemanagement ganzheitlich (Umgang mit Materialien, Energie, Wasser, Luft)?
  • Leistet das Unternehmen (der Staat) einen Beitr√§ge zur Luftreinhaltung?
  • Wie ist die Logistik organisiert (z.B. kurze Lieferwege)?

3. Soziale Kriterien beim ESG Invest

Der Teilbereich Social versucht die sozialen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit bzw. politischen Situation eines Staates zu messen.

Im Zentrum steht hier die Achtung der Menschenw√ľrde. Die Achtung der Menschenw√ľrde ist meist gekoppelt an die konkreten Arbeitsbedingungen innerhalb eines Unternehmens, bzw. den Arbeitsgesetzen eines Landes.

Es wird die Situation der Mitarbeiter im Unternehmen genauer betrachtet, wie zum Beispiel die Vielfalt in Teams (engl. Diversity) und die Inklusion von Minderheiten, sowie die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

Auch sehr wichtig sind die Wertsch√∂pfungsketten und deren sozialen Auswirkungen. Um als ESG-freundlich zu gelten, m√ľssen Menschenrechte bei Lieferanten und das Verbot von Kinderarbeit eingehalten werden.

Die Wertschöpfungskette reicht aber auch soweit, dass der Kunde mit einbezogen wird. Es werden auch die sozialen Auswirkungen der Produkte auf Gesellschaft und Konsumenten genauer betrachtet.

Zuletzt wird auch das soziale Engagement der Firmen gemessen.

Der Teilbereich Social bei den ESG-Kriterien umfasst die sozialen Auswirkungen der Firmentätigkeit, insbesondere der konkreten Arbeitsbedingungen und Lieferketten.

Bei Staaten werden Aspekte wie Bildungssystem, Gesundheitssystem und Armut genauer betrachtet.

Folgende Fragen werden unter anderem im Bereich des Sozialen untersucht:

  • Werden Arbeitnehmerrechte, Menschenrechte und Nichtdiskriminierung eingehalten?
  • Nutzt das Unternehmen (der Staat) Zwangsarbeit oder Kinderarbeit?
  • Werden Mitarbeiter, Lieferanten und Dienstleister fair bezahlt?
  • Wird auf Gesundheitsschutz geachtet? Sind Arbeitspl√§tze sicher und ergonomisch gestaltet?
  • Kooperiert das Unternehmen (der Staat) mit autorit√§ren oder diktatorischen Regierungen?
  • T√§tigt das Unternehmen Spenden f√ľr soziale, kulturell, √∂kologische Projekte?
  • Welche sozialen Auswirkungen bringen die Produkte mit sich?

4. Die Pr√ľfung der Unternehmensf√ľhrung als Bestandteil der ESG-Kriterien

Beim dritten Punkt, der Governance, steht die Nachhaltigkeit der Unternehmensf√ľhrung im Fokus.

Governance wird im ESG-Kontext meist mit (verantwortungsvoller) oder ethischer Unternehmensf√ľhrung gleichgesetzt. Hier geht es um Werte wie Transparenz und Fairness.

Governance ist die am wenigsten bekannte Kategorie von ESG, aber insbesondere f√ľr die F√ľhrungsetage sehr wichtig.

Der Governance Begriff beinhaltet sowohl eine interne Dimension, also innerhalb des Unternehmens, als auch eine externe, also im Bezug auf die Gesellschaft.

Defizite in der Unternehmensf√ľhrung bringen Risiken f√ľr das gesamte Unternehmen mit sich, wie auch einen Vertrauensverlust von Kunden, Investoren und Aufsichtsbeh√∂rden in das Management ‚Äď was manchmal auch das Ende eines Unternehmens und vielen Arbeitspl√§tzen bedeuten kann. Der Skandal bei Wirecard macht dies deutlich.

Governance steht f√ľr verantwortungsvolle oder ethische Unternehmensf√ľhrung. Hier geht es um Werte wie Transparenz und Fairness. Governance ist die am wenigsten bekannte Kategorie von ESG, aber dennoch f√ľr die F√ľhrungsetage und dem nachhaltigen Fortbestand des Unternehmens enorm wichtig.

Daher werden im Governance-Bereich die Richtlinien und Kodizes des Unternehmens in Bezug auf Korruption untersucht, wie auch die Zusammensetzung von Management, Gremien und Aufsichtsrat.

Folgende Fragen werden unter anderem im Bereich der Governance analysiert:

  • Werden Gesetze und geltende Regeln eingehalten?
  • Was sind die kommunizierten Werte und Richtlinien im Unternehmen?
  • Findet eine offene und transparente Kommunikation statt?
  • Sind unabh√§ngige Kontrollorgane (z.B. Aufsichtsrat) divers besetzt?
  • Gibt es Ma√ünahmen zur Verhinderung von Korruption, Bestechung und Betrug im Unternehmen (in der Regierung)?
  • Werden Steuern korrekt abgef√ľhrt oder √ľber Umwege vermieden?
  • Unterliegt ein Staat der Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Prinzipien?

5. Wie sinnvoll sind ESG-Kriterien?

Dass Anleger und Menschen allgemein sich um Nachhaltigkeit und ethische Fragestellungen Gedanken machen erkennt man beim Blick in die Geschichte.

Schon sehr fr√ľh hatten Anleger neben der Rendite auch weitere Ziele beim Geldanlegen. Ein paar Beispiel:

  • Antike: Mithilfe Investments wurden auch politische Anliegen beeinflusst.
  • Mittelalter:¬†Hier hatten religi√∂se Werte die Entscheidungen f√ľr Finanzmittel beeinflusst.
  • 1950:¬†Verm√∂gensverwaltende Gewerkschaften hatten mit dem Kapital ihrer Pensionsfonds auch soziale Ziele verfolgt (Wohnraum, Gesundheitseinrichtungen f√∂rdern).
  • 1988: Das Konzept des sozialen Kapitals entstand nach Idee von James S. Coleman, bei dem Eigeninteresse nicht der einzige Wert des Wirtschaftens sein k√∂nne. Umweltgruppen nutzen dann ihren Einfluss als Investoren auch dazu, um √∂kologische und soziale Themen voranzutreiben.

Vor diesem Hintergrund ergibt es durchaus Sinn, den Nachhaltigkeitsaspekt bei Investmententscheidungen auch im Fokus zu haben.

Der ESG-Begriff hat sich wohl auch in Folge dieser Geschichte herausgebildet und zum Ziel, Nachhaltigkeitskriterien zu benennen, als auch messbar und vergleichbar zu machen. Es ist also ein √úberbegriff und Orientierungsrahmen.

Da Nachhaltigkeit von vielen Menschen unterschiedlich definiert wird, und was als unethisch empfunden wird von Person zu Person variieren kann, ist hier nat√ľrlich ein gro√üer Interpretationsspielraum vorhanden.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass immaterielle Faktoren wie Mitarbeiterzufriedenheit schwerer messbar sind.

Manche ESG-Kriterien sind auch schwer greif- und messbar, da ihre Implikationen und Reichweite komplex sein können, wie z.B. konkrete Umweltauswirkungen eines Produkts oder einer bestimmten Chemikalie. Diese sind sehr eng an den Forschungsstand der Wissenschaft gekoppelt.

ESG-Kriterien und der Versuch Nachhaltigkeit messbar zu machen stößt also auch an seine Grenzen.

Des Weiteren gibt es eine Vielzahl von nachhaltigen Herangehensweisen an Investmentanalyse und -bewertung, die allesamt einen etwas anderen Fokus haben. Einige Beispiele sind:

  • Langfristiges Investment (Long Horizon Investment)
  • Sozial verantwortliches Investment (Social Responsible Investment)
  • Impact Investment
  • Gr√ľn (green/clean), √∂ko, nachhaltig
  • Ethisch, sozial, nicht-finanziell, nicht-traditionell
  • Themenfonds (z.B. Themen-ETFs)

Da es keine einheitlich gesetzlich definierten ESG-Kriterien gibt lohnt sich also, wenn du die Nachhaltigkeitskriterien eines Investments oder Produkts genauer anschaust, da sie unterschiedlichen Fokus haben können.

Bei einem ETF zum Beispiel w√ľrdest du diese Informationen im KIID finden. Bei einer Einzelaktie w√ľrde diese Information in den Quarterly bzw. Annual Reports zu finden sein.

Schon sehr fr√ľh hatten Anleger neben der Rendite auch weitere Ziele beim Geldanlegen.

Heute gibt es eine Vielzahl von nachhaltigen Herangehensweisen an die Investmentanalyse und -bewertung, wie z.B. Long Horizon Investment, Social Responsible Investment, Impact Investment, Green Investment.

6. Wie lassen sich ESG-Kriterien messen?

Seit 2017 sind börsengelistete Unternehmen in Europa verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht anzufertigen. Dieser wird meist der Bilanz angehängt als sogenannter Lagebericht.

Rating-Agenturen √ľbernehmen √ľblicherweise die Pr√ľfung der ESG-Kriterien. Diese (meist auf ESG-Kriterien spezialisierten) Agenturen fassen die Informationen des Unternehmens zusammen und stellen den Bericht anschlie√üend Banken, Fondsgesellschaften oder institutionellen Anlegern zur Verf√ľgung. Bekannte Nachhaltigkeits-Ratingagenturen sind ISS oekom, Sustainalytics, imug und Inrate. Klassische Ratingagenturen wie Bloomberg und MSCI Ratings bieten mittlerweile auch ESG-Ratings an.

Zur besseren Vergleichbarkeit gibt es festgelegte ESG Scores, anhand derer sich die Unternehmen (oder Staaten) beurteilen lassen können.

Ein konkretes Beispiel f√ľr ESG Scores ist die von der Rating-Agentur Scope Analysis herausgegebe Methodik.¬†Scope bewertet Firmen auf einer Ratingskala von AAAESG¬†bis CESG. Bei der Analyse werden vier Aspekte untersucht: 1. Das Unternehmen (seine ESG Historie, Commitment und grunds√§tzliche Aufstellung in den drei Bereichen Umwelt, Soziales und Corporate Governance), 2. das ESG-Team, 3. der Investment- und Asset Managementprozess sowie 4. die ESG Datenintegration und Risikomessung.

Dar√ľber hinaus gibt es auch Portale, auf denen man Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen finden kann, z.B. der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Die von der Global Reporting Initiative (GRI) herausgegebenen Berichtstandards bieten eine Orientierung f√ľr Unternehmen bei der Erstellung der Nachhaltigkeitsreports.

Ein kritischer Aspekt ist hier allerdings, dass die unterschiedlichen Methodiken oft Rating-Ergebnisse bringen, die zweifelhaft sind.

Am Konzern Nestl√© wird das klar. Das Unternehmen steht im oŐąffentlichen Disput, hat allerdings ein hohes ESG Rating.

Oft ist im ESG-Kontext auch die Rede von „Green Washing“,¬†wenn Unternehmen gezielt durch Marketing und PR-Ma√ünahmen ein ‚Äěgr√ľnes‚Äú Image zeichnen, ohne sich tats√§chlich f√ľr die Umwelt zu engagieren oder oft widerspr√ľchlich zu ihrem Marketing handeln.

Das „Blue Washing“ ist √§hnlich, bezieht sich aber auf die soziale Dimension. Das Blue Washing, anspielend auf die blaue Farbe der UNO, bezeichnet moralische Ablenkungsman√∂ver die den Eindruck erwecken sollen, dass ein Konzern sehr gesellschaftlich engagiert ist.

7. SRI und SDG ‚Äď die Alternativen zu den ESG-Kriterien

Als Alternative zum ESG-Investieren gibt es den SRI- oder SDGInvestment Approach.

SRI: Ein alternativer Ansatz zum ESG-Kriterium

SRI steht f√ľr Socially Responsible Investing. Es handelt sich um eine Investment Strategie, die zum Ziel hat, sowohl gesellschaftliche Ver√§nderungen als auch finanzielle Rendite zu erzielen. Investiert wird hier in Firmen die einen positiven sozialen Impact haben, wie z.B. bei¬†Solar-ETFs. Firmen die einen negativen sozialen Impact haben werden kategorisch ausgeschlossen. Manche SRI-Investmentans√§tze, aber nicht immer, nutzen ein ESG-Framework als Richtlinie.

Der Unterschied zum ESG Investing besteht darin, dass SRI Investing nur auf Negativkriterien fokussiert ist. Ausgeschlossen werden alle Unternehmen, die einer nachhaltigen sozialen (oder √∂kologischen) Entwicklung entgegen stehen (z.B. Kinderarbeit, R√ľstung).¬†Positivkriterien gibt es hier meist nicht.

SDG fokussieren Ziele zur Nachhaltigkeit

SDG ist die Abk√ľrzung f√ľr Sustainable Development Goals, die 17 Ziele f√ľr nachhaltige Entwicklung von den Vereinten Nationen. Diese 17 Ziele beinhalten unter anderem:

  • Armut beenden
  • Ern√§hrung sichern
  • Gesundes Leben f√ľr alle
  • Bildung f√ľr alle
  • Gleichstellung der Geschlechter
  • Klimaschutz

Quelle: United Nations

Diese 17 Ziele können beim SDG-Investing als Orientierung bei der Investmentauswahl dienen.

8. FAQ

ESG-Kriterien werden in die drei Teilbereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensf√ľhrung unterteilt.¬†

Beim Kriterium¬†Environmental¬†geht es darum, wie sehr ein Unternehmen¬†Umweltaspekte w√§hrend seines Wirtschaftens ber√ľcksichtigt (Klimaschutz, Energieverbrauch, Umweltverschmutzung).

Der Teilbereich¬†Social versucht die sozialen Auswirkungen der Gesch√§ftst√§tigkeit bzw. politischen Situation eines Staates zu messen (Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, faire Verg√ľtung).

Beim dritten Punkt, der¬†Governance, steht die Nachhaltigkeit der Unternehmensf√ľhrung im Fokus (Korruptionsbek√§mpfung, Fairness, Transparenz, Steuerabgaben).¬†

Rating-Agenturen √ľbernehmen meist die Pr√ľfung der ESG-Kriterien. Sie fassen die Informationen des Unternehmens zusammen und stellen den Bericht anschlie√üend Banken, Fondsgesellschaften etc. zur Verf√ľgung.

Bekannte Nachhaltigkeits-Ratingagenturen sind ISS oekom, Sustainalytics, imug und Inrate.

Zur besseren Vergleichbarkeit gibt es festgelegte ESG Scores, anhand derer sich die Unternehmen (oder Staaten) beurteilen lassen können.

Ja. Schon sehr fr√ľh hatten Anleger neben der Rendite auch weitere Ziele beim Geldanlegen. So macht es durchaus Sinn, den Nachhaltigkeitsaspekt bei Investmententscheidungen auch im Fokus zu haben.

Der ESG-Begriff hat sich in Folge dieser Geschichte herausgebildet und hat zum Ziel, Nachhaltigkeitskriterien zu benennen, als auch messbar und vergleichbar zu machen. Es ist also ein √úberbegriff und Orientierungsrahmen.

Die Schwierigkeiten der ESG-Kriterien liegen darin, dass immaterielle Faktoren wie Mitarbeiterzufriedenheit schwerer messbar sind.

Manche ESG-Kriterien sind auch schwer greif- und messbar, da ihre Implikationen und Reichweite komplex sein können.

Vorteil der ESG-Kriterien sind, dass sie ein greifbares Tool bieten, Unternehmen anhand wichtiger Nachhaltigkeitskriterien einzuschätzen.

 

Nicht immer. Die Ratings von Nestlé und anderen Großkonzernen mit kontroverser Historie machen das deutlich.

Die Methodiken zur Messung der Nachhaltigkeit variieren oft sehr stark.

Je nach dem wie die einzelnen Faktoren auch gewichtet werden, kann es auch passieren, dass ein Unternehmen „ge-green-washt“ wird: Marketing, PR-Ma√ünahmen oder soziales Engangement sorgen f√ľr ein positives Image, doch die eigentlichen Lieferketten oder Prozesse widersprechen sich.

Hi! Ich bin
ūüĎč

Ich bin Sebastian, einer der Mitgr√ľnder von Finanzwissen. Nach meinem dualen Studium in der Automobilbranche bin ich zu einer der gr√∂√üten Automobilbanken Deutschlands gewechselt. Im Zuge meiner Karriere konnte ich ein fundiertes Wissen √ľber Finanzen und Investitionen entwickeln. Heute investiere ich vor allen Dingen in Immobilien, Aktien und Kryptow√§hrungen und m√∂chte mein Wissen weitervermitteln.

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