Geschwister unterzeichnen Erbschafts-Dokument

Erben – 5 Dinge, die du bei Erbschaften beachten musst

Pro Jahr werden in der Bundesrepublik circa 300 bis 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit bist du bereits Erbe oder wirst eines Tages erben.

Hundertprozentig wird es aber wohl oder √ľbel eines Tages soweit sein, dass du selbst zum Vererber wirst.

Damit der Ablauf möglichst reibungslos funktioniert und du das Beste aus der Situation machen kannst, zeigen wir dir in diesem Artikel 6 Dinge, die du bei Erbschaften unbedingt beachten musst.

1. Erben und das Testament: Auf was musst du achten?

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung ungefähr 80 Jahre.

Jeder stirbt eines Tages. Selbstverst√§ndlich kann man nach dem Tod nicht mehr eigenst√§ndig √ľber seine Finanzen walten.

Das ist der Grund weshalb das gesamte Vermögen und nach dem Ableben weitergegeben wird, es wird vererbt.

Im Regelfall erben die nächsten Verwandten des Verstorbenen den Großteil des Vermögens. Das muss aber nicht so sein.

Man unterscheidet juristisch daher zwischen der gesetzlichen Erbfolge und der gewillk√ľrten Erbfolge.

Gibt es kein Testament oder ein ähnliches Dokument, welches den letzten Willen des Verstorbenen festhält, dann erfolgt die Erbschaft nach der gesetzlichen Erbfolge.

Wenn der Verstorbene dies aber im Voraus verhindern m√∂chte, kann er in beschr√§nktem Ma√üe Einfluss auf die eigene Erbfolge nehmen und die Erben eigenst√§ndig ausw√§hlen. Dazu eignen sich Testament, Erbvertrag oder eine letztwillige Verf√ľgung.

Jeder, der √§lter als 16 Jahre ist, kann in Deutschland selbst √ľber seinen Nachlass bestimmen und ein Testament verfassen.

Dieses muss entweder handschriftlich verfasst sein oder noch zu Lebzeiten von einem Notar anerkannt werden. In jedem Fall muss ein Testament aber die Unterschrift des Erblassers inklusive Ort und Datum des Verfassens und Aufteilung des Vermögens an die jeweiligen Erben enthalten.

Ein Testament kann ung√ľltig sein

Ein Testament kann dann f√ľr ung√ľltig erkl√§rt werden, wenn es nicht den bereits genannten Vorgaben entspricht, der Erblasser zum Zeitpunkt des Verfassens unm√ľndig war, dessen Inhalt gegen geltendes Recht verst√∂√üt oder er zum Verfassen des Testaments gezwungen wurde.

Experten empfehlen jedem ein Testament zu verfassen, um späteren Erbstreitigkeiten und Ungewissheiten vorzubeugen.

2. Das Testament f√ľr Ehegatten

Ist man verheiratet und möchte daher ein gemeinschaftliches Testament verfassen, reicht es, wenn beide das Testament unterschreiben.

Ein Testament ist dar√ľber hinaus nicht nur wichtig, um das vorhandene Verm√∂gen unter den Erben aufzuteilen, sondern bietet Eltern auch die M√∂glichkeit einen gesetzlichen Vormund ihrer Kinder zu bestimmen, f√ľr den Fall dass beide Elternteile unerwartet versterben sollten.

Au√üerdem ist das sogenannte Berliner Testament unter Ehepartnern √§u√üerst beliebt. Es legt fest, dass das gesamte Verm√∂gen der Eheleute nach dem Tod eines Ehepartners an den noch lebenden Ehepartner vererbt wird. Andernfalls st√ľnde dem Witwe/-r/ laut gesetzlicher Erbfolge nur die H√§lfte des Verm√∂gens zu. Die andere H√§lfte w√ľrde unter etwaigen Kindern aufgeteilt und vererbt werden.

Doch aufgepasst, enth√§lt das gemeinschaftliche Testament keinen speziellen Paragraphen, der den √ľberlebenden Ehepartner dazu berechtigt, dann kann das Testament nur von beiden Ehepartnern gemeinsam abge√§ndert werden. Bedeutet, dass eine √Ąnderung der Erbfolge durch den √ľberlebenden Ehepartner nach versterben des jeweils anderen unm√∂glich ist.

Da man nicht die Zukunft der Witwe oder des Witwers voraussehen kann, empfiehlt es sich dem √ľberlebenden Ehepartner mit Hilfe eines √Ąnderungsvorbehalt im Ehegattentestament die Rechte zu erteilen, die Erbfolge eigenm√§chtig abzu√§ndern.

Gibt es keine Hinterbliebenen und es wurde auch kein Testament oder √Ąhnliches verfasst, dann wird das Verm√∂gen an das jeweilige Bundesland vererbt.

  • beide Ehegatten unterschreiben das Testament
  • im Testament wird der Vormund der Kinder bestimmt
  • das Berliner Testament sorgt f√ľr den √ľberlebenden Ehepartner
  • ohne √Ąnderungsvorbehalt kann das Testament nur zu Lebzeiten beider Ehepartner ge√§ndert werden

3. Die Erbschaftssteuer: Welche Steuern fallen beim Erbe an?

Viele denken beim Thema erben direkt an das Unangenehme, die Erbschaftssteuer.

Je nach Verwandtschaftsgrad und Wert des Erbes kann diese in Deutschland bis zu 50 Prozent betragen.

Doch mach dir keine Sorgen, in vielen Fällen liegt das Erbe noch innerhalb des Freibetrags.

Der Freibetrag variiert wie der jeweilige Steuersatz je nach Verwandtschaftsgrad und liegt bei Ehepartnern bei 500.000 Euro.

Kinder erben bis zu 400.000 Euro steuerfrei und Enkel beziehungsweise Ur-Enkel bis zu 200.000 Euro.

Damit verwitwete Ehepartner nicht in eine finanzielle Notlage geraten, gewährt der Staat ihnen, zusätzlich zu den 500.000 Euro Freibetrag, noch einen Versorgungsfreibetrag, der sich nach dem Alter der Kinder richtet und an die Witwenrente angepasst wird.

Vermachen Kinder nach ihrem Tod ihren eigenen Eltern oder Gro√üeltern einen Teil des Verm√∂gens, so haben diese einen Freibetrag von 100.000 Euro, unter dem sie keine Erbschaftssteuer zahlen m√ľssen.

Erben, die in √ľberhaupt keinem oder nur einem fernen Verwandtschaftsverh√§ltnis zum Vererber stehen, zahlen Erbschaftssteuer wenn sie mehr als 20.000 Euro erben.

Wof√ľr gilt der Freibetrag beim Erben?

Der Freibetrag bezieht sich wohlgemerkt nicht nur auf Geld, sondern auch auf andere Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien oder Wertgegenstände.

Der Wert einer vererbten Immobilie wird vom Finanzamt bestimmt. Dieser ermittelte Verkehrswert kann allerdings zu hoch angesetzt sein. Das wiederum resultiert dann in einer unangemessen hohen Steuerlast, weswegen es sich häufig lohnt einen Gutachter einzuschalten.

Einen Gutachter zu engagieren klingt wegen des Honorars zunächst teuer, doch mithilfe eines eigens in Auftrag gegebenen Gutachtens lassen sich definitiv Steuern einsparen.

Freibeträge

  • Ehepartner zahlen ab 500.000 Euro
  • Kinder zahlen ab 400.000 Euro
  • (Ur-)Enkel zahlen ab 200.000 Euro
  • (Gro√ü-)Eltern zahlen ab 100.000 Euro
  • jeder andere zahlt ab 20.000 Euro
SteuersatzstufenStufe I.Stufe II.Stufe III.
bis 75.000 Euro7%15%30%
bis 300.000 Euro11%20%30%
bis 600.000 Euro15%25%30%
bis 6.000.000 Euro19%30%30%
bis 13.000.000 Euro23%35%50%
bis 26.000.000 Euro27%40%50%
ab 26.000.000 Euro30%43%50%
Individuelle Steuersätze

Zur Steuersatz-Stufe I. zählen Ehepartner, Kinder, (Ur-)Enkel und (Groß-)Eltern.

Zur Steuersatz-Stufe II. zählen Geschwister, Nichten/Neffen, Schwiegertöchter/-Söhne und geschiedene Ehepartner.

Zur Steuersatz Stufe III. gehört jeder andere.

Falls du nun Tipps brauchst wie du das geerbte Vermögen am besten anlegen kannst, lies dir unseren Artikel zum Thema Vermögensaufbau durch oder schau dir unseren ETF-Sparplan Vergleich an.

4. Die Schenkung als Vorzeitiges Erben

Steuerrechtlich hängen Schenkung und Erbschaft unmittelbar zusammen. Bei der Schenkung gelten dieselben Freibeträge und Steuersätze wie beim Erbe.

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass man die Freibeträge alle 10 Jahre erneut ausschöpfen kann.

Wer seinen Liebsten also möglichst kosteneffizient viel Vermögen vermachen möchte, der sollte diese Freibeträge ausnutzen.

Das solltest du beim Schenken beachten

Hat man einem Verwandten oder Freund einen größere Summe Geld oder andere Vermögenswerte geschenkt, muss dies dem zuständigen Finanzamt gemeldet werden.

Stirbt der Schenkende innerhalb der nächsten 10 Jahre und man erbt erneut etwas Vermögenswirksames, dann wird der Wert der Schenkung vom Freibetrag abgezogen.

5. Der Pflichtteil: Was du √ľbers Enterben wissen musst

Gibt es kein g√ľltiges Testament wird nach der gesetzlichen Erbfolge vererbt, soviel ist klar.

Aber selbst wenn gesetzliche Erben vom Testament ausgeschlossen werden, steht ihnen ein gewisser Pflichtteil zu.

Dieser Pflichtteil beträgt die Hälfte des Erbes, welches einem nach der gesetzlichen Erbfolge zusteht. Ob man pflichtteilsberechtigt ist und wie hoch der Anteil am Gesamterbe ist, hängt von der individuellen Familienkonstellation ab und ist daher von Fall zu Fall unterschiedlich.

Pflichtteilsberechtigt sind lediglich (Enkel-)Kinder, Ehepartner oder die eigenen Eltern. Geschwister und weiter entfernte Verwandte sind nicht pflichtteilsberechtigt, können also problemlos vom Erbe ausgeschlossen werden.

Ein vollst√§ndiges Enterben ist nur dann m√∂glich, wenn der Erbe als erbschafts-unw√ľrdig gilt oder wenn dieser beim Notar eine Verzichtserkl√§rung unterzeichnet.

Die Verzichtserklärung kann noch zu Lebzeiten des Vererbers oder auch nach dessen Tod unterzeichnet werden.

Des Erben unw√ľrdig ist man als Erbe dann, wenn man nachweislich den Tod des Vererbers versucht hat herbeizuf√ľhren oder wenn man einer Freiheitsstrafe von mehr als 12 Monaten ohne Bew√§hrung ausgesetzt war.

Eine weitere M√∂glichkeit jemanden bewusst vom Erbe auszuschlie√üen, obwohl dieser eigentlich pflichtteilsberechtigt ist, ist es das Verm√∂gen bereits vor dem Tod an den gew√ľnschten Erben zu verschenken.

Um auf Nummer sicher zu gehen verkn√ľpfen viele diese Schenkung vertraglich mit einer Gegenleistung. Der Erbende wird somit zum Beispiel zur Pflege des Vererbenden im Alter verpflichtet.

Fakten zum Pflichtteil

  • der Pflichtteil betr√§gt die H√§lfte des gesetzlich vorgesehenen Erbes
  • ein vollst√§ndiges Enterben ist nur in Ausnahmef√§llen m√∂glich
  • ein Weg den Pflichtteil zu umgehen ist die vorzeitige Schenkung mit Gegenleistung

6. Schulden erben: Wann man das Erbe ausschlagen sollte

Es gibt durchaus Situationen in denen man das Erbe ausschlagen sollte. Denn wer das Erbe antritt, √ľbernimmt somit das Verm√∂gen des Verstorbenen. Das schlie√üt nicht nur Geld und Immobilien oder Firmenanteile mit ein, sondern auch negatives Verm√∂gen.

Negatives Verm√∂gen sind zum Beispiel Kredite und Schulden. Ohne besondere Vorkehrungen haftet man mit seinem Privatverm√∂gen f√ľr √ľbernommene Schulden aus dem Erbe. Nachdem man √ľber sein Erbe informiert wurde, bleibt eine 6-w√∂chige Frist dieses auszuschlagen.

Verzichten alle Erben auf ihren Anteil, dann regelt der Staat den Nachlass. In dem Fall bleiben die Schuldner auf ihren Kosten sitzen, da die Schulden dem Staat  erlassen werden

Doch aufgepasst, damit verzichtet man offiziell auch auf den Anspruch an Fotoalben oder andere Erinnerungsst√ľcke.

Inoffiziell gewähren Sachverständiger in solchen Fällen aber häufig eine Ausnahme, sodass Gegenstände mit sentimentalen Wert von Verwandten gerettet werden können.

Ist nicht ganz eindeutig, ob das zu erbende Verm√∂gen zu einem Gro√üteil aus Schulden besteht oder doch noch etwas Geld √ľbrig bleibt, lohnt es sich vielleicht einen Verm√∂gensverwalter einzusetzen. Dadurch kann man die Verantwortung √ľber das Erbe abgeben. Der Verm√∂gensverwalter versucht dann die Schulden sofern m√∂glich vom Erbe zu tilgen, bezahlt die Beerdigungskosten und zahlt sich ein Honorar aus. √úbrig bleibt dann der ‚Äěbereinigte Nachlass‚Äú. Dieser Restbetrag, falls vorhanden, wird an die Erben ausgezahlt.

Das Erben von Schulden

  • man kann negatives Verm√∂gen erben
  • die Frist um das Erbe auszuschlagen betr√§gt 6 Wochen
  • verzichtet jeder, regelt der Staat den Nachlass
  • man verzichtet so auch auf Erinnerungsst√ľcke
  • ein Verm√∂gensverwalter kann das Erbe antreten und den bereinigten Nachlass auszahlen

7. Kritik am Modell Erbschaft: Ist Erben unfair?

Auf den ersten Blick klingt alles logisch. Die Eltern oder Gro√üeltern wollen den √ľbriggebliebenen Lohn f√ľr ihre harte Arbeit zu Lebzeiten an zuk√ľnftige Generationen vermachen, damit diese es leichter haben im Leben.

Oft werden auch Familienunternehmen oder Immobilien √ľber mehrere Generationen hinweg vererbt. F√ľr viele Menschen ist die Erbschaft finanziell betrachtet etwas Gro√üartiges.

Erbt man keine Schulden, dann k√∂nnen sich viele im Laufe ihres Lebens √ľber eine mehr oder weniger gro√üe Summe an Erbe freuen. Mit dem zus√§tzlichen Kapital kann man viel anstellen. Das Haus abbezahlen, ein neues Auto kaufen oder f√ľrs Alter vorsorgen.

Doch nicht nur das. Erben erzeugt auch eine gro√üe Sicherheit. Wer davon ausgehen kann in Zukunft ein gro√ües Verm√∂gen zu erben, kann im Leben viel mehr Risiko eingehen. Zuk√ľnftiges Erben gibt demjenigen, der erbt einen Wettbewerbsvorsprung und nimmt ihm die finanziellen Sorgen.

Kritiker des Modells Erbschaft bemängeln, dass es unfair sei.

Arbeitnehmer w√ľrden bis zu 46% Steuern auf ihr Einkommen zahlen, w√§hrend Erbende nur unter besonderen Umst√§nden auf mehr als 30% Erbschaftssteuer kommen.

Wer ohnehin wohlhabend aufw√§chst und demnach offensichtlich Gl√ľck in der ‚ÄěLebenslotterie‚Äú auf seiner Seite gehabt h√§tte, bekomme durch die Erbschaft nur einen weiteren unfairen Vorteil gegen√ľber Nicht-Erben. Die meisten k√∂nnten nichts f√ľr die finanzielle Situation ihrer Eltern und Gro√üeltern, ob sie nun in √§rmlichen oder wohlhabenden Verh√§ltnissen aufgewachsen sind.

Menschen aus wohlhabenden Familien w√ľrden bereits durch bessere Bildung und weitreichendere Kontakte bevorteilt sein und ein zu erwartendes Erbe w√ľrde die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Schichten nur noch deutlicher werden lassen.

Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander ginge, daf√ľr sei unter anderem das Konzept Erbschaft verantwortlich.

8. Fazit: Verschwende dein Erbe nicht

Das Erbe eines Geliebten Menschen anzutreten ist eine Ehre.

Verbunden mit gewissen moralischen Pflichten ist es aber oft genug eben auch ein unerwarteter Geldsegen. In unserem Artikel haben wir uns diesem finanziellen Aspekt der Erbschaft gewidmet, sodass du nun m√∂glichst gut √ľber die Abl√§ufe und Regelungen bescheid wei√üt.

Die Erbschaft ermöglicht dir viele neue Chancen und mit unseren Tipps kannst du häufige Fehler bei Testamenten und Co. von vornherein vermeiden.

Hi! Ich bin
ūüĎč

Neben meinem Studium arbeite ich nun seit fast 3 Jahren als freiberuflicher Online-Texter und konnte so bereits als Teenager mein Hobby zum Beruf machen. Mit 16 Jahren habe ich begonnen mich neben der Schule mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Seitdem investiere ich mein Erspartes in ETFs, Kryptos und selten auch Einzel-Aktien. Ich w√ľnsche mir, dass ich etwas von meinem Optimismus an euch weitergeben kann und freue mich jeden Tag aufs neue, dass ich mit meinen Artikeln Menschen zur Investition in ihre Zukunft motivieren darf.

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