
UniCredit macht Ernst: Übernahmeangebot für Commerzbank liegt auf dem Tisch
Der monatelange Übernahmekampf um die Commerzbank tritt in eine entscheidende neue Phase: Die italienische Großbank UniCredit hat heute Morgen per Ad-hoc-Mitteilung ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien des Frankfurter Geldhauses angekündigt.
Überblick
- Das Angebot sieht vor, dass Anleger für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Stammaktien erhalten.
- Die volle Kontrolle möchte man nach eigenen aussagen nicht erlangen.
- UniCredit hält bereits rund 26,02 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie Total Return Swaps auf weitere knapp vier Prozent.
- Die Commerzbank hat Übernahmeavancen bislang abgelehnt, und auch die Bundesregierung positioniert sich kritisch.
- Die Commerzbank-Aktie sprang im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate zunächst um bis zu neun Prozent nach oben, stabilisierte sich jedoch bei einem Plus von 4 %.
Keine Kontrollübernahme angestrebt – vorerst
Das Angebot ist als reines Tauschangebot konstruiert: Commerzbank-Aktionäre sollen für jede ihrer Aktien 0,485 neue UniCredit-Stammaktien erhalten. Das entspricht einem rechnerischen Wert von rund 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie und einem Aufschlag von etwa vier Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag.
Bemerkenswert ist die strategische Botschaft hinter dem Angebot: UniCredit-Chef Andrea Orcel erklärte, das Angebot sei so konzipiert, dass die 30-Prozent-Schwelle im deutschen Übernahmerecht überwunden werden soll. Die volle Kontrolle möchte man nach eigenen aussagen nicht erlangen. Die Mailänder signalisieren gleichzeitig Gesprächsbereitschaft: Aus dem Umfeld der Bank hieß es, man sei offen für einen Dialog mit dem Commerzbank-Management.
UniCredit hält bereits rund 26,02 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie Total Return Swaps auf weitere knapp vier Prozent – kontrolliert damit wirtschaftlich bereits fast 30 Prozent des Frankfurter Instituts.

Technische Umsetzung braucht Zeit
Die Transaktion erfordert zunächst eine Kapitalerhöhung bei UniCredit selbst. Dafür will der Verwaltungsrat spätestens am 4. Mai 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Zudem stehen mehrere regulatorische Genehmigungen aus, darunter von der Europäischen Zentralbank und der deutschen Finanzaufsicht BaFin sowie kartellrechtliche Prüfungen auf EU-Ebene. Mit einem Abschluss der Transaktion wird frühestens in der ersten Jahreshälfte 2027 gerechnet.
Börse reagiert verhalten positiv
Die Commerzbank-Aktie sprang im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate zunächst um bis zu neun Prozent nach oben, bevor sie sich bei rund 30,81 Euro und damit gut vier Prozent über dem Freitagsschluss stabilisierte. UniCredit-Papiere gaben hingegen leicht nach.

Widerstand bleibt
Die Ausgangslage für UniCredit ist politisch nach wie vor heikel. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat Übernahmeavancen bislang abgelehnt, und auch die Bundesregierung positioniert sich kritisch: Sie hält gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und ist damit nach UniCredit der zweitgrößte Aktionär. Weitere nennenswerte Anteilseigner sind BlackRock mit rund 5,7 Prozent sowie der norwegische Staatsfonds Norges Bank Investment Management mit gut drei Prozent. Für die Hessens Regierung spielt es auch eine Rolle, dass Frankfurt als Standort stark bleibt und nicht etwas Mailand ein größeres Finanzzentrum wird.
Ob das Angebot ausreicht, um genügend Aktionäre zu überzeugen, bleibt offen. Analysten zweifeln daran, dass ein reines Aktientausch-Angebot mit einem Aufschlag von nur vier Prozent die nötige Annahmebereitschaft erzeugt – zumal beide Aktien seit Jahresbeginn unter Druck stehen.

