ote und weiße Autos, die im Händlershop geparkt sind. Nahaufnahme des Fahrzeugspiegels. Ausstellungsraum für Händler. Verkauf
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Porsche in der Gewinnkrise: Die Luxusmarke wird zum Sorgenkind

Lesezeit 3 min.

Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchSebastian Rau
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Es sind Zahlen, die selbst hartgesottene Finanzanalysten aufhorchen lassen: Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche hat für das Geschäftsjahr 2025 einen Gewinneinbruch von 91,4 Prozent vermeldet. Das Ergebnis nach Steuern sackte im Jahresvergleich auf lediglich 310 Millionen Euro ab.

Ein dramatischer Absturz für ein Unternehmen, das noch kurz nach seinem Börsengang 2022 mit einer Rekordrendite von 18 Prozent als profitabelster Automobilhersteller Deutschlands galt.

2024 hatten die Schwaben unter dem Strich noch fast 3,6 Milliarden Euro verdient. Innerhalb von nur zwölf Monaten hat Porsche damit mehr als neun Zehntel seines Nettogewinns verloren. Ein Einbruch, der in der Unternehmensgeschichte des DAX-Konzerns seinesgleichen sucht.

Überblick

  • Die Ursachen für den Absturz werden durch schwache Absatzzahlen und China und einem teuren Wechsel zurück zum Verbrenner verortet.
  • Im Jahr des Börsengangs 2022 hatte Porsche noch mit einer Rekordrendite von 18 Prozent geglänzt.
  • Michael Leiters hat zu Jahresbeginn die Nachfolge von Oliver Blume bei Porsche angetreten.
  • Für das laufende Jahr peilt Porsche einen Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro an.
  • Die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Drei Krisenherde gleichzeitig

Die Ursachen für den Absturz sind vielfältig und trafen das Unternehmen in kurzer Folge. Die Geschäfte in China stockten, US-Zölle belasteten stark, und die Elektromodelle fanden deutlich weniger Anklang als erwartet.

Besonders der einstmals wichtigste Absatzmarkt China entwickelte sich zum Albtraum. Die Auslieferungen an Endkunden dort schrumpften im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf knapp 41.000 Fahrzeuge. Im Jahr 2021 hatte Porsche auf seinem damals größten Markt noch fast 100.000 Autos abgesetzt. Heimische Hersteller erhöhen den Druck mit günstigeren Elektroautos, während westliche Premiummarken an Begehrlichkeit verlieren.

Parallel zum Gewinneinbruch gingen auch Absatz und Umsatz zurück. Der Absatz sank von 313.000 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 266.000 Fahrzeuge, ein Minus von rund 15 Prozent. Der Gesamtumsatz fiel um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro.

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Teure Kehrtwende zum Verbrenner

Die Umstellung zurück auf den Verbrenner wurde obendrein auch teuer für den Konzern. Ex-Porsche-Chef Oliver Blume hatte die Unternehmensstrategie noch vor seinem Abgang umgekrempelt. Mehr Verbrenner im Angebot sollten wieder für Schub sorgen. Doch die Abkehr von der ursprünglichen Elektrostrategie ist teuer.

Die Milliardeninvestitionen für diese Verbrenner-Verlängerung haben den Jahresgewinn nahezu vollständig aufgezehrt. Die operative Marge erodierte auf 0,3 Prozent, nachdem Porsche mit rund 15 Prozent früher der profitabelste deutsche Hersteller war.

Im Jahr des Börsengangs 2022 hatte Porsche noch mit einer Rekordrendite von 18 Prozent geglänzt. Im vergangenen Jahr hat der Autobauer am Finanzmarkt mit vier Gewinnwarnungen viel Vertrauen eingebüßt.

Neuer Chef mit schwerem Erbe

Mitten in dieser Krise wechselte die Automobilaktie die Führung. Michael Leiters hat zu Jahresbeginn die Nachfolge von Oliver Blume bei Porsche angetreten. Blume konzentriert sich seitdem auf die Führung der Konzernmutter Volkswagen. Der neue Vorstandschef, der zuvor Erfahrungen bei McLaren und Ferrari sammelte, steht vor einer Mammutaufgabe.

Finanzchef Jochen Breckner machte wenig Hoffnung auf eine schnelle Erholung: „Die globalen Herausforderungen und die Neuausrichtung des Unternehmens haben das Ergebnis 2025 belastet. Auch 2026 werden unsere Maßnahmen zur Rekalibrierung einmalige Ergebniseffekte in hoher dreistelliger Millionenhöhe haben.“ Man nehme diese Belastungen bewusst in Kauf, um die langfristige Widerstandsfähigkeit des Unternehmens zu stärken.

Vorsichtiger Optimismus für 2026

Für das laufende Jahr peilt Porsche einen Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro an. Die Konzernumsatzrendite soll sich, nach mageren 1,1 Prozent im Jahr 2025, auf einen Wert zwischen 5,5 und 7,5 Prozent erholen.

Doch die Unsicherheiten bleiben beträchtlich. Das Management rechnet weiterhin mit sehr herausfordernden Marktbedingungen in China, anhaltender Zollpolitik der USA sowie geopolitischen Risiken. Die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten seien dabei noch gar nicht eingerechnet.

Für Anleger bleibt die Lage angespannt. Ob Leiters mit seiner angekündigten neuen Strategie das Steuer herumreißen kann, wird sich voraussichtlich bei einem Kapitalmarkttag später in diesem Jahr zeigen. Klar ist: Der einstige Top-Marke des deutschen Automobilsektors muss sich neu erfinden und das unter denkbar ungünstigen Vorzeichen.

Unsere Inhalte spiegeln nur die Meinungen und Erwartungen der Autoren wider und stellen somit keine Empfehlung zum Kaufen, Halten oder Verkaufen der genannten Wertpapiere dar.

Als Anleger*in trägst Du die volle Verantwortung für Deine Investitionsentscheidungen.

Die Autoren können in einige der beschriebenen Assets investiert sein und somit ein Interesse an deren Kursentwicklung haben.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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