
Iran-Eskalation erschüttert die Finanzmärkte – Rüstungsaktien als einzige Gewinner
Der neue Börsenmonat beginnt unter dem Schatten eines Krieges. Die Eskalation zwischen dem Iran auf der einen und den USA sowie Israel auf der anderen Seite hat die globalen Finanzmärkte zum Wochenauftakt schwer belastet. Der DAX startete am Montagmorgen deutlich im Minus und der Ölpreis schoss zeitweise in die Höhe. Am härtesten traf es im ersten Augenblick Airlines und Reiseunternehmen.
Überblick
- Zum offiziellen Xetra-Start am Montagmorgen verlor der DAX rund 2,2 Prozent.
- Tokios Nikkei 225 verlor kurz vor Handelsschluss rund 1,7 Prozent.
- Der Preis für Brent-Rohöl stieg in der Spitze um mehr als zehn Prozent auf 82,37 US-Dollar je Barrel.
- Die größte Gefahr lauert nach Experten jedoch in einem möglichen vollständigen Kollaps des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.
- Besonders hart trifft die Krise die Reise- und Luftfahrtbranche. So verlor die Lufthansa-Aktie am Montag rund 6,6 Prozent.
- Trotz der Verlockung, bei fallenden Kursen schnell einzusteigen, raten viele Experten zur Zurückhaltung.
DAX unter Druck
Die Reaktion der Finanzmärkte ließ nicht lange auf sich warten. Schon im Wochenendhandel bei Lang & Schwarz zogen erste Indikatoren nach unten. Zum offiziellen Xetra-Start am Montagmorgen verlor der DAX rund 2,2 Prozent und fiel auf etwa 24.737 Punkte. Damit rückt das Allzeithoch, das der Index zuletzt klar im Visier hatte, in weite Ferne.
Analyst Thomas Altmann von QC Partners beschrieb die Marktlage als klassische „Risk-off“-Stimmung: Anlegerinnen und Anleger meiden risikobehaftete Anlagen, greifen aber auch nicht panikartig zu sicheren Häfen. Es sei eine kontrollierte, aber deutliche Risikoreduzierung zu beobachten. Citigroup-Analyst Scott Chronert wies darauf hin, dass militärische Konflikte der vergangenen Jahrzehnte gezeigt hätten: Entscheidend für die Aktienmärkte sind vor allem Dauer und wirtschaftliche Folgewirkungen eines Konflikts – nicht der erste Schock allein.
Auch die europäischen Nachbarbörsen gaben nach. Tokios Nikkei 225 verlor kurz vor Handelsschluss rund 1,7 Prozent. Als rohstoffarmes Land ist Japan besonders anfällig für steigende Energiepreise.

Ölpreis schießt hoch – Straße von Hormus im Fokus
Das Epizentrum der wirtschaftlichen Erschütterung liegt im Energiesektor. In der Nacht zum Montag schnellte der Preis für Brent-Rohöl in der Spitze um mehr als zehn Prozent auf 82,37 US-Dollar je Barrel, was den höchsten Stand seit Juli 2024 markiert. Im weiteren Handelsverlauf gaben die Notierungen einen Teil der Gewinne wieder ab und lagen zuletzt rund 7,5 Prozent höher bei etwa 78 US-Dollar.
Die eigentliche Gefahr lauert jedoch in einem möglichen vollständigen Kollaps des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Die britische Bank Barclays warnte bereits am Wochenende: Sollte die Enge dauerhaft gesperrt bleiben, könnte Brent auf bis zu 100 US-Dollar pro Barrel klettern, was ein Anstieg von rund 37 Prozent gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 67,02 Dollar wäre. Goldman Sachs sieht in einem solchen Szenario das Risiko für eine globale Rezession stark steigen. BNP Paribas schloss Notierungen von weit über 120 Dollar nicht mehr aus, sollte die Blockade über Wochen anhalten.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnete vor: Ein dauerhaft erhöhter Ölpreis auf diesem Niveau würde die Inflation im Euroraum um mehr als einen Prozentpunkt nach oben treiben und das Wirtschaftswachstum spürbar bremsen. Deutsche Bank-Chefanlagestratege Ulrich Stephan ergänzte, ein längerfristiger Konflikt dürfte Ölpreise und Inflation weiter antreiben und Aktienmärkte belasten, während Staatsanleiherenditen sinken könnten.
Der Ölverbund OPEC+ beschloss am Sonntagabend auf einem planmäßigen Treffen, die Tagesproduktion zu erhöhen – ein Versuch, den Schock abzufedern.

Lufthansa-Aktie bricht ein – Reisebranche unter Druck
Besonders hart trifft die Krise die Reise- und Luftfahrtbranche. Die Lufthansa-Aktie verlor am Montag rund 6,6 Prozent. Das Unternehmen hatte bereits am Wochenende angekündigt, zahlreiche Flüge in den Nahen Osten auszusetzen. Bis zum 8. März starten keine Maschinen von Deutschland aus in Richtung Amman, Beirut, Dammam, Erbil, Teheran und Tel Aviv.
Da zudem der Luftraum über weiten Teilen des Nahen Ostens gesperrt ist, müssen Lufthansa-Flüge in den Fernen Osten massive Umwege einplanen – was die Treibstoffkosten erheblich in die Höhe treibt. JPMorgan-Analyst Harry Gowers sieht den Iran-Konflikt als klar negativ für die Profitabilität von Fluggesellschaften: Flugstreichungen, operative Behinderungen, steigende Ölpreise und möglicherweise sinkende Nachfrage belasteten die gesamte Branche.
Rüstungsaktien als einzige Gewinner
Wie kaum anders zu erwarten profitierten Rüstungswerte von der Eskalation. Rheinmetall legte im frühen Handel rund 3,3 Prozent zu. Im MDAX zogen die Papiere von Renk um fast 10 Prozent an, auch Hensoldt verzeichnete deutliche Gewinne. Das Bild gleicht dem, was Anleger bereits aus früheren Krisen kennen: Wenn geopolitische Spannungen eskalieren, steigen Verteidigungsbudgets – und mit ihnen die Rüstungsaktien.
Experten raten zur Vorsicht
Trotz der Verlockung, bei fallenden Kursen schnell einzusteigen, raten viele Experten zur Zurückhaltung. Barclays-Analysten empfahlen ausdrücklich, bei einem unmittelbaren Kursrutsch nicht sofort zu kaufen: Das Chance-Risiko-Profil überzeuge derzeit nicht. Neben dem Konflikt kommen noch weiter Sorgen wie der Zoll-Streit und die Angst um eine KI-Blase.
Ein Krieg, der länger als einige Tage andauert, dürfte die Märkte deutlich stärker belasten als bisher eingepreist. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnte in der ARD-Tagesschau ebenfalls zur Geduld: Ob und wie stark die Energiepreise steigen, hänge maßgeblich davon ab, wie lange der Konflikt anhalte.
Kanzler Friedrich Merz äußerte die Hoffnung, dass die Schiffe in der Straße von Hormus bald wieder fahren könnten. Räumte aber auch ein, dass die Risiken noch nicht abschließend einzuschätzen seien.
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