Gold und Silbermünzen

Goldpreis und Silberpreis im Sinkflug: Warum beide Edelmetalle jetzt unter Druck stehen

Lesezeit 4 min.

Lektoriert vonDennis Groß
Überprüft durchFlorian Döhnert-Breyer
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Sowohl die Gold- als auch die Silberpreise sind derzeit im Sinkflug. Die Gründe sind der Iran-Krieg, eine sinkende Nachfrage und ein überraschend stabiler US-Dollar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gold rutscht unter die psychologisch wichtige Marke von 4.500 US-Dollar und notiert aktuell bei rund 4.395 USD (–1,4 % am Tag).
  • Silber verliert noch deutlicher und fällt auf etwa 73,5 USD (–1,5 %) – auf Drei-Monats-Sicht steht ein Minus von über 25 % zu Buche.
  • Hauptgründe: ein starker US-Dollar, die wieder aufflammende Iran-Eskalation und die Angst vor restriktiverer Fed-Politik.
  • Der eigentliche Stresstest kommt heute mit den US-PCE-Inflationsdaten – dem wichtigsten Preisindikator für die Notenbank.

Gold fällt unter 4.500 Dollar

Lange hat sich der Goldpreis gegen den Rücksetzer gewehrt, jetzt ist die runde 4.500er-Marke gefallen. Am Mittwochmorgen kostete die Feinunze am europäischen Spotmarkt rund 4.495 US-Dollar, was etwa 3.862 Euro entsprach. Heute geht es weiter abwärts. Wer aktuell Gold kaufen möchte muss knapp 4.395 USD zahlen.

Das klingt dramatisch, und kurzfristig ist es das auch. Aber zur Einordnung: Auf Jahressicht steht Gold immer noch mit über +32 % im Plus. Was du gerade siehst, ist eine Korrektur nach einer außergewöhnlichen Rally und nicht das Ende des großen Aufwärtstrends. Die Goldpreisrally auf zwischenzeitlich mehr als 5.600 US-Dollar je Feinunze wurde sowohl von strategischer Nachfrage als auch von spekulativer Marktpositionierung getrieben. Der anschließende heftige Rücksetzer zeigt auch, wie überhitzt der Markt und wie positiv viele Gold Prognosen waren.

Silber trifft es härter – und das hat einen Grund

Beim Silber ist die Bewegung noch ruppiger. Der Kurs ist auf rund 73,5 USD gefallen, und auf Drei-Monats-Sicht steht ein Minus von –25,6 % in den Büchern.

Warum trifft es Silber stärker als Gold? Das liegt schlicht und ergreifend an seiner Doppelnatur. Silber ist eben nicht nur Edelmetall und Krisenwährung, sondern zur Hälfte Industriemetall – verbaut in Solarzellen, Elektronik und Medizintechnik. Rund 50 Prozent der globalen Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen. Genau deshalb reagiert der Silberpreis sensibler auf Konjunktursorgen und schwankt deutlich heftiger als Gold. In Aufwärtsphasen läuft Silber dem Gold oft davon – in Korrekturen aber eben auch nach unten.

Da durch denIran- Krieg die Silbernachfrage gesunken ist, sehen auch die Silber-Prognosen für 2026 und darüber hinaus schlechter aus.

Ein Blick aufs Gold-Silber-Ratio hilft bei der Einordnung. Aktuell liegt das Verhältnis bei rund 59, nachdem es zuvor vom Tief bei 43 wieder angestiegen ist. Heißt übersetzt: Silber hat im Verhältnis zu Gold zuletzt relativ an Boden verloren.

Die drei Treiber hinter dem Abverkauf

Drei Faktoren drücken aktuell gleichzeitig auf beide Metalle:

1. Der starke US-Dollar. Gold und Silber werden in Dollar gehandelt. Wird der Dollar stärker, werden die Metalle für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer – die Nachfrage sinkt. Als Hauptbelastungsfaktor erweist sich derzeit der erstarkte US-Dollar, der von den jüngsten Entwicklungen am Energiemarkt profitiert.

2. Die Iran-Eskalation und der Ölpreis. Eigentlich gilt Gold als sicherer Hafen in Krisen. Diesmal läuft es paradox: US-Militärschläge im Iran lassen den Rohölpreis steigen und drücken gleichzeitig den Goldpreis. Der Grund ist die Inflationsangst – höhere Ölpreise schüren die Erwartung, dass die Fed die Zinsen länger hochhält.

3. Die Zinsangst. Und damit sind wir beim eigentlichen Knackpunkt. Steigende Realzinsen sind schlecht für zinslose Anlagen wie Gold. Immerhin gibt es eine Gegenbewegung, die etwas entlastet: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind zuletzt unter die Marke von 4,5 Prozent gesunken – das nimmt zumindest etwas Druck vom Markt.

Heute entscheidend: die US-PCE-Daten

Der wichtigste Termin steht noch aus. Heute werden in den USA die PCE-Daten veröffentlicht – der Inflationsindikator, dem die US-Notenbank am meisten Beachtung schenkt. Vor solchen Daten gehen viele Marktteilnehmer in Deckung, und genau das erklärt einen Teil der aktuellen Zurückhaltung.

Die Logik dahinter ist simpel: Fallen die Inflationszahlen niedriger aus als erwartet, steigt die Hoffnung auf Zinssenkungen – das wäre Rückenwind für Gold und Silber. Kommt die Inflation dagegen hartnäckig hoch herein, dürfte der Druck auf beide Metalle anhalten.

Fazit: Keine außergewöhnliche Korrektur

Was du gerade siehst, ist eine schmerzhafte, aber nicht ungewöhnliche Korrektur nach einer historischen Rally. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist trotz des Rücksetzers noch intakt – solange die Unterstützung im Bereich um 4.550 USD nicht nachhaltig bricht, bleibt der mittel- und langfristige Ausblick aus charttechnischer Sicht bullisch.

Man muss solche Phasen nicht überbewerten. Wer Edelmetalle als langfristige Beimischung im Depot hält, den sollten Tagesbewegungen von ein, zwei Prozent ohnehin kalt lassen. Spannender ist die Frage, ob die heutigen PCE-Daten der Korrektur neue Nahrung geben oder den Boden für die nächste Erholung legen. Bis dahin gilt: abwarten und die wichtigen Chartmarken im Blick behalten.

Rune Fauck
Rune Fauck
Autor
Über den Autor
In meinem Studium der Germanistik, Politik und Wirtschaftswissenschaften konnte ich bereits fundamentale Kenntnisse über unser Wirtschaftssystem sammeln. Bereits im Studium habe ich mit dem Investieren in Aktien und ETFs begonnen und möchte gerne mein angesammeltes Wissen weitergeben. Nach meinem Studium zog es mich deshalb zunächst ins Bildungssystem, wo ich am Gymnasium arbeitete und dort bereits erste Erfahrungen in der Vermittlung von wirtschaftlichen Themen sammeln konnte. Als Lehrer weiß ich, wie man Wissen verständlich erklärt und spannend gestaltet.

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