
Bitcoin unter Druck: Wie reagiert der Kurs auf den hohen Ölpreis?
Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran haben nicht nur eine militärische Eskalation ausgelöst, sondern auch die Finanzmärkte in eine prekäre Situation gebracht. Sehr hohe Ölpreise und Handelsengpässe belasten die Märkte. Doch was macht der Bitcoin? Sollte die Kryptowährung wirklich als digitales Gold gelten, müsste das Asset gerade in Krisenzeiten beständig sein.
Überblick
- Der Bitcoin-Kurs fiel kurzzeitig unter die 66.000-Dollar-Marke, erholte sich aber wieder teilweise.
- Vom Zwischenhoch bei 73.500 Dollar am 5. März bedeutet das einen Rücksetzer von rund zehn Prozent.
- Der höhe Ölpreis macht Zinssenkungen in die USA etwas unwahrscheinlicher. Was Experten als schlechtes Zeichen für den BTC werten.
- Ökonom Peter Schiff sieht den Bitcoin Kurs weiter fallen, sobald auch die Aktienmärkte anfangen zu schwächeln.
- Andere Analysten sehen jetzt die Chancen für den Bitcoin, sich als werterhaltenes, krisenfestes Asset zu beweisen.
Bitcoin: Doch abhängiger vom Aktienmarkt als gedacht?
Der Bitcoin-Kurs fiel kurzzeitig unter die 66.000-Dollar-Marke, erholte sich aber wieder teilweise. Vom Zwischenhoch bei 73.500 Dollar am 5. März bedeutet das einen Rücksetzer von rund zehn Prozent. Wer allerdings nur auf den Kurs schaut, übersieht die eigentlich interessante Frage: Warum ist Bitcoin nicht stärker gefallen?
Bitcoin wird zunehmend wie ein US-Risikoasset gehandelt. Gestützt wird das durch die relative Widerstandskraft der Wall Street, Amerikas Status als Netto-Ölexporteur und den wachsenden institutionellen Zugang über Spot-ETFs. Die USA spüren den Ölschock anders als etwa Europa, Japan oder Südkorea, aufgrund ihrer eigenen Ölvorkommen. Und weil Bitcoin mittlerweile tief im US-Finanzgefüge verankert ist, profitiert es davon.
Daten zeigen, dass Bitcoin aktuell eine Korrelation von 88 Prozent zum NASDAQ aufweist. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Es erklärt die relative Stabilität jetzt, doch sollte die Wall Street ernsthafter ins Wanken geraten, würde Bitcoin mitgezogen.
Der Ölpreis als Zünder
WTI-Rohöl hat die 111-Dollar-Marke geknackt, was der höchste Stand seit 2022 ist. Noch zu Jahresbeginn lag der Preis bei rund 55 Dollar pro Barrel. Auslöser war die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran. Durch die Seestraße werden rund 70 Prozent der regionalen Ölexporte transportiert und ein Drittel der weltweiten Öllieferungen.
Die Folgen an den Aktienmärkten waren brutal: Der japanische Nikkei verlor nach Wochenbeginn rund sieben Prozent, der südkoreanische Kospi über 7,9 Prozent. Die einzigen Gewinner waren wie so oft Rüstungsaktien und Ölaktien.
Sind die Zinsen das eigentliche Problem?
Was viele Anleger unterschätzen: Ein Ölpreis von über 100 Dollar macht Zinssenkungen der US-Notenbank praktisch unmöglich. Schon vor dem Krieg galt ein Zinsschritt im März als ausgeschlossen und bei 111 Dollar WTI erscheint auch eine Senkung im Juni unwahrscheinlich. Damit bleibt der Dollar stark, reale Renditen steigen, und Bitcoin wird weiter als Risikoanlage statt als Wertaufbewahrungsmittel gehandelt.
Das ist die eigentliche Gefahr für den Bitcoin. Nicht der Krieg als solcher, sondern seine makroökonomischen Schockwellen.
Peter Schiff warnt, Kiyosaki kauft
Ökonom Peter Schiff ist überzeugt, dass die Märkte von einem kurzen und erfolgreichen Krieg ausgehen. Ein Szenario, das er für wenig wahrscheinlich hält. Seine Prognose: Sobald Aktien, Anleihen und Krypto eine pessimistischere Zukunft einpreisen, würden alle drei fallen – während Öl und Gold weiter steigen. Die Kriegskosten, so Schiff, könnten auf über eine Billion Dollar ansteigen und die ohnehin hohe Inflation weiter anheizen.
Finanzbuchautor Robert Kiyosaki sieht das anders: Er glaubt, dass nach dem Goldpreisanstieg Silber und Bitcoin folgen werden, auch weil jede abgefeuerte Rakete Silber als Rohstoff verbrauche. Hinzu kommt, dass zur Finanzierung des Krieges langfristig wieder Geld gedruckt werden müsse, was die Inflation weiter Antreibt. Begrenzte Werte wie der Bitcoin können damit davon profitieren.

ETF-Abflüsse von 576 Millionen Dollar allein an zwei Handelstagen letzte Woche zeigen, dass institutionelle Anleger bei Gegenwind schnell den Rückzug antreten. Solange Öl bei über 100 Dollar notiert, die Kämpfe und Bombadierungen weitergehen und Zinssenkungen in weite Ferne gerückt sind, fehlt dem Kryptomarkt das Fundament für eine nachhaltige Erholung.
Unsere Inhalte spiegeln nur die Meinungen und Erwartungen der Autoren wider und stellen somit keine Empfehlung zum Kaufen, Halten oder Verkaufen der genannten Wertpapiere dar.
Als Anleger*in trägst Du die volle Verantwortung für Deine Investitionsentscheidungen.
Die Autoren können in einige der beschriebenen Assets investiert sein und somit ein Interesse an deren Kursentwicklung haben.

