
quirion hat als zweiter Anbieter konkrete Details zum geförderten Altersvorsorgedepot genannt und geht dafür eine strategische Partnerschaft mit Vanguard ein. Das gesetzliche Standarddepot besteht künftig aus genau zwei ETFs: dem Vanguard FTSE Global All-Cap mit einer TER von 0,07 Prozent und dem Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged mit 0,08 Prozent. Eigene Abschlussgebühren oder Provisionen will der Berliner Vermögensverwalter nicht verlangen, das Angebot startet nach eigenen Angaben kostenfrei. Start ist der 1. Januar 2027.

Das steckt im Standarddepot
Das Standarddepot ist die einfache Variante der Reform: ein chancenorientierter und ein risikoärmerer Fonds, gesetzlich vorgeschrieben, gedacht für alle, die sich ihr Vorsorgedepot nicht selbst zusammenstellen wollen. quirion füllt beide Plätze mit Vanguard.
Der Aktienbaustein ist der Vanguard FTSE Global All-Cap (ISIN IE000VAHT5T0, thesaurierend). Der ETF bildet rund 10.100 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab, inklusive Small Caps, und deckt damit etwa 99 Prozent des investierbaren Weltaktienmarkts ab. Für 0,07 Prozent laufende Kosten ist das aktuell der breiteste günstige Welt-ETF am deutschen Markt.
Den defensiven Part übernimmt der Vanguard Global Aggregate Bond EUR Hedged (ISIN IE00BG47KH54). Er hält weltweite Staats- und Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich, gegen Währungsschwankungen abgesichert, TER 0,08 Prozent. Dazu kommen automatisches Rebalancing, persönliche Betreuung und die hauseigene Finanz-KI quirion.Ai. Für Riester-Sparer ist außerdem ein Riester-Check geplant, der prüft, ob sich ein Wechsel lohnt.
So schlägt sich das Angebot gegen Scalable
Scalable Capital hatte den Preiskampf im August eröffnet: Depot, Konto, Sparpläne, Käufe und Verkäufe kostenlos, die laufenden ETF-Kosten bei maximal 0,15 Prozent und für 2027 übernimmt Scalable diese sogar. Rein rechnerisch ist quirion mit 0,07 und 0,08 Prozent im Fondsbereich günstiger, im ersten Jahr aber teurer, weil die Vanguard-TER anfällt und Scalable seine übernimmt.
Der eigentliche Unterschied liegt woanders. Scalable gibt eine ETF-Auswahl vor und bietet zusätzlich eine Variante mit freier Wahl. quirion legt sich auf zwei konkrete Produkte fest und managt das Portfolio. Wer sich ohnehin nicht kümmern will, bekommt bei quirion die klarere Lösung. Wer selbst bestimmen möchte, welche ETFs ins Depot wandern, ist beim Neobroker besser aufgehoben.
Tipp: Vergleiche bei den kommenden Angeboten nicht nur die Depotgebühr, sondern die Summe aus Depotkosten und TER der eingesetzten Fonds. Genau hier verstecken sich die Unterschiede.
Der Markt ist noch nicht fertig
Branchenschätzungen gehen für 2027 von rund 4,5 Millionen Vertragsabschlüssen und etwa 7 Milliarden Euro jährlichem Sparvolumen aus. Dazu kommen rund 16 Millionen bestehende Riester-Verträge, die ab 2027 übertragen werden können. Kein Wunder, dass sich die Anbieter jetzt schon positionieren.
Trotzdem ist weiter Geduld angesagt: Ab Herbst kommen Versicherer und weitere Finanzdienstleister dazu, und abschließen lässt sich ohnehin erst 2027. Auch die Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern steht noch aus und alle bisher genannten Konditionen sind vorläufig.
Unterm Strich: quirion liefert das bislang transparenteste Angebot, weil beide Fonds mit Namen und Kosten benannt sind. Das ist mehr, als die meisten Wettbewerber bisher gezeigt haben. Aber ohne Aktienquote und ohne Aussage zur Dauer der Kostenfreiheit lässt sich noch nicht sagen, ob es auch das beste ist.

