Zwei Geschäftspartner symbolisieren mit Shake Hands einen Smart Conctract
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Smart Contracts und dApps: So funktioniert die Blockchain-Ökonomie

Lesezeit 7 min.

Silvia Benetti
Redakteurin
Lektoriert vonSebastian Rau
Überprüft durchRune Fauck
Sieh dir an, wie wir bei Finanzwissen arbeiten

Was eine App ist, weiß jeder. Aber was genau ist eine dApp, und was haben Smart Contracts damit zu tun? Wir erklären, wie die dezentralisierte Wirtschaft funktioniert, welche Rolle Token und die Blockchain spielen und womit Smart Contracts Geld verdienen.

Smart Contracts und dApps: Das Wichtigste in Kürze

  • Smart Contracts sind als Softwareprogramme kodierte Verträge, die automatisch auf der Blockchain laufen.
  • Weil sie keine zentrale Instanz brauchen, ermöglichen Smart Contracts transparente, sichere und günstige Verträge.
  • Dezentrale Apps (dApps) laufen auf einer Blockchain und verwenden Smart Contracts, um Transaktionen durchzuführen.
  • Zu den häufigsten Anwendungen für Smart Contracts und dApps zählen derzeit Kryptotransaktionen (DeFi) und Spiele (Blockchain Games/ Play to Earn).
  • DApps und Smart Contracts lassen sich potenziell in vielen Bereichen wie Logistik und Verwaltung nutzen. Zurzeit sind sie allerdings gesetzlich nicht definiert, was die Anwendungsmöglichkeiten einschränkt.

1. Was sind Smart Contracts und wofür sind sie gut?

Verträge sind so alt wie der Handel selbst. Schließen zwei Parteien jedoch miteinander einen Vertrag ab, müssen sie einander vertrauen. Zusätzlich bürgen Drittparteien wie Makler, Gerichte und Anwälte dafür, dass alles korrekt abläuft.

Zahlst du deine Miete nicht pünktlich, wendet sich der Vermieter irgendwann an ein Gericht und startet eine Räumungsklage, um dich als Mieter loszuwerden. Willst du wiederum für deine Wohnung einen Mieter finden, würdest du dich an einen Makler wenden. Er prüft die potenziellen Mieter und sorgt dafür, dass sie solvent sind.

Vertrag reale Welt
Notare, Anwälte, Agenturen: Ohne diese Mittelmänner geht in der realen Welt nichts. Smart Contracts wollen direkte Transaktionen ohne Drittparteien ermöglichen.

In der realen Welt sind diese dritten Instanzen notwendig, um sicherzustellen, dass die Parteien sich an die Vertragsbedingungen halten. Anders in der Kryptowelt: Der Begriff „Smart Contracts“ wurde bereits 1997 von Nick Szabo eingeführt, um Verträge zu bezeichnen, die als Code in einem Programm eingebettet sind.

Indem die Durchführung einem Rechner überlassen ist, spart man Mittelmänner, die Geld kosten, Fehler machen und sich im schlimmsten Fall bestechen lassen und Daten fälschen.

In der Blockchain sind Smart Contracts Softwareprogramme, die Bedingungen überprüfen und abhängig von der Antwort bestimmte Vorgänge ausführen oder nicht. Sie enthalten Code und greifen auf externe Daten zu, um Bedingungen zu überprüfen.

Smart Contracts: Ein einfaches Beispiel

Max Mustermann möchte eine Lizenz für eine Grafiksoftware erwerben und muss dafür jährlich 80 Euro bezahlen. Der Vertrag zwischen ihm und dem Softwarehersteller Great Software wird als Smart Contract in einem Skript auf der Ethereum Blockchain kodiert:

  1. Am 01.04.2025 ist der Jahresbetrag fällig (überprüfe das Datum)
  2. Haben wir den 01.04.2025, überweise von der Wallet-Adresse XX (Max‘ Adresse) 80 Token an die Adresse YY von Great Softwares. (Wenn Datum = 01.04.2025, sende 80 Token zu YY)
  3. Sende dem Account XX den Code (Wenn Balance (XX)>80 ist, sende XX Code)
  4. Ist der Saldo bei der Wallet XX kleiner als 80, sende keinen Code (Wenn Balance < 80 ist, sende keinen Code)

Sobald das Programm den Eingang des Betrags feststellt, erhält Max seinen Lizenz-Key. Zahlt er nicht, bekommt er ihn nicht. Es ist kein Mensch notwendig, der manuell überprüft, ob Max bezahlt hat und ihm einen Aktivierungscode schickt.

Dadurch spart Great Software Kosten. Auch ist der Smart Contract fest und unveränderbar auf der Blockchain. Keiner kann ihn aus Versehen vergessen, vernichten oder verändern.

2. Wie funktionieren dApps?

Verbindest du dich mit einer App, beispielsweise mit Instagram oder TikTok, funktioniert es so:

  1. Du sendest dem App-Server eine Anfrage, zum Beispiel, wenn du dich einloggst.
  2. Der Server verarbeitet deine Anfrage und schickt dir eine Antwort.
  3. Auf deinem Bildschirm erscheint dein Startbildschirm.

Diese zentralisierte Architektur (Client-Server-Architektur) ist sehr effizient, hat aber Nachteile:

  • Wird der Server gehackt, oder ist er überlastet, kannst du dich nicht verbinden.
  • Der Serverbesitzer kann dich willkürlich sperren.
  • Meist hast du keine Kontrolle über deine Daten.

dApps (decentralized Apps, Deutsch: dezentrale Anwendungen) laufen dagegen dezentral auf einer Blockchain-Plattform. Dadurch werden Daten und Prozesse über ein Netzwerk von Knotenpunkten (Nodes) verteilt: die Blockchain.

dezentrales, verteiltes Netzwerk
Ein verteiltes Netzwerk punktet durch Resilienz.

Doch wie passen dApps und Smart Contracts zusammen? Blockchain-basierte dApps verwenden Smart Contracts zur Ausführung ihrer Programme. Smart Contracts sind also wichtige Bausteine von dApps.

Eine verteilte und dezentrale Architektur bietet einige Vorteile:

  • Der Vertrag lässt sich nicht nachträglich manipulieren.
  • Fällt ein Node aus, funktioniert das Netzwerk trotzdem.
  • Alle Transaktionen sind öffentlich. Alle Nutzer sehen also, was mit ihren Daten passiert und wer darauf zugreift.

3. Wofür sind Smart Contracts gut? Die besten dApps 2026

Der dezentrale Ansatz ohne Kontrollinstanzen bietet sich für viele Anwendungen. Folgend stellen wir einige vor.

Dezentralisierte soziale Netzwerke

Zu den berühmtesten dezentrale Social Networks zählen Mastodon und Steemit. Der Vorteil gegenüber Facebook, X und Instagram: Keine zentrale Instanz kontrolliert die Plattform und kann allein bestimmen, Nutzer zu sperren oder zu zensieren.

Nicht nur Kryptofans treffen sich auf der dezentralen Plattform Steemit, die von der Community verwaltet wird.
Nicht nur Kryptofans treffen sich auf der dezentralen Plattform Steemit, die von der Community verwaltet wird.

Dezentralisierte Marktplätze

OpenSea, ursprünglich auf der Ethereum-Blockchain, ist die populärste Plattform für den Kauf und Verkauf von Non-fungible Token (NFT). Diese sind Token, die einen einzigartigen digitalen Gegenstand wie ein Kunstwerk abbilden und sich nicht austauschen lassen.

Andere Marktplätze wie Rarible (Ethereum), SuperRare (Ethereum) und CryptoPunks  (Ethereum) haben sich ebenfalls auf digitale Kunstwerke spezialisiert.

Dezentralisierte Kryptobörsen

Die Ethereum-basierte dezentrale Börse (DEX) Uniswap ermöglicht es Nutzern, über Smart Contracts Kryptowährungen ohne Zwischenhändler zu handeln. Weitere populäre DEX sind Jupiter (Solana), Raydium (Solana) und PancakeSwap (BNB Chain).

Dezentralisierte Spiele

Play to Earn zählt zu den neuesten Trends der Spielindustrie: Spieler prägen, kaufen und verkaufen In-Game Objekte wie Charaktere und Waffen als NFT. Ebenfalls gibt es Token als Belohnung für Spieler, zum Beispiel wenn sie ein bestimmtes Level erreichen.

Viele berühmte Blockchain-Spiele wie World of Dypians, Pixudi, Age of Dino und Axie Infinity laufen auf mehrere Blockchains.

Dezentralisierte Streamingplattformen

Plattformen wie YouTube, Netflix und Spotify haben die Art und Weise revolutioniert, wie wir Filme schauen und Musik hören. Oft erhalten die Künstler jedoch nur einen Bruchteil des Umsatzes, ebenfalls sind die Vorschläge von einem zentralen Algorithmus gesteuert.

dApps wie Theta und Dtube möchten die Streamingindustrie demokratisieren und Plattformen schaffen, die von der Community statt von geheimen Algorithmen gesteuert werden.

Die dezentrale Streamingplattform Theta
Die dezentrale Streamingplattform Theta

4. Wie verdient man Geld mit dApps und Smart Contracts?

Ob herkömmliche Apps oder dApps – es ist alles anderes als einfach, mit Apps Geld zu verdienen. Zudem setzt die Entwicklung tiefe Programmierkenntnisse voraus.  Folgend zeigen wir, welche Geschäftsmodelle sich mit dApps realisieren lassen.

1. Transaktionsgebühren

Eine der häufigsten Einnahmequellen für dApp-Entwickler sind Transaktionsgebühren. Jede Interaktion mit der dApp, wie z. B. das Senden von Token oder das Ausführen eines Smart Contracts, kostet eine bestimmte Gebühr. Im Ethereum-Netzwerk ist sie als Gas Fee bekannt.

Die Gebühren zur Ausführung von Smart Contracts werden in der Regel in der nativen Kryptowährung der Blockchain bezahlt, auf der die dApp läuft. Zum Beispiel erhebt Ethereum sogenannte Gasgebühren für die Ausführung von Smart Contracts auf der Ethereum-Blockchain.

Das Ausführen von Smart Contracts kostet auf Ethereum Gasgebühren
Das Ausführen von Smart Contracts kostet auf Ethereum Gasgebühren

2. Token-Verkauf

Viele dApps verwenden eigene Token, die als Zahlungsmittel innerhalb der App dienen. Entwickler können diese Tokens im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO), eines Initial DEX Offerings (IDO) oder eines Airdrops (Geschenk) verkaufen.

Der Verkauf dieser Token ist eine der beliebtesten Methoden, um Kapital für die Entwicklung und das Wachstum von dApps zu generieren.

3. In-App-Käufe

Einige dApps, besonders im Gaming- oder Entertainment-Bereich, ermöglichen In-App-Käufe. Nutzer können beispielsweise Spielgegenstände kaufen oder exklusive Inhalte freischalten.

Die Einnahmen aus diesen Käufen erhalten die Entwickler. Mit Play to Earn verdienen wiederum auch die Spieler Geld, indem sie eigene Token minten und verkaufen.

Mit dem Crypto Game Veggie Farm prägen und verkaufen Nutzer ihr personalisiertes Gemüse als NFT
Mit dem Crypto Game Veggie Farm prägen und verkaufen Nutzer ihr personalisiertes Gemüse als NFT

4. Abonnements

Genauso wie herkömmliche Apps bieten dApps Abomodelle an, bei denen Nutzer regelmäßige Zahlungen leisten, um Zugang zu Premiumdiensten oder Extrafunktionen zu erhalten. Diese Einnahmequelle ist besonders im Softwarebereich und bei sozialen Medien beliebt.

5. Werbung

Ein weiteres Geschäftsmodell für dApps ist das Schalten von Werbung innerhalb der Anwendung. Da dApps oft eine engagierte Community haben, lohnt es sich für Unternehmen, Werbung zu platzieren. Genauso wie bei Affiliate-Marketing ist der Verdienst umso höher, desto mehr Nutzer sich für die Inhalte interessieren.

5. Vorteile und Nachteile von dApps und Smart Contracts

dApps eliminieren die Notwendigkeit für zentrale Autoritäten, wodurch die Kontrolle über Daten und Prozesse in die Hände der Nutzer gelegt wird. Dank der Blockchain-Technologie sind zudem alle Transaktionen öffentlich und können nicht manipuliert oder verändert werden.

Auch bleiben Smart Contracts stets verfügbar. Es gibt keine Ausfallzeiten, die bei zentralisierten Anwendungen durch Serverprobleme oder Angriffe entstehen könnten.

Andererseits haben dApps oft Probleme bei der Skalierbarkeit: Da alle Transaktionen von allen Knoten verarbeitet werden, wird das Netzwerk bei hoher Auslastung langsamer, wodurch die Transaktionskosten steigen. Zudem sind dApps komplexer in der Nutzung als normale Apps, da sie spezielle Krypto-Wallets und ein minimales Verständnis für Blockchain-Technologien erfordern.

Schließlich sind dApps und Smart Contracts nur so gut wie der Code, auf dem sie basieren. Fehler im Code können zu unerwarteten Problemen führen, und einmal ausgeführte Transaktionen sind auf der Blockchain unveränderlich.

Diese Nachteile führen dazu, dass die angekündigte Revolution der Finanzwelt bis dato ausgeblieben ist. Die meisten Prozesse in der realen Welt wie Immobilienkäufe, Mietverträge und Lizenzverträge werden nach wie vor auf klassische Weise über Mittelmänner abgeschlossen.

Darüber hinaus ist die rechtliche Lage von Smart Contracts in Deutschland und in der EU unklar: Nach aktuellem Recht sind sie lediglich als Teil eines Vertrags gültig, der anderweitig zustande kam. Zudem legt die EU-Datenverordnung hohe Anforderungen fest, was den Austausch von Daten angeht. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die rechtliche Lage sich künftig ändert, was die Verbreitung von Smart Contracts erhöhen könnte.

Vorteile von Smart Contracts

  • Dezentralisierung
  • Transparenz
  • Resilienz gegen Hackerangriffe/ keine Ausfallzeiten
  • Sicherheit gegen Fälschung

Nachteile von Smart Contracts

  • Geringe Skalierbarkeit
  • Komplexe Umsetzung für praktische Anwendungen
  • Probleme durch fehlerhaften Code
  • Unklare Rechtslage

6. dApps und Smart Contracts – die Top-Blockchains

1. Ethereum

Ethereum war die erste Blockchain, die Smart Contracts und dApps in großem Maßstab ermöglichte. Sie bietet eine riesige Entwickler-Community und viele Tools, die die Erstellung von dApps erleichtern. Ethereum hat jedoch Probleme mit Skalierbarkeit und hohen Gas-Gebühren.

2. Binance Smart Chain (BSC)

Die Binance Smart Chain bietet eine schnellere und kostengünstigere Alternative zu Ethereum und hat inzwischen Ethereum überholt, was die Anzahl von dApps angeht. Neben vielen DeFi-Projekten wie Pankcake Swap hostet die Blockchain zahlreiche Gaming-Projekte.

Die dApp Ape Bond ist eine Plattform für Fundraising auf der BNB Chain
Die dApp Ape Bond ist eine Plattform für Fundraising auf der BNB Chain

3. Solana

Solana ist bekannt für ihre hohe Geschwindigkeit und niedrigen Transaktionskosten, was sie zu einer ausgezeichneten Wahl für dApps und Smart Contracts macht. Zu den erfolgreichsten dApps auf Solana zählen die Kryptobörsen Jupiter und Raydium.

4. Polkadot

Polkadot ist eine Multi-Chain-Blockchain, die die Interoperabilität zwischen verschiedenen Blockchains ermöglicht. Diese Funktion macht Polkadot besonders attraktiv für dApps, die auf mehreren Blockchains gleichzeitig laufen müssen.

5. Avalanche

Die C-Chain ist eine der Blockchain-Komponenten im Avalanche-Netzwerk, die speziell für die Ausführung von Smart Contracts entwickelt wurde, die mit der Ethereum Virtual Machine (EVM) kompatibel sind. Auch hier dominieren DeFi-Projekte wie Trader Joe und Aave.

7. Häufige Fragen zu dApps und Smart Contracts

Silvia Benetti
Silvia Benetti
Redakteurin
Über die Autorin
Ich habe an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studiert und war anschließend jahrelang im Bereich Windenergie tätig. Seit 2016 schreibe ich freiberuflich über Technik und Finanzen. Zu meinen Lieblingsthemen zählen Immobilien, Kryptowährungen und Tech-Aktien. Insbesondere interessiert mich die Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft und der wirtschaftliche Aspekt von technischen Innovationen. Auch im Freundeskreis bin ich eine geschätzte Beratung, wenn es um Investitionen in Immobilien und Aktien geht.

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